Phantastik Rezensionen

Kevin Hearne – Erwischt, Die Chronik des Eisernen Druiden V

16. Januar 2017

erwischt

Nach zwölf langen Lehrjahren ist es endlich so weit, Atticus kann seine Schülerin Granuile an die Erde binden und damit zur Druidin machen. Dann ist er endlich nicht mehr der letzte Druide auf der Welt. Aber Atticus hat sich einfach zu viele Feinde gemacht, während des Rituals werden sie mehrmals gestört. Seine Tarnung ist aufgeflogen, die Götter und Feen wissen, dass er noch lebt und so mancher will jetzt endlich Rache nehmen dürfen. Und nicht nur die wollen ihm an die tätowierte Haut, da wären auch noch ein paar Vampire und Dunkelelfen, die ihm auf den Fersen sind.

Es ist das übliche Spiel. Atticus hat irgendwann voreilig ein Versprechen gegeben, muss das jetzt einlösen und reitet sich damit schnurstracks in den nächsten Misthaufen. Nach zweitausend Lebensjahren könnte man eigentlich etwas mehr Vernunft von ihm erwarten, aber das lernt er wohl nicht mehr. Theoretisch könnte man daraus auch eine nette Serie bauen, aber in Band fünf wird es jetzt doch langsam etwas öde.

Dazu kommt die anfangs sehr steife Sprache, keine Ahnung ob es an der Übersetzung liegt oder am Original. Nach ein paar Kapiteln wird es wieder lockerer und gewohnt sarkastisch. Aber Sätze in denen sich Atticus „eine Mahlzeit zwischen die Kiemen schiebt“ oder Begriffe wie „affenscharf“ haben sich da schon eingebrannt. Vielleicht sollte damit bewusst gezeigt werden, dass ein zweitausend Jahre alter Druide Probleme hat, sich der modernen Umgangssprache anzupassen. Vielleicht hat da der Übersetzer aber auch nur ganz fies danebengegriffen. Ich saß auf jeden Fall mit den Augen rollend vor dem Buch.

Nach dem schon eher schwachen dritten Band der Reihe hatte mich Band vier wieder versöhnt, der fünfte lässt mich jetzt wieder eher enttäuscht zurück. Hearne bemüht etwas zu oft bekannte Muster, das verliert mit der Zeit schlicht seinen Reiz. Einen Band gebe ich ihm noch, wird der nicht wieder besser, verabschiede ich mit von Atticus, Oberon und Granuile.

"buchhandel.de/

Erwischt, Die Chronik des Eisernen Druiden V – Kevin Hearne
Deutsch von Friedrich Mader
410 Seiten, Hobbit Presse / Klett-Cotta Verlag
ISBN 9783608961355, 16,95 €
Broschur

eBook
ISBN 9783608100174, 13,99 €

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5 Kommentare

  • Antworten Moyas Buchgewimmel 17. Januar 2017 von 13:55

    Ach, da kann ich dir leider nur zustimmen. Ich habe die Bücher im Englischen gelesen, da ist mir an der Sprache zwar nichts so abenteuerliches wie “affenscharf” aufgefallen, aber dass die Serie ihren Schwung verloren hat ist mir auch aufgefallen. Bis Band 6 habe ich es noch geschafft, der 7. dümpelt ungelesen in meinem Regal herum.
    Für meinen Geschmack krankt die Reihe vor allem daran, dass die Probleme einfach immer größer und unbezwingbarer werden, immer noch mehr Drama obendrauf, noch mehr Nahtoderfahrung, noch größere Gegner, noch mehr Gegner auf einmal… Irgendwann fängt es an langweilig zu werden. Aus dem Grund musste ich damals auch die Harry Dresden Reihe abbrechen.

    Wenn du magst kannst du ja mal in meine Rezension vom 6. Band reinschauen, vielleicht hilft es bei der Frage, ob du den wirklich noch lesen möchtest. Zu finden hier:
    http://moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/h/hunted/

    Schlecht hat das Buch bei mir in der Bewertung zwar nicht abgeschnitten, inhaltlich ist es schon gut, aber lockerer als “Erwischt” wird es leider gar nicht. Im Gegenteil. Der Humor aus den ersten Bänden und dieser besondere Charme ist fast nicht mehr vorhanden. Es hageln dafür kolossal mächtige Gegner aus allen Himmelsrichtungen und auch alte Muster werden wieder bedient und führen zu einer gewissen Vorhersehbarkeit der Ereignisse …

    Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus würde ich also sagen: spar dir die Zeit und investiere sie lieber in ein anderes Buch. 😉

    LG Sam

    • Antworten Papiergeflüster 17. Januar 2017 von 20:00

      @Moyas Buchgewimmel: Danke, das bestätigt leider mein Gefühl, die Serie wurde wohl in den Sand gesetzt. Sehr schade, der Anfang war so großartig. Mit Harry Dresden geht es mir ähnlich, da überlege ich auch noch, ob der nächste Band gelesen werden soll oder nicht. Es wäre wohl besser gewesen, die Reihen kürzer anzusetzen und zu Ende zu bringen, statt die Ideen tot zu reiten. Oft muss dann ja auch relativ schnell der nächste Band her, wenn eine Reihe gut läuft, das tut einer Serie selten gut. Ich kenne eigentlich keine Reihe mit mehr als sechs Bänden, die es dann noch wert wäre, gelesen zu werden…

  • Antworten Caro 17. Januar 2017 von 14:31

    Richtig. Das erste Buch war so richtig schön spritzig, aber bei den nachfolgenden Bänden hatte ich oft das Gefühl, dass der Autor sich irgendwie verzettelt und nicht weiß wohin er will. Manchmal deutet sich ein übergreifender roter Faden an, eine Rahmengeschichte, die auch mal schwächere Teile auffängt. Aber der versickert immer wieder oder vielleicht habe ich mir den nur eingebildet. Schade.
    @Moya: Du hast recht mir Harry Dresden – ich habe zwar noch nicht mit ihm gebrochen, aber dieses übermenschliche geht auch mir auf den Keks. Das hat nichts mit Spannung zu tun.

    • Antworten Papiergeflüster 17. Januar 2017 von 20:01

      @Caro wir brauchen eine neue Serie. 😉

      • Antworten Caro 18. Januar 2017 von 15:12

        Jaa! Bitte her mit den Empfehlungen, denn Serien sind wichtig, um Leseflauten zu überwinden. Irgendwas cooles, aber nix mit Romantik – und pro Band leidlich abgeschlossen. 🙂

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