Belletristik Rezensionen

Kent Haruf – Unsere Seelen bei Nacht

16. April 2017

Zwei ältere Menschen, beide schon seit Jahren verwitwet. Eines Tages steht sie bei ihm vor der Tür und fragt, ob er nicht die Nächte mit ihr verbringen möchte. Es geht ihr nicht um eine Beziehung oder Sex, aber sie erträgt die Einsamkeit in den Nächten nicht. Sie wünscht sich jemanden, der neben ihr liegt, mit dem sie reden kann. Er stimmt zu, wenn auch erst etwas zögerlich. In der ersten Nacht schleicht er sich noch durch die Hintertür, später stehen sie offen dazu. Auch wenn die Nachbarn und ihre Familien es nicht unbedingt gutheißen.

Die scheinbar schlichte Sprache mit sehr kurzen Sätzen fand ich auf den ersten Seiten irritierend. Auch dass die Geschichte oft relativ oberflächlich bleibt, war Gewöhnungssache. Mit der Zeit las ich mich rein und genoss, dass damit viel Raum für eigene Gedanken und Ergänzungen blieb. Vieles wurde auch durchaus gesagt, nur nicht in langen Beschreibungen. Noch lange nach dem Lesen erinnerte ich mich immer wieder an Szenen aus der Geschichte. Auch die beiden Protagonisten wuchsen mir sehr ans Herz. Sehr lesenswert, wenn man sich erst einmal darauf einlässt.

Unsere Seelen bei Nacht – Kent Haruf
Deutsch von Pociao
Diogenes Verlag

supportyourlocalbookdealer

1 Kommentar

  • Antworten Elke Schneefuß 16. April 2017 von 20:33

    Vielen Dank für die Rezi, das Thema finde ich interessant. Ich weiß zwar nicht genau, ob der Sprachstil mich anspricht, aber ich werde das Buch auf jeden Fall zur Hand nehmen, wenn ich es in einer Buchhandlung sehe!

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: