Belletristik Besprechungen

Kent Haruf – Das Lied der Weite

23. März 2018

Eine amerikanische Kleinstadt namens Holt, mit all den Eigenheiten, die so eine kleine Stadt mit sich bringt. Man kennt sich, ist niemals unbeobachtet. So geht es auch den sieben Menschen, die man in „Das Lied der Weite“ eine Weile folgt. Zum Beispiel der siebzehnjährigen Victoria, die ungeplant schwanger wird, ihre Mutter wirft sie raus. Sie kommt bei zwei alten Junggesellen unter, die seit Jahren alleine leben und anfangs mit der Situation fast noch mehr überfordert sind, als Victoria. Oder die beiden Brüder Ike und Bobby, deren Mutter krank ist und zu ihrer Schwester zieht. Ihr Vater liebt sie, aber die Wärme eines Zuhauses finden sie doch eher bei einer älteren Dame, der sie die Zeitung bringen.

Unaufgeregt, zart, und doch mit jeder Zeile fesselnd, erzählt Kent Haruf die Geschichten dieser Menschen. Mit einer bewundernswerten Beobachtungsgabe für die Feinheiten der zwischenmenschlichen Geschehnisse. Hier passiert viel zwischen den Zeilen.

„Das Lied der Weite“ hat einen anderen Stil als „Unsere Seelen bei Nacht“, erzählt aber genauso gekonnt und beschreibt wieder auf ganz besondere Weise, wie wertvoll Menschen füreinander sind.

Das Lied der Weite – Kent Haruf
Deutsch von Rudolf Hermstein
Diogenes Verlag

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2 Kommentare

  • Antworten Elke Schneefuß 25. März 2018 von 11:20

    Bisher hatte ich bei diesem Buch gezögert, obwohl ich „Unsere Seelen bei Nacht“ sehr gerne gelesen habe. Ich hatte irgendwie die Sorge, dass die Geschichte zu dunkel und trostlos sein könnte. In der tiefen Provinz ? Nur Problemfälle? Aber ich glaube, jetzt gehe ich es doch mal an. Vielen Dank für die Rezi!

    • Antworten Papiergeflüster 26. März 2018 von 20:08

      Dunkel und trostlos ist es definitiv nicht! Es gibt so toll Szenen darin, an die ich mich jetzt noch mit einem warmen Gefühl im Bauch erinnere. Wage es, ich denke, es wird Dir gefallen.

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