Belletristik Besprechungen

Jonathan Tropper – Sieben verdammt lange Tage

20. August 2010

Die Foxmans halten es selten lange miteinander aus. Familientreffen enden traditionell damit, dass jemand fluchtartig das Haus verlässt. Als ihr Vater stirbt, äußert er einen letzten Wunsch. Seine Familie soll für ihn Schiwa sitzen. Sieben Tage lang gemeinsam Totenwache halten, in einem Raum, ohne sich aus dem Weg gehen zu können. Für die vier Geschwister ein Alptraum. Aber sie erfüllen ihrem Vater diesen letzten Wunsch. Sieben Tage Zeit, sich mit dem zu beschäftigen, was seit Jahren in ihnen brodelte und nie ausgesprochen wurde. Aber auch sieben Tage, um sich nach Jahren wieder näher zu kommen. Sieben Tage, die verdammt lang werden können.

„Sieben verdammt lange Tage“ ist sehr locker und lässig geschrieben, teilweise geht die Sprache schon etwas unter die Gürtellinie, empfindlich sollte man in der Richtung nicht sein. Dann kann man sehr viel Spaß mit dem Buch haben. Die Foxmans bieten so einiges an Irrungen und Wirrungen, die in den sieben Tagen ans Licht kommen. Es wird ordentlich aufgeräumt mit alten und neuen Beziehungen, untereinander und auch familienexternen. Neben all dem Witz bringt das Buch so auch allerhand Stoff zum Nachdenken mit. Es handelt vom fremdgehen, vom verlassen werden, sich verlassen fühlen, Liebe ohne Hoffnung, Liebe ohne Zukunft, Liebe auf ungewöhnlichen Pfaden.

Jonathan Tropper hat eine gelungene Mischung aus Humor und Tragik geschaffen. Was die verschiedenen Charaktere zu erleiden haben, ist manchmal schon sehr tragisch. Manch einem mag das übertrieben erscheinen, aber das Leben ist leider oft genug wirklich so gemein, dass alles auf einmal kommt und es meist die falschen ganz besonders übel trifft. So konnte ich mich manchmal kaum zwischen Mitleid und laut loslachen entscheiden.

Eine lockere Lektüre, bei der man sich herrlich amüsieren kann, die aber den Tiefgang nicht vergessen hat. Das Buch hätte gerne noch ein paar Seiten mehr haben können.


Sieben verdammt lange Tage – Jonathan Tropper
448 Seiten, Knaur
ISBN 9783426662731, 16,95 €
Hardcover

6 Kommentare

  • Antworten Stephie 20. August 2010 von 13:48

    Klingt wirklich gut. Allerdings sollte ich vielleicht erst einmal das vorherige Werk des Autors lesen, das hier irgendwo noch bei mir steht 🙂

    • Antworten Emily 20. August 2010 von 20:57

      @Stephie: ich habe noch gar nichts anderes von ihm gelesen, bin gespannt, wann Du was zu seinem vorherigen Werk sagst. 🙂

  • Antworten Alexandra 20. August 2010 von 14:14

    Hallo Emily

    Ich habd as Buch testen dürfen bevor es draussen war und war total begeistert! Ich denke das wird eins meiner Top 5 dieses Jahres 😉 Schön das es dir auch gefallen hat!

    Liebe Grüsse
    Alexandra

    • Antworten Emily 20. August 2010 von 20:58

      @Alexandra: Schön, dass es Dir auch so gut gefiel. 🙂

  • Antworten wortsplitter 20. August 2010 von 18:15

    Familiendynamik ist ja gar nicht so leicht in einem Buch darzustellen. Oft ist es mir zu komisch oder zu tragisch. Du schreibst von Tiefgang, vielleicht sollte ich dem Buch ja mal ne Chance geben.
    oh und ich habs endlich geschafft dich auch in meinen Blogroll zu kriegen. Ich hoffe, du freust dich.
    LG

    • Antworten Emily 20. August 2010 von 21:00

      @wortsplitter: Danke für die Aufnahme in die Blogroll, ich freue mich. 🙂 Habe Dich auch in meiner Linkliste ergänzt.

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