Besprechungen Phantastik

Johanne Spyri und Peter H. Geißen – Heidi und die Monster: Ein Alpendrama

27. Oktober 2010

Ein Virus verbreitet sich unter den Menschen und macht sie zu Untoten, in der Alpenwelt Niänenüütli genannt, in der Stadt als Zombies bekannt. Ein Biss und jede Menschlichkeit geht einem verloren. Doch das ist nicht die einzige untote Gefahr in der Nacht, es gehen auch noch Uuputztä um, allgemein als Vampire bekannt. Einer von ihnen machte Heidis Mutter vor Jahren zur Vampirbraut, Heidi und der Almöhi erlösen sie mit einem Pflöckli vom Fluch des Dämons. Als wenig später Marus im Dörfli auftaucht, der Vampir, der Heidis Mutter zu seiner Braut machte, ist er über diese Entwicklung wenig erfreut. Doch wenn ihm Adelheid verwehrt blieb, warum nicht ihre Tochter Heidi an seine Seite nehmen? Der Almöhi ahnt in welcher Gefahr seine Enkelin schwebt, als Tante Dete sie mit nach Frankfurt zu ihrer Herrschaft nehmen will, kommt ihm das nur recht, so ist Heidi weit weg von Marus. Doch ist sie in Frankfurt wirklich in Sicherheit?

Als Autorin ist neben Peter H. Geißen, bei dem mich interessieren würde, wer sich hinter dem Pseudonym versteckt, nicht umsonst auch  Johanna Spyri, die Autorin von „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ und „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ mit aufgeführt. „Heidi und die Monster“ hält sich oft sehr nah am Originaltext. Die Handlung ist grundsätzlich die gleiche, wird aber durch eingefügte Zombie- und Vampirgeschichte ergänzt. Oft werden ganze Textstellen originalgetreu zitiert, die eingefügten Textstellen passen sich mit einer leicht altertümlichen Sprach und den mundartlichen Ausdrücken, wie zum Beispiel den Niänenüütli, nahtlos ein. Erst gegen Ende weicht die Handlung deutlich von der altbekannten ab.

Das Cover und auch der Trailer zum Buch lassen auf den ersten Blick eine Parodie, ähnlich wie “Stolz und Vorurteil und Zombies” von Peter Thannisch vermuten. Eine Parodie ist es auch, aber ohne den humoristischen Effekt. Also eher eine Pastiche? Wie auch immer man es literaturtheoretisch einordnen mag, „Heidi und die Monster“ ist eine gelungene Mischung aus dem Originaltext der Kinderbücher und einer Horrorgeschichte. Die Nähe zum Original lässt in Heidi-Kennern immer wieder kurz nostalgische Erinnerungen aufkommen, die allerdings schnell von den Niänenüütli vertrieben werden.

Beim Anblick des Covers und nach dem Trailer hatte ich eine eher skurrile und humoristische Umsetzung des Themas erwartet und auch ein wenig befürchtet. So sehr ich schräge Geschichten mag, oft wandeln sie auf einem schmalen Grat und das Niveau stürzt in bodenlose Tiefen ab. Schon auf den ersten Seiten wurde aber klar, dass mich hier etwas ganz anderes erwartete. Man sollte sich nicht von Heidi in Strapsen und mit Tattoo irreführen lassen, auch der eher lächerliche Vampir täuscht. Mit „Heidi und die Monster“ erwartet den Leser eine düstere Variante der heilen Alpenwelt, man könnte meinen, Bram Stoker hätte seine Finger im Spiel gehabt.

Ein sehr gelungenes Cross-Over aus heiler Kinderbuchwelt und Horrorgeschichte, das man nicht nach seinem Äußeren beurteilen sollte, das Cover täuscht auf den ersten Blick über den unterhaltsamen aber nicht niveaulosen Inhalt.

Heidi und die Monster: Ein Alpendrama – Johanna Spyri und Peter H. Geißen
284 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312443, 12,99 €

1 Kommentar

  • Antworten Papiergeflüster » Blog Archiv » Werther ein Werwolf? 12. Mai 2011 von 19:26

    […] Satiren der guten alten Klassiker sind gerade sehr in Mode. Mit “Heidi und die Monster” hatte ich einen ersten Versuch gewagt und wurde positiv überrascht. Das Cover war zwar grausam, […]

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