Besprechungen Phantastik

Isaac Marion – Mein fahler Freund

21. Februar 2011

R ist ein Zombie, alles was ihm von seinem Namen blieb, ist der erste Buchstabe. Nach außen hin wirkt er wie alle anderen Zombies, die in immer größer werdender Zahl die Welt bevölkern. Sie verbreiten sich wie eine Epidemie. Wer stirbt, findet nur selten die ewige Ruhe. Als Zombie verbringen sie die meiste Zeit damit, Löcher in die Luft zu starren und zu stöhnen, wenn der Hunger zu groß wird, gehen sie jagen. Doch R ist anders. Er macht sich Gedanken, kann sie nur nicht ausdrücken. Als er bei einem Beutezug Julie kennen lernt, gerät seine graue Welt ins Wanken. Neue Gedanken und Gefühle bahnen sich ihren Weg durch längst verstorben geglaubte Nervenbahnen, er verliebt sich in sie. Was wird sie dazu sagen? Erst recht wenn sie erfährt, dass er das Gehirn ihres Freundes gegessen hat…

Zombies sind in und lösen scheinbar langsam die Vampire ab. „Mein fahler Freund“ ist der beste Beweis, dass es auch in Zombie-Literatur um mehr als nur „brain and blood“ gehen kann. Dieser Roman enthält Hirn und Herzblut, aber in Form von erstaunlicher emotionaler und thematischer Tiefe, die ich in einem Zombiebuch so nie erwartet hätte.

Was ich ebenfalls nie erwartet hätte, ich bin tatsächlich mit Stephenie Meyer einer Meinung. Die angeblich zu dem Buch meint „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so leidenschaftlich in einen Zombie verlieben könnte!“ Als leidenschaftlich würde ich meine Gefühle für R zwar nicht unbedingt bezeichnen, aber er ist mir sehr ans Herz gewachsen. Twilight-Nichtleser sollten sich auch nicht von diesem Kommentar abschrecken lassen, mit Edward und Konsorten hat „Mein fahler Freund“ absolut nichts gemeinsam.

So merkwürdig es klingen mag, „Mein fahler Freund“ ist einfach schön. Ich habe es verschlungen und werde es noch oft und gerne weiter empfehlen für alle, die gerne etwas Inhalt in ihrer Lektüre finden und trotzdem gut unterhalten werden wollen. Der Humor kommt hier nämlich auch nicht zu kurz. Mein Buchtipp im Februar, schaut euch das Buch auf jeden Fall mal näher an.

Mein fahler Freund – Isaac Marion
299 Seiten, Klett-Cotta Hobbit Presse
ISBN 9783608939149, 19,95 €
Hardcover

6 Kommentare

  • Antworten Tweets that mention Papiergeflüster » Blog Archiv » Isaac Marion – Mein fahler Freund -- Topsy.com 21. Februar 2011 von 12:25

    […] This post was mentioned on Twitter by only girl45, Emily. Emily said: Neues Geflüster Isaac Marion – Mein fahler Freund – http://bit.ly/eNUHfH […]

  • Antworten Soleil 21. Februar 2011 von 12:57

    Da nicke ich mal dezent und schließe mich Deiner Meinung an. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Auf jeden Fall ein Highlight.

  • Antworten Kiritani 9. März 2011 von 17:15

    Hach, ich fand das Buch auch unglaublich schön 🙂 Obwohl ich immer die Bilder – die man von Zombies ja zur Genüge aus Filmen kennt – im Hinterkopf hatte, war R für mich anders, besonders und nicht ganz so ekelig 😀 (um es mal dezent auszudrücken)
    Tolles Buch

    • Antworten Emily 9. März 2011 von 20:22

      @Kiritani: Das war einer der Punkte, die mir so gut gefielen. Der Klischee-Zombie wird vorgeführt. Schon wie R beschreibt, dass sie manchmal nur da stehen und die Wand anstöhnen. Wochenlang. Aber es geht eben auch anders.

  • Antworten Würzmischung #56: Emily und die Schmöker | Würzmischung 18. März 2012 von 20:50

    […] Was mit Büchern erzählt uns von ihrem Heißhunger auf Bücher und von verliebten Zombies. Alex gesteht seine Abneigung gegenüber der Fantasy-Literatur und Ralf vermutet Hobbits unter […]

  • Antworten Würzburcher » Würzmischung #56 / Fahle und rote Freunde 18. März 2012 von 21:38

    […] mir dann auch aufgefallen, dass die erste Frühlingssonne auch schon recht rot macht und mir zwei fahle Freunde gegenübersitzen, die aber keine Zombies sind. Die Würzmischung #56 kann ich nur […]

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