Belletristik Besprechungen

Ina Weisse – Die Geliebte

16. Januar 2011

Sie ist eine Geliebte. Er ist verheiratet, sie müssen sich heimlich lieben, haben immer nur kleine Zeitfenster, die er sich stiehlt, um mit ihr zusammen zu sein. Niemals wird sie ihn ganz für sich haben. Trotzdem ist sie bereit, all das auf sich zu nehmen, was es eben bedeutet, eine Geliebte zu sein. Warum tut sie sich da an?

Ina Weisse erzählt die Geschichte einer Frau, die sich ganz bewusst in die Rolle einer Geliebten begibt. Eine Rolle, die viele Frauen nicht nachvollziehen können. Auch nach diesem Buch würde ich mich selbst niemals in diese Rolle begeben wollen, kann aber etwas besser nachvollziehen, warum andere es unter Umständen tun. Die Geliebte sieht ihre Rolle auch nicht verklärt, hofft nicht, dass er eines Tages ganz ihr gehören wird. Sie sieht das ganze Spiel realistisch und will sich trotzdem nicht von ihm lösen.

„Die Geliebte“ bietet einen interessanten Einblick in die Gefühlswelt einer Frau, die immer nur die Nebenfrau sein wird, und das auch weiß. Durch die selbstkritischen Beobachtungen der Geliebten erlebt der Leser den Alltag einer solchen Beziehung, begleitet die Protagonisten auf ihrem Weg durch Höhen und Tiefen, erlebt wie sich ihre Beziehung verändert.

Ein Buch, das mich überrascht hat. Erwartet hatte ich tränenreiche Liebesbekundungen oder stilles Leiden. Gefunden habe ich zwar wirklich Emotionen, aber mit Tiefgang und kritische Selbstbetrachtung.

Die Geliebte – Ina Weisse
223 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312177, 19,99 €

7 Kommentare

  • Antworten Bibliophilin 16. Januar 2011 von 13:43

    Eine tolle und interessante Rezension! Sie macht mir Lust, das Buch zu lesen. Solltest Du je das Buch tauschen wollen, melde Dich bei mir. 🙂
    Einen schönen Sonntag
    Dorota

  • Antworten Maren 16. Januar 2011 von 13:52

    Oh Wow! Das möcht ich auch lesen!

  • Antworten moggadodde 16. Januar 2011 von 14:26

    Hört sich sehr interessant an!

  • Antworten Bücherwurm 22. Januar 2011 von 23:36

    Die Dame war beim Backes im Nachtcafé.

    Ehrlich gesagt dreht sich mir bei der Geschichte der Magen um.

    Die anderen Gäste der Sendung machten einen ähnlich verkniffenen Eindruck.

    Dafür würde ich keinen Cent ausgeben.

  • Antworten Katharina S. 23. Januar 2011 von 20:34

    Habe die Sendung von Wieland Backes im Nachtcafe verfolgt. Ich werde das Buch auf jeden Fall lesen. Auf die Frage hin ob sie ihn liebt von Herrn Backes, kam sie so ein wenig in Verlegenheit und meinte ja….. sie fragen mich sachen, ja ich liebe ihn.

    Ich selber war in einer ähnlichen Situation. Wobei ich einen Schlussstrich jetzt gezogen habe. Ich wars leid immer vertröstet werden zu müssen und wenn Er sich hätte trennen wollen so wie er immer sagte und sich auch bei mir beschwert hat was alles ihn ankotzt und was alles schief läuft, dann hätte er einen Schlussstrich unter seine Ehe gezogen.
    Aber zum Schein hat er ja noch die Silberhochzeit mitgemacht und ich muss ehrlich sagen ich verstehe solche Männer nicht Warum sie sich so kasteien wenn es doch dann so alles Sch….. läuft und sie am liebsten in der Ehe Amok laufen möchten.
    Warum bleiben solche Männer bei diesen Frauen?

  • Antworten Victoria 5. April 2011 von 21:13

    Die Rezension ist natürlich toll geschrieben…die Autorin und ihre Geschichte hingegen sind zutiefst tragisch, Frauen und Mädchen wie ich sollten dieser Frau ohrfeigen- mit der Zelebrierung ihrer gewollten Dramatik ermutigt sie die betreffenden Männer, sich nie für “ihre Geliebte” zu entscheiden- esscheint ja zu funktionieren, diese Zerreißprobe bis in alle Ewigkeit fortzuführen!

    • Antworten Emily 5. April 2011 von 21:23

      @Victoria: Jede Frau entscheidet selbst, ob sie zur Geliebten werden will oder nicht. Wer den Männern glaubt, dass sie eines Tages ihre Ehefrauen verlassen werden und sich für ihre Geliebte entscheiden, der will es nicht besser wissen.

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