Belletristik Besprechungen

Ilija Trojanow – Der Weltensammler

2. September 2008

Weltensammler

Inhalt:

Der hier beschriebene Weltensammler ist Richard Francis Burton, ein ruheloser Engländer der im 19. Jahrhundert verschiedene Welten nicht nur bereist hat, sondern sich soweit wie möglich in sie eingelebt hat und kaum noch von einem Einheimischen zu unterscheiden war. Er hat sowohl die Sprache als auch die Religion und die Gebräuche des jeweiligen Landes angenommen, sich quasi eine neue Haut übergestreift. Oft kommt die Frage auf, ob das ausreicht, ein anderer Mensch zu werden.

Während des Lesens begleitet man Burton durch Britisch-Indien, auf seiner Reise nach Mekka und während der Suche nach der Quelle des Nils in Ostafrika.

Wobei der Autor gleich zu Beginn betont, dass die Romanfiguren sowie die Handlung überwiegend ein Produkt der Phantasie des Autors sind. Die Handlung folgt der Biographie seiner jungen Jahre manchmal sehr genau, entfernt sich an anderen Stellen allerdings auch weit von dem Überlieferten.

Meine Meinung:

Für diesen Roman braucht man Zeit. Er gehört nicht zu den Büchern, die sich einfach weg lesen. Die man aufschlägt, darin versinkt und erst etliche Seiten später wieder auftaucht. Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten, in die Geschichte hinein zu kommen. Nach einigen Seiten hatte es mich aber doch gepackt und ließ mich auch bis zum Ende nicht mehr los. Die Reisen und Erlebnisse Richard Burtons sind sehr spannend und interessant.

Jede Reise wird in sich abwechselnden Kapiteln aus seiner Sicht und aus der Sicht seiner Begleiter erzählt. Das gestaltet die ganze Erzählung abwechslungsreicher und bringt mehr Farbe hinein. Es ist auch immer wieder interessant, wie die Geschichte aus der Sicht seines Dieners verständlicher weise ganz anders aussieht, als aus seiner eigenen Sicht.

Am besten gefiel mir das mittlere Kapitel über seine Reise durch Arabien nach Mekka. Burton gibt sich als Muslim aus und muss ständig auf der Hut sein, sich nicht zu verraten. Wobei er sich so sehr in seine Rolle begibt, dass man nicht mehr sicher sein kann, ob er nicht doch wirklich den moslemischen Glauben angenommen hat.

Der Bericht über die Suche nach den Quellen des Nils lässt einen sehr mitleiden. So eine Reise ist sicher heute noch nicht angenehm, zu der damaligen Zeit war sie eine Tortur. Da kommen die von einem Diener erzählten Kapitel zwischendurch sehr recht, die einen immer wieder in einen gemütlichen offenen Hof voller älterer Männer versetzen, die sich diese Geschichte von ihrem Freund erzählen lassen.

Ich bin Richard Francis Burton gerne auf seinen Reisen gefolgt, und kann nur empfehlen sich die Zeit zu nehmen, dieses Buch zu genießen.

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