Belletristik Besprechungen

Harold Cobert – Ein Winter mit Baudelaire (E-Book)

23. Januar 2012

Philippe verliert nach und nach alles, was ihm im Leben wichtig war. Erst seine Familie, seine Ex-Frau verbietet ihm den Kontakt zu seiner Tochter. Dann den Job, als ein Kollege ihm einen wichtigen Auftrag wegnimmt. Schneller als er sich versieht, steht er auf der Straße. Mitten unter denen, die er vor kurzem noch verachtet hat. Mitten im ewigen Kreislauf „ohne Job keine Wohnung, ohne Wohnung kein Job“. Erst als er Baudelaire kennen lernt, hat er wieder einen Grund zu kämpfen, um sich aus diesem Sumpf heraus zu ziehen.

„Ein Winter mit Baudelaire“ ist ein wunderschönes und ein furchtbar trauriges Buch. Ein Großteil des Romans berichtet von den furchtbaren Zuständen, mit denen man als Obdachloser zu Recht kommen muss. Auch sprachlich wird der Niedergang von Philippe deutlich gemacht, umso tiefer er in der Gosse steckt, umso derber sind die Beschreibungen. Hält er anfangs selbst Abstand von stinkenden Pennern und sieht auf sie herab, wird er mit der Zeit selbst einer von denen, die in der U-Bahn viel Platz um sich herum haben.

Das französische Sozialsystem wird näher beleuchtet, ebenso die persönlichen Abgründe, die sich auftun, wenn man sich plötzlich in einer solchen Situation wieder findet. Nur wenige haben das Glück, einen Anker in ihrem Leben zu finden und Freunde, die ihnen helfen wieder Fuß zu fassen.

Ein Buch, das mich sehr berührt hat und mich die Menschen auf der Straße mit anderen Augen sehen lässt.

Ein Winter mit Baudelaire – Harold Cobert
288 Seiten, Piper
ISBN 9783492273435, 8,99 €
Taschenbuch

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