Besprechungen Krimis und Thriller

Gianrico Carofiglio – In ihrer dunkelsten Stunde

25. November 2011

Guido Guerrieri ist eigentlich Anwalt. Eigentlich soll er auch nur eine Akte darauf untersuchen, ob es Punkte gibt, an denen die Carabinieri nicht gründlich genug gearbeitet haben. Sonst wird die Akte geschlossen. Die Geschichte der spurlos verschwundenen Manuela, einer Studentin aus Rom, lässt ihn aber nicht los. Schnell sucht er tiefer als er sollte und stößt auf Ungeklärtheiten, er beginnt zu ermitteln. Manuelas Freundinnen wissen mehr, als die den Carabinieri gesagt haben. Was versuchen sie zu verschweigen? Kann Manuela doch noch lebend gefunden werden? Oder kann Guerrieri ihren Eltern zumindest Gewissheit verschaffen?

„In ihrer dunkelsten Stunde“ ist ein ruhiger Krimi, der sich auch leicht liest. Trotzdem hinterlässt er Spuren und bringt einen zum nachdenken. Es ist keines der Bücher, die man liest und eigentlich gleich wieder vergisst. Guido Guerrieri ist ein Mensch mit Macken, die er sich auch selbst eingesteht. Das macht ihn sympathisch, man fühlt sich ihm automatisch nahe. Die eine oder andere dieser kleinen Macken werden die meisten Leser von sich selbst kennen.

Nebenbei bekommt man interessante Einblicke in das italienische Rechtssystem und die Unterwelt geliefert. Auf die man auch vertrauen kann, da der Autor selbst lange Zeit als Staatsanwalt arbeitete.

Der Fall an sich ist der rote Faden, wichtiger war mir allerdings der Ermittler selbst und seine Gespräche mit anderen, oder auch seinem Sandsack. Ich konnte es kaum erwarten, bis er endlich wieder am Abend in sein Stammlokal geht, wo er immer wieder interessante Unterhaltungen mit der Wirtin führte. Einer ehemaligen Prostituierten, die seine Mandantin war.

Ein Krimi mit Wohlfühlfaktor, ohne dabei kitschig oder niveaulos zu sein. Für mich die Entdeckung eines neuen Lieblings-Krimi-Autors.

In ihrer dunkelsten Stunde – Gianrico Carofiglio
288 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312290, 17,99 €
Hardcover

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