Besprechungen Phantastik

Gerd Ruebenstrunk – Das Wörterbuch des Viktor Vau

4. Dezember 2012

Viktor Vau will eine neue Sprache erfinden, die die Welt exakt abbilden kann. Ohne Missverständnisse und Widersprüche. Damit hofft er, Geisteskrankheiten wie Schizophrenie heilen zu können. Eines Tages wird er in ein kleines afrikanisches Land gerufen, um einer Expertengruppe bei der Entschlüsselung einer codierten Botschaft zu helfen. Die sie in einer geheimnisvollen Kapsel fanden, die im Meer landete ohne Anzeichen, jemals irgendwo abgeschossen worden zu sein. Plötzlich steht Viktor Vaus Leben Kopf, er muss flüchten und um sein Leben bangen. Es gibt nur wenige Menschen, denen er vertrauen kann. Warum wird er gejagt?

„Das Wörterbuch des Viktor Vau“ vereint mehrere Genres. Da wäre zum einen die Dystopie, die Geschichte spielt einige Jahre in der Zukunft, es herrscht eine Regierung, die auf die Überwachung der gesamten Gesellschaft aus ist. Einige wenig Mitglieder der auserwählten Bevölkerungsschicht haben die Macht über alle. An einigen Stellen wird auch Kritik an unserer aktuellen Regierungsform deutlich. Zum anderen gibt es einen Handlungsstrang, der sich sehr wie ein Krimi liest. Ein wahnsinniger Serienmörder geht in der Stadt um. Dazu kommen etliche linguistische Erläuterungen, die einen wissenschaftlichen Aspekt in die Geschichte bringen. Wer sich jetzt fragt, wie all das eine runde Geschichte geben kann, sollte sie einfach lesen, und zwar bis zum Ende. Es lohnt sich.

Selbst die sprachwissenschaftlichen Erörterungen Viktor Vaus waren nie trocken oder langweilten, seine Idee hat durchaus ihren Reiz. Vieles bleibt lange ungeklärt, erst nach und nach treffen sich die Fäden, ergeben die Zusammenhänge einen Sinn. Aber nie wird die Spannung künstlich mit übertriebenen Cliffhangern am Kapitelende augebauscht, das benötigt sie auch nicht. Durch die Perspektivwechsel erfährt man Stück für Stück mehr, ist den Protagonisten ab und an einen Schritt voraus und bibbert mit den Charakteren.

Ein großartiges Buch, das mich schon dadurch zu begeistern wusste, dass es einfach anders ist. Durch die Mischung bekannter Elemente entstand eine ganz neue, faszinierende Mischung. Sehr lesenswert, wenn man bereit ist, sich auf dieses Experiment einzulassen.

Das Wörterbuch des Viktor Vau – Gerd Ruebenstrunk
Piper Verlag, 414 Seiten
ISBN 9783492268745, 9,99 €
Taschenbuch

1 Kommentar

  • Antworten Bücherphilosophin 4. Dezember 2012 von 23:02

    Das hört sich sehr interessant an, definitiv ein Buch, das den Lesealltag etwas aufrüttelt. Besonders gespannt bin ich auf die sprachwissenschaftlichen Elemente und wie diese in den Handlungsverlauf eingeflochten sind.

    LG, Katarina 🙂

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