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Fumio Obata – Irgendwo zu Hause

31. Oktober 2016

irgendwozuhause

Yumiko lebt in London, dort hat sie studiert, dort arbeitet sie und lebt mit ihrem britischen Freund zusammen. Japan besucht sie nur noch selten. Als ihr Vater stirbt, muss sie zur Beerdigung wieder nach Hause, sich mit ihrer Familie und alten Traditionen auseinandersetzen. Ist das noch ihre Welt?

Eine stille Geschichte über die Frage, wohin man gehört. Kann man zwei Heimaten haben? Die eine, in der die Wurzeln liegen und die andere, in der man sich seit Jahren eingelebt hat? Was, wenn man sich für eine der beiden entscheiden müsste? Kann man seine Heimat „verlernen“? Was ist zu Hause und was macht es dazu? Das Land? Die Menschen? Die Freunde?

Eine Geschichte, die jeder nachvollziehen kann, der nicht mehr dort lebt, wo er aufwuchs. Dafür muss man keinen ganzen Kontinent zwischen die beiden Orte legen, ein paar hundert Kilometer reichen schon aus. Ich könnte heute nicht mehr sagen, was wirklich mein zu Hause ist, würde ich zurückziehen, ich würde meine neue Heimat genauso vermissen, wie ich manchmal die alte vermisse.

Die aquarellierten Zeichnungen legen den Fokus auf die Menschen, der Hintergrund enthält meist nur wenig Details. Was zur Geschichte passt, denn oft geht es um feinste Nuancen der Emotionen. Japaner lernen ihre Gefühle zu beherrschen, nicht offen zu zeigen, sie zu kodieren. Besonders deutlich wird das beim Nô-Theater, einer besonderen Form des Theaters, in der die Schauspieler Masken tragen. Damit beschäftigt sich Yumiko intensiv während ihres Aufenthalts in Japan.

Eine faszinierende Graphic Novel, die man mehrmals lesen und dabei jedes Mal neue Feinheiten entdecken kann, die einem bisher entgingen. Mit einer ergreifenden Geschichte, die statt Drama aber Ruhe ausstrahlt. Für Leser von Jiro Taniguchi eine Empfehlung.

"buchhandel.de/

Irgendwo zu Hause – Fumio Obata
Deutsch von Ulrich Pröfrock
160 Seiten, Carlsen Verlag
ISBN 9783551728197, 19,99 €
Hardcover

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1 Kommentar

  • Antworten wortsonate 31. Oktober 2016 von 16:52

    Ein guter Lesetipp für mich

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