Besprechungen Krimis und Thriller

Frank M. Reifenberg – Unsichtbare Blicke

31. März 2012

Josie ist 17 Jahre alt und hat es nicht leicht. Ihr überstrenger Vater kontrolliert sie, lässt ihr kaum Freiraum. Zuhause ist das Internet ihr Fluchtort. Ohne zu ahnen, dass ihr Computer manipuliert wurde und sie beobachtet wird. Von einem Wahnsinnigen, der „sein Mädchen“ sucht. Josie wäre nicht sein erstes Opfer. Zwei tote Mädchen hat die Polizei schon gefunden, aber keine Spur von ihrem Mörder. Gibt es noch mehr Leichen? Wird er sich auch Josie schnappen?

„Unsichtbare Blicke“ ist ein Jugendthriller für Leser ab 16. Der Autor baut die Spannung nicht mit haarsträubenden Szenen voller Brutalität auf, sondern ganz subtil, die Gänsehaut wächst mit jeder Seite. Die Vorstellung, dass all das jederzeit möglich ist, lässt einen die Webcam am Laptop gleich mit ganz anderen Augen sehen. Einen falschen Anhang geöffnet, schon ähnelt der eigene Rechner einem offenen Scheunentor.

Als Leser lernt man zum einen Josie näher kennen, aber auch den Täter. In Rückblicken wird seine Geschichte erzählt, mit jedem Zeitsprung wird klarer, worauf er hinaus will, sein Wahnsinn deutlicher. Je mehr einem bewusst wird, zu was er fähig ist, umso weiter steigt die Spannung. Der dritte Handlungsstrang begleitet die Polizei bei ihrem Wettrennen gegen die Zeit. Finden sie den Serienmörder, bevor es ein weiteres Opfer gibt?

Auch ohne überdeutliche Gewalt gelingt es dem Autor, grausame Szenen zu beschreiben, die sich einprägen. Während der letzten Seiten möchte man das Buch nicht mehr beiseite legen, um endlich zu erfahren, wie es ausgeht.

Ein großartiger Jugendthriller, der auch noch für Erwachsene funktioniert. Teile der Handlung sind zwar relativ schnell vorhersehbar, die langsame Enthüllung aller Facetten fesselt aber bis zum Ende.

Unsichtbare Blicke – Frank M. Reifenberg
396 Seiten, Rowohlt Verlag
ISBN 9783499216176, 12,99 €

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