Belletristik Besprechungen

Frank Goosen – Förster, mein Förster

6. April 2016

Foerster

Nur noch ein paar Tage, dann steht Försters 50. Geburtstag an, für ihn kein Feiertag. Dass ihn alle ständig daran erinnern, macht es auch nicht besser. Sein neues Buch steckt seit Ewigkeiten beim ersten Satz fest, sein Agent ist wenig begeistert. Seine Freunde sind ihm gerade auch keine große Hilfe, Fränge und Brocki haben genug eigene Probleme. Der eine mit der Liebe, der andere mit den Errungenschaften der Neuzeit. Die Lösung bietet ausgerechnet Frau Strobel, die demente Nachbarin, die gerne mal mitten in der Nacht Saxophon spielt. Als sie eine Einladung an die Ostsee erhält, wo sich ihre alte Tanzkapelle zu einem letzten Konzert treffen will, ist das die Gelegenheit für Förster. Im Bulli von Fränge machen sie sich auf den Weg, den ehemaligen Polizisten Dreffke und den wohlstandsverwahrlosten Nachbarssohn Finn packen sie auch noch ein. Drei Generationen, sechs verschiedene Meinungen und Bedürfnisse, in einem klapprigen Bulli auf dem Weg ans Meer.

Erinnerungen an vergangene Zeiten, früher war alles besser, falsche Wege um die eigene Jugend krampfhaft festzuhalten, all das findet man in „Förster, mein Förster“. Aber es gibt immer auch ein paar Gegenstimmen, die die Errungenschaften der modernen Technik nicht verteufeln, sondern nutzen. Die rosarote Erinnerungen gerade rücken, zum Beispiel war früher die Musik in den Charts auch nicht besser als heute, die Perlen musste man schon immer neben den Hits suchen. Der sechzehnjährige Finn erinnert die älteren Herren gerne mal unbewusst daran, wie sie früher waren. Klugscheißerisch konnten sie durchaus auch. Können sie heute noch.

Wer vom Dorf oder aus einer Kleinstadt kommt, kennt sie gut, die Typen die hier durch Freundschaft und Nachbarschaft zusammen fanden. Das sind die Kerle von nebenan, mit all den ganz durchschnittlichen Fehlern und auch mal seltsamen Ansichten. Deren Gespräche nach ein paar Bier schon mal auf Stammtischniveau herumdümpeln. Aber eben nicht nur. Dazwischen finden sich immer wieder Gedanken und Themen, die den Leser zum Nachdenken bringen, eigene Erinnerungen heraufbeschwören. Wer sich mit dem älter werden beschäftigt, was ab einem bestimmten Alter nicht ausbleibt, wird hier den einen oder anderen bekannten Gedankengang finden.

„Förster, mein Förster“ macht Spaß, liest sich locker weg, und bleibt trotzdem hängen. Nicht nur wegen der schrullig sympathischen Typen.

"buchhandel.de/

Förster, mein Förter – Frank Goosen
336 Seiten, Kiepenheuer & Witsch Verlag
ISBN 9783462048926, 19,99 €
Gebunden

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eBook
ISBN 9783462315578, 17,99 €

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