Belletristik Besprechungen

Florian Illies – Ortsgespräch

24. Januar 2010

Nostalgie pur. Florian Illies erzählt von seinen Erinnerungen an die Heimat, in der Provinz. Jeder Leser, der selbst aus einer eher ländlichen Gegend stammend in die Stadt gezogen ist, wird  auf eigene Erinnerungen stoßen. Zum Beispiel der unendliche Austausch aller möglichen im Garten wachsenden Produkte und deren verschiedenster Verarbeitungsformen. Wer wurde noch nie von der Zucchinischwemme erwischt, wenn einem mal wieder sämtliche Nachbarn auf einmal welche schenken möchten? Sie haben doch gerade so viele und können die gar nicht alle essen. Die Nachbarn als bald auch nicht mehr.

Er räumt auch mit so mancher Mär auf, wie zum Beispiel der berühmten Stille auf dem Land. Ich hatte sie schon verdrängt, er brachte sie mir wieder in Erinnerung: die im Sommer ständig irgendwo laufenden Rasenmäher, die Motorsägen, die mühseligen Versuche des Nachbarn im Winter das Auto zum laufen zu bringen. An die Kirchenglocken gewöhnt man sich schnell, doch die all samstäglich punkt 12.00 Uhr gellende Feuerwehrsirene vermisse ich wirklich nicht.

„Ortsgespräch“ gefiel mir wesentlich besser als „Generation Golf“. Bis zum Ende bleibt das leicht gemischte Gefühl der Erinnerungen an muffelige Uraltwohnzimmer und die schönen Tage am Badesee erhalten. Der Erzählstil ist locker, man hat fast das Gefühl, als würde man sich mit jemandem über die gute alte Zeit austauschen. Wobei er auch die Veränderungen nicht auslässt, die im Laufe der Zeit wohl an keinem ländlicheren Eckchen vorüber gehen, wie zum Beispiel dem Verschwinden der kleinen Läden.

Eine nette Zwischendurchlektüre, genau das Richtige für einen gemütlichen Nachmittag.

Ortsgespräch – Florian Illies
208 Seiten, Heyne
ISBN: 9783453405332, 8,95 €
Taschenbuch

2 Kommentare

  • Antworten eliterator 25. Januar 2010 von 18:00

    Generation Golf hat mir auch nicht gefallen, gut zu hören, dass ich da nicht der einzige bin..Gegen die Lautstärke einer stark befahrenen Berliner Straße, inklusive Touristenströme, Kneipen etc ist das Landleben aber wahrscheinlich wirklich ruhig, oder?

    • Antworten Emily 25. Januar 2010 von 18:58

      @eliterator: wer mitten in die Stadt zieht, muss mit der Lautstärke rechnen. Aber mich hat die Feuerwehrsirene jeden Samstag punkt zwölf eiskalt erwischt. 😉
      Als Landei könnte ich mit Deiner Geräuschkulisse wahrscheinlich auf Dauer gar nicht leben, geschweige denn schlafen.

    Hinterlasse eine Antwort

    %d Bloggern gefällt das: