Belletristik Besprechungen

Edda Minck – Idioten auf zwei Pfoten: Die Mops-Tagebücher

14. Dezember 2010

El-Rei Dom João der 28. ist ein Mops, aber nicht irgendein Mops. Als Abkömmling großer Seefahrer und Entdecker herrscht er über ein Rudel Straßenhunde im spanischen Vila do Santo Chouriço. Bis sein Rudel eines Tages in eine Falle gerät, er selbst wird schwer verletzt nach Deutschland gebracht und dort nach seiner Genesung einer Zweibeinerin überlassen, die meint sie sei die Chefin in ihrem kleinen Rudel. Einen anderen Namen verpasst sie ihm auch einfach, als ob „Herr Schröder“ ein angemessener Name für einen Mops von so edlem Geblüt wie dem seinen sei. Aber immer noch besser als Pelzwurst, wie sie ihn ab und auch ruft. Er lässt es über sich ergehen, lange will er hier sowieso nicht bleiben, schließlich wartet sein Rudel auf ihn, er muss flüchten sobald sich die Gelegenheit ergibt. So kann doch kein Hund leben, erleichtern darf er sich nur wenn es ihm gestattet wird, zu essen gibt es nach Pappe schmeckendes trockenes Zeug und über die anderen Hunde, die beim Anblick eines Balls schier aus dem Häuschen geraten kann er nur den Kopf schütteln, wie infantil!

„Idioten auf zwei Pfoten“ schafft es seine Leser gleichzeitig mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück zu lassen. João berichtet in Tagebucheinträgen von seinem neuen Leben, seinen neuen Bekanntschaften und den unfassbaren Bedingungen, unter denen er hier leben soll. Als an Freiheit gewöhnter Hund, der sich tapfer durchs Leben schlug, ist für ihn das Leben der von klein auf als Haushunde lebenden Artgenossen unvorstellbar. Allerdings ist er selbst auch nicht ganz unschuldig an den Komplikationen in seinem neuen Leben, wie ihm sein Kumpel Scooter immer wieder klar macht. Erst als João lernt, dass auch er nicht besser ist als die anderen Hunde, kann er sich in sein neues Leben einfügen. Bis dahin ist es allerdings ein langer Weg.

Joãos Erzählungen sind zum einen von sarkastischem Witz geprägt, der mich beim Lesen immer wieder lachen ließ. Herrlich, wie er die Methode der Hundetrainerin, ihn mit Wurstgaben beim Anblick anderer Hunde positiv zu konditionieren, einfach umdrehte. Natürlich macht er jetzt noch mehr Theater, denn dann gibt es noch mehr Wurst. 😉 Viele seiner Betrachtungen des Haushundlebens sind allerdings nur zu wahr und traurig, viel zu oft werden Hunde vermenschlicht und von ihren Herrchen entsprechend falsch behandelt. Erst wenn der Mensch lernt, dass ein Hund ein Hund ist und wie ein Hund denkt, kann das Zusammenleben wirklich funktionieren.

Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen von Joãos Geschichte und kann das Buch jedem Hundebesitzer nur ans Herz legen, vielleicht sieht man seinen Hund anschließend mit anderen Augen. Aber auch für Nicht-Hundemenschen bietet die Erzählung dieses charakterstarken Hundes tolle Unterhaltung. Möpse sind eben doch ganz besondere Hunde, nicht nur wegen der 13 verschiedenen Mopsgesichter, mit denen sie sich ihre Herrchen erziehen.

Idioten auf zwei Pfoten, Die Mops-Tagebücher – Edda Minck
222 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312351, 12,90 €
Hardcover

5 Kommentare

  • Antworten horrorbiene 16. Dezember 2010 von 16:33

    Du findest auch immer genau die Bücher, die ich suche! Respekt! 🙂 Dieses Buch werd ich mir wohl auch besorgen… Ich frag mich nur grad, wieso es ein Mopsbuch gibt, von dem ich noch nichts wusste… unglaublich! 🙂

    • Antworten Emily 16. Dezember 2010 von 21:45

      @horrorbiene: Wünsche Dir schon mal viel Spaß mit dem Mopsbuch und leg Dir ein Tempo für das schöne Ende bereit. 😉

  • Antworten Sisquinanamook 11. Januar 2011 von 09:32

    Ich als leidenschaftlicher Hundebsitzer musste das Buch natürlich haben und habe es auch gleich in zwei Tagen gelesen.
    Es ist sehr schön zu lesen und hat trotz allen witzigen Passagen einen sehr ernsten Hintergrund.
    Schön sind allerdings die Anspielungen auf einige wohlbekannte Hundetrainer aus dem deutschen Fernsehen 😉
    Schade finde ich eigentlich nur die Meinung der Autorin, dass Hunde sich nur benehmen, um ein angenehmes Leben zu haben. Also rein Ich-bezogen handeln und eigentlich keine wirkliche Beziehung zu ihren Menschen aufbauen.

    • Antworten Emily 11. Januar 2011 von 21:24

      @Sisquinanamook: ich kannte da einen Hund, der war genau so. 😉 Deine beiden sind aber wirklich ganz anders. Vielleicht denken Möpse anders als Pudel? 😉

  • Antworten Sisquinanamook 12. Januar 2011 von 18:36

    Wahrscheinlich 😉
    Meine zwei sowieso, die passen eh in kein Raster 😉
    Schön fand ich das Buch trotzdem. Auch wenn der Schluss vielleicht ein bisschen dick aufgetragen war…

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