Besprechungen Phantastik

Diana Menschig – Hüter der Worte

16. November 2012

 

Tom Schäfer ist Autor und hat gerade mit der Arbeit an einer elfbändigen Reihe begonnen. Warum gerade elf Bände? Das fragt er sich inzwischen selbst. Nicht zuletzt, weil er gerade eine Schreibblockade hat. Der nächste Abgabetermin rückt näher, ihm will aber einfach nichts einfallen, um seinen Held Laryon spannende Abenteuer erleben zu lassen. Dessen beschauliches Leben soll nämlich nun ein Ende haben, Laryon zieht aber nicht so wirklich mit. Was Tom auch versucht, es ist, als ob dieser Buchcharakter eine eigene Vorstellung von seinem Leben hätte. Da lernt Tom die geheimnisvolle Mellie kennen, die Gespräche mit ihr inspirieren ihn, plötzlich fließen die Wörter wieder. Doch als Mellie das Ergebnis zu lesen bekommt, rastet sie aus. Tom versteht die Welt nicht mehr. Sollte die Welt in seinen Büchern tatsächlich real sein? Was hat Mellie damit zu tun?

Es ist schwierig, den Inhalt zusammen zu fassen, ohne zuviel zu verraten. Denn lange Zeit rätselt der Leser ebenso wie Tom, was da gerade passiert. Wie hängt all das zusammen? Dabei hat Diane Menschig es geschafft, keine künstlich hochgepuschte Spannung aufzubauen, sondern eine angenehm rätselhafte Stimmung, die einen das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen lässt.

Erzählt wird die Geschichte aus zwei Blickwinkeln, der Leser folgt abwechselnd Tom, der in unserer Welt lebt und Laryon, der in der Buchwelt Willerin als Grenzwächter Abenteuer erlebt. Mir war Laryon wesentlich sympathischer, Tom stellt sich manchmal wirklich dämlich an und denkt keine drei Minuten voraus. Was in der immer verwickelter werdenden Handlung schon mal üble Folgen haben kann.

Die Idee, die in dieser Geschichte steckt und sich erst mit der Zeit erschließt, hat mich fasziniert. Was wäre, wenn es wirklich so wäre? Hat nicht schon so mancher Autor davon berichtet, dass sich „seine“ Charaktere selbständig machen?

Ein großartiges Buch, das mit angenehmer Atmosphäre und tollen Charakteren eine mal ganz andere Welt lebendig werden lässt. Es müssen nicht immer Orks und Zwerge sein, um phantastische Literatur entstehen zu lassen.

Hüter der Worte – Diana Menschig
Knaur Verlager, 539 Seiten
ISBN 9783426511114, 9,99 €

3 Kommentare

  • Antworten Nova 18. November 2012 von 09:56

    Das hört sich wie ein Buch an, dass mir gefällt und kommt auf die Liste…
    Schönen Sonntag

    • Antworten Emily 18. November 2012 von 15:28

      @Nova: Freut mich, dass ich wieder etwas für Dich gefunden habe. 🙂 Dir auch noch einen schönen Sonntag.

  • Antworten Die Worthüter: Rezensionen 23. November 2012 von 11:18

    […] Fantasyplot" 5 von 5 Bücherherzen (12.11.12)Kinderbuchlotse: "Ein sehr gelungenes Buch" (13.11.12)Papiergeflüster: "Angenehme Atmosphäre und tolle Charaktere" (16.11.12)The Book Thief: "Sehr empfehlenswert" 4 von […]

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