Belletristik Besprechungen

David Safier – 28 Tage lang

21. Juli 2014

28Tage

Mira lebt in Warschau im Ghetto, ohne Vater, nur mit ihrer kleinen Schwester und der depressiven Mutter. Um nicht zu verhungern, muss sie Lebensmittel schmuggeln. Doch jedes Mal wieder riskiert sie damit ihr Leben. Das Leben im Ghetto ist furchtbar, aber es gibt schlimmeres. Sie hört von den Lagern, in denen die Juden vergast werden. Aber sie ist jung und stark, die Nazis brauchen doch Arbeiter, sie würden niemals alle Juden umbringen. Doch, sie würden. Und als Mira das endlich einsehen muss, ist es schon fast zu spät. Sie schließt sich dem Widerstand an. Wenn sie schon sterben muss, dann sinnvoll. Sie halten länger durch, als sie selbst gedacht hätten, ganze 28 Tage lang.

Bisher war David Safier eher für lustige und leichte Lektüre bekannt. Mit „28 Tage lang“ hat er bewiesen, dass er auch anders kann. Er lässt die Schrecken dieser Zeit wieder aufleben, verbindet Geschichten, die wirklich passiert sind, zu Miras Geschichte, die so nie geschehen ist. Aber so ähnlich hunderten und tausenden von Juden geschah. Die miterleben mussten, wie selbst ihr Nachbar oder ihr Bruder zum Verräter wurde, um die eigene Haut zu retten. Andere gaben ihr Leben, um Kindern bis zu Letzt zur Seite zu stehen und Mut zu machen. Schicksale die berühren und unter die Haut gehen. Wie hätten wir selbst in dieser Situation gehandelt? Wir werden es hoffentlich nie erfahren. Denn das weiß man erst, wenn man es erlebt.

An manchen Stellen bleibt die Handlung relativ oberflächlich, was wahrscheinlich daran liegt, dass es auch eine Jugendbuchausgabe gibt und daher wohl als Jugendbuch konzipiert wurde. An anderen Stellen ist die Geschichte gnadenlos und hinterlässt Bilder im Kopf des Lesers, die ihn noch lange begleiten.

Eine wichtige Geschichte, die erzählt werden sollte. Viel zu schnell vergessen wir, zu was die Menschen fähig sind. Diese Geschichten helfen hoffentlich, auch nachfolgenden Generationen klar zu machen, dass es dazu nie mehr kommen darf. Den Generationen, die keine Großeltern mehr haben, die im Krieg waren und davon erzählen konnten. David Safier hat eine sehr lesenswerte Geschichte geschrieben, in der es nicht nur um Verzweiflung, sondern auch um Liebe und Mut geht. Eine Geschichte, die berührt.

28 Tage lang – David Safier
414 Seiten, Kindler Verlag
9783463406404, 16,95 €
Gebunden

 

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