Belletristik Besprechungen

David Benioff – Stadt der Diebe

10. Dezember 2010

Leningrad mitten im zweiten Weltkrieg, die Stadt wird von den Deutschen belagert. Lew und Kolja lernen sich im Gefängnis kennen. Der eine wurde wegen Plünderung verhaftet, der andere ist angeblich ein Deserteur der Roten Armee. Auf beide Vergehen steht die gleiche Strafe, sofortige Exekution. Doch es kommt anders, die Tochter des Obersts will in wenigen Tagen heiraten, das einzige was noch zu ihrem Glück fehlt ist ein Dutzend Eier für die Hochzeitstorte. Wenn die beiden es schaffen sollten, die Eier zu besorgen, werden sie rehabilitiert. Schnell stellt sich heraus, dass es scheinbar unmöglich ist, im besetzten Leningrad auch nur ein einziges Ei aufzutreiben. Werden die beiden ihre Aufgabe trotzdem erfüllen können?

„Stadt der Diebe“ berichtet nicht nur von den Schrecken des Krieges in einer besetzten Stadt mitten im Winter, in der der Hunger so groß ist, dass die Bewohner den Leim aus Bucheinbänden essen müssen um nicht zu verhungern. Es erzählt auch von einer ganz besonderen Freundschaft, die sich aus der Zweckgemeinschaft der beiden grundverschiedenen Charaktere entwickelt.

David Benioff schafft es den Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Trotz der düsteren Szenerie, darf man ab und an schmunzeln. Vor allem Kolja verliert bis zur letzten Seite nicht seinen Humor und sorgt so trotz all der Traurigkeit immer wieder für kleine Lichtblicke.

Ein beeindruckendes Buch, das einem die Schrecken des Krieges vor Augen führt. Aber auch, wie wichtig es gerade in solchen Zeiten ist, nicht den Mut zu verlieren und zusammen zu halten. Als „Buch des Jahres“ würde ich es allerdings nicht bezeichnen, andere haben mich mehr berührt, gingen mehr unter die Haut, zum Beispiel “Kinder der Hoffnung” von Marc Levy.

Stadt der Diebe – David Benioff
384 Seiten, Heyne
ISBN 9783453407152, 9,95 €

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