Besprechungen Phantastik

Christoph Marzi – Somnia

15. Dezember 2008

Somnia

Zurück in die Uralte Metropole, diesmal aber nicht in Europa, der vierte Band spielt in der neuen Welt, Amerika.

Scarlet Hawthorne, die Tochter Wittgensteins, findet sich ohne Erinnerungen in einem Park mitten im Schneesturm wieder. Ihre Hände sind blutverschmiert, sie ist unverletzt. Wessen Blut ist es? Und wer jagt sie unerbittlich im eisigen Schneesturm? Sie weiß nur, sie muss hier weg. In Sicherheit, wo auch immer diese zu finden ist.

Ich hatte mich sehr auf diesen vierten Teil der Reihe um die Uralte Metropole gefreut, wurde aber leider leicht enttäuscht. Vielleicht lag es an mir, ich möchte die Schuld nicht nur dem Buch geben. Aber das Flair der ersten Bände hat mir gefehlt, Amerika war mir zu jung. In London und Prag kann ich mir Uralte Metropolen vorstellen, in Amerika ist sie vielleicht alt, aber nicht uralt. Auch sind Scarlet und Mistress Abbott einfach nicht Emily und Wittgenstein. Ich wurde mit den beiden Damen einfach nicht warm. Was auch die ständigen Erzählperspektivenwechsel mitten im Absatz nicht angenehmer machten. Bei Emily und Wittgenstein wusste ich immer, wer gerade im Mittelpunkt steht. Bei Scarlet und Mistress Abbott hatte ich damit ab und an Probleme.

Die eingewobenen Mythen und Geschichten kamen mir ebenfalls etwas weniger kunstvoll verarbeitet vor. Die Geschichte von Pocahontas wird zum Beispiel einfach erzählt. Natürlich gab es auch andere Stellen, die durchaus an die ersten drei Bände erinnerten. Es fiel mir aber an der einen oder anderen Stelle auf.

Es war schön, einigen alten Bekannten wieder zu begegnen. Welchen, sei hier nicht verraten. Allerdings fehlte mir das Neue, irgendwie hatte ich das meiste schon einmal gehört, viele alte Geschichten wurden noch einmal aufgewärmt und neu erzählt. Auch wenn ich gerne gelesen habe, was aus einigen guten alten Bekannten wurde, hätte ich gerne etwas mehr Abwechslung gehabt.

Der Anfang des Buches gefiel mir noch sehr gut, gegen Ende hat es mich aber leider immer weniger gefesselt. Vielleicht konnte ich mich auch nur nicht richtig darauf einlassen, für mich kommt es nicht an die ersten drei Bände heran. Wahrscheinlich hätte ich nicht mit der Erwartung auf eine weitere Uralte Metropole an dieses Buch herangehen sollen, hätte ich mich von Anfang an auf eine Geschichte über Wittgensteins Tochter eingestellt, hätte es mich vielleicht mehr begeistert. Es war interessant, über Rimas und ihr Leben zu lesen und zu erfahren, wie es ihnen erging.

Für Liebhaber der Uralten Metropole trotz aller Kritikpunkte eine schöne Fortsetzung, man entdeckt vieles wieder, was man schon in den ersten Bänden gelesen und in der Zwischenzeit vielleicht vermisst hat. Christoph Marzis Schreibstil gefällt mir noch immer sehr gut.

Ob ich einen weiteren Band der Uralten Metropole lesen würde? „Fragen Sie nicht!“

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