Besprechungen Phantastik

Christoph Marzi – Memory, Stadt der Träume

20. November 2011

 

Jude verbringt seine Abende am liebsten auf dem Highgate Cemetery. Der Friedhof ist längst nicht so verlassen, wie man meinen könnte. Allerhand Geister „leben“ hier und geben auch mal eine ordentliche Party. Die meisten Menschen können sie nicht sehen, Jude aus irgendeinem Grund schon. Eines Abends trifft Jude auf einer Bank ein Mädchen, das keinerlei Erinnerung mehr besitzt. Sie weiß nicht einmal mehr ihren Namen. Ihre Haut leuchtet, wie die Geister, aber sie ist warm, wie ein Mensch. Wer und was ist sie? Jude versucht ihr zu helfen und findet bald heraus, dass sie in Gefahr ist. Wird er sie retten können oder für immer verlieren?

Christoph Marzi hat mich schon mit so manchem seiner Bücher verzaubert. „Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“ waren etwas ganz besonderes. Mit Charakteren, die mich noch lange begleitet haben und es zum Teil bis heute tun. Auch die Idee, eine Geschichte mit Liedern zu verknüpfen, wie in „Fabula“, fand ich gut. Aber irgendwann ist auch so eine Idee abgenutzt.

Auch in „Memory“ finden sich sehr viele Anspielungen auf verschiedene Musikstücke. Die mir leider zum Großteil unbekannt waren. Während des Lesens bin ich auch nicht bereit, ständig aufzustehen und sie im Internet zu recherchieren. Vielleicht sollte man dem Buch eine CD beilegen? So versickerten diese Anspielungen leider im Sumpf meiner Unwissenheit. Da es keine Mainstream-Musik ist, werde ich damit wahrscheinlich nicht alleine sein.

Die Hauptcharaktere blieben mir leider bis zum Ende fremd, ich konnte keinerlei Bezug zu ihnen aufbauen. Wesentlich besser gelang mir das mit den Friedhofsbewohnern und Miss Rathbone, die mich wirklich beeindruckt hat. Die Idee des „belebten“ Friedhofs hat ebenfalls ihren Reiz. Ist allerdings mal wieder von Neil Gaiman geliehen, dessen „Graveyard Book“ in einem ähnlichen Umfeld spielt.

„Memory“ liest sich schnell und locker weg, ist stellenweise auch ganz spannend. Allerdings stelle ich im Nachhinein fest, dass ich mich an die Geschichte selbst wesentlich schwerer erinnern kann, als an oben schon genannte Friedhofsbewohner und Miss Rathbone. Alles in allem eine ganz nette Lektüre, die ich allerdings lieber im günstigen Taschenbuch gelesen hätte.

Memory, Stadt der Träume – Christoph Marzi
321 Seiten, Arena Verlag
ISBN 9783401066226, 14,99 €
Hardcover

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