Besprechungen Phantastik

Christoph Marzi – Grimm

15. November 2010

Vesper Gold ist ein Scheidungskind mit ständig abwesender Mutter und nervigen, arroganten Mitschülern, nicht gerade ein Traumleben. Doch um einiges besser als der Albtraum, der sie kurz darauf heimsucht. Erst wird ihr Vater ermordet, kurz darauf auch ihre Mutter. Die Mörder ihrer Eltern sind auch hinter ihr her, und dem Schlüssel, den ihr Vater ihr hinterlassen hat. Das einzige, was ihr von ihm geblieben ist, abgesehen von den Erinnerungen an die vielen Märchen, die er ihr und ihrer Schwester immer wieder erzählte. Alleine versucht Vesper das Geheimnis des Schlüssels zu lösen. Hat er etwas damit zu tun, dass plötzlich Wölfe durch Hamburgs Nächte streunen? Damit, dass eines Abends plötzlich alle Kinder in einen tiefen Schlaf fallen? Wem kann sie noch vertrauen?

Christoph Marzi hat mit „Grimm“ die Mythen wieder lebendig werden lassen und sich dabei nicht nur von den Gebrüdern Grimm inspirieren lassen. Neben den in seinen Büchern immer wieder vorkommenden Anspielungen auf Lieder und alte Filme finden sich hier aber auch immer wieder verschiedene Märchenelemente, die mir beim Lesen ein Lächeln der Erinnerung auf die Lippen zauberten. Wer hat sie nicht gelesen, oder vorgelesen bekommen, die Geschichten mit den sieben Geißlein und dem bösen Wolf, Rotkäppchen, Dornröschen und die Schneekönigin. Nicht nur von den Gebrüdern Grimm, auch von vielen anderen wohlbekannten Autoren verwendete er bekannte Elemente. Natürlich finden sich auch wieder von Neil Gaiman inspirierte Szenen.

Wie schon in Lycidas vermischt Marzi geschickt bekannte Figuren und Geschichten um etwas ganz neues zu kreieren. Es macht Spaß, während der spannenden Suche nach der Lösung des Rätsels immer wieder auf die verschiedenen Anspielungen zu treffen. Die Geschichte ist bevölkert von allerhand leicht schrägen Charakteren, deren Beweggründe nicht immer gleich ersichtlich sind. Kommt am Ende vielleicht doch alles anders, als gedacht?

„Grimm“ ist ein modernes Märchen, in dem die alten Geschichten und ihre Bewohner wieder zum Leben erwachen. Lasst euch für ein paar Stunden in ein märchenhaftes Hamburg entführen, doch vergesst nicht, „nehmt euch vor den Wölfen in acht“ und „weicht vom Wege nicht!“

Grimm – Christoph Marzi
560 Seiten, Heyne
ISBN 9783453266612, 17,99 €

6 Kommentare

  • Antworten Stephie 15. November 2010 von 21:05

    So schnell hast du das Buch durch? Wow. Ich habs leider immer noch nicht T.T

    Dabei hat mich deine Rezension noch gespannter auf das Buch gemacht.

    • Antworten Emily 15. November 2010 von 21:10

      @Stephie: er ist großzügig gedruckt und las sich wirklich gut. Wenn man dann noch lernen sollte, ist so ein Buch schon mal schnell gelesen. 😉
      Immer noch nicht angekommen? Wie schade. 🙁 Hoffe es liegt morgen in der Post.

  • Antworten irina 15. November 2010 von 21:43

    Ich kann mir nicht verkneifen anzumerken, dass Marzi-Bücher IMMER großzügig gedruckt sind – um nicht zu sagen: Sie sind ziemlich aufgeblasen! 😉

    Die Geschichte klingt aber wirklich nett … Ich werd sicher auch irgendwann zuschlagen.

  • Antworten Nina [libromanie] 18. November 2010 von 17:12

    Ich war von »Lyra« ja dermaßen enttäuscht, dass ich etwas skeptisch bin. Vorbestellt hatte ich das Buch aber trotzdem. Es müsste also morgen auf der Arbeit auf mich warten. Dann werde ich über’s Wochenende gleich mal reinlesen.
    Märchen, Marzi… Müsste ja eigentlich gut sein.

    • Antworten Emily 18. November 2010 von 20:49

      @Nina: Lyra habe ich gar nicht mehr gelesen, nachdem mir Somnia schon nicht mehr wirklich gefiel. Heaven fand ich aber richtig schön, deshalb wollte ich Grimm auch gerne lesen und ich habe es nicht bereut. 🙂

  • Antworten Sisquinanamook 25. Januar 2011 von 08:53

    So… Heute morgen mit Grimm fertig geworden.
    Typischer Marzi Erzählstil, den ich sehr mag.

    Allerdings fand ich das Ende ein bisschen… Naja… sagen wir: unerwartet. Es baut sich alles auf bis hin zu extremer Spannung und dann finde ich das Ende ein bisschen schnell abgehandelt und vorhersehbar.

    Trotzdem ein Buch, dass sich wirklich gut lesen lässt und den Leser in eine mal anders märchenhafte Welt entführt.

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