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Annette Birschel – Mordsgouda

Heute mal eine Gastrezension. Hazamel hat sich das Buch von meinem SUB geschnappt und vor mir gelesen. Und rezensiert. Nachdem ich es dann auch lesen durfte, schloss ich mich seiner Meinung vorbehaltlos an. Also haben wir Buch gegen Rezension getauscht, hier ist seine Meinung zu “Mordsgouda”:

Annette war zufrieden mit ihrem Journalisten-Job in Genf. Bis sie in Australien “ihren Friesen” kennenlernte und der Liebe wegen als Deutsche nach Amsterdam zog.
Die Liebe ging, aber Annette blieb… und war damit nicht allein. Ihre Freundinnen vom Deutschen Stammtisch haben ähnliche Schicksale hinter sich. Sie scheinen auch bei weitem keine Einzelfälle zu sein, wie Annette bei ihrer Recherche bald feststellen muss. Sie wittert eine Story und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Mentalität der Niederländer…

In wie weit die Erlebnisse der Autorin Annette Birschel autobiografisch sind, kann man als Leser natürlich nur erahnen, zumindest steht fest, dass sie Journalistin ist und schon in Amsterdam gelebt hat. Für die Geschichte, die sie erzählt, ist das auch nicht weiter wichtig.

Birschel wirft mit ihrem Alter Ego einen respektvollen Blick auf unsere Nachbarn im Westen. Das ein oder andere Vorurteil und Klischee das Deutsche gerne gegenüber Niederländern haben kommt zwar zur Sprache, wird aber schnell in den richtigen Kontext gebracht. So kommen unter anderem die Liebe zum Käse, den Wohnwagen und ihre Königsfamilie zur Sprache. Und auch um das Thema Fussball lässt sich, im 2010 spielenden Buch, natürlich kein Bogen machen.
Die Geschichte rund um die Heirats- und Migrationsproblematik dient dabei nur als lose Rahmenhandlung um den Leser durch die Kultur und Denkweise der Niederländer zu führen. Niemals von oben herab oder nüchtern erzählt, sondern direkt aus dem Leben gegriffen und ins eigene Leben verwoben.
Einzig der Schluss kommt etwas überraschend und wirkt auch etwas zu gewollt, als dass ich das Buch als eine von vorne bis hinten runde Sache bezeichnen würde.

Mit knapp 240 Seiten empfiehlt sich das Buch geradezu als leichte Sommerlektüre für eine Zugfahrt, einen Tag am Strand oder eben einen verregneten Sommertag im Sessel zu Hause, der einen mal so in die Ferne schweifen lässt.
Es ist auf jeden Fall meine Sommerlochbuch-Empfehlung dieses Jahres

Mordsgouda - Annette Birschel
256 Seiten, Ullstein Taschenbuch
ISBN: 978-3548282015, 8,99 €

Monika Peetz – Die Dienstagsfrauen

Fünf Frauen, die sich jeden ersten Dienstag im Monat treffen. Inzwischen seit 15 Jahren, damals begann es mit einem Französisch-Kurs. So unterschiedlich sie auch sein mögen, sie wurden Freundinnen. So ist es für sie auch ganz selbstverständlich, Judith auf einer besonderen Reise zu begleiten. Ihr Mann starb vor kurzer Zeit, ohne seine Pilgerfahrt nach Lourdes beenden zu können. Judith möchte diesen Weg für ihn zu Ende gehen. So machen sich die Fünf auf, den Jakobsweg nach Lourdes zu pilgern. Auf dem Weg finden sie einiges, womit sie nicht gerechnet hatten. Die Wahrheit ist eines davon. Die Wahrheit über den letzten Weg von Judiths Mann ebenso, wie die Wahrheit über so manch anderes wohl gehütete Geheimnis. Wird ihre Freundschaft diese Probe überstehen?

„Die Dienstagsfrauen“ habe ich einfach weggeschmökert. Es werden einige Klischees bedient, das störte mich allerdings kein bisschen. Die Mädels waren mir alle sympathisch, ich konnte mich gut in die verschiedenen Charaktere hineinfühlen. Und habe auf dem einen oder anderen Meter ein wenig mit ihnen gelitten. Es hat richtig Spaß gemacht, mit ihnen diesen Weg zu gehen und zu sehen, wie sie sich verändern.

Wer eine angenehm leichte aber nicht zu seichte Sommerlektüre sucht, die auch noch gut in die Strandtasche passt, dem kann ich dieses Buch ans Herz legen.

Die Dienstagsfrauen – Monika Peetz
319 Seiten, KiWi
ISBN 9783462042559, 8,99 €

Chris Cleave – Little Bee (Hörbuch)

Little Bee ist ein sechzenjähriges nigerianisches Flüchtlingsmädchen. Als sie nach zwei Jahren endlich aus der Abschiebehaft kommt, hat sie nur einen Ort in ganz England, an den sie gehen kann. Vor ihrer Flucht traf sie Sarah und Andrew an einem Strand in Nigeria, seit diesem Tag trägt sie den Führerschein von Andrew mit seiner Adresse bei sich. Doch nachdem sie die beiden anrief, um ihr Kommen anzukündigen, nimmt Andrew sich das Leben. Sarah nimmt Little Bee trotzdem auf, die versucht ihr zur Seite zu stehen. Nach und nach weckt ihre Anwesenheit Erinnerungen bei Sarah, die sie lange verdrängt hatte. Zum Beispiel, wie sie damals ihren Finger an einem Strand in Afrika verlor…

„Little Bee“ ist ein sehr berührender Roman. Nicht nur die Geschichte von Little Bee bannte mich beim hören, auch die Beziehung zwischen Sarah und Andrew, die im Laufe der Geschichte immer weiter seziert wird. Mit Sarah und Little Bee erzählen zwei bewundernswerte Frauen, aus gänzlich unterschiedlichen Kulturen, ihre Geschichten und fesseln die Leser und Hörer damit.

Das Hörbuch wurde von den beiden Sprecherinnen Britta Steffenhagen und Sarah Alles ganz wunderbar umgesetzt. Die Stimmen passen perfekt zu den Charakteren, ich sah Little Bee und all ihre Erlebnisse regelrecht vor mir.  Jede freie Minute habe ich genutzt, um zu erfahren, wie es mit den beiden weiter geht.

Ein ganz fantastischer Roman, den ich sehr empfehlen kann und sicher noch das ein oder andere Mal verschenken werde. Damit Little Bees und Sarahs Geschichte noch andere ebenso nachdenklich, aber auch mit einem warmen Gefühl des Glücks zurück lassen kann.

Hörbuch

Little Bee
Autor Chris Cleave
Sprecherinnen Britta Steffenhagen und Sarah Alles
Länge 6 Stunden 16 Minuten (gekürzt)
Genre: Romane

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 16,95 €)

Joyce Maynard – Der Duft des Sommers

Der dreizehnjährige Henry lebt alleine mit seiner Mutter, die so gut wie nie das Haus verlässt. Nur wenn es sich nicht vermeiden lässt, wie zum Beispiel wenn Henrys Ferien bald zu Ende sind und er neue Kleidung für das nächste Schuljahr braucht. Bei diesem Einkauf wird Henry von einem verletzten Mann angesprochen und um Hilfe gebeten. Ob er und seine Mutter ihn mitnehmen könnten? Sie tun es und müssen schon bald erfahren, dass sie einen entflohenen Häftling mit nach Hause genommen haben. Doch Frank scheint vertrauenswürdig, er hilft ihnen im Haus, übt mit Henry Baseball und Henrys Mutter blüht zum ersten Mal seit Jahren auf. Fast ist es, als wären sie eine richtige Familie. Doch Frank wird noch immer gesucht und Henry muss eine schwere Entscheidung treffen.

„Der Duft des Sommers“ entführt seine Leser in die Welt des dreizehnjährigen Henrys. Ein Alter, in dem die Welt sowieso schon nicht einfach ist, man kaum weiß, wer man selbst ist. Plötzlich verändert sich das Leben, wie man es kannte, von heute auf morgen und Henry muss sich entscheiden, wem er glaubt. Den Zeitungen, die sagen Frank wäre ein gefährlicher Mörder, oder seinem eigenen Gefühl. Und dem seiner Mutter, die sich seit langem zum ersten Mal wieder zu einem Mann hingezogen fühlt.

Auch das Cover passt wunderbar, denn Pfirsiche spielen in diesem Buch eine besondere Rolle. Die Pfirsiche auf dem Umschlag kann man nicht nur sehen, man kann sie auch fühlen. Sie fühlen sich wirklich wie Pfirsiche an, ein toller Effekt, der mich sehr begeistert hat. Es sind solche Kleinigkeiten, die manche Bücher zu etwas besonderem machen, innerlich wie äußerlich.

Ein wunderschöner stimmungsvoller Roman, voller Emotionen die den Leser nicht mehr los lassen. Eines der Bücher, bei denen es schade ist, wenn sie viel zu schnell vorüber sind. Die einen aber noch eine ganze Weile in Gedanken begleiten. Die perfekte Lektüre für den Sommerurlaub.

Der Duft des Sommers – Joyce Maynard
286 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312160, 17,99 Euro
Hardcover

Katharina Hagena – Der Geschmack von Apfelkernen

Iris erbt unverhofft das Haus ihrer Großmutter. Da sie nicht sicher ist, was sie damit tun soll, bleibt sie erst einmal einige Tage dort. Es ist lange her, dass sie hier war. Früher hat sie oft den Sommer bei ihren Großeltern, den beiden Tanten und der Cousine verbracht. Bis ihre Cousine Rosmarie mit gerade mal 15 Jahren starb. Mit dem Haus kommen auch die Erinnerungen wieder. Die Erinnerungen an so vieles, was sie schon vergessen wähnte. Wie fanden ihre Großeltern damals zusammen und was geschah zwischen den drei Schwestern? Haus und Garten bergen viele schöne und auch traurige Erinnerungen, die nach und nach zwischen den Zweigen der Apfelbäume auftauchen.

„Der Geschmack von Apfelkernen“ ist eine wunderschöne Familiengeschichte, die über drei Generationen starker Frauen berichtet. Nach und nach enthüllen sich die Familiengeheimnisse, mit jedem Tag mehr im Haus kommen auch mehr Erinnerungen an die Oberfläche. Die Nachbarn sorgen auch für die eine oder andere Enthüllung und bringen das bisher bekannte Familienbild von Iris ins Wanken.

Mit diesem Buch möchte man sich unter einen Baum legen und die wunderbare Atmosphäre genießen, das perfekte Schmökerbuch für den Sommer. Es darf auch ruhig etwas anderes als ein Apfelbaum sein. Die Sprecherin Maren Eggert hat es mir allerdings nicht immer leicht gemacht. Sie liest Iris ganz wunderbar, nur merkt man leider überhaupt keinen Unterschied, wenn sie in Dialogen einen anderen Part spricht. Das hat mich stellenweise etwas gestört, die Handlung hat mich aber trotzdem immer gebannt weiter hören lassen.

Wer noch eine Lektüre für den bald anstehenden Sommerurlaub sucht, sollte hier mal reinschnuppern.

Hörbuch

Der Geschmack von Apfelkernen
Autor Katharina Hagena
Sprecher Maren Eggert
Länge 4 Stunden 46 Minuten (gekürzt)
Genre: Romane

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 9,95 €)

Das ist ein Buch!

“Das ist ein Buch!” von Lane Smith ist eine wunderschön illustrierte Liebeserklärung an das gedruckte Buch. Der Esel ist lieber virtuell unterwegs und ganz erstaunt, was der Affe da in Händen hält. Ein Buch? Kannst Du damit bloggen? Oder twittern? Hat es WLAN? Nein? Aber wozu ist es dann gut?

Ob der Affe den Esel von den Vorteilen eines Buches überzeugen kann? Schaut einfach mal rein, es ist wirklich ein tolles kleines Büchlein und ein schönes Geschenk für alle Leseratten und Computermenschen.

Das ist ein Buch! – Lane Smith
40 Seiten, Sanssouci
ISBN 9783836302760, 6,90 €

Paolo Giordano – Die Einsamkeit der Primzahlen

Primzahlen sind anders als alle anderen Zahlen. Einsam stehen sie zwischen ihnen, immer ein wenig am Rand. Ab und an finden sich aber Primzahlpaar. Primzahlen die sich nahe stehen, aber niemals wirklich zusammen finden. Mattia, dem Mathematik alles bedeutet, sieht sich und Alice als ein solches Primzahlpaar. Sie kennen sich seit Jahren, sind sich näher als allen anderen Menschen und bleiben doch immer auf Abstand. Liegt es daran, dass beide furchtbare Erlebnisse in ihrer Kindheit hatten? Alice wird ihr Leben lang an den Folgen eines Unfalls leiden, an dem sie ihrem Vater die Schuld gibt. Mattia verlor seine Zwillingsschwester, als er eigentlich auf sie aufpassen sollte. Ein Fehler, den er sich nie verzeihen wird. Kein leichter Weg für die beiden, können sie sich gegenseitig helfen ihn zu beschreiten?

Lange habe ich überlegt, ob ich das Buch lesen soll oder nicht. Jetzt bin ich froh, das Hörbuch gehört zu haben. Daniel Brühl liest die Geschichte der beiden so wunderbar, dass auch etwas schwierigere Passagen mich nicht abschrecken konnten. Es ist kein leichtes Buch für nebenbei, viele Szenen haben mich wirklich erschüttert. Aber es ist beeindruckend und bringt seine Leser oder Hörer zum nachdenken. Was eine unbedachte Tat für Folgen für ein ganzes Leben haben kann. Wie sehr hat man seinen Weg selbst in der Hand?

Wer die Geschichte weder hören noch lesen möchte, sollte vielleicht ins Kino gehen. Dort wird demnächst die Verfilmung des Buches starten. Auf irgendeine Weise sollte man sich diese Geschichte auf jeden Fall zu Gemüte führen, wenn man sich gerade nicht nur berieseln lassen, sondern auch beeindrucken lassen will. Ich würde von allen Varianten die Hörbuchversion empfehlen, die Daniel Brühl zu einem Erlebnis macht.

Hörbuch

Die Einsamkeit der Primzahlen
Autor Paolo Giordano
Sprecher Daniel Brühl
Länge 6 Stunden 17 Minuten (gekürzt)
Genre: Zeitgenössische Literatur

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 17,95 €)

Virginia Ironside – Nein! Ich gehe nicht zum Seniorentreff!

Wer will schon gerne alt werden? Wenn man im Bus einen Sitzplatz angeboten bekommt und die Zipperlein sich mehren, ist es dann doch so weit. Entkommen kann dem niemand von uns. Aber auch älter werden ist eigentlich nur Einstellungs-Sache, wie Virginia Ironside in diesem sehr humorvollen Buch zeigt.

In kurzen Episoden berichtet sie gnadenlos von allen möglichen Seiten des Älterwerdens. Die Schattenseiten beschönigt sie nicht, berichtet aber mit dermaßen trockenem Humor über unvermeidliche Zipperlein und ihre Folgen, dass man trotzdem heimlich in sich hinein grinsen darf. Sie verschweigt aber auch die nicht die angenehmeren Seiten des Seniorentums, ja die gibt es. In diesem Buch bekommen wir Jüngeren das immer wieder unter die Nase gerieben. Sie berichtet so herzerwärmend von den schönen Seiten dieses Lebensabschnittes, das man unweigerlich zu dem Schluss kommt: „Alt werden ist gar nicht so schlimm“. Man muss nur mit Humor nehmen, was sich nicht vermeiden lässt und genießen, was früher nicht möglich war.

Virginia Ironside schreibt wunderbar frech, was den Leser in Kombination mit ihrer Offenheit und Ehrlichkeit immer wieder lächelnd den Kopf schütteln lässt. Nicht nur ein tolles Geschenk für alle, die sich langsam aber sicher dem Alter stellen müssen. Auch jüngeren Lesern würde ich empfehlen mal rein zu schnuppern, um sich diese Welt ein wenig näher bringen zu lassen. Wer gerne mehr davon hätte, kann gleich in Virginia Ironsides erstem Buch „Nein! Ich will keinen Seniorenteller!“ weiter lesen.

Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff! – Virginia Ironside
255 Seiten – Goldmann
ISBN 9783442312573, 17,99 €
Hardcover

Gehört: Arno Geiger – Der alte König in seinem Exil

Arno Geigers Vater leidet an Alzheimer. Lange war seinen Kindern nicht bewusst, dass der Vater sich nicht einfach gehen lässt. Dass ihn schon eine Krankheit in ihren Fängen hat, die ihre Opfer ihrer Orientierung beraubt. Sowohl in der Welt um sich herum, als auch in ihren eigenen Erinnerungen. Als allen klar wird, dass sie gemeinsam gegen einen unbesiegbaren Feind antreten, bringt das die Familie wieder näher zusammen. So lange wie es möglich ist, kümmern sich Arno Geiger und seine Geschwister um ihren Vater und pflegen ihn in seinem Zuhause. Über diese Zeit aber auch die Vergangenheit des Vaters berichtet der Autor in diesem Buch.

„Der alte König in seinem Exil“ ist ein sehr ergreifendes Buch, das aber trotz all der Schattenseiten, die eine solche Krankheit mit sich bringt, den Hörer auch immer wieder zum Lächeln bringt. Arno Geiger erzählt ungeschönt davon, wie schwer es ist, wenn jemand der einem nahe steht, sich selbst verliert. Aber auch, dass dieser Mensch trotz allem noch bewundernswert und geistreich sein kann. Wenn man bereit ist, sich in seine Welt zu begeben, da ihm der Weg in die der anderen verwehrt wird. Der Autor gesteht offen, dass er sich dafür schämt und um Vergebung bittet, weil sie die Krankheit anfangs nicht erkannten und den Vater oft ermahnt hatten. „Streng Dich doch mal an“, „Konzentrier Dich“ oder „Lass Dich nicht hängen“. Im Nachhinein hätten sie diese Zeit lieber besser genutzt. So konnte er später nur die Tage nutzen, die er bei seinem schon dementen Vater verbrachte. Aber in dieser Zeit kam er ihm noch mal sehr nahe.

Nicht nur über die letzten Jahre des Vaters wird hier berichtet, auch über seine Jugend mit vielen Geschwistern, die Zeit im Krieg und in der Gefangenschaft und die Jahre danach. Denn vieles, was damals Spuren in der Seele hinterließ, tritt im Verlauf der Krankheit noch mal zu Tage.

Ein Buch, das mir das Leben eines Alzheimerkranken auf ehrliche, schonungslose und gleichzeitig herzerwärmende Weise näher brachte. Die wunderbare Sprache macht das Hören zum Genuss, der Sprecher Matthias Brandt lässt einen alles um einen herum vergessen und ganz und gar in diesem Hörbuch aufgehen. Ein Buchtipp für alle, die mit diesem Thema konfrontiert werden, und verstehen wollen.

Hörbuch

Der alte König in seinem Exil
Autor Arno Geiger
Sprecher Matthias Brandt
Länge: 4 Stunden 17 Minuten (ungekürzt)
Genre: Bildung & Wissen

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)

Oliver Uschmann – Nicht weit vom Stamm

Sven stehen eigentlich alle Türen offen. Er kommt aus einem guten Elternhaus, ist intelligent und hat schon mit 14 einen Preis für ein Projekt gewonnen. Aber vor fünf Jahren ist etwas geschehen, dass Sven alle Türen zuschlagen ließ. Er gerät auf die schiefe Bahn, hängt mit brutalen Typen herum, säuft und genießt es, anderen Angst zu machen. Doch dann wird der einzige Mensch bedroht, der ihm etwas bedeutet, seine Schwester Lina. Um sie zu retten muss er sich zusammen reißen und werden wie die Spießer, die er inzwischen so sehr verabscheut. Wird er seine Schwester retten können?

Oliver Uschmann hat mit „Nicht weit vom Stamm“ das zweite Jugendbuch veröffentlicht, nachdem er vorher mit den „Hartmut-Büchern“ eher Erwachsene begeistert hat. Unter anderem auch mich. Weshalb ich ziemlich gespannt auf seinen Jugend-Roman war. Der Anfang war auch sehr viel versprechend, ich empfand schnell Sympathie für den Protagonisten Sven, auch wenn er sich wirklich übel verhalten hat. Irgendwie versteht man ihn trotzdem.

Ab der Mitte hatte das Buch für mich allerdings eine ziemlich lange Durststrecke. Bis fast zum Ende. Dass die Auflösung der Identität des Erpressers auch noch meinen Verdacht vom Anfang bestätigt hat, war ziemlich enttäuschend für mich. Der Realismus lässt auch immer mehr nach, ich konnte mir zu guter letzt überhaupt nicht mehr vorstellen, dass es wirklich so geschehen könnte. Die Berg- und Talfahrten der Emotionen wurde für meinen Geschmack etwas zu sehr ausgereizt. Wenn man schon weiß, dass auf das aktuelle Hoch spätestens zwei Seiten später ein Tief folgt, kurz darauf sicher wieder ein Hoch, und immer so weiter, verlieren die doch enorm an Wirkung.

Interessant war die Entwicklung Svens, der auch mal den Spiegel vorgehalten bekommt und selbst über seine Außenwirkung erschrickt. Das Resozialisierungsprogramm seiner Freunde hat mich auch das ein oder andere Mal schmunzeln lassen.

Vielleicht bin ich einfach zu erwachsen für das Buch und Jugendliche, für die es ja auch geschrieben wurde, sehen es weniger kritisch. Meiner Meinung nach hätte es gut 100 Seiten kürzer sein können, dann hätte ich wohl auch mehr Spaß damit gehabt. Interessant war der Ausflug in diese mir ganz fremde Welt aber trotzdem, weshalb ich dann auch bis zum Ende durchgehalten habe.

Nicht weit vom Stamm – Oliver Uschmann
522 Seiten, Script 5
ISBN 9783839001202, 14,95 €