Archiv für Sonstige Belletristik

Jojo Moyes – Ein ganzes halbes Jahr

GanzeshalbesJahr

Louisa arbeitet in einem kleinen englischen Ort im Café und ist damit glücklich. Sie fällt mit ihrem etwas anderen Modegeschmack zwar auf, aber das stört sie nicht. Ihre Welt ist klein, aber so wie sie es sich wünscht. Bis sie eines Tages ihren Job verliert. Es gibt nicht viele Alternativen für sie im Ort, also bewirbt sie sich um die Stelle als Pflegehilfe bei einem Tetraplegiker. Einem Mann, der ab dem Hals abwärts bewegungsunfähig ist. Ohne zu ahnen, was aus diesem Job werden könnte.

Will war vom Glück verwöhnt. Er hat seinen Traumjob, verdient Geld ohne Ende, kann sich ein Leben voller Abenteuerurlaube und Aktionismus leisten. Bis er unverschuldet einen Unfall hat, der ihn an den Rollstuhl fesselt. Er kann nur noch den Kopf unde eine Hand minimal bewegen. Für jemanden, der so aktiv war wie er, ein unvorstellbares Leben voller Schmerzen und Entbehrungen. Doch dann lernt er Lou kennen.

„Ein ganzes halbes Jahr“ ist ein sehr berührender Roman, leichte Zwischenlektüre, die einen emotional gerade gegen Ende aber ganz schön ran nimmt. Zu Beginn war ich noch etwas enttäuscht, dachte mir, dass die Idee zu diesem Roman sicher nach dem Film „Ziemlich beste Freunde“ entstand, die Parallelen sind am Anfang ziemlich offensichtlich. Aber dann befreit „Ein ganzes halbes Jahr“ sich davon und entwickelt seine ganz eigene Geschichte.

Eine Geschichte, die einen nachdenklich werden lässt. Zu vielen Themen, die ich hier nicht erwähnen möchte, weil ich damit zuviel voraus nehmen würde. Will und Louisa werden so realistisch gezeichnet, mit Kanten und Ecken, diese Geschichte könnte wirklich ein paar Häuser weiter passieren.

Ein wunderschönes Buch, zu dem man sich unbedingt ein Päckchen Tempos bereit legen sollte.

Ein ganzes halbes Jahr – Jojo Moyes
520 Seiten, Rowohlt Verlag
ISBN 9783499267031, 14,99
Paperback

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Gianrico Carofiglio – In der Brandung

InderBrandung

Roberto Marías lebte jahrelang ein provisorisches Leben, spielte immer eine Rolle. Als verdeckter Ermittler war er im Drogenmilieu unterwegs. Bis er sich selbst verlor und wegen psychischer Probleme vom Dienst freigestellt wurde. Dann lernt er Emma kennen, die ebenso wie er in Behandlung ist. Eines Tages bittet Emmas Sohn Giacomo ihn um Hilfe, eine Freundin ist in großer Not.

„In der Brandung“ wird als Krimi eingeordnet, was ich allerdings nicht unterschreiben würde. Es ist die Geschichte eines Polizisten, die aber viel mehr ist als nur seine Fälle. Als Leser begleitet man Roberto auf dem Weg zur Wahrheit. Zu Beginn berichtet er beim Psychiater noch stolz von seinen ersten Fällen und den großen Fischen, die er in seiner Karriere hinter Gitter brachte. Doch immer mehr kommt die Erkenntnis, was das jahrelange Rollenspiel mit ihm angerichtet hat, wie es ihn fast zerbrochen hat. Bis er sich selbst einen schlimmsten Erinnerungen stellen muss, die er lieber verdrängt hätte.

Gianrico Carofiglio verfügt über viel Insiderwissen, was man seinen Büchern auch anmerkt. Er fesselt seine Leser mit diesen Szenen, während er gleichzeitig seine beeindruckend tiefgründigen Charaktere zeichnet, uns an ihrer Entwicklung teilhaben lässt. „In der Brandung“ handelt an vielen Stellen von Vätern und Söhnen, Väter die mehr oder weniger freiwillig gehen und ihre Söhne alleine lassen. Kein einfaches Thema, das Carofiglio mit Fingerspitzengefühl aber ohne Samthandschuhe angepackt hat.

Es ist schwer zu beschreiben, was an seinen Büchern so fesselt. Wer gerne Bücher mit Hauptfiguren liest, die nicht nur stereotype Klischees abarbeiten, sondern sich entwickeln und gleichzeitig interessante Informationen zur Mafia und ihren Machenschaften aufdecken, sollte unbedingt mal reinschauen. „In der Brandung“ eignet sich perfekt für einen Einstieg, weil es das erste Buch mit Roberto Marías ist.

In der Brandung – Gianrico Carofiglio
285 Seiten, Goldmann Verlag
ISBN 9783442312269, 17,99 €
Gebunden

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Anne Gesthuysen – Wir sind doch Schwestern (Hörbuch)

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Die Schwestern Katty, Paula und Gertrud treffen sich auf dem Tellemannshof, denn ein ganz besonderer Geburtstag steht an. Gertrud feiert ihren 100., das muss groß gefeiert werden. Wenn drei ältere Damen mit reichem Erfahrungsschatz zusammen kommen, werden natürlich auch Erinnerungen ausgetauscht. Der Hof war nicht nur Kattys Heimat, auch für Gertrud ist er ein wichtiger Punkt ihrer Vergangenheit. Und so manche Geschichte haben sich die Schwestern bis heute nicht ganz ehrlich erzählt, jetzt wird es Zeit, reinen Tisch zu machen und die Wahrheit zu erzählen.

„Wir sind doch Schwestern“ erzählt wunderbar atmosphärisch die ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten der drei Schwestern. Die nicht nur den zweiten Weltkrieg miterlebt haben. Alle drei hatten sehr bewegte Leben, wenig Glück mit der Liebe und doch haben sie irgendwie ihren Weg geschafft und sind gar nicht so unzufrieden mit dem Ergebnis.

Von der ersten gehörten Minute an waren mir die Damen sympathisch, jede so wunderbar schrullig mit ihren ganz eigenen Macken. Man sieht die drei Damen regelrecht vor sich, die eine kann kaum noch laufen, die mittlere ist fast blind, Katty ist mit ihren 84 Jahren die Jüngste und fitteste. Man stelle sich die drei auf dem Weg in die Kirche vor, einfach wunderbar. Danach gibt es dann den Elfürken, den obligatorischen Schnaps um elf Uhr. Den man aber auch mal zwischendurch trinken kann, die Damen sind trinkfest.

Der Sprecherin Doris Wolters hatte ich schon in „Die hellen Tage“ gerne gelauscht, auch dieses Hörbuch hat sie wieder großartig umgesetzt. Ihr Stimme passt sehr gut zu den Damen und lässt einen in die Geschichte eintauchen.

Ein wunderschöner Roman, der seine Leser oder Hörer 100 Jahre Geschichte nacherleben lässt. Geführt von drei lebensnahen und handfesten Charakteren, die man gerne selbst als Großtanten gehabt hätte.

Hörbuch

Wir sind doch Schwestern
Autor Anne Gesthuysen
Sprecher Doris Wolters
Länge 6 Stunden 50 Minuten (gekürzt)
Genre: Zeitgenössische Literatur

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 15,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

 

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Gisa Klönne – Das Lied der Stare nach dem Frost

LiedStareFrost

 

Rixa badet gerade im Meer, das Leben als Barpianistin auf einem Luxus-Liner hat auch Vorteile, als sie vom Tod ihrer Mutter erfährt. Ein Autounfall, sie war als Geisterfahrerin unterwegs. Wie konnte das geschehen? War es wirklich ein Unfall oder doch Selbstmord? Geschah es zufällig an fast der gleichen Stelle, an der vor einigen Jahren Rixas Bruder bei einem Unfall ums Leben kam? Sie macht sich auf die Suche nach Antworten und taucht dabei tief in die Familiengeschichte ein. Es gibt ein dunkles Geheimnis, über das niemand ihrer Onkel und Tanten reden möchte. Damals, zur Zeit des Nationalsozialismus, die für eine evangelische Pfarrersfamilie nicht einfach war.

„Das Lied der Stare nach dem Frost“ hat mich verzaubert. Der Leser folgt zum einen Rixa in der Gegenwart, auf der Suche nach der Wahrheit. Wobei sie sich auch die eine oder andere Wahrheit über sich selbst eingestehen muss. Auch den Tod ihres Bruders hatte sie nie verarbeitet, jetzt stürzt alles auf sie ein. Zum anderen folgt man ihrer Familie in der Vergangenheit durch die Jahre vom ersten bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. Ganz langsam bewegen sich diese beiden Handlungsstränge aufeinander zu, bis Rixa und auch der Leser erfahren, was damals wirklich geschah. Weiterlesen

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Carlos Ruiz Zafón – Der Gefangene des Himmels (Hörbuch)

 

GefangeneHimmels

Im dritten Roman der Barcelona-Reihe ist Fermín die Hauptperson. Ein geheimnisvoller Mann taucht in der Buchhandlung auf. Um Daniel klar zu machen, wie gefährlich dieser Mann ist, erzählt Fermín ihm von seiner Vergangenheit. Der Zeit im Gefängnis, wo er nach dem spanischen Bürgerkrieg als politischer Gefangener einsaß. Eine Zeit, die noch viele Jahre später ihre Schatten wirft. Denn dort hat er sich einen Feind fürs Leben gemacht, der noch dazu eine mächtige Position im Staat innehat. Kann er ihm noch einmal entkommen?

Fermíns Geschichte verknüpft die bisherigen beiden Bücher „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ miteinander. Man kann sie alle drei unabhängig voneinander lesen, aber das entdecken der Parallelen und das wieder treffen bekannter Personen macht einen großen Reiz der Geschichte aus. „Das Spiel des Engels“ war mir zu mystisch, „Der Gefangene des Himmels“ ist wieder mehr wie „Der Schatten des Windes“ und gefiel mir damit auch wieder sehr gut. Zafón entführt den Leser in ein Barcelona mit fantastischen Anklängen, wie gewohnt in einer wunderschönen Sprache.

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“Ready Player One” und “Drüber leben”

 

Zwei Bücher gingen dieses Jahr im Umzugstrubel leider unter. Beide hatten mich begeistert, für beide fehlte mir die Ruhe, sie zu rezensieren. Ganz unerwähnt lassen will ich sie aber doch nicht, auch wenn es nach der langen Zeit nicht mehr für eine richtige Rezension reicht.

„Ready Player One“ von Ernest Cline hat mich selbst zwischen Umzugskisten sitzend gefesselt und das Chaos um mich herum vergessen lassen. Im Jahr 2044 verbringen die meisten Menschen ihre Zeit in einer virtuellen Welt. Als der Begründer dieser Welt stirbt, beginnt ein Wettrennen in eben dieser Welt. Wer zuerst die Rätsel löst, die hier versteckt wurden, wird ein Vermögen erben. Als Wade Watts es tatsächlich schafft, das erste Rätsel zu knacken, gerät er ins Visiert mächtiger Feinde, die ihn nicht nur in der virtuellen Welt bedrohen. Jetzt ist es nicht mehr nur ein Wettrennen gegen die anderen Mitspieler überall auf der Welt, jetzt rennt Wade um sein Leben.

Ein fantastischer Roman, der nicht nur Computerspieler begeistern wird. Voller Anspielungen auf die Musik und TV-Serien der achtziger Jahre ist es auch ein Buch für alle etwas „älteren“ Semester, die sich noch gut an diese Zeiten erinnern können. Für Nerds eigentlich Pflichtlektüre, die werden wahrscheinlich noch wesentlich mehr der hier genannten Spiele und Konsolen kennen. Und niemand könnte die an Wahnsinn grenzende Begeisterung für virtuelle Welten wohl besser verstehen.

„Drüber leben“ von Kathrin Weßling hat mich tief berührt. Ida geht in eine Klinik, um sich Hilfe gegen die Depressionen zu holen. Nicht zum ersten Mal. Und erzählt vom Leben in der Klinik, vom Leben mit den Monstern und vom Weg zur Wahrheit. Denn um gesund zu werden, muss sie erst einmal lernen, ehrlich zu sich selbst zu sein. Um sich zu schützen, hat sie sich selbst so lange belogen, bis sie ihre Geschichten selbst glaubte. Aber tief in ihr drin sitzt die Wahrheit und quält sie.

Ein sehr beeindruckendes Buch, das nicht nur eine sehr interessante Geschichte erzählt. Es hilft vielleicht auch, Depressionen besser zu verstehen, als Krankheit zu begreifen. Und deshalb ein in meinen Augen wichtiges Buch.

 

Ready Player One – Ernest Cline
510 Seiten, Penhaligon
ISBN 9783764530907, 19,99 €

 

Drüber leben – Kathrin Weßling
318 Seiten, Goldmann Verlag
ISBN 9783442312849, 16,99

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Zsuzsa Bánk – Die hellen Tage (Hörbuch)

 

Aja, Seri und Karl sind schon von Kindheit an Freunde. Zu dritt sind sie nicht mehr anders als die meisten, es fehlt weniger. Denn jeder von ihnen hat etwas verloren. Ajas Vater kommt nur einmal im Jahr für ein paar Wochen vorbei, er ist als Artist tätig und zieht ständig umher. Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, Karls jüngerer Bruder verschwand eines Tages. Ihre Mütter sind zwar ganz verschieden, freunden sich dank ihrer Kinder aber an und begleiten die drei durch die Jahre. Die sie erst im kleinen Ort Kirschblüt verleben, bis Studium und Beruf sie nach Rom verschlagen.

„Die hellen Tage“ ist ein ruhiges Buch, das von seinen bunten Charakteren lebt. Der Norm entspricht hier kaum jemand, nicht nur Aja und ihre Artistenfamilie sind ein buntes Völkchen. Alle Charaktere entblättern sich während der Geschichte immer weiter, man dringt Schicht für Schicht zu ihren Geheimnissen vor. Geschichten, die man zu Anfang des Romans nicht einmal ansatzweise ahnt.

Doris Wolters liest das Hörbuch mit einer sehr angenehmen Stimme. Weder übertrieben spannend, noch zu ruhig. Genau passend zur Atmosphäre des Buches, könnte man ihr stundenlang zuhören.

Ein wunderschöner Roman über Freundschaft, die Liebe und das Schicksal. Helle und dunkle Tage. Mit Charakteren, denen man gerne begegnen würde. Eine Geburtstagsfeier mit Aja und Evi im Garten erleben, zusehen wie die drei Rad schlagend durch den Garten turnen, im Fotolabor Mäuschen sein… Es gibt viele Szenen, die mir nach dem hören bildlich vor Augen stehen und in Erinnerung bleiben werden.

Hörbuch

Die hellen Tage
Zsuzsa Bánk
Sprecher Doris Wolters
Länge 6 Stunden 47 Minuten (gekürzt)
Genre: Zeitgenössische Literatur

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 10,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

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Timur Vermes – Er ist wieder da

 

Adolf Hitler erwacht nach 60 Jahren mitten in Berlin. Das Deutschland, das er kannte, sieht 2011 so ganz anders aus. Begeistert ist er davon nicht. Das ist wohl auch der Grund, weshalb er wieder da ist. Er soll Deutschland retten. Schon einmal fing er ganz klein an, das will er wieder schaffen. Und landet im Fernsehen. Das ideale Medium um seine Kritik und seine Ideologie unters Volk zu bringen.

„Er ist wieder da“ ist tiefschwarze Satire der erschreckenden Art. Hitler wird hier nicht als Witzfigur dargestellt, sondern als der hochintelligente und daher so gefährliche Mensch, der er war. Er manipuliert Menschen und Medien, dreht jedem das Wort im Mund herum, bis seine Gegner selbst nicht mehr wissen, wie es geschehen konnte. All das gekonnt versteckt hinter Kritik an der aktuellen Gesellschaft. Kritik, der sich viele Menschen anschließen würden, denn er spricht auch einige wahre Missstände an. Versteckt hinter der Maske der Polit-Comedy. Seine Zuhörer glauben, das sei Satire. Beängstigend ist es als Leser, weil man weiß, dass er es ernst meint.

Anfangs amüsiert man sich über diesen Menschen, der nach verpassten 60 Jahren Mühe hat, sich in unserer Welt zurecht zu finden. Dann lacht man über all die, die er sich als Opfer seiner fanatischen Reden auswählt. Von den heutigen Vertretern seiner Sache ist er so gar nicht begeistert, und stellt sie ordentlich in den Senkel. Aber auch keine der anderen Parteien kommt bei ihm gut weg. Und doch bleibt immer ein ungutes Gefühl dabei. Es ist beängstigend zu sehen, wie dieser Mann an Ansehen und Macht gewinnt, weil es so realistisch dargestellt wird. Niemand nimmt seine Tiraden wirklich ernst. Schon einmal wurde ein Mann zu lange nicht wirklich ernst genommen, bis es zu spät war.

Eine Mischung aus Humor und Gänsehaut, die zum lachen bringt und gleichzeitig zum nachdenken anregt. Ein Buch, das die Leser teilen wird und sicher nicht jedermanns Geschmack trifft. Wer anspruchsvollen Humor mit einer Prise Gesellschaftskritik mag, sollte unbedingt reinlesen.

Er ist wieder da – Timur Vermes
396 Seiten – Eichborn Verlag
ISBN 9783847905172, 19,33 €
Hardcover

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Wladimir Kaminer – Onkel Wanja kommt (Hörbuch)

 

Onkel Wanja schreibt, er sei schon alt, habe überall Schmerzen, aber er möchte noch einmal die Welt sehen. Oder doch wenigstens Deutschland, Berlin reicht schon. Wladimir soll ihn doch bitte einladen. Das tut der natürlich gerne für seinen Onkel, nicht viel später trifft der auch schon in Berlin ein.

Aber eigentlich ist die Handlung in diesem Buch absolut unwichtig. Sie ist nur der Aufhänger für all die Erinnerungen und Abschweifungen, in denen Wladimir Kaminer sich genussvoll ergeht und dabei so manchen nachdenkenswerten Satz sagt. Aber auch etliche, bei denen man nur grinsend nicken kann. Die Themen sind so vielfältig wie die Blätter eines Baumes. Erinnerungen an seine Ankunft in Deutschland, Ausschweifungen über das russische und das deutsche Beamtentum, ein nettes Treffen mit einem syrischen Taxifahrer, das Leben in der ewigen Großbaustelle Berlin… Man hat den Eindruck, es könnte noch unendlich so weiter gehen, Kaminer fällt sicher immer noch etwas ein.

Das Hörbuch liest der Autor selbst, auf unnachahmliche Weise. Herr Kaminer hat sich seinen russischen Akzent bewahrt, nach kurzem einhören macht es unglaublich Spaß, dieser angenehmen Stimme zu lauschen.

Eines der wenigen Hörbücher, dich ich dann doch gerne ungekürzt gehört hätte, um noch mehr Zeit damit verbringen zu dürfen.

Hörbuch

Onkel Wanja kommt
Autor Wladimir Kaminer
Sprecher Wladimir Kaminer
Länge 2 Stunden 14 Minuten (gekürzt)
Genre: Romane, Zeitgenössische Literatur

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

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Angela S. Choi – Hello Kitty muss sterben

 

Fiona ist eine erfolgreiche Anwältin in Amerika. Lebt aber noch immer bei ihren chinesischen Eltern. Mit 28 Jahren sollte sie endlich heiraten, beschließt ihr Vater. Und besorgt ihr jedes Wochenende ein Date, für das sie bitte den Lippenstift nicht vergessen soll! Mit Männern hatte Fiona bisher wenig Glück, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass ihre chinesische Erziehung keinen Sex vor der Ehe erlaubt. Welcher Mann will schon beim dritten Date heiraten? Als sie zufällig einen alten Bekannten wieder trifft, lösen sich einige ihrer Probleme fast wie von selbst.

„Hello Kitty muss sterben“ beschreibt die schwierige Rolle zwischen zwei extrem gegensätzlichen Kulturen. Fiona kann es niemandem Recht machen. Die Eltern hätten gerne eine Hello Kitty, ein süßes Ding ohne Zähne oder Krallen. In der Welt vor der Tür ihres Elternhauses muss sie sich im harten amerikanischen Leben beweisen. Das führt auch mal zu etwas ausgefallenen Aktionen.

Das an sich ernste Thema wird hier in tiefschwarzem Humor verpackt. Bitterböse, was sicher nicht jedermanns Sache ist. Ich habe mich dabei köstlich amüsiert. Wer sich unsicher ist, sollte einfach mal die ersten Seiten probelesen, wenn man damit klar kommt, geht auch der Rest. Aber Vorsicht, ich lag laut lachend im Bett.  Das könnte in der Öffentlichkeit eventuell peinlich werden, wenn ihr gerade ein quietschepinkes Buch in Händen haltet.

Die Coverfarbe hatte mich erst neugierig gemacht, dann aber doch auch skeptisch. Zum Glück habe ich mich nicht abhalten lassen, Buchtipp für alle, die ihren Spaß an schwarzem Humor haben und kein Problem mit ernsten Untertönen.

Hello Kitty muss sterben – Angela S. Choi
283 Seiten – btb Verlag
ISBN 9783442741267, 8,99 €
Taschenbuch

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