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Thomas Wanhoff – Wa(h)re Freunde

„Wa(h)re Freunde – Wie sich unsere Beziehungen in sozialen Online-Netzwerken verändern“ zeigt, wie sich Freundschaften in einer Welt voller Netzwerke verändern können. Ohne diese zu verteufeln oder zu glorifizieren. Es ist keine Bedienungsanleitung, sondern die Beschreibung einer Welt, die vielen noch immer fremd ist. Er konzentriert sich dabei auch nicht auf Facebook und StudiVZ, Foren und Netzwerke in aller Welt werden ebenso vorgestellt.

Nach einer kurzen Einführung in die Begriffe und Vorstellung verschiedener Communities gibt es einen Blick hinter die Kulissen. Warum unterhält jemand überhaupt so eine Seite? Was haben die Betreiber davon? Was tun sie mit unseren Daten?

Später geht es um Freunde in Netzwerken. Sind sie vergleichbar mit dem Sandkastenfreund? Wo sind die Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten? Welchen Nutzen haben wir von Online-Communities? Was passiert überhaupt in diesen Communities? Wird dort wirklich den ganzen Tag geschrieben, was jemand gerade gegessen hat oder wo er sitzt? Warum gibt es Menschen, die das interessiert?

Viele interessante Fragen, die einen über den eigenen Umgang mit Communities nachdenken lassen. Wanhoff geht das Thema angenehm entspannt an. Er macht keine Angst, weil man seine Daten hergibt, sondern zeigt, wofür die Daten genutzt werden. So kann jeder selbst entscheiden, wie er damit umgeht. Der Schreibstil ist locker, aber nicht zu lässig. Die Fakten werden immer wieder mal durch eine private Anekdote aufgelockert, so liest sich dieses Sachbuch sehr angenehm.

„Wa(h)re Freunde“ ist keine Anleitung, wie man Facebook nutzen soll. Aber es zeigt, wie man verschiedene soziale Netzwerke einsetzen kann. Sei es privat oder dienstlich. Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der sich in die Welt der Netzwerke begibt. Nicht nur Neulinge können hier viel lernen, auch alte Hasen werden sicher noch das eine oder andere finden, was ihnen bisher unbekannt war.

Wa(h)re Freunde – Thomas Wanhoff

259 Seiten, Spektrum

ISBN 9783827427830, 12,95 €

Bill Bryson – Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge (Hörbuch)

Bill Bryson nimmt seine Leser oder Hörer mit auf einen Rundgang durch sein Haus. Ein altehrwürdiges Heim, das vor etlichen Jahren von einem englischen Landpfarrer gebaut wurde. Bill Bryson erzählt, inspiriert von dem Raum, in dem er sich gerade aufhält, über alles mögliche, was die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte erlebt und geprägt hat. Dabei macht er sich Gedanken um scheinbar selbstverständliche Dinge, wie zum Beispiel, warum auf dem Tisch meistens Salz und Pfeffer stehen. Warum gerade die und keine anderen Gewürze?

Warum wurden die Menschen sesshaft? Wie hat man früher gelebt und was hat man gegessen? Welche Mode war modern? Wie entdeckte und behob man den Skorbut? Wo bekamen die Mediziner frische Leichen her? Unendlich viele Themen schneidet Bryson in diesem nicht wirklich kurzen Werk an. Aber wer sich ein wenig dafür interessiert, wie Menschen früher lebten, wird hier wunderbar unterhalten und ganz sicher noch so einiges lernen, was so in keinem Geschichtsbuch steht. Vieles davon hat noch heute Einfluss auf unsere Lebensart. Auch vor weniger angenehmen Themen wie Geschlechts-Krankheiten und verdorbenem Essen, das sich auf dem Teller bewegt, schreckt Bryson nicht zurück. So erhält man ein unglaublich plastisches Bild der Vergangenheit, ohne Schönfärberei.

Rufus Beck gibt dem Buch eine Stimme, die ganz wunderbar passt. Es war mein erstes Hörbuch mit ihm, ich verstehe jetzt gut, warum viele seine Hörbücher so mögen. Eine Stimme, der man stundenlang lauschen könnte.

“Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge” ist eines der Bücher, die man immer wieder hören oder lesen kann und jedes Mal etwas findet, was einem zuvor entgangen ist. Ich werde es dieses Jahr sicher unter den einen oder anderen Weihnachtsbaum legen.

Hörbuch

Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge
Autor Bill Bryson
Sprecher Rufus Beck
Länge 19 Stunden 53 Minuten (ungekürzt)
Genre: Bildung & Wissen

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible im Flexi-Abo für 9,95 €

Thomas Böhm – Das Lesekreis-Buch

Bücherwürmer und Leseratten tauschen sich gerne über ihre Lektüre aus. Denn nicht nur das Lesen selbst macht den meisten von uns Spaß, auch das darüber reden. Um den Freundeskreis nicht zu sehr zu belasten, bieten sich dafür zum Beispiel Lesekreise an. Gleichgesinnte treffen sich, mehr oder weniger regelmäßig, und sprechen über die Bücher, die sie gelesen haben.

Lesekreise gibt es in den verschiedensten Formen und mit den verschiedensten Regeln. Einige davon hat Thomas Böhme in diesem Buch vorgestellt, um Anregungen für den eigenen Lesekreis zu bieten. Er beginnt mit Tipps, wie man einen Lesekreis starten könnte und erzählt von seinen jahrelangen Erfahrungen in Lesekreisen. Wie sollte man die Lektüre wählen? Wo kann sich ein Lesekreis treffen und wie bringt man die Diskussion über das gelesene in Schwung? All das und noch viel mehr findet sich in diesem Buch. Abgerundet wird es durch Leselisten mit Lektürevorschlägen von Denis Scheck, Sigrid Löffler und anderen.

Ein Buch, das wirklich Lust macht die Dinge in die Hand zu nehmen und einen eigenen Lesekreis zu gründen. Bei so vielen verschiedenen Ideen ist für jede Art von Leser etwas dabei. Ich kenne Lesekreise bisher nur virtuell, in Form von autorenbegleiteten Leserunden auf www.leserunden.de. In „real“ stelle ich es mir noch wesentlich intensiver vor und überlege schon, wen ich von der Idee überzeugen könnte.

Das Lesekreis-Buch – Thomas Böhm
147 Seiten, Bloomsbury Verlag
ISBN 9783833307737, 7,95 €

Rebecca Gablé – Von Ratlosen und Löwenherzen

„Von Ratlosen und Löwenherzen“ ist ein Sachbuch über das englische Mittelalter. Eine Zeit, in der sich Rebecca Gablé sehr gut auskennt, wie sie schon in verschiedenen Romanen bewies. Das Mittelalter wird zeitlich in verschiedenen Regionen unterschiedlich definiert, das englische Mittelalter wird hier von der Völkerwanderung am Ende des 3. Jahrhunderts bis zur Erfindung des Buchdrucks Ende des 15. Jahrhunderts festgelegt. Eine lange Zeit, in der allerhand Könige über England und zeitweise auch andere Länder herrschten.

Rebecca Gablé schafft es, in relativ wenig Text diese Zeit lebendig werden zu lassen. Wie auch in ihren Romanen, schreibt sie locker und angenehm. Selbst verwirrende Ereignisse, wie zum Beispiel die Rosenkriege, fasst sie gut verständlich zusammen. Zu den vielen Herrschern, die England in dieser Zeit sah, liefert sie allerhand unterhaltsame Anekdoten und Hintergrundinformationen, ohne den geschichtlichen Inhalt zu kurz kommen zu lassen.

Ein Sachbuch wie ich es mir öfter wünschen würde, mit der perfekten Mischung aus spannendem Wissen und angenehmer Unterhaltung. Mir gelingt es zwar auch nach diesem  Hörbuch nicht, all die Henrys und Edwards wirklich auseinander zu halten, daran trägt die Autorin aber keine Schuld. Die Namensgebung hätte damals einfach etwas kreativer sein dürfen. König Steven wird mir immer in Erinnerung bleiben, schon alleine wegen seines Namens.

Andreas Fröhlich liest den Text ganz wunderbar, man verliert sich dank seiner Stimme in vergangenen Zeiten und es fällt immer wieder schwer, zurück in die Gegenwart zu finden.

Wer Rebecca Gablés Romane gelesen hat, wird hier auf den ein oder anderen Bekannten treffen. Was für mich das hören noch interessanter machte. Leider ist das Hörbuch gekürzt, was nur an wenigen Stellen auffällt. Ich werde mir aber wohl doch noch die gedruckte Ausgabe holen, um den ein oder anderen Henry bei Bedarf nachschlagen zu können.

Für alle, die sich ein wenig für die englische Geschichte interessieren, ein absoluter Hörbuch-Tipp. Auch wer sich in dieser Zeit schon gut auskennt, wird wahrscheinlich noch die ein oder andere Information finden, die ihm bisher unbekannt war.

Hörbuch

Von Ratlosen und Löwenherzen
Autor Rebecca Gablé
Sprecher Andreas Fröhlich
Länge 6 Stunden 53 Minuten (gekürzt)
Genre: Bildung & Wissen

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)

Gehört: Mark Benecke – Mordspuren

In Mordspuren erzählt Mark Benecke über die verschiedensten Kriminalfälle. Über Menschen, die ihre verstorbenen Angehörigen köpfen, um zu verhindern, dass sie von ihnen als Vampire heimgesucht werden. Nicht vor hundert Jahren, der letzte bekannte Fall stammt aus diesem Jahrtausend. Von Kannibalen wird ebenso ausführlich erzählt wie von Massenmördern. Alles Fälle für Forensiker, die bei der Auflösung solcher Fälle eine wichtige Rolle spielen.

All zu empfindlich sollte man nicht sein, wenn man sich dieses Hörbuch anhört. Benecke erspart seinen Hörern keine grausigen Details. Man lernt so einiges beim Hören, verstehen wird man Massenmörder und Kannibalen aber nach diesem Hörbuch nicht. Es ist erschütternd, wie selbstverständlich die Täter ihre grausigen Taten sehen, wie wenig Schuldbewusstsein vorhanden ist. So etwas möchte man auch gar nicht verstehen können.

Mark Benecke liest sein Buch selbst vor. Ich hatte vor einigen Jahren das Vergnügen, einen Vortrag von Herrn Benecke zu hören. Der mit einer Mischung aus interessanten Informationen und einer unglaublichen Sprechgeschwindigkeit sehr fesselnd war. Hier spricht Mark Benecke im Vergleich dazu langsam, aber es wirkt nicht wie erzählt, sondern wie vorgelesen. Die leider sehr eintönige Sprechweise macht es nicht einfach, dem Text zu folgen. Nur der interessante Inhalt ließ mich das Buch bis zum Ende anhören.

Ein interessantes Hörbuch, in dem der oft grausige Inhalt durch schwarzen Humor erträglich gemacht wird.

Hörbuch

Morspuren

Autor: Mark Benecke

Sprecher: Mark Benecke

Länge: 4 Stunden 30 Minuten (ungekürzt)

Genre: Bildung & Wissen

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)

Gehört: Ranga Yogeshwar – Ach so!

In “Ach so! Warum der Apfel vom Baum fällt und weitere Rätsel des Alltags” berichtet der Autor über verschiedenste Phänomene des Alltags, über die man sich meist wenig Gedanken macht, sie einfach als gegeben hinnimmt. Reife Äpfel fallen nun mal vom Baum. Aber warum nur die reifen? Woher weiß der Apfel, dass er reif ist? Nicht nur naturwissenschaftliche Themen werden erläutert, auch wirtschaftliche, was haben Tulpen mit der Wirtschaftskrise zu tun, und allgemeine wie das Phänomen der Dramatisierung in der Berichterstattung.

Ranga Yogeshwar ist für mich der geborene Erklär-Bär. Er erklärt selbst komplizierte Zusammenhänge sehr gut verständlich, mit einer sehr angenehmen Stimme und in perfekter Geschwindigkeit. Nicht zu langsam, dass man sich langweilen könnte, aber auch nicht zu schnell, dass man nicht mehr hinterher kommt. Nach dem Hören habe ich erstaunt festgestellt, dass wirklich sehr viel von dem, was er erzählt hat, auch hängen geblieben ist. Selbst Fremdwörter, die ich vorher nie gehört hatte. Das haben die meisten meiner Lehrer nie geschafft. ;)

Wer sich selbst immer wieder mal Fragen über Dinge stellt, die viele einfach als „ist halt so“ akzeptieren, sollte hier mal reinhören oder lesen. Vielleicht findet er ja auch die Antwort auf eine seiner Fragen. Einziger Nachteil des leider gekürzten Hörbuches ist, dass es wirklich zu kurz ist. Ich hätte gerne noch mehr gehört und bin kurz davor, mir jetzt doch noch das Buch zu kaufen.

Hörbuch

Ach so! Warum der Apfel vom Baum fällt und weitere Rätsel des Alltags
Autor Ranga Yogeshwar
Sprecher Ranga Yogeshwar
Länge 1 Stunden 19 Minuten (gekürzt)
Genre: Bildung & Wissen

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 14,95 €)

Die Köche – Biss zum Mittagessen

“Die Köche – Biss zum Mittagessen” ist Kochbuch und Anthologie in einem. Zahlreiche bekannte Fantasyautoren haben Rezepte aber auch Kurzgeschichten zu diesem Werk beigetragen. Oft haben die Rezepte phantastische Namen oder einen Bezug zu den Veröffentlichungen der Autoren, wie zum Beispiel das “Sturmwelten-Curry” von Christoph Hardebusch oder “Kapitän Norwinns Rumkuchen”, aus Aileen P. Roberts “Thondras Kinder”. “Trollfäden mit Goblinrotz” klingt auf den ersten Blick nicht besonders schmackhaft, wenn man die merkwürdigen Zutaten wie Basiliskeneier und Elfentränen aber durch für uns verträgliche ersetzt, könnte das Ergebnis durchaus lecker werden. Beim durchblättern lief mir auf jeden Fall das ein oder andere Mal das Wasser im Mund zusammen.

Wer lieber andere kochen lässt, kann sich die Zwischenzeit mit den Kurzgeschichten vertreiben und dabei zum Beispiel erfahren, was die Zahnfee mit den Menschenzähnen macht, die sie einsammelt. Und warum Elfen lieber keine Nussplätzchen essen sollten. Oder wie man mit leckeren Sternenplätzchen einen Drachen vom Sternenraub abhalten kann.

Folgende Autoren haben sich an diesem Buch beteiligt:

Markus Heitz; Tommy Krappweis; Oliver Plaschka; Christoph Marzi; Christoph Hardebusch; Michael Peinkofer; Gesa Schwartz; Thomas Finn; Stephan R. Bellem; Stephan Russbült; Daniela Knor; Aileen P. Robert; Mona & Falko Löffler; Oliver Graute; Bettina & Carsten Steenbergen; Christoph Lode; Lena Klassen; Tanya Carpenter; André Wiesler; Timothy McNeal; Diana Kinne; Fabienne Siegmund; Markus Grimm; Lena Falkenhagen; Thomas Plischke und Ju Honisch

Von jedem verkauften Buch gehen übrigens 0,50 € an die Stiftung Kids to life. Ein Grund mehr, das Buch vielleicht dem ein oder anderen unter den Weihnachtsbaum zu legen, meint ihr nicht?

Die Köche, Biss zum Mittagessen – Ulrich Burger (Hrsg.)
150 Seiten, Verlag Ulrich Burger
ISBN 9783981284645, 10,90 €

Clemens Tangerding – Würzburg in der Zeit Napoleons (Hörbuch)

Am 16. November 2010 stellte Clemens Tangerding in der Würzburger Stadtbücherei am Falkenhaus sein Hörbuch “Würzburg in der Zeit Napoleons” (Eine Reise aus der Vergangenheit in die Gegenwart – Eine Lesung aus historischen Quellen) vor. Ich durfte das Hörbuch vorab als Rezensionsexemplar schon hören.

Angekündigt wurde das Buch im Pressetext als eine Reise in die Vergangenheit Würzburgs, in die Zeit Napoleons vor 200 Jahren. Denn schon damals erlebte Würzburg eine Krise, ähnlich wie gerade die Weltwirtschaftskrise. Über die Weltwirtschaftskrise wurde in den Medien viel berichtet, ihr Ursachen und Wirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft beleuchtet. Aber wie reagierten die einzelnen Menschen auf diese Krise? Und wie taten sie es in vergangenen Zeiten? Im Stadtarchiv der Stadt Würzburg finden sich Briefe, Reiseberichte und Bittgesuche aus vielen Jahren Würzburger Geschichte. Anhand dieser Dokumente unternimmt Clemens Tangerding  eine Reise in die Würzburger Vergangenheit und trifft dort auf Probleme, die den aktuellen doch sehr ähnlich sind.

Geprochen werden die Texte von Markus Grimm und Nell Pietrzyk, Alexander Wienand spielte am Klavier einige Stücke von Johann Sebastian Bach, Joseph Küffner und Ludwig van Beethoven ein.

Die Idee für das Hörbuch fand ich sehr interessant und hatte mich darauf gefreut, als Ralf vom Würzblog mich fragte, ob ich es besprechen möchte. Leider muss ich nach dem hören sagen, dass ich die Umsetzung alles andere als gelungen finde.

Worum es in dem Hörbuch überhaupt geht, wird erst nach einer viertel Stunde überhaupt erwähnt. Nach dem ersten Musikstück wird das Bittgesuch von Matheß Karl aus dem Jahr 1804 vorgelesen. Dessen Schicksal wirklich nicht leicht war, aber was ein verkrüppelter Fuß mit der allgemeinen Wirtschaft zu tun hat, wollte sich mir nicht erschließen. Anschließend berichtet der Sprecher von einem Treffen mit seiner Freundin Anna, die nach 12 Jahren von ihrem Freund verlassen wurde. Was das mit der Weltwirtschaftskrise zu tun hat? Ein Trennungsgrund war wohl, dass sie nicht bereit war, sich während der Krise eine neue Arbeitsstelle zu suchen, obwohl sie sich mit ihrer aktuellen Stelle nicht identifizieren kann. Diese Geschichte wirkt etwas konstruiert, als würde krampfhaft versucht, einen Aufhänger für das große Ganze zu finden. Jetzt wird nämlich endlich mal die Idee hinter allem erwähnt, der Autor möchte erfahren, welche Auswirkungen die Krise auf den einzelnen Menschen hatte.

Anschließend folgt eine sehr interessante Einführung in das vergangene Würzburg und seine abwechslungsreiche Geschichte, zu der Zeit wechselte es seine Herrscher teilweise öfter als diese ihre Leibwäsche. Dieser Abschnitt des Hörbuches gefiel mir sehr gut, auch wenn er immer noch wenig mit einer Wirtschaftskrise zu tun hat.

Nach einem Klavierstück aus der Feder des Würzburger Komponisten Joseph Küffner berichtet der Sprecher, wie er in einem Archiv auf das Bittgesuch des Lichterziehers (Kerzenmachers) Franz Sturm stößt, der darin bittet, nicht zum Kriegsdienst eingezogen zu werden. Nach diesem Bittgesuch dreht sich das Thema um heutige Bundeswehrsoldaten und ihre Traumata. Ein wichtiges Thema, aber der Autor begründete vorher seine Wahl der Krise zu Zeiten Napoleons und nicht der nach den Weltkriegen eben damit, dass Kriege eine besondere  Situation sind. Warum geht es jetzt um Soldaten?

Weiter geht es mit einem Krieg der ganz eigenen Art, mit jedem Herrschaftswechsel wurden auch die Lehrstühle an der Universität neu besetzt, die Professoren kämpften regelmäßig um ihre Stellen und gingen untereinander wohl nicht zimperlich miteinander um. In einigen Briefen wurde übelst über Konkurrenten hergezogen. Sicher ahnt ihr schon meine Frage:  Wirtschaftskrise?

Als Fazit aus diesem Abschnitt zieht der Autor, dass der Mensch in Zeiten der Krise erst vor der eigenen Haustür kehrt, statt, wie der Autor hoffte, politischer zu denken. Ich denke, das soll auch die Grundaussage des Hörbuches sein. Aber mal ganz ehrlich, so traurig diese Erkenntnis ist, das hätte ich dem Autor auch vorher sagen können, dafür hätte er nicht stundenlang in staubigen Archiven wühlen müssen.

Das Ende des Hörbuches lässt mich dann vollkommen ratlos zurück, verlesen wird ein Gästebucheintrag, gefunden auf der Internetseite der Stadt Würzburg, in dem der Schreiber des Eintrags nach Tipps für die Einbürgerung in Würzburg fragt.

Die Idee, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Einzelpersonen zu betrachten und mit vergangenen Krisen zu vergleichen fand ich sehr interessant. Leider muss man schon einiges an Phantasie mitbringen, um dieses Thema im Hörbuch zu entdecken. Was die psychischen Krisen von Soldaten oder die Trennung von Anna damit zu tun haben, blieb mir bis zum Schluss unverständlich. Vielleicht war das Thema Krise auch weiter gedacht als im Pressetext angekündigt, allerdings kratzten die Beiträge dann nur an der Oberfläche, eine Festlegung auf ein bestimmtes Thema wäre in dem Fall sinnvoller gewesen.

Wer sich für die genannten Themen interessiert und nach dieser Rezension vielleicht auch mit anderen Erwartungen an das Hörbuch herangeht, kann vielleicht doch sein Vergnügen damit haben. Die Sprecher haben ihre Arbeit sehr gut gemacht, es macht trotz allem Spaß ihnen zuzuhören. Die historischen Dokumente fand ich auch sehr interessant, es hätten gerne mehr sein dürfen.  Zu erwerben ist es entweder als Download auf der Seite von “jetzt und einst” oder in der Buchhandlung dreizehneinhalb.

Alex Rühle – Ohne Netz

Alex Rühle ist Journalist bei der SZ und wagt das große Experiment: ein halbes Jahr ohne Internet. Keine Mails, kein Handy, kein Google, kein Youtube. Wer ihn erreichen will, muss es auf den altmodischen Weg tun, ihm einen Brief schreiben oder ihm faxen. Warum er das tut? Weil er das Gefühl hatte, vom Internet abhängig zu werden. Ständig mal eben schauen ob eine Mail rein kam, selbst im Urlaub. So sollte es nicht weiter gehen. Also kappte er alles und musste feststellen, dass es gar nicht mehr so einfach ist, ohne das allgegenwärtige Internet zurecht zu kommen.

Ein faszinierender Bericht darüber, wie es sich anfühlt, in der heutigen Zeit komplett auf Internet und Handy zu verzichten. Wie oft sieht man noch Telefonzellen? Das fällt einem erst auf wenn man eine sucht, weil man eben kein mobiles Telefon zur Hand hat. Von seinen Nachschlagewerken musste er erst einmal die Staubschicht pusten, weil es schon lange Gewohnheit war, schnell mal eben Google zu bemühen. Wer von uns kennt das nicht? Ohne die Unterstützung seiner Kollegen, die ihm wichtige Rundmails ausdruckten, hätte er dieses Experiment gar nicht durchführen können. Es war schon so schwer genug, sämtliche Recherchen mit Hilfe von Büchern, Bibliotheken und sonstigen „urzeitlichen“ Hilfsmitteln zu bewältigen. Dinge, die er sonst innerhalb kürzester Zeit im Internet recherchiert hätte, nahmen viel mehr Zeit in Anspruch. Eine rein analoge Welt ist doch oft um einiges anstrengender.

Aber eben auch ruhiger und intensiver. Die Internetwelt verleitet einen dazu, vieles nur noch oberflächlich wahr zu nehmen. Offline bekam er wieder viel intensiver mit, was um ihn herum geschah. So wäre er mit Handy in der Hand, mal eben die Mails nachschauen, sicher an dem Erpel vorbeigelaufen, den er so aus einer Drahtschlaufe retten konnte. Es kam zu interessanten Kontakten, die ihm sonst sicher entgangen wären, wie der Briefwechsel mit einem Strafgefangenen.

Alex Rühle hat ein lockeres, angenehm zu lesendes Tagebuch über diese Zeit geschrieben. Nie versucht er seine Leser zu missionieren, sie zu überzeugen ebenfalls seinen Weg einzuschlagen. Er schwankt selbst immer wieder mal und ändert seine Meinung über das Experiment von einem zum anderen Monat, wozu er auch steht. Das hat das Buch so nachvollziehbar und menschlich gemacht. Anekdoten über Erlebnisse mit seinen Kindern lockern das ganze immer wieder auf, auch wenn man sich schon über die beruflichen Analog-Probleme sehr gut amüsieren kann.

Ein Buch, das einen bei allem Unterhaltungswert auch nachdenklich macht. Ein Patentrezept findet auch Alex Rühle nicht. Aber nach der Lektüre, in der sich wohl jeder, der das Internet etwas intensiver nutzt, an mancher Stelle wieder erkennt, macht man sich so seine Gedanken über die eigene Nutzung dieser Technik.

Nachdenklich machend ohne erhobenen Zeigefinger, gleichzeitig sehr unterhaltsam, ich kann dieses Buch jedem empfehlen der sich auch schon mal überlegt hatte, ob er nicht vielleicht etwas zu oft im Internet unterwegs ist.

Ohne Netz – Alex Rühle
220 Seiten, Klett-Cotta
ISBN 9783608946178, 17,95 €
Hardcover

Keith Harrison – Du bist (eigentlich) ein Fisch

eigentlich Fisch

In den ersten Kapiteln erläutert Keith Harrison die Evolution, sowohl deren Anfänge anhand Darwins Theorie als auch den aktuellen Stand mit einer kurzen Erklärung der Genetik und der Evolution in der Praxis. Anschließend verfolgt er die Entwicklung des Menschen, beginnend bei den Fischen. Über Amphibien, Reptilien, Säugetiere und Primaten hinweg zu den Hominiden werden von jedem Entwicklungsschritt die Folgen für den aktuellen „Bauplan“ des Homo sapiens sapiens erläutert. Im letzten Kapitel gibt er einen Ausblick auf eine mögliche Weiterentwicklung des menschlichen Körpers.

Die ersten allgemeinen Kapitel über Evolution im Allgemeinen sind eher für Leser interessant, die sich bis dahin nicht näher mit dem Thema befasst haben. Das meiste hat man doch schon einmal gehört, eine kleine Auffrischung war aber auch ganz angenehm.

In den Kapiteln über die verschiedenen Entwicklungsstufen gab es viele „Aha!“ Momente. Oft wurden Fragen geklärt, über die ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht hatte. Zum Beispiel warum wir Ellenbogen und Knie in unterschiedliche Richtungen beugen. Oder die unterschiedliche Anzahl von Gelenken an Daumen im Vergleich zum Rest der Finger. Oft saß ich da und „testete“ verschiedene Gelenke und Muskeln.

Die Erklärungen sind anschaulich und leicht verständlich geschrieben, auch Nicht-Naturwissenschaftler sollten keine Probleme mit dem Verständnis haben. Gleichzeitig findet sich immer wieder eine nette Portion Humor, der die Lektüre umso angenehmer und lockerer macht. Es ist kein trockenes Lehrbuch, und gibt doch einen guten Überblick über die Entwicklung des Körpers zu seiner heutigen Form.

Es findet sich auch ein Kapitel zur Intelligenz, und der Frage, ob der Mensch wirklich die intelligenteste Lebensform ist. Harrison schreibt dazu: „Ein Hund ist so klug, wie ein Hund in seiner Welt zu sein hat, und ein Wal ist so klug, wie er in seiner Welt zu sein hat. Sie haben sich für verschiedene Lebensformen in unterschiedlichen Umgebungen entwickelt. Sie zu vergleichen, ist unzulässig, und dies zu versuchen, offenbart ein mangelndes Verständnis der Evolution und letztlich der Natur.“

Wir unterscheiden uns von anderen Spezies dadurch, dass wir nicht ein eine enge biologische Nische gedrängt leben. Letztendlich haben aber alle anderen heute lebenden Spezies eine genauso lange Entwicklungsgeschichte wie wir auch und sollten von daher nicht niedriger geschätzt werden als der Mensch. Wir sind nicht die Krone der Evolution, sondern nur einer von vielen Ästen.

Ein tolles Buch, das ich jedem empfehlen kann, der sich für Evolution interessiert.

Du bist (eigentlich) ein Fisch: Die erstaunliche Abstammungsgeschichte des Menschen – Keith Harrison
204 Seiten, Spektrum Akademischer Verlag
ISBN: 9783827420091, 14,95 €