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Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder

Jacobs Großvater erzählt fantastische Geschichten über seine Vergangenheit. Er hätte zusammen mit anderen Kindern auf einer Insel gelebt. Diese Kinder waren alle etwas ganz besonderes, sie konnten schweben oder waren unglaublich stark. Als Jacob älter wird, tut er diese Erzählungen als Märchen ab. Bis er seinen Großvater nach einem Überfall schwer verletzt auffindet. Was hat Jacob im Gebüsch verschwinden sehen? War es doch eines der Monster, vor denen sein Großvater solche Angst hatte? Dessen letzte Worte verfolgen Jacob noch lange, er soll die anderen suchen und sie warnen. Gibt es diese Insel und die Kinder wirklich?

„Die Insel der besonderen Kinder“ handelt nicht nur von besonderen Kindern, es ist auch ein ganz besonderes Buch. Jacobs Großvater hat Fotos der Kinder, die Jacob schnell als manipuliert abtut. Jedes im Buch erwähnte Bild ist auch im Buch enthalten. Selbst handschriftliche Texte finden sich zwischendurch. Das verhilft dem Text zu einer unglaublichen Atmosphäre und passt wunderbar zu dem insgesamt liebevoll gestalteten Buch. Für die eine oder andere Gänsehaut sorgen die Fotos auch mal.

Die Geschichte hat ein bisschen was von X-Men mit einem Schuss Peter Pan, dazu eine Zeitschleife und schon hat man einen wirklich spannenden Plot mit etlichen Überraschungen. Es ist keine klassische Fantasy, aber mit einem eindeutig fantastischen Touch. Endlich auch mal wieder keine fantastisch angestrichene Romanze, Männer können hier beruhigt mitlesen. Die düstere Stimmung passt gut für die kommenden winterliche Lesestunden.

„Die Insel der besonderen Kinder“ ist eine kleine Perle, die mich von der ersten Seite an fesselte. Wenn man viele Bücher liest, wird es immer schwieriger, welche zu entdecken die „neu“ sind. Dieses hier passt in kein Schema und hat mich mit einer ganz neuen Mischung verschiedener Ideen überrascht. Mein Buchtipp für alle, die es gerne mal etwas anders mögen.

Die Insel der besonderen Kinder – Ransom Riggs
416 Seiten, PAN
ISBN 9783426283684, 16,99 €
Hardcover

Ursula Poznanski – Saeculum

Bastian hatte bisher wenig mit Mittelaltermärkten und Rollenspielen zu tun. Das ändert sich, als er Sandra kennen lernt. Und schon findet er sich für fünf Tage mitten im Wald wieder, ohne die Bequemlichkeiten des modernen Lebens. An sich gar nicht so verkehrt, mal ein paar Tage fern ab der Zivilisation. Wäre da nicht der Fluch, der über dem Waldstück liegen soll. Anfangs tun die meisten den noch als Hirngespinst ab. Aber schon in der ersten Nacht verschwinden Teammitglieder spurlos, geheimnisvolle Botschaften tauchen auf. Aus dem Live-Rollenspiel wird schnell bitterer Ernst, es geht um Leben und Tod. Können sie dem Fluch entkommen? Oder steckt doch etwas ganz anderes dahinter?

Wenn ihr mit „Saeculum“ beginnt, nehmt euch Zeit, es wird euch nicht mehr loslassen. Man merkt deutlich, dass sich die Autorin intensiv mit der Welt des Rollenspiels auseinander gesetzt hat. Aber nicht nur Mittelalter-Freunde und Rollenspieler werden diesen Roman verschlingen. Die Situation wird schnell heikel und die Spannung steigt bis zum Ende immer weiter an. Nie kann man sich sicher sein, ob man nicht vielleicht doch an den Fluch glauben sollte. Er wäre die logischste Erklärung für viele Merkwürdigkeiten.

Wer schon „Erebos“ mochte wird von „Saeculum“ begeistert sein. Man spürt deutlich, dass die Autorin sich noch mal um einiges weiter entwickelt hat, obwohl „Erebos“ schon fantastisch war. Den Figuren wird zwar ein bestimmtes Alter zugeordnet, sie agieren allerdings relativ alterslos, so dass ich immer wieder vergas, wie alt sie eigentlich sein sollen. Das macht dieses Jugendbuch auch für etwas ältere Leser noch attraktiver. Man hat keinerlei Mühe, sich in die Charaktere hinein zu versetzen.

Genau das richtige Buch, um sich an einem stürmischen Herbsttag mal wieder so richtig zu gruseln! Ein Thriller mit hohem Gänsehautniveau.

Saeculum – Ursula Poznanski
493 Seiten, Loewe
ISBN 9783785570289, 14,95 €

Andreas Eschbach – Hide Out

„Hide Out“ ist die Fortsetzung zu „Black Out“ und schließt nahtlos daran an. Das notwendigste wird zwar kurz wiederholt, es empfiehlt sich aber, den Vorgänger gelesen zu haben.

Chris fühlt sich im Lager nicht wirklich wohl. Wer den ganzen Tag am Rechner saß, kann sich mit den primitiven Bedingungen im Camp kaum anfreunden. Seine Fähigkeiten werden aber wieder nützlich, als beschlossen wird, dass die Menschen über die Bedrohung durch die Kohärenz informiert werden müssen. Zum Beispiel mit Hilfe einer Mail, die an unendlich viele Mailadressen auf einmal raus geht. Als Chris ein Internetcafé aufsucht, um diesen Schritt vorzubereiten, erwischt es ihn eiskalt. Sein Chip verbindet sich mit der Kohärenz, er verliert die Kontrolle. Wie kann es sein, dass er seinen Chip nicht mehr kontrollieren kann? Während die kleine Gruppe weiterhin versucht, dem FBI zu entkommen, bleibt die Kohärenz nicht untätig. Sie verleiben sich ihre Freunde und Angehörige ein. Wem können sie noch trauen?

„Hide Out“ ist ein typischer Zwischenband, in dem zwar viel passiert, aber wenig wirklich Neues auftaucht. Die Kohärenz wird mächtiger und man erfährt mehr über ihre Beweggründe. Was will sie mit all den Menschen, die sie miteinander vernetzt? Aber auch ihre Gegner bleiben nicht tatenlos und bereiten einen massiven Gegenschlag vor. Es erinnert ein wenig an das Wettrennen zwischen Hase und Igel. Wer wird der Erste sein?

Der zweite Band steigt gleich mitten in die Handlung ein, schnell hat man die erste Spannungspitze erreicht und es wird nicht die letzte sein. Die Trennung des Handlungsstrangs sorgt für Abwechslung, das Ende macht einem schon jetzt richtig Lust auf den dritten und letzten Band, „Time Out“. Auch wenn Eschbach es sich am Ende ein bisschen leicht gemacht hat, aber für spontane Wendungen, die es seinen Helden einfacher machen, ist er ja bekannt. In einem Jugendthriller kann ich ihm das auch gut verzeihen.

Spannend, kurzweilig und vielleicht gar nicht so unmöglich, wie man im ersten Moment denkt.

Hide Out – Andreas Eschbach
450 Seiten, Arena
ISBN 9783401065878, 17,99 €
Hardcover

Bill Bryson – Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge (Hörbuch)

Bill Bryson nimmt seine Leser oder Hörer mit auf einen Rundgang durch sein Haus. Ein altehrwürdiges Heim, das vor etlichen Jahren von einem englischen Landpfarrer gebaut wurde. Bill Bryson erzählt, inspiriert von dem Raum, in dem er sich gerade aufhält, über alles mögliche, was die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte erlebt und geprägt hat. Dabei macht er sich Gedanken um scheinbar selbstverständliche Dinge, wie zum Beispiel, warum auf dem Tisch meistens Salz und Pfeffer stehen. Warum gerade die und keine anderen Gewürze?

Warum wurden die Menschen sesshaft? Wie hat man früher gelebt und was hat man gegessen? Welche Mode war modern? Wie entdeckte und behob man den Skorbut? Wo bekamen die Mediziner frische Leichen her? Unendlich viele Themen schneidet Bryson in diesem nicht wirklich kurzen Werk an. Aber wer sich ein wenig dafür interessiert, wie Menschen früher lebten, wird hier wunderbar unterhalten und ganz sicher noch so einiges lernen, was so in keinem Geschichtsbuch steht. Vieles davon hat noch heute Einfluss auf unsere Lebensart. Auch vor weniger angenehmen Themen wie Geschlechts-Krankheiten und verdorbenem Essen, das sich auf dem Teller bewegt, schreckt Bryson nicht zurück. So erhält man ein unglaublich plastisches Bild der Vergangenheit, ohne Schönfärberei.

Rufus Beck gibt dem Buch eine Stimme, die ganz wunderbar passt. Es war mein erstes Hörbuch mit ihm, ich verstehe jetzt gut, warum viele seine Hörbücher so mögen. Eine Stimme, der man stundenlang lauschen könnte.

“Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge” ist eines der Bücher, die man immer wieder hören oder lesen kann und jedes Mal etwas findet, was einem zuvor entgangen ist. Ich werde es dieses Jahr sicher unter den einen oder anderen Weihnachtsbaum legen.

Hörbuch

Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge
Autor Bill Bryson
Sprecher Rufus Beck
Länge 19 Stunden 53 Minuten (ungekürzt)
Genre: Bildung & Wissen

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible im Flexi-Abo für 9,95 €

Walter Moers – Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Hildegunst von Mythenmetz hat sich auf die Lindwurmfeste zurückgezogen und es sich auf seinen Lorbeeren gemütlich gemacht. Bis ihn eines Tages ein Brief erreicht, der ihn aus seiner lethargischen Bequemlichkeit reißt. „Der Schattenkönig ist zurückgekehrt.“ Abgesendet aus der Ledernen Grotte, der Heimat der Buchlinge. Mythenmetz macht sich auf den Weg nach Buchhaim, das er seit 200 Jahren nicht mehr betreten hat. Erstaunt muss er feststellen, dass die Stadt sich nach dem großen Brand damals sehr verändert hat. Er trifft alte Bekannte und lernt allerhand Neues kennen, zum Beispiel den Biblionismus oder auch den Puppetismus. Hier in Buchhaim kann er seiner Vergangenheit nicht entkommen, er muss sich ihr stellen. Im Labyrinth der Träumenden Bücher.

„Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist eines der schönsten Bücher, die ich bisher gelesen habe. Voller wunderbar skurriler Ideen rund um die Welt der Bücher und des Lesens, verwoben mit einer spannenden Geschichte. Letztere fehlte mir leider in der, freudig erwarteten, Fortsetzung „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“.

Rein optisch überzeugt das Buch wieder einmal und verwöhnt den Leser mit wunderbaren Illustrationen von Walter Moers selbst. Durch den Inhalt musste ich mich ab und an ziemlich durchbeißen. In großen Teilen des Buches ergeht sich Mythenmetz in Erinnerungen an seinen letzten Aufenthalt in Buchhaim. Danke für die Auffrischung meiner Erinnerungen, aber ganz so viel hätte es dann doch nicht sein müssen. Man könnte sich fast sparen „Die Stadt der Träumenden Bücher“ vorher zu lesen. Alles Wichtige wird hier, oft mehr als einmal, wiederholt.

Damit wird der Platz für neue Ideen im Buch schon knapp. Es gibt einige tolle Stellen und bei den Ausführungen über den Biblionismus und sogar die Geschichte des Puppetismus kam das gute alte Moers-Lesegefühl auf. Leider stehen die am Anfang und am Ende des Buches, die Mitte zieht sich stellenweise ziemlich. Die Ausflüge von Mythenmetz durch Buchhaim und die Erkundung seiner Geschichte sind leider kein wirklich spannender roter Faden durch die Handlung des Buches.

Meine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den Buchlingen wurde leider nicht erfüllt, der Titel „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ ist eigentlich auch ein wenig irreführend, „Buchhaim, wie der Phoenix aus der Asche“ wäre passender gewesen. Aber wohl nicht so verkaufsfördernd. Im Labyrinth spielt nur das letzte Kapitel, das dann mit einem Satz endet, den ich euch hier nicht verraten möchte. Der mich aber laut aufstöhnen und das Buch mit leichter Enttäuschung beenden ließ. Wahrscheinlich soll er die Vorfreude auf das nächste Buch wecken, hinterließ bei mir allerdings einen etwas schalen Nachgeschmack.

An skurrilen Ideen und wahnwitzigen Situationen mangelt es nicht in „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ und die wirklich gelungenen Illustrationen trösten über die weniger gelungenen Stellen auch ein wenig hinweg. Mit so manch anderem, wirklich großartigen, Werk von Walter Moers lässt es sich aber bei weitem nicht vergleichen.

Das Labyrinth der Träumenden Bücher – Walter Moers
430 Seiten, Knaus Verlag
ISBN 9783813503937, 24,99 €
Hardcover

Joy Fielding – Herzstoß

Marcy wurde kurz vor der geplanten Hochzeitstagsreise von ihrem Mann verlassen. Also fährt sie kurzerhand alleine nach Irland. In einem Pub meint sie plötzlich, ihre Tochter Devon gesehen zu haben. Was nicht sein kann, schließlich starb Devon vor zwei Jahren bei einem Bootsunfall. Aber ihre Leiche wurde nie gefunden. Könnte es nicht doch sein, dass sie einfach nur alles hinter sich lassen wollte und der Unfall fingiert war? Marcy hat nur noch ein Ziel, sie will Devon finden.

Vor Jahren hatte ich schon einige Romane von Joy Fielding gelesen, die mich auch immer wieder gefesselt hatten. Allerdings hatten sie ein grobes Grundmuster immer gemeinsam, weshalb ich irgendwann doch andere Autoren vorzog. „Herzstoß“ war seit längerem mal wieder mein erster Fielding, und ich hatte Spaß damit. Das Grundmuster ist noch immer vorhanden und lässt sich mit „Traue niemandem“ ganz gut zusammenfassen. Das tat der Unterhaltung aber keinen Abbruch.

Joy Fielding zeichnet mal wieder gekonnt verzweifelte Charaktere und legt Spuren, bei denen auch skeptische Leser ins Grübeln kommen. Könnte es vielleicht doch sein? Die ein oder andere kleine Gänsehaut war auch inbegriffen. Für alle die gerne Kriminalliteratur ohne Brutalität und übertriebenes Blutvergießen lesen möchten, ist Joy Fielding noch immer ein guter Tipp.

Herzstoß – Joy Fielding
379 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312061, 19,99 €
Hardcover

Maxime Chattam – Der Krieg der Kinder, Alterra III

Matt und Ambre sind in Eden angelangt. Aber die Ruhe währt nicht lange. Die Königin rüstet zum Krieg, die Kinder werden sich aber nicht kampflos ergeben. Matt will sich bald wieder auf den Weg machen, es gibt noch viele Fragen zu klären. Was will der Torvaderon ausgerechnet von ihm? Warum hängt die Königin im ganzen Land Steckbriefe mit seinem Gesicht auf? Woher weiß sie, wie er aussieht und warum sucht sie ihn? Kann er Tobias retten und ist Ambre wirklich eine Karte? Wenn ja, wozu?

An den vielen Fragen sieht man es vielleicht schon, in diesem dritten und abschließenden Band steckt sehr viel drin. Für meinen Geschmack etwas zuviel. Viele Stellen wirken leicht gehetzt, da werden Szenen mit einem Satz einfach abgehakt, die ein paar Wörter mehr verdient hätten. Vielleicht hätte man dem Autor einen vierten Band gönnen sollen, damit er seine Geschichte mit der gleichen schönen Atmosphäre beenden kann, mit der er sie in den ersten beiden Bänden begann. So manche schöne Idee kam hier einfach zu kurz.

Wie schon in den ersten Bänden, stolpert man auch hier ab und an über kleinere logische Fehler. Warum sollte man sich auch nach den Gaben der anderen erkundigen, bevor man sich mit einer kleinen Spezialeinheit auf den Weg macht. Das erläutert man natürlich erst, nachdem man den ersten Kampf hinter sich gebracht hat. Über die Käfer denke ich schon gar nicht mehr genauer nach. Ob einem die Erklärungen zu guter Letzt gefallen oder nicht, mag Geschmackssache sein. Für mich war es zuviel Zufall und blieb damit unerklärt.

Leider ein nicht ganz so gut gelungener Abschluss einer Reihe, die viele interessante Ideen mitbrachte. In den ersten Bänden bewies Chattam, dass er es eigentlich besser kann. Für alle Alterra-Leser trotzdem ein Muss, es gibt natürlich auch ein paar sehr schöne Szenen und man trifft einige alte Bekannte wieder. Großes Plus ist mal wieder das wunderschön gestaltete Cover. Die Alterra-Reihe gehört mit zu den optisch schönsten Reihen in meinem Bücherregal.

Der Krieg der Kinder, Alterra III – Maxime Chattam
428 Seiten, PAN
ISBN 9783426283073 , 16,99 €
Hardcover

Alan Bradley – Mord im Gurkenbeet, Flavia de Luce I (Hörbuch)

Flavia ist schon ein wenig anders, als die meisten elfjährigen Mädchen. Sie interessiert sich über die Maßen für Chemie und führt allerhand Experimente durch. Ihre Schwestern können davon ein Liedchen singen, dienen sie doch öfter unfreiwillig als Versuchskaninchen. Doch dann findet Flavia eines Morgens eine Leiche im Gurkenbeet. Die Polizei verhaftet ihren Vater als Verdächtigen, der die Tat auch gesteht. Obwohl Flavia sicher ist, dass er nicht der Mörder sein kann. Aber wie kann sie es beweisen? Und was hat all das mit einer Briefmarke zu tun?

Andrea Sawatzki macht dieses Hörbuch zu einem Genuss. Über das Buch teilen sich die Lesermeinungen, vom Hörbuch gibt es wesentlich mehr begeisterte Stimmen. Nach dem Genuss des Hörbuches kann ich mich denen auch nur anschließen. Flavias altkluge Art kann sicher leicht mal nerven, wenn man seitenweise ihre Ausführungen liest. Von Andrea Sawatzki vorgetragen, macht es aber einfach nur Spaß.

„Mord im Gurkenbeet“ ist ein amüsanter Krimi für jüngere Leser oder Hörer. Das besondere an ihm ist die Zeit, in der er spielt. Zumindest kenne ich nicht viele aktuelle Jugendromane, die in den 50er Jahren spielen. Flavia hat kaum technische Mittel zur Verfügung und muss sich zum Beispiel noch durch Berge von Zeitungen wühlen, wo heute Internetrecherche zum Zuge kommen würde. Das gibt dem Buch einen ganz eigenen Charme.

Eine gelungene Mischung aus Humor und spannender Spurensuche, die nicht nur jüngere Hörer in ihren Bann ziehen wird. Ich freue mich schon auf weitere Abenteuer mit Flavia de Luce.

Hörbuch

Mord im Gurkenbeet, Flavia de Luce
Autor Alan Bradley
Sprecher Andrea Sawatzki
Länge 6 Stunden 51 Minuten (gekürzt)
Genre: Jugend-Hörbücher

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 17,95 €)

Im Flexi-Abo 9,95 €

Tommy Krappweis – Götterdämmerung, Mara und der Feuerbringer III

Noch immer steht Ragnarök bevor. Mara und Professor Weissinger läuft die Zeit davon, Loge wird immer mächtiger und noch immer weiß Mara nicht, was Thurisaz mit seinen Seminaren bezwecken will. Warum stärkt er Loge? Was hat er vor? Können die fast vergessenen Götter der nordischen Mythen ihr helfen? Wird Ratatösk ihr wieder auf die Nerven gehen und die Frisur zerstören? Kann Mara Loge besiegen und die Welt retten?

Viele Fragen, die sich im Verlauf der ersten beiden Bände angesammtelt hatten, hier werden sie endlich alle beantwortet. Wie es sich für den Abschlussband einer Trilogie gehört, kommt es zum grandiosen Showdown und die eine oder andere Überraschung hat der Autor auch noch für seine Leser parat.

Vor das Vergnügen haben die Götter allerdings den Schweiß gesetzt. Bei diesem Band fiel mir der Einstieg etwas schwerer, als bei den ersten beiden. Zum einen störte mich ein gewisser Sprachfehler, an dem der Autor scheinbar so viel Spaß hatte, dass er ihn seitenlang absolut sinnlos überreizte. Außerdem findet sich diesem Band das, was ich in den ersten beiden so gar nicht vermisst hatte: Mara und die Jungs. Siegfried anzuschmachten war ok, das hier ist ein anderes Kaliber. Eigentlich fand ich es sehr angenehm, dass einem diese Thematik ausnahmsweise mal in einem Jugendbuch erspart bleibt. Aber es sollte wohl nicht sein.

Wer sich an diesen Punkten ebenfalls stören könnte und jetzt überlegt, das Buch gar nicht erst zu lesen, sei beruhigt. Nach ungefähr einhundert Seiten findet der Autor wieder in seine alte Spur zurück und die Geschichte macht genauso viel Spaß wie schon zuvor. Mara und Professor Weissinger bekommen diesmal Unterstützung, die nicht auf den Mund gefallen ist. Die Auflösung der Geschichte ist rundherum gelungen, sehr spannend mit ein paar Überraschungen und alle Fragen werden geklärt.

Es tauchen einige neue alte Götter auf, amüsanter habe ich noch nie so viel über germanische Mythologie gelernt. Mein kleiner puscheliger Lieblingsfeind hatte auch wieder einige tolle Auftritte, vielen Dank dafür an Tommy. Nach diesen Büchern sehe ich Eichhörnchen mit anderen Augen.

Der Abschied von Mara fiel mir schwer, die freche Kröte ist mir ans Herz gewachsen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja doch irgendwann noch Nachschub.

Götterdämmerung, Mara und der Feuerbringer III – Tommy Krappweis
358 Seiten, SchneiderBuch
ISBN 9783505126482, 12,99 €
Hardcover

Sebastian Fitzek – Der Augenjäger

Der wahnsinnige Mörder aus „Der Augensammler“ wurde entlarvt, ist aber auf der Flucht. Zorbach wurde das gleiche Ultimatum gestellt, wie den anderen Opfern zuvor auch. Denn nun hat der Augensammler seine Ex-Frau ermordet und seinen Sohn entführt. 45 Stunden und 7 Minuten bleiben Alexander Zorbach, um seinen Sohn zu finden. Doch es gibt mehr als nur einen Wahnsinnigen. Schon mehrere junge Frauen wurden grausamst verstümmelt und missbraucht, sie alle nahmen sich selbst das Leben, nachdem „Der Augenjäger“ sie frei ließ. Ist er vielleicht sogar Arzt? Die Entfernung der Augenlider erfolgte erschreckend professionell. Bald stellt sich heraus, dass der Augenjäger und der Augensammler scheinbar zusammen arbeiten. Welcher Zusammenhang besteht zwischen den beiden?

„Der Augenjäger“ beginnt dort, wo „Der Augensammler“ aufhört. Man kann ihn ohne den Vorgänger lesen, alles Wichtige wird erwähnt. Danach kann man sich „Der Augensammler“ allerdings sparen, wer also kein Buch von Sebastian Fitzek verpassen möchte, sollte lieber erst „Der Augensammler“ lesen. Was ich auf jeden Fall empfehlen würde, weil mich beide Bücher extrem fesselten.

Die Fortsetzung ist sogar noch spannender als „Der Augensammler“. Von der ersten Seite an packt das Buch den Leser und lässt ihn nicht mehr los. Zwei anfangs noch unterschiedliche Handlungen kommen sich immer näher, um zu guter Letzt in einem großartigen Finale zu gipfeln. Die eine oder andere Überraschung hat Sebastian Fitzek auch wieder für seine Leser parat.

Wie schon im „Augensammler“, lässt der Autor nebenbei viel über die Lebensweise und die Erfahrungen blinder Menschen in den Text einfließen. Dieses Wissen hat er sich in vielen und ausführlichen Gesprächen mit sehbehinderten Menschen angeeignet. Damit liefert das Buch nicht nur Unterhaltung, man „sieht“ die Welt derer, sie sie nicht sehen können, anschließend mit anderen Augen.

Anfangs hatte ich meine Zweifel, ob der hohe Spannungslevel bis zum Ende gehalten werden kann. Er kann und er konnte sich sogar noch steigern, schneller als ich mich versah waren schon die letzten Seiten erreicht, ohne auch nur eine Seite Langeweile dazwischen.

Wer mal wieder einen richtig spannenden Thriller sucht und nicht all zu zart besaitet ist, kann hier getrost zugreifen. Wenn man beim Thema Augen sehr empfindlich ist, sollte man Vorsicht walten lassen.

Der Augenjäger – Sebastian Fitzek
428 Seiten, Droemer
ISBN 9783426198810, 19,99
Hardcover