Home › Category Archives › Rezensionen

Patrick Rothfuss – Die Furcht des Weisen I

 

Der zweite Teil und damit der zweite Tag der Königsmörder-Chronik. Nach den dramatischen Vorkommnissen des vergangenen Tages, kehrt schnell wieder der Alltag im Dorf ein. Die Ernte wartet nicht, die Schafe müssen auf den Markt. So hat Kvothe Zeit, dem Chronisten weiter über seine Vergangenheit zu berichten. Die nächsten Trimester an der Universität und seinen Abenteuern in Vintas. Wie schon zuvor konnte der junge Kvothe es einfach nicht lassen, sich mit seinem Erzfeind Ambrose anzulegen. Nach einer größeren Eskapade ist ein gewisser räumlicher Abstand zwischen den beiden nötig. Aber auch in Vintas halten sich die Abenteuer nicht von Kvothe fern. Sein Ziel verliert er trotz allem nie aus den Augen, mehr über die Chandrian heraus zu finden. Sagenumwobene Gestalten, die seine Familie grausam ermordeten. Wird er sie finden, bevor sie ihn finden?

Das lange Warten auf die Fortsetzung zu „Der Name des Windes“ hat sich gelohnt. Besondere Bücher brauchen eben auch ein wenig länger, die schreiben sich nicht einfach so runter. Und „Die Furcht des Weisen“ hat all das, was schon „Der Name des Windes“ so besonders machte. Eine wunderbare Atmosphäre, die dank des bildhaften Schreibstils entsteht. Man meint, selbst in der Schankstube des Wirtshauses zu stehen, mit Kvothe im Anker beim Kartenspiel zu sitzen oder mit ihm in den Räumen des Handwerkszentrums zu schwitzen. Die Charaktere sind einem nahe, weil sie einfach menschlich sind. Egal wie hoch oder niedrig ihre Stellung sein mag, sie haben alle ihre Licht- und Schattenseiten.

Kvothe stellt sich so oft wirklich dämlich an und stößt sich regelrecht selbst in die nächsten Schwierigkeiten, dass man vielleicht den Kopf darüber schütteln kann. Aber er ist 16 Jahre alt. Gerade wenn Frauen ins Spiel kommen, ist das ein Alter, in dem die Vernunft schon mal gegen die Hormone verliert. Der erwachsene Kvothe ist darauf auch nicht mehr stolz, aber er steht zu diesen Eskapaden und auch das ist ein Punkt, der ihn mir so sympathisch macht.

Die Spannung kommt natürlich auch nicht zu kurz, bei all den Abenteuern, durch die der junge Kvothe durch muss. Seine Suche nach den Chandrian ist der rote Faden, der sich nur langsam entwickelt. Was aber nicht weiter stört, es kann gerne noch etliche weitere Bände dieser Chronik geben. Es gibt noch genügend Geschichten zu erzählen und Namen zu entdecken. Wie Kvothe zum Königsmörder wurde, weiß man auch nach diesem Buch noch nicht.

Wahrscheinlich auch noch nicht nach Teil II des zweiten Bandes. Da der Textumfang zu groß war, wurde das Buch im Deutschen geteilt. „Die Furcht des Weisen 2“ erscheint laut Verlag Ende Januar 2012. Das Ende des ersten Teils ist gut gewählt, sehr spannend aber nicht unerträglich spannend. Vielen Dank an den Verlag dafür. Das Warten auf die Fortsetzung wird auch so schon lange genug dauern.

Patrick Rothfuss hat mit der Königsmörder-Chronik eine epische Fantasyreihe begonnen, die momentan nur wenig Konkurrenz zu fürchten hat. Ähnlich beigeistert haben mich bisher nur wenige Bücher.

Die Furcht des Weisen 1, Tag 2 der Königsmörder-Chroniken – Patrick Rothfuss
859 Seiten, Klett-Cotta Hobbit Presse
ISBN 9783608938166, 24,95 €
Hardcover

Simon Tofield – Kätzchenchaos

Simons Katze ist zurück, diesmal mit unverhoffter Verstärkung. Eines Tages bringt Simon ein kleines Kätzchen mit nach Hause, das passt dem bisherigen Hausherrn erst mal so gar nicht. Mit der Zeit raufen die beiden sich aber zusammen und stellen gemeinsam noch viel mehr Unsinn an.

Wie immer sehr goldig gezeichnet und in die kleine Katze kann man sich nur verlieben. Sie lässt sich nichts bieten, und zeigt wo es lang geht. Die ersten beiden Bände waren ja schon toll, der dritte hat sie noch übertroffen. Selbst mein Freund, eigentlich ein Hundemensch, konnte sich das Lachen nicht verkneifen.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

 

Simons Katze, Kätzchenchaos – Simon Tofield

240 Seiten, Goldmann

ISBN 9783442312856, 12,00 €

Hardcover

S. J. Watson – Ich.darf.nicht.schlafen (Hörbuch)

Christine wacht neben einem fremden Mann auf, in einem fremden Bett. Selbst ihr eigener Körper ist ihr fremd, so alt. In ihrer Erinnerung ist sie gerade mal zwanzig Jahre alt, in Wahrheit aber schon 47. Nach einem schweren Unfall ist ihr Gedächtnis geschädigt, über Nacht vergisst sie alles. Ihr Mann Ben kümmert sich liebevoll um sie, erklärt ihr jeden Morgen geduldig aufs Neue, was geschehen ist. Als er an diesem Morgen auf die Arbeit geht, ruft ein Arzt bei Christine an. Sie sei bei ihm in Behandlung, Ben wisse aber nichts davon. Auch nicht von dem Tagebuch, dass sie seit einiger Zeit führt. Als sie dieses Tagebuch liest, verliert sie jede Sicherheit. Ben hat ist nicht immer ehrlich zu ihr, belügt sie und verheimlicht so manches. Meint er es wirklich gut mit ihr? Immer mehr Ungereimtheiten werden aufgedeckt, wem kann sie noch vertrauen? Das erfährt sie erst, als es schon fast zu spät ist.

Die Idee ist nicht ganz neu, hätte aber viel Potential für einen wirklich spannenden Thriller. Wenn man sie nicht ein wenig zu sehr schröpfen würde, der Mittelteil zog sich stellenweise doch sehr. Nur die wirklich hervorragende Sprecherin, Andrea Sawatzki, bewahrte mich vor dem einschlafen.

Ihre Stimme ließ mich auch die Tiefen des Hörbuches ganz gut überstehen. Es war ein ständiges Auf und Ab. Eine spannende neue Erkenntniss weckte mich auf, ließ mich auf die nächste Steigerung warten. Die aber leider erst kam, nachdem die letzte so weit breit getreten wurde, dass jegliche Spannung verschwand. So fühlte ich mich beim Hören, als wäre ich immer wieder kurz vor dem Einnicken, um dann doch wieder aufzuschrecken. In der ungekürzten Version hätte ich dem Schlaf wohl nicht widerstehen können.

Das Ende war wieder gelungen, auch wenn ich diese Wendung schon viel zu früh ahnte. Das macht sie nicht schlechter, hinterlässt bei mir aber ein „schade, ich hätte mich gerne überraschen lassen“-Gefühl. Alles in allem ein etwas ruhigerer Thriller für alle, die es nicht blutig mögen.

Hörbuch

Ich.darf.nicht.schlafen
Autor S. J. Watson
Sprecher Andrea Sawatzki
Länge 7 Stunden 49 Minuten (gekürzt)
Genre: Thriller

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 15,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

 

Gianrico Carofiglio – In ihrer dunkelsten Stunde

Guido Guerrieri ist eigentlich Anwalt. Eigentlich soll er auch nur eine Akte darauf untersuchen, ob es Punkte gibt, an denen die Carabinieri nicht gründlich genug gearbeitet haben. Sonst wird die Akte geschlossen. Die Geschichte der spurlos verschwundenen Manuela, einer Studentin aus Rom, lässt ihn aber nicht los. Schnell sucht er tiefer als er sollte und stößt auf Ungeklärtheiten, er beginnt zu ermitteln. Manuelas Freundinnen wissen mehr, als die den Carabinieri gesagt haben. Was versuchen sie zu verschweigen? Kann Manuela doch noch lebend gefunden werden? Oder kann Guerrieri ihren Eltern zumindest Gewissheit verschaffen?

„In ihrer dunkelsten Stunde“ ist ein ruhiger Krimi, der sich auch leicht liest. Trotzdem hinterlässt er Spuren und bringt einen zum nachdenken. Es ist keines der Bücher, die man liest und eigentlich gleich wieder vergisst. Guido Guerrieri ist ein Mensch mit Macken, die er sich auch selbst eingesteht. Das macht ihn sympathisch, man fühlt sich ihm automatisch nahe. Die eine oder andere dieser kleinen Macken werden die meisten Leser von sich selbst kennen.

Nebenbei bekommt man interessante Einblicke in das italienische Rechtssystem und die Unterwelt geliefert. Auf die man auch vertrauen kann, da der Autor selbst lange Zeit als Staatsanwalt arbeitete.

Der Fall an sich ist der rote Faden, wichtiger war mir allerdings der Ermittler selbst und seine Gespräche mit anderen, oder auch seinem Sandsack. Ich konnte es kaum erwarten, bis er endlich wieder am Abend in sein Stammlokal geht, wo er immer wieder interessante Unterhaltungen mit der Wirtin führte. Einer ehemaligen Prostituierten, die seine Mandantin war.

Ein Krimi mit Wohlfühlfaktor, ohne dabei kitschig oder niveaulos zu sein. Für mich die Entdeckung eines neuen Lieblings-Krimi-Autors.

In ihrer dunkelsten Stunde – Gianrico Carofiglio
288 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312290, 17,99 €
Hardcover

Thomas Wanhoff – Wa(h)re Freunde

„Wa(h)re Freunde – Wie sich unsere Beziehungen in sozialen Online-Netzwerken verändern“ zeigt, wie sich Freundschaften in einer Welt voller Netzwerke verändern können. Ohne diese zu verteufeln oder zu glorifizieren. Es ist keine Bedienungsanleitung, sondern die Beschreibung einer Welt, die vielen noch immer fremd ist. Er konzentriert sich dabei auch nicht auf Facebook und StudiVZ, Foren und Netzwerke in aller Welt werden ebenso vorgestellt.

Nach einer kurzen Einführung in die Begriffe und Vorstellung verschiedener Communities gibt es einen Blick hinter die Kulissen. Warum unterhält jemand überhaupt so eine Seite? Was haben die Betreiber davon? Was tun sie mit unseren Daten?

Später geht es um Freunde in Netzwerken. Sind sie vergleichbar mit dem Sandkastenfreund? Wo sind die Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten? Welchen Nutzen haben wir von Online-Communities? Was passiert überhaupt in diesen Communities? Wird dort wirklich den ganzen Tag geschrieben, was jemand gerade gegessen hat oder wo er sitzt? Warum gibt es Menschen, die das interessiert?

Viele interessante Fragen, die einen über den eigenen Umgang mit Communities nachdenken lassen. Wanhoff geht das Thema angenehm entspannt an. Er macht keine Angst, weil man seine Daten hergibt, sondern zeigt, wofür die Daten genutzt werden. So kann jeder selbst entscheiden, wie er damit umgeht. Der Schreibstil ist locker, aber nicht zu lässig. Die Fakten werden immer wieder mal durch eine private Anekdote aufgelockert, so liest sich dieses Sachbuch sehr angenehm.

„Wa(h)re Freunde“ ist keine Anleitung, wie man Facebook nutzen soll. Aber es zeigt, wie man verschiedene soziale Netzwerke einsetzen kann. Sei es privat oder dienstlich. Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der sich in die Welt der Netzwerke begibt. Nicht nur Neulinge können hier viel lernen, auch alte Hasen werden sicher noch das eine oder andere finden, was ihnen bisher unbekannt war.

Wa(h)re Freunde – Thomas Wanhoff

259 Seiten, Spektrum

ISBN 9783827427830, 12,95 €

Christoph Marzi – Memory, Stadt der Träume

 

Jude verbringt seine Abende am liebsten auf dem Highgate Cemetery. Der Friedhof ist längst nicht so verlassen, wie man meinen könnte. Allerhand Geister „leben“ hier und geben auch mal eine ordentliche Party. Die meisten Menschen können sie nicht sehen, Jude aus irgendeinem Grund schon. Eines Abends trifft Jude auf einer Bank ein Mädchen, das keinerlei Erinnerung mehr besitzt. Sie weiß nicht einmal mehr ihren Namen. Ihre Haut leuchtet, wie die Geister, aber sie ist warm, wie ein Mensch. Wer und was ist sie? Jude versucht ihr zu helfen und findet bald heraus, dass sie in Gefahr ist. Wird er sie retten können oder für immer verlieren?

Christoph Marzi hat mich schon mit so manchem seiner Bücher verzaubert. „Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“ waren etwas ganz besonderes. Mit Charakteren, die mich noch lange begleitet haben und es zum Teil bis heute tun. Auch die Idee, eine Geschichte mit Liedern zu verknüpfen, wie in „Fabula“, fand ich gut. Aber irgendwann ist auch so eine Idee abgenutzt.

Auch in „Memory“ finden sich sehr viele Anspielungen auf verschiedene Musikstücke. Die mir leider zum Großteil unbekannt waren. Während des Lesens bin ich auch nicht bereit, ständig aufzustehen und sie im Internet zu recherchieren. Vielleicht sollte man dem Buch eine CD beilegen? So versickerten diese Anspielungen leider im Sumpf meiner Unwissenheit. Da es keine Mainstream-Musik ist, werde ich damit wahrscheinlich nicht alleine sein.

Die Hauptcharaktere blieben mir leider bis zum Ende fremd, ich konnte keinerlei Bezug zu ihnen aufbauen. Wesentlich besser gelang mir das mit den Friedhofsbewohnern und Miss Rathbone, die mich wirklich beeindruckt hat. Die Idee des „belebten“ Friedhofs hat ebenfalls ihren Reiz. Ist allerdings mal wieder von Neil Gaiman geliehen, dessen „Graveyard Book“ in einem ähnlichen Umfeld spielt.

„Memory“ liest sich schnell und locker weg, ist stellenweise auch ganz spannend. Allerdings stelle ich im Nachhinein fest, dass ich mich an die Geschichte selbst wesentlich schwerer erinnern kann, als an oben schon genannte Friedhofsbewohner und Miss Rathbone. Alles in allem eine ganz nette Lektüre, die ich allerdings lieber im günstigen Taschenbuch gelesen hätte.

Memory, Stadt der Träume – Christoph Marzi
321 Seiten, Arena Verlag
ISBN 9783401066226, 14,99 €
Hardcover

Andrea Stoll – Der kalte Himmel

 

Ein kleines Dorf im tiefsten Bayern gegen Ende der sechziger Jahre. Hier lebt die Hopfenbäuerin Mari mit ihrer Familie. Dass ihr Sohn etwas Besonderes ist, ahnt sie schon lange. Er meidet den direkten Blickkontakt, von Geburt an, legt keinen Wert auf körperliche Nähe und kommt mit anderen Kindern nicht zurecht. Lieber spielt er seine eigenen Spiele, in seiner ganz eigenen Welt. Das geht aber nur so lange gut, bis er eingeschult werden soll. Der Schularzt will Felix auf die Sonderschule schicken, weil er zurück geblieben sei. Doch Marie weiß, dass Felix nicht dumm ist. Er kann besser rechnen als sie. Sie kämpft für ihren Sohn, auch wenn sie sich dafür gegen das ganze Dorf stellen muss.

„Der kalte Himmel“ zeigt sehr deutlich, wie das Leben auf dem Dorf noch vor gar nicht langer Zeit aussah. Geprägt von verstaubten Grundsätzen, unflexibel und festgefahren in uralten Rollenmodellen. Wahrscheinlich findet man ähnliches noch heute in so manchem Dorf. Im krassen Gegensatz dazu wird das wilde Leben in Berlin 1968 gesetzt. Freiheit und Widerstand sind Marie bisher nie so begegnet wie hier. Die Zeit in der Großstadt verändert sie, lässt sie ihr Leben neu überdenken.

Autismus ist zu dieser Zeit eine kaum bekannte Krankheit. Kinder mit diesen Symptomen werden falsch diagnostiziert und erleiden grausame Fehlbehandlungen. Werden lieber still gestellt, als dass man versucht, einen Weg in ihre Welt zu finden. Marie kämpft mit einer Kraft um ihren Sohn, die nur eine Mutter aufbringen kann.

Ein in allen Facetten sehr berührender Roman, der ein eindrucksvolles Bild dieser Zeit malt. Leider bleibt es man manchen Stellen bei den Bildern. Man spürt, dass der Film vor dem Buch existierte. Beim Lesen zieht regelrecht ein Film vor dem inneren Auge vorbei. Die Tiefe, die man im Buch mit Hilfe von Hintergrundinformationen, Gedanken und Ähnlichem entstehen lassen könnte, fehlt allerdings oft.

Trotzdem ein Roman, den ich kaum mehr aus der Hand legte. Weil mich diese Zeit und ihre gelungene Darstellung fesselte. Wie nahe sich zwei vollkommen unterschiedliche Weltvorstellungen sein können. Und wie schwierig, sich plötzlich in einer gänzlich fremden Welt wieder zu finden. Sei es die Großstadt, oder die Welt eines autistischen Kindes.

Der kalte Himmel – Andrea Stoll
267 Seiten, Goldmann
ISBN 978342312825, 18,99 €
Hardcover

Bernd Perplies – In den Abgrund, Magierdämmerung III

 

Der dritte und letzte Band der „Magierdämmerung“. Wellington hat die Quelle der Magie erreicht und kontrolliert sie nun. Er heckt wahrlich teuflische Pläne aus, was er mit ihrer Macht anstellen könnte. Aus aller Welt machen sich Magier auf den Weg, seine Pläne zu durchkreuzen. Die Quelle muss geschlossen werden, bevor die zunehmende Menge wilder Magie noch weiteren Schaden anrichtet. Werden sie es schaffen, Wellington aufzuhalten?

„In den Abgrund“ ist ein wirklich gelungenes Finale. Aber nicht nur schon bekannte Charaktere treten auf, es gibt auch hier noch einmal einige neue Gesichter und magische Überraschungen. Danach weiß man endlich, was es mit dem fliegenden Holländer wirklich auf sich hat. Das Ende ist natürlich extrem spannend und hoch dramatisch. Anders könnte es aber auch nicht sein. Mehr will ich dazu gar nicht verraten um den Lesespaß nicht zu verderben.

Mein absoluter Liebling ist ja Rupert, das ausgestopfte Zombiekrokodil. Ein sehr praktisches Haustier, das höchstens mal ein wenig seiner Füllung verliert. Die Idee der Fadenmagie und ihre Umsetzung hatte ich ja schon in den Rezensionen der ersten beiden Bände positiv erwähnt. Im dritten Band darf die Fadenmagie noch einmal zeigen, was sie alles kann. Und das ist allerhand.

Ein kleines Manko war für mich ein Experiment des Verlags. Bei einem Wettbewerb konnten Leser Charakterideen einschicken, einer davon würde dann in diesem Band auftauchen. Feodora ist zwar ein durchaus gelungener Charakter, ihre Rolle im Buch ist allerdings nicht ganz glaubwürdig. Am Ende geht sie regelrecht unter, wird nur der Vollständigkeit halber noch einmal erwähnt. Hätte man sie gestrichen, hätte rein gar nichts gefehlt. Darüber mag man denken wie man möchte, ich empfand es als unnötig. Wirklich gestört hat es aber nicht.

„Magierdämmerung“ ist eine rundum gelungene Fantasyreihe, mit einer etwas anderen Magieform, die mir wirklich Spaß gemacht hat. Hier hat einfach alles gestimmt, vielleicht gibt es ja doch noch irgendwann eine Fortsetzung. Zu hoffen bleibt es.

In den Abrund, Magierdämmerung III – Bernd Perplies
501 Seiten, LYX
ISBN 9783802582660, 12,99 €

Sara Gruen – Wasser für die Elefanten (Hörbuch)

Jacob zieht es von einem Tag zum anderen den Boden unter den Füßen weg. Mehr durch Zufall landet er beim Zirkus und reist fortan mit ihm durch die Gegend. Der Direktor freut sich über einen Beinahe-Tierarzt, Jack hat einen Platz zum schlafen und Arbeit. Anfangs fällt es ihm nicht leicht, sich in der Hierarchie des Zirkus zu Recht zu finden. Doch mit der Zeit erobert er sich den Respekt seiner Kollegen. Als die Elefantendame Rose zum Zirkus kommt, freundet Jacob sich mit ihr an. Aber nicht nur mit ihr, auch mit der hübschen Kunstreiterin Marlena versteht er sich sehr gut. Leider ist die mit dem cholerischen Dompteur verheiratet. Ob sie trotzdem zueinander finden?

 

„Wasser für die Elefanten“ ist ein wunderschönes Hörbuch, bei dem einfach alles stimmt. Andreas Fröhlich leiht Jacob seine Stimme und erzählt rückblickend seine Lebensgeschichte. Man ist vom ersten Satz an in der Geschichte, folgt Jacob gespannt auf seinem Weg und kann sich nur schwer aus der wunderbaren Atmosphäre lösen.

 

Die Zirkuswelt hinter den Zelten hat wenig mit Romantik zu tun. In den 30er Jahren, als Jacob beim Zirkus war, wohl noch viel weniger als heute. Wer nicht spurt oder zum unnützen Esser wird, muss bei Rot aussteigen. Meint, er muss den Zug an einer Ampel verlassen. Alles ist genau geregelt, man tut gut daran, diese Regeln schnell zu lernen und einzuhalten. So hart das Leben damals auch geschildert wird, der Zirkuszauber glitzert trotzdem immer wieder durch. Wenn Marlenas Auftritt beschrieben wird, oder die Menschenmenge vor einer Vorstellung. Man meint die Zuckerwatte und gebrannte Mandeln riechen zu können, die Tiere in der Menagerie zu hören.

 

Mit „Wasser für die Elefanten“ kann man sich mühelos für einige Stunden weit weg träumen. Und sich von einem äußerst sympathischen Herrn erzählen lassen, wie das früher so war. Beim Zirkus und mit einem Elefanten namens Rose.

 

Hörbuch

Wasser für die Elefanten
Autor Sara Gruen
Sprecher Andreas Fröhlich
Länge 7 Stunden 41 Minuten (gekürzt)
Genre: Romane

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 15,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95

Ransom Riggs – Die Insel der besonderen Kinder

Jacobs Großvater erzählt fantastische Geschichten über seine Vergangenheit. Er hätte zusammen mit anderen Kindern auf einer Insel gelebt. Diese Kinder waren alle etwas ganz besonderes, sie konnten schweben oder waren unglaublich stark. Als Jacob älter wird, tut er diese Erzählungen als Märchen ab. Bis er seinen Großvater nach einem Überfall schwer verletzt auffindet. Was hat Jacob im Gebüsch verschwinden sehen? War es doch eines der Monster, vor denen sein Großvater solche Angst hatte? Dessen letzte Worte verfolgen Jacob noch lange, er soll die anderen suchen und sie warnen. Gibt es diese Insel und die Kinder wirklich?

„Die Insel der besonderen Kinder“ handelt nicht nur von besonderen Kindern, es ist auch ein ganz besonderes Buch. Jacobs Großvater hat Fotos der Kinder, die Jacob schnell als manipuliert abtut. Jedes im Buch erwähnte Bild ist auch im Buch enthalten. Selbst handschriftliche Texte finden sich zwischendurch. Das verhilft dem Text zu einer unglaublichen Atmosphäre und passt wunderbar zu dem insgesamt liebevoll gestalteten Buch. Für die eine oder andere Gänsehaut sorgen die Fotos auch mal.

Die Geschichte hat ein bisschen was von X-Men mit einem Schuss Peter Pan, dazu eine Zeitschleife und schon hat man einen wirklich spannenden Plot mit etlichen Überraschungen. Es ist keine klassische Fantasy, aber mit einem eindeutig fantastischen Touch. Endlich auch mal wieder keine fantastisch angestrichene Romanze, Männer können hier beruhigt mitlesen. Die düstere Stimmung passt gut für die kommenden winterliche Lesestunden.

„Die Insel der besonderen Kinder“ ist eine kleine Perle, die mich von der ersten Seite an fesselte. Wenn man viele Bücher liest, wird es immer schwieriger, welche zu entdecken die „neu“ sind. Dieses hier passt in kein Schema und hat mich mit einer ganz neuen Mischung verschiedener Ideen überrascht. Mein Buchtipp für alle, die es gerne mal etwas anders mögen.

Die Insel der besonderen Kinder – Ransom Riggs
416 Seiten, PAN
ISBN 9783426283684, 16,99 €
Hardcover