Archiv für Kinder-/Jugendliteratur

Delphine de Vigan – No & ich

Lou ist 13 Jahre alt und eine Einzelgängerin. Nicht immer freiwillig, aber da sie zwei Schuljahre übersprungen hat fällt es ihr schwer, in der Klasse Freunde zu finden. Dass sie hochintelligent ist, macht es nicht einfacher. Als sie ein Referat über obdachlose Frauen halten soll, lernt sie No kennen. No lebt auf der Straße, seit sie mit 18 Jahren aus dem Heim entlassen wurde. Sie steckt in der hoffnungslosen Schleife, dass man ohne Wohnsitz keine Arbeit findet und ohne Arbeit keinen Wohnsitz. Das Leben auf der Straße erleichtert sie sich, in dem sie zuviel trinkt. Lou beschließt ihr zu helfen. Doch kann man jemanden aus diesem Leben befreien oder ist es wie die Erwachsenen sagen: „Die Dinge sind, wie sie sind…“?

„No & ich“ ist ein sehr einfühlsamer Roman über schwierige Verhältnisse und den Mut, sich den Dingen entgegen zu stellen und etwas zu wagen um anderen zu helfen. No macht es Lou nicht leicht. Nicht weil sie sich nicht helfen lassen möchte, sondern weil sie einfach schon zu tief drin steckt und nicht ohne weiteres ein „normales“ Leben aufnehmen kann. Doch Lou gibt nicht auf und versucht wirklich alles, um No nicht alleine zu lassen. Die Geschichte erzählt von ganz besonderen Freundschaften, nicht nur zwischen Lou und No. Hinter der Fassade sieht die Welt der Menschen oft doch ganz anders aus als gedacht.

Mit „No & ich“ ist Delphine de Vigan ein warmherziger Jugendroman gelungen, der durch seinen emotionalen Tiefgang auch erwachsene Leser noch zu fesseln vermag. Lou ist mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen, mit ihr ist der Autorin ein nicht alltäglicher Charakter gelungen, dem durch die Geschichte zu folgen sehr viel Freude bereitet.

No & ich – Delphine de Vigan
256 Seiten, Knaur
ISBN 9783426501580, 8,95 €

Kerstin Gier – Smaragdgrün

Gwendolyn ist am Boden zerstört, nachdem sich herausstellte, dass Gideon seine Gefühle nur gespielt hat. Kann sie ihm trotzdem noch genug vertrauen, um die Mission zu Ende zu bringen? Was steht in dem Teil der Prophezeiungen, die Paul Gideon anvertraut hat? Warum wollen Paul und Lucy verhindern, dass der Blutkreis geschlossen wird? Welche Ziele verfolgt der Graf wirklich? Gibt es einen Verräter im Kreis der Wächter?

Viele Fragen, wie es sich für den Abschluss einer Reihe gehört, hier werden sie endlich alle beantwortet. Wie schon in den vorherigen Bänden mit genau der richtigen Mischung aus Spannung und Gefühl, die einen die Bücher gar nicht mehr aus der Hand legen lässt. Wird es mal zu ernst, sorgt Xemerius, der Geist eines Wasserspeiers, mit seinen sarkastischen Bemerkungen für Auflockerung. Wenn ich den best gelungensten Buchcharakter des Jahres wählen müsste, wäre Xemerius mein Kandidat.

Mehr will ich gar nicht zu dem Buch verraten. Wer die ersten Bände verschlungen hat, wird es mit diesem ebenso tun. „Smaragdgrün“ ist ein grandioser Abschluss einer sehr schönen Trilogie, die Mädchen und Frauen über alle Zeiten hinweg zu verzaubern weiß.

Smaragdgrün – Kerstin Gier
487 Seiten, Arena
ISBN 9783401063485, 18,95 €

Kai Meyer – Arkadien brennt

„Arkadien brennt“ ist die Fortsetzung zu „Arkadien erwacht“. Rosa ist die Erbin des Alcantara Clans, muss aber um ihre Führungsrolle kämpfen und sich gegen einige Widersacher zur Wehr setzen. Was bei Mafiaangelegenheiten bedeutet, dass ihr Leben ständig in Gefahr ist. Die Beziehung zu Alessandro macht alles noch komplizierter. Um Abstand zu bekommen, fliegt Rosa nach New York, muss aber schnell feststellen, dass sie auch dort keine Ruhe vor ihren Feinden findet, die Carnevares haben auch hier ihr Netz gesponnen. Wem kann sie noch vertrauen? Und wer steckt hinter Tabula?

„Arkadien brennt“ ist ein sehr passend gewählter Titel, hier geht es ganz schön rund. Schon den ersten Band habe ich verschlungen, den zweiten hätte ich am liebsten am Stück gelesen. Für den dritten Band sollte ich mir einen Tag lang nichts anderes vornehmen. Auch wenn sich die Geschichte mit Rosa und Alessandro etwas nach Romeo und Julia mit Kitschgefahr anhört, nach Schmalz muss man hier lange suchen. Die Spannung steht im Vordergrund und wird vom Autor geschickt immer weiter gesteigert, bis zum wirklich fabelhaften Showdown.

Wer „Arkadien erwacht“ mochte, sollte hier nicht lange zögern. Die Fortsetzung ist mindestens so gelungen wie der Auftakt zu Serie, auf das große Finale bin ich schon sehr gespannt.

Arkadien brennt – Kai Meyer
399 Seiten, Carlsen
ISBN 9783551582027, 19,90 €

Tommy Krappweis – Mara und der Feuerbringer

Maras Mutter wäre gerne ein Wicca und schleppt ihre 14-jährige Tochter fast jedes Wochenende zu einem anderen Seminar. Eigentlich dachte Mara, der Höhepunkt der Verrücktheit sei erreicht, als sie alle einen Baum umarmen und versuchen mit ihm zu sprechen. Da ahnt sie noch nicht, dass sie sich kurz darauf tatsächlich mit einem Zweig unterhalten wird, der ihr erklärt, dass sie eine Seherin ist. Vielleicht die letzte Spákona und damit die einzige, die mit ihrer Gabe den Halbgott und Dämon Loki aufhalten und damit die Welt vor den Ragnarök bewahren kann. Ist sie dieser Aufgabe wirklich gewachsen?

Viele der Götter waren mir bisher vage bekannt, man hört ihre Namen und die ein oder andere Geschichte ja immer wieder mal. Loki zum Beispiel war mir bisher aber eher fremd. In „Mara und die Feuerbringer“ lernt man einiges über die germanische Mythologie, da Mara anfangs ähnlich ahnungslos ist wie ich es war.

Wer Tommy Krappweis schon mal erlebt hat ahnt, dass in diesem Buch auch einiges an Humor steckt. Selten habe ich gleichzeitig so viele interessante Fakten gemischt mit guter Unterhaltung serviert bekommen. Als positiver Nebeneffekt bleibt so auch mehr von dem neuen Wissen hängen. Allerdings hat sich auch die ein oder andere seiner Wortschöpfung in meinen Wortschatz eingeschlichen, die Schwurbelhexen zum Beispiel. Ob das positiv oder negativ ist, muss jeder selbst entscheiden. ;)

„Mara und der Feuerbringer“ ist ein tolles Jugendbuch, bei dem sich aber auch Erwachsene das Lachen ganz sicher nicht verkneifen können. Für alle die anschließend mehr über die germanischen Mythen wissen wollen gibt es einen ausführlichen Anhang mit Hintergrundinformationen und Literaturtipps. Oder man liest einfach im zweiten Band „Das Todesmal“ weiter, der im September erschienen ist.

Mara und der Feuerbringer – Tommy Krappweis
333 Seiten, SchneiderBuch
ISBN 9783505126468, 12,95 €
Hardcover

Krystyna Kuhn – Der Sturm, Das Tal 1.3

Anfang November, der Rememberance Day steht bevor. Für einige Schüler und Lehrer im Grace College ein Datum mit unschönen Erinnerungen. Dass die Schule für einige Tage Ferien macht und alle Bewohner zu Verwandten und Bekannten fahren, kommt da gerade recht. Der aufziehende Schneesturm lässt sie das Tal nur noch schneller verlassen. Nur Chris, Julia, Debbie, Rose und Benjamin schaffen es nicht rechtzeitig, alleine mit zwei Wachmännern bleiben sie im College zurück. Wirklich zwei Wachmännern? Einer von beiden scheint verschwunden zu sein. Und wie kam die DVD mit Filmaufnahmen der vor Jahren verschwundenen Studenten in den Kinosaal? Schnell stellt sich heraus, dass noch jemand zurück geblieben sein muss, der jetzt hinter ihnen her ist und dabei auch über Leichen geht. Werden sie ihm entkommen?

Es ist kaum zu glauben, aber die Spannung steigert sich in Krystyna Kuhns Reihe „Das Tal“ von Band zu Band. Wenn das so weiter geht, brauche ich demnächst einen Beruhigungstee vor der Lektüre. Zu der, schon in den ersten Bänden immer im Hintergrund lauernden, mystischen Bedrohung durch das Tal selbst, kommt hier  noch eine sehr viel realere Bedrohung dazu. Immer mehr Verbindungen zur geheimnisvollen Vergangenheit des Colleges werden aufgedeckt, kaum jemand im Tal ist nicht aus einem bestimmten Grund dort.

In jedem Band erfährt der Leser ein wenig mehr aus der Geschichte von ein oder zwei Personen. Diesmal sind es Chris und Debbie, und auch ihre Vergangenheit ist mit dem Tal verknüpft. Umso mehr Geheimnisse gelüftet werden, umso bedrohlicher wirken das Tal und seine Bewohner. Denn nur die wenigsten haben hier positive Erfahrungen gemacht, manch einer sinnt auf Rache für längst vergangene Taten.

„Der Sturm“ ist der Beweis dafür, dass Fortsetzungen durchaus funktionieren können und nicht an Qualität verlieren müssen. Von Band zu Band steigt die Spannung, diesen hier habe ich in einem Rutsch durchgelesen, es ging gar nicht anders. Mit jedem Mal erscheint einem das Warten auf den Folgeband noch etwas schwerer. Band 4, „Die Prophezeiung“ ist für Februar angekündigt.

„Das Tal“ ist eine unglaublich spannende und immer bedrohlicher werdende Mystery-Thriller Reihe für Jugendliche, die aber auch viele Erwachsene atemlos die Seiten verschlingen lässt.

Der Sturm, Das Tal Season 1.3 – Krystyna Kuhn
265 Seiten, Arena
ISBN 9783401065311, 9,95 €

Malinda Lo – Ash

Schon kurz nach dem Tod ihrer Mutter heiratet Ashs Vater erneut, bald darauf verstirbt auch er. Ash ist von nun an ihrer Stiefmutter und ihren beiden Stiefschwestern ausgeliefert, die sie wie eine Hausangestellte behandeln und sich von ihr bedienen lassen. In einem Märchenbuch findet Ash Geschichten über Feen, die Menschen in ihr Reich entführen. Auch wenn das ihren Tod in der Menschenwelt bedeutet, versucht Ash immer wieder ins Feenreich zu gelangen. Sie schleicht sich in die Wälder, wo sie nicht nur auf den Feenmann Sidhean trifft, dort lernt sie auch Kaisa kennen, die königliche Jägerin. Mit beiden verbindet sie bald ein ganz besonderes Band. Wird es Ash gelingen, aus ihrem Dienstboten-Leben zu entfliehen?

Die Geschichte von Ash erinnert an vielen Stellen an die bekannte Geschichte von Aschenputtel. Allerdings gibt es hier keine gute Fee, die Aschenputtel drei Wünsche erfüllt. Sidhean ist ein Feenmann, der seine Hilfe an gewisse Bedingungen knüpft. Auch verliebt sich Ash nicht in den Prinzessen, sondern in dessen Jägerin. Beide Aspekte hätten eine sehr interessante Geschichte aus der Vorlage machen können, wenn die Charaktere mir nicht so fremd geblieben wären.

Man merkt keinen Unterschied zwischen der zwölfjährigen Ash und der achtzehnjährigen, es findet keinerlei Entwicklung statt. So dramatisch ihr Leben auch verläuft, ihre Emotionen blieben mir immer fern, berührten mich nicht. Weder wurde ihre Verzweiflung wirklich deutlich, als sie ganz alleine zurück blieb, noch ihre Gefühle für Kaisa. Hätte ich nicht schon aus Rezensionen gewusst, dass sie sich in eine Frau verliebt, ich hätte es erst registriert, als sie sich endlich küssten. Ich fand leider weder einen Zugang zu Ash, noch zu der Geschichte. Sehr gelungen war die Einflechtung der Elemente aus Aschenputtel, wie zum Beispiel Ashs Wunsch am Ball teilzunehmen und seine Erfüllung mit Hilfe von Feenmagie.

„Ash“ ist eine etwas andere Version von Aschenputtel mit interessanten Ansätzen, der leider das besondere Etwas fehlt, um die Magie der Geschichte zu entfachen. Die gelungene Mischung aus altbekannter Geschichte und neuen Ideen macht das Buch dennoch  zu einer netten Lektüre zwischendurch.

Ash – Malinda Lo
267 Seiten, PAN
ISBN 9783426283448, 12,99 €
Hardcover

Jackson Pearce – Drei Wünsche hast Du frei

Viola fühlt sich unsichtbar. Natürlich sehen die anderen sie, aber niemand nimmt sie wirklich wahr, sie gehört nirgendwo richtig dazu. Ihr sehnlichster Wunsch ist, sich nicht mehr unsichtbar vorzukommen. Als dann aber ein Dschinn auftaucht, um ihr drei Wünsche zu erfüllen, ist es plötzlich alles andere als einfach, sich für die richtigen Wünsche zu entscheiden. So stellt sie die Geduld des Dschinns auf eine harte Probe. Soll sie sich ihren Ex-Freund zurück wünschen, der sie verlassen hat, weil er Jungs doch attraktiver findet als Mädchen? Oder sollte sie sich wünschen besser auszusehen? Warum fühlt sie sich eigentlich unsichtbar?

„Drei Wünsche hast Du frei“ hat mich positiv überrascht. Ja, es ist ein Roman für jugendliche Mädchen und ja, es geht um Liebe. Aber vom befürchteten „Twilight-Kitsch“ ist diese Geschichte meilenweit entfernt. Mit viel Fingerspitzengefühl wird von der empfindlichen Gefühlswelt einer Sechzehnjährigen erzählt. Davon, wie schwer es ist, seinen Platz in der Welt zu finden und wie sehr es schmerzt, von der ersten großen Liebe verlassen zu werden. Wer kann sich nicht daran erinnern, das Gefühl, nie wieder ganz zu sein, etwas Wichtiges unwiederbringlich verloren zu haben.

Der zweite Satz des Buches fasst die Moral von Violas Geschichte perfekt zusammen: „Manchmal muss man sich in den falschen Menschen verlieben, um den richtigen Menschen zu finden.“ Sie auf diesem Weg zu begleiten, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Viola ist keine Tussi, sie macht sich Gedanken über andere und die Welt, was sie sehr sympathisch machte. Auch ihr bester Freund Lawrence und der Dschinn wuchsen mir schnell ans Herz.

„Drei Wünsche hast Du frei“ ist ein wunderschönes Buch für junge Mädchen, dass ich jedem von ihnen ans Herz legen würde. Aber auch „ältere Semester“ finden hier eine angenehme Zwischendurchlektüre, wenn sie bereit sind, sich auf eine kleine Zeitreise in die Gefühlswelt ihrer Vergangenheit einzulassen.

Drei Wünsche hast Du frei – Jackson Pearce
284 Seiten, PAN
ISBN 9783426283363, 12,95 €

Neil Gaiman – The Graveyard Book

Nobody Owens ist etwas ganz Besonderes. Als Baby entkam er einem Mordanschlag, dem alle anderen Familienmitglieder zum Opfer fielen. Die Bewohner des nahen Friedhofs nahmen sich seiner an, hier wächst er nun behütet in ihrer illustren Gesellschaft auf. Nicht nur die Geister lange Verstorbener, auch manch andere, an sich ziemlich finstere, Gestalt sorgt hier für ihn. Auf dem Friedhof gibt es für einen kleinen Jungen allerhand Abenteuer zu erleben, doch irgendwann zieht es ihn zu den Lebenden. Er möchte in einer Schule sein, mit anderen in einem Raum sitzen, die ebenso wie er atmen und essen müssen. Aber außerhalb des Friedhofs ist er nicht sicher, der Mörder seiner Familie ist auch nach all den Jahren noch hinter ihm her, will seinen Auftrag zu Ende bringen. Wie lange können die Friedhofsbewohner Nobody schützen?

„The Graveyard Book“ ist ein wunderschönes Buch für Jung und Alt gleichermaßen. Ganz besonders gefiel mir, dass ordentlich mit den Klischees von Gut und Böse aufgeräumt wurde. Zum Beispiel habe ich noch von keinem Vampir gelesen, der so sympathisch ist wie Silas. Aber auch er sagt von sich, dass er in anderen Zeiten ein furchtbares Monster war. So hat jedes Ding seine zwei Seiten. Besonders nahe ging mir auch der Abschnitt über die Seelen, die auf dem ungeweihten Teil des Friedhofs wohnen. Sie werden selbst von den anderen Geistern, die auf dem geweihten Teil leben, verachtet. Zu Recht?

Mit solchen Gedanken bietet das Buch auch Erwachsenen Stoff zum Nachdenken und Unterhaltung. Für jüngere Leser ist es eine tolle Abenteuergeschichte über einen ganz besonderen Jungen und mit Geistern vor denen man sich nicht fürchten muss. Ein Gruselroman, der einem das Gruseln abgewöhnt.

Das Buch hat eine wunderbare Atmosphäre, in die man einfach nur eintauchen möchte. Am Ende fiel es mir sehr schwer, von der Geschichte und ihren Charakteren Abschied nehmen zu müssen. „The Graveyard Book“ ist eines der ganz besonderen Bücher, die mich noch lange nach dem Lesen in Gedanken begleiten.

The Graveyard Book – Neil Gaiman
320 Seiten, Bloomsbury Publishing
ISBN 9780747598626, ca. 8,50 €

Neil Gaiman – Odd and the Frost Giants

Der Wikingerjunge Odd hat es wahrhaftig nicht leicht, trotzdem lässt er sich von nichts und niemandem sein Lächeln nehmen. Weder der Tod seines Vaters noch sein verkrüppeltes Bein lassen ihn den Mut verlieren. Als er während eines nicht enden wollenden Winters im Wald die nordischen Götter Thor, Odin und Loki trifft kann er beweisen, dass Köpfchen manchmal wichtiger ist als Körperkraft. Denn die drei wurden aus Asgard verbannt und er muss ihnen nun helfen zurück zu kehren, um dem Winter ein Ende zu bereiten.

Leider ist „Odd and the Frost Giants“ nur ein sehr kurzes Buch, dafür aber mit einigen schönen Illustrationen versehen. Mit Odd selbst wurde ich nicht so richtig warm, sympathischer waren mir da schon die Götter, die trotz aller Göttlichkeit eben doch nicht unfehlbar sind. Für Erwachsene ist die Geschichte etwas zu simpel und zu sehr nach dem typischen Schema gestrickt. Als 9jährige hätte ich aber sicher um Odd gebangt, als er dem Eisriesen gegenüber stand.

Alles in allem eine nette Geschichte zwischendurch, das typische Gaiman-Gefühl hat mir allerdings gefehlt. Diese Geschichte hätte ebenso von einem anderen Autor geschrieben sein können. Sie wird trotzdem ihren Regalplatz neben den anderen Werken von Neil Gaiman bekommen, in der Sammlung sollte sie natürlich nicht fehlen. Als Vorlesebuch für Kinder würde ich sie empfehlen, sie enthält auch die ein oder andere Moral, in einer spannenden Abenteuergeschichte verpackt.

Auf Deutsch erschien das Buch unter dem Titel “Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard” vor kurzem im Arena Verlag.

Odd and the Frost Giants – Neil Gaiman
112 Seiten, Bloomsbury Publishing (World Book Day edition 2008)
ISBN 9780747595380

Cornelia Funke – Reckless: steinernes Fleisch

Nachdem sein Vater spurlos verschwand, stiehlt sich Jacob immer wieder heimlich in dessen, eigentlich verbotenes, Arbeitszimmer. Eines Tages stößt er dort auf einen ganz besonderen Spiegel, und die Welt, die sich dahinter verbirgt. Immer länger flüchtet er sich dorthin, lässt seine Mutter und seinen Bruder zurück. Doch eines Tages folgt ihm sein Bruder Will und lernt bald, dass die Welt hinter dem Spiegel nicht nur allerhand märchenhafte Dinge und Gestalten birgt, sondern auch düstere Geheimnisse und vor allem Gefahren. Will wird von einem steinernen Goyle angegriffen und verletzt, von diesem Moment an beginnt er langsam selbst zu versteinern. Jacob versucht alles, um seinen Bruder zu retten, doch um diesen Fluch aufzuheben braucht er die Hilfe einer Feindin. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, von Tag zu Tag versteinert Will mehr. Wird Jacob schneller sein als der stetig wachsende Stein?

Nachdem Cornelia Funke vor einigen Jahren die Tintenwelt-Trilogie beendete, entführt sie uns nun mit „Reckless: steinernes Fleisch“ in eine neue, geheimnisvolle Welt. In der Welt hinter dem Spiegel trifft der Leser auf allerhand aus Märchen bekannte Gestalten, wie Zwerge und Feen. Auch magische Gegenstände aus verschiedensten Geschichten finden sich hier, wie gläserne Schuhe, Tischleindeckdichs oder Wunschsäcke. Aber unsere Welt hat auch hier schon ihre Spuren hinterlassen, es gibt Fabriken und Züge, moderne Waffen und Zeitungen mit den dazugehörigen Zeitungsjungen. Alles in allem also eine recht moderne Märchenwelt, in der aber auch einige finstere Gestalten hausen. Wie die steinernen Goyle, die einen grausamen Krieg gegen die Menschen führen.

An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, länger verweilen und tiefer in die Geschichte eintauchen zu dürfen. Die Handlung ging mir ab und an zu schnell voran, blieb oberflächlich, wo ich gerne etwas mehr erfahren hätte. Die Leseempfehlung ab 13 ist wohl eher der Handlung, als der recht einfachen Sprache geschuldet. Trotzdem hat Cornelia Funke es wieder geschafft, mich mit der märchenhaften Atmosphäre der Welt hinter dem Spiegel zu fesseln. Das Buch ist düster und spannend, die grundverschiedenen Charaktere bieten für jeden Leser einen Liebling, mit dem er hoffen und bangen kann. Mir gefiel Fuchs am besten von allen, manchmal wünschte ich mir auch ein Fell. Aber selbst die Goyle hatten ihren Reiz, denn auch sie sind nicht einfach nur böse.

Ein wunderschönes Buch, um sich für ein paar Stunden wegzuträumen. Nicht in eine bessere Welt, nur in eine andere. Ein paar Stunden, um Jacob, Will und all die anderen während ihrer Abenteuer zu begleiten. Um Feen und Zwerge zu treffen, sich den ekligen Schwindschleim unter der Nase vorzustellen und die Wahrheit über den Ball aus dem Froschkönig zu erfahren. Eine Buchempfehlung für alle, die gerne träumen.

Reckless: steinernes Fleisch – Cornelia Funke
346 Seiten, Cecilie Dressler Verlag
ISBN 9783791504858, 19,95 €
Hardcover