Archiv für Historischer Roman

Petra Schier – Das Haus in der Löwengasse

 

Pauline verliert ihre Stelle als Gouvernante, weil der Hausherr zuviel Gefallen an ihr fand. Nun steht sie ohne Zeugnis auf der Straße, eine Stelle als Magd ist ihre einzige Chance. Die schwere Arbeit ist sie nicht gewohnt, aber sie kämpft wacker um diese Arbeit. Bis ihr das Glück eines Tages hold ist, ein verwitweter Freund ihrer Herrschaft sucht eine Gouvernante, da seine Kinder seit dem Tod ihrer Mutter kaum gebändigt wurden. Keine leichte Aufgabe für Pauline, auch der Hausherr hat keinen ganz einfachen Charakter. Aber immer noch besser als ein Leben als Magd. Also nimmt sie die Herausforderung an und entdeckt bald, dass ihr neuer Arbeitgeber unter der rauen Schale auch ganz angenehme Seiten hat. Üble Nachrede sorgt allerdings dafür, dass seine Geschäfte schlecht laufen. Wird er eine zweite Ehe nur um des Geldes wegen eingehen müssen?

„Das Haus in der Löwengasse“ ist ein historischer Liebesroman. Wer hier eine kitschige Liebesgeschichte oder unrealistische Frauenfiguren mit mehr Glück als Verstand vermutet, liegt aber falsch. Alle Figuren werden durchaus realistisch dargestellt, man kann sich ohne weiteres vorstellen, dass diese Geschichte so tatsächlich geschehen sein könnte. Aus diesem Grund lese ich die Bücher von Petra Schier immer wieder gerne, auch wenn ich sonst meist einen weiten Bogen um historische Liebes-Romane mache.

Pauline und Julius sind so wunderbar menschlich, mit Schrullen und Macken. Und gerade deshalb so sympathisch. Auch so mancher Nebencharakter wuchs mir ans Herz, so dass ich am Ende wirklich mitgebibbert habe, wie es denn nun für alle Beteiligten ausgehen mag. Für Leser der Adelina-Reihe gibt es eine kurze Begegnung mit einem bekannten Namen. Ein kleines Schmankerl, das mir sehr gut gefiel.

„Das Haus in der Löwengasse“ ist ein wunderschöner historischer Roman mit einem Schuss Liebe, der seine Leser in vergangene Zeiten entführt, sie miterleben lässt. Buchtipp für entspannte Wochenenden im Herbst, wenn man es sich mal richtig gemütlich machen will.

Das Haus in der Löwengasse – Petra Schier
352 Seiten, rororo
ISBN 9783499259012, 8,99 €
Taschenbuch

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Gina Mayer – Das Maikäfermädchen

Düsseldorf, ein Jahr nach dem zweiten Weltkrieg. Die Stadt liegt in Trümmern, überall herrscht Armut und Hunger. Mehr schlecht als recht hält sich die Hebamme Käthe über Wasser. Da bietet ihr ein Mädchen einen Pelzmantel an. Wenn sie ihr hilft, die Schwangerschaft zu beenden. Der Hunger siegt, Käthe überhört ihr schlechtes Gewissen und führt den Eingriff durch. Sie ist alleine, ihr Mann in Kriegsgefangenschaft, sie muss überleben. Bald darauf steht die nächste Frau in Not vor ihrer Tür.

Gina Mayer hat es wieder einmal geschafft, dass ich alles um mich herum vergas und in vergangenen Zeiten versank. Sie hat die furchtbare Nachkriegszeit so deutlich beschrieben, die Not und auch die moralischen Zwickmühlen, dass ich immer wieder inne hielt um mich daran zu erinnern, was meine Großeltern über diese Zeit erzählten. Sie lebten auf dem Land, in den Städten sah es damals noch viel schlimmer aus. Leicht war es aber für niemanden, in einem Land zu überleben, in dem es nichts mehr gab. Die eigenen Moralvorstellungen musste man über den Haufen werfen, wollte man überleben. In Extremsituationen wie diesen gelten die üblichen Regeln der Gesellschaft sowieso nicht mehr.

Ganz unterschiedlich erleben die Charaktere die Zeiten nach dem verlorenen Krieg. Käthe gehört nicht zu den Menschen, die im Nachhinein die Augen verschlossen, sie fühlt sich schuldig, weil sie die Zeichen vor dem Krieg nicht gesehen, nicht gehandelt hat. Ihre Freundin Lilo braucht einen guten Freund, der das Lager überlebt hat, um all die Grausamkeit wirklich zu verstehen, die geschah. Doch nach dem Krieg zählte nur noch eins, Überleben. Dafür geht jeder an und über seine Grenzen hinaus.

„Das Maikäfermädchen“ ist ein ruhiger Roman, der mich tief berührte. Es ist wichtig, dass wir diese Zeiten nicht vergessen. Die Generation, die uns davon erzählen kann, verschwindet. Oder will nicht über diese Zeiten reden, will vergessen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir erinnert werden, zum Beispiel durch Bücher wie dieses. In dem Gina Mayer diese furchtbaren Jahre lebendig werden lässt.

Die Zeit in der das Buch spielt, ist grausam. Trotzdem ließ mich die Geschichte nicht traurig, eher nachdenklich zurück. Leseempfehlung für alle, die nicht nur leichte Unterhaltung suchen und gerne tief in Geschichten eintauchen.

Das Maikäfermädchen – Gina Mayer
365 Seiten – Rütten & Loening
ISBN 9783352008436, 16,99 €

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Diana Gabaldon – Die Fackeln der Freiheit

Lord John erhält von einem verstorbenen Freund Papiere, die eine Verschwörung gegen die britische Krone aufdecken. Zusammen mit seinem Bruder will er den Rädelsführer zur Strecke bringen und den Verrat verhindern. Eher unfreiwillig wird ihm dabei Jamie Fraser zur Seite gestellt, der noch immer als Gefangener auf Helwater lebt. Kann die zwangsweise miteinander verbrachte Zeit ihre angespannte Beziehung wieder normalisieren? Darf Jamie anschließend vielleicht zurück nach Schottland?

Auch wenn es laut Titel ein Lord-John-Roman ist, Jamie hat in ihm genau so viel Platz bekommen wie Lord John Grey. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von beiden erzählt. Der Anfang hat mich ehrlich gesagt etwas irritiert, das Niveau steigt aber schnell wieder. Nach wenigen Seiten war ich wieder gefangen in der typischen Atmosphäre eines Diana Gabaldon Romans.

Die Mischung der beiden Erzählperspektiven lässt die Kriminalhandlung weniger präsent sein, als sie es in den anderen Lord-John-Romanen ist. Im Vordergrund stehen die zwischenmenschlichen Aspekte, nicht nur zwischen John und Jamie. Auch Johns Bruder und seine Frau spielen keine unwesentliche Rolle, ebenso ein alter Bekannter Jamies, der ihn überraschend besucht und alte Wunden aufreißt.

„Die Fackeln der Freiheit“ kann man allen Lesers der Bücher von Diana Gabaldon bedenkenlos empfehlen. Wieder einmal empfängt der Roman einen mit seiner wunderbaren Atmosphäre, man hat das Gefühl nach Hause zu kommen und alte Bekannte wieder zu treffen. Nicht nur ein Lückenfüller, bis es endlich wieder mit Jamie und Claire weiter geht, sondern wirklich eine Empfehlung für gemütliche Schmökerstunden, in denen man dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Die Fackeln der Freiheit – Diana Gabaldon
575 Seiten, Blanvalet
ISBN 9783764501778, 19,99 €
Hardcover

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Jennifer Donnelly – Die Teerose (Hörbuch)

 

Fiona teilt einen Traum mit ihrem Freund Joe, sie wollen ihr eigenes Geschäft eröffnen und sparen jeden Penny dafür. Gar nicht so einfach, wenn man aus einfachen Verhältnissen stammt und in Whitechapel lebt. Es kommt dann doch alles ganz anders, als Fiona nach einigen
Schicksalsschlägen nach New York flüchten muss. Nur mit der Adresse ihres Onkels in der Hand, versucht sie für sich und ihren kleinen Bruder Seamus ein neues Leben aufzubauen. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen, kämpft für ihren Traum und es öffnen sich ungeahnte Türen für sie. Liebe und Freundschaft helfen ihr immer wieder durch schwere Zeiten.

“Die Teerose” ist ein wunderschöner historischer Roman, der London und New York Ende des 19. Jahrhunderts auferstehen lässt. Inklusive Jack the Ripper, der keine unbedeutende Rolle in der Geschichte spielt. Historischen Romanen mit starken Frauenfiguren gegenüber bin ich meist skeptisch. Dieser hier hat mich überzeugt, auch wenn er einige Zutaten der typischen “-in” Romane enthält. Die Atmosphäre und die sympathischen Charaktere machten das wieder wett. Ohne Zufälle geht es in diesen Romanen selten zu, die muss man einfach akzeptieren, auch wenn sie die Handlung an manchen Stellen vorhersehbar machten.

Die Kürzungen der Hörbuchversion sind mir nicht aufgefallen. Ab und an gibt es einen kleinen Zeitsprung, aber wesentliche Teile der Handlung scheinen nicht zu fehlen. Die Sprecherin Cathleen Gawlich passt sehr gut zu Fiona, sie machte das Hörbuch zu einem sehr angenehmen Hörerlebnis.

Hörbuch

Die Teerose
Autor Jennifer Donnelly
Sprecher Cathleen Gawlich
Länge 9 Stunden 22 Minuten (gekürzt)
Genre: Historische Romane

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

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Petra Schier – Die Gewürzhändlerin

Luzia hatte großes Glück, als Tochter eines freien Bauern geboren, hat sie nun eine Anstellung als Edelmagd bei Gräfin Elisabeth inne. Das Schicksal meinte es gut mit ihr, ihre Herrin steht ihr nahe und brachte ihr neben den Sitten des gehobenen Standes auch Lesen und Schreiben bei. Als der Händler Martin Wied Hilfe braucht, kommen ihr diese Fähigkeiten zu Gute, auch Rechnen kann sie sehr gut. So springt sie als Gehilfin ein und entdeckt, dass sie ein Talent für den Handel mit Gewürzen und Spezereien hat. Dieses Talent offenbart sich nicht nur Martin Wied, auch seine Konkurrenten erfahren schnell davon. So wird Luzia zu einer gefragten Partie, der Sohn seines größten Feindes hält um ihre Hand an. Wied selbst wird unterdessen des Mordes angeklagt. Luzia versucht seine Unschuld zu beweisen, einen Mord würde er nie begehen. Davon ist sie überzeugt. Als die Vergangenheit sie einholt ahnt sie, wer dagegen nicht vor einer solchen Tat zurückschrecken würde.

„Die Gewürzhändlerin“ ist die Fortsetzung von „Die Eifelgräfin“. Man muss den ersten Band aber nicht gelesen haben, alle wichtigen Handlungen und Personen werden noch einmal kurz aufgeführt. Ich hatte den Vorgänger nicht gelesen und keine Probleme, mich zu Recht zu finden.

Wer Papiergeflüster schon länger liest weiß, dass ich normalerweise selten „-in“ Romane lesen. Also die typischen historischen Romane, die im Titel die Endung „-in“ beinhalten und immer von weiblichen Heldinnen in Liebes- und anderen Nöten handeln. Warum ich hier eine Ausnahme machte? Von Petra Schier habe ich schon einige Bücher der Adelina-Reihe gelesen, historische Kriminalromane die in Köln spielen. Nachdem mir diese Bücher immer sehr gut gefielen, wollte ich es nun auch einmal mit einem ihrer anderen Romane versuchen. Und wurde nicht enttäuscht.

Petra Schier schafft es immer wieder, mittelalterliche Städte vor dem Auge der Leser lebendig werden zu lassen. „Die Gewürzhändlerin“ spielt in Koblenz, das dank seiner günstigen Lage an der Mündung der Mosel in den Rhein eine bedeutende Handelsstadt war. Luzia lebt nicht das durchschnittliche Leben einer Frau in dieser Zeit, ist sich dessen aber bewusst und kämpft auch immer wieder mit den Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben.

Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und man ahnt früh, wie sie ausgehen wird. Was es aber nicht weniger interessant macht, den beiden auf ihrem Weg zu folgen. Beide sind gerade wegen ihrer Unperfektheit sehr sympathische Charaktere, die man schnell ins Herz schließt.

Die Reliquie und ihre Geschichte hätte es für mich nicht wirklich gebraucht, aber das ist Geschmackssache. Sie ist der rote Faden der Geschichte und führt alle Beteiligten zusammen, mir war es allerdings ein wenig zu mystisch angehaucht. Aber nicht so sehr, dass es mich ernsthaft gestört hätte. Der Glaube an solche Dinge gehörte eben auch zu dieser Zeit.

„Die Gewürzhändlerin“ war ein wunderschönes und kurzweiliges Leseerlebnis, das mir so manchen Abend versüßte. Ein Roman, der seine Leser in vergangene Zeiten entführt und nur schwer wieder aus seinen Seiten entlässt. Kaum ein Abend, an dem ich nicht länger las als eigentlich geplant.

Die Gewürzhändlerin – Petra Schier
543 Seiten, Rowohlt Verlag
ISBN 9783499256288, 9,99 €
Taschenbuch

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Rebecca Gablé – Der dunkle Thron

Ein weiterer Roman der Waringham-Saga. Nicholas Waringham geht bei Thomas Moore zur Schule, wird dann aber nach Hause geschickt, da sein Vater der Ketzerei bezichtigt wird. Nick würde sich aus den politischen und religiösen Wirren lieber heraus halten, ihm liegt die Arbeit im Gestüt eher. Als aber Königin Catalina ihn zu sich bittet, hat er keine andere Wahl. Und schon steckt er mitten drin, zwischen König Henry VIII und all seinen Ehefrauen, der aktuellen und denen, die noch folgen werden. Während der nächsten Jahre steht er Mary Tudor bei, die dem Thron gefährlich nahe steht, was ihr Leben immer wieder in Gefahr bringt. Ihres, und das all jener, die auf ihrer Seite stehen.

Wieder einmal ist es Rebecca Gablé gelungen, die englische Geschichte spannend und unterhaltsam auferstehen zu lassen. Dieses Mal steckt sie Nicholas Waringham, ausgestattet mit dem für die Waringhams typischen losen Mundwerk und einem unglaublichen Talent, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, mitten in die Wirren der englischen Renaissance. Henry VIII reformiert die englische Kirche, was zu Aufständen führt. Der religiöse Wind wechselt ständig, wer sich nicht schnell genug der gerade aktuellen Reform anpasst, landet schneller im Tower, als ihm lieb sein kann. Nicht alle verlassen ihn auf eigenen Füßen wieder.

Das besondere an den historischen Romanen von Rebecca Gablé sind die, gerade wegen ihrer Unperfektheit, sympathischen Charaktere gepaart mit einer wunderbaren Atmosphäre. Man sucht vergeblich die schnulzige Liebesgeschichte, die in ein pseudohistorisches Kostüm gesteckt wurde. Mit kleinen Anpassungen, die sie im Nachwort erläutert, ist der historische Kontext korrekt und sehr gut recherchiert. Sie schafft es sogar komplexe historische Begebenheiten, wie die Rosenkriege, spannend und verständlich auf die Bühne zu bringen.

Die Waringhams sind mir im Laufe der Jahre sehr ans Herz gewachsen, ich hoffe es wird noch weitere Bücher mit ihnen geben. Aber auch wenn Rebecca Gablé beschließen sollte, andere Wege zu gehen, werde ich ihr und ihren Büchern treu bleiben. „Hiobs Brüder“ hat mich ebenso beeindruckt wie die Bände um die Waringhams. Wer historische Romane mag, sollte unbedingt einen Blick in ihre Bücher werfen, die für mich zum Besten der deutschen historischen Literatur gehören.

Der dunkle Thron – Rebecca Gablé
956 Seiten, Lübbe
ISBN 9783431038408, 24,99 €
Hardcover

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Gina Mayer – Die Wildnis in mir

1900. Das neue Jahrhundert bedeutet für Henrietta und ihre Mutter einen ganz besonderen Neuanfang. Sie wandern nach Afrika aus. Seit Henriettas Vater starb, lebten sie und ihre Mutter in großer Armut, abhängig von den milden Gaben anderer. In Afrika hoffen sie auf ein neues und besseres Leben. Ihr romantischer Traum erliegt allerdings schnell der Realität. Sie lernen schnell, wir hart das Leben hier sein kann.

„Die Wildnis in mir“ legte ich nur schweren Herzens ab und an aus der Hand. Henrietta mochte ich auf Anhieb, auch wenn sie mir manchmal wie ein verzogenes Gör vorkam. Verwöhnt wurde sie vom Leben allerdings beileibe nicht. Dass sie sich nicht unterbekommen ließ, machte sie mir so sympathisch. Wie verfahren die Situation auch zu sein scheint, Henrietta gibt nicht auf.

Man spürt in jeder Zeile, dass die Autorin viel recherchiert hat. Die Atmosphäre und das Leben der deutschen Auswanderer, aber auch der afrikanischen Ureinwohner, werden regelrecht greifbar. Natürlich ist auch die Einstellung der europäischen Besatzer und ihr Umgang mit den Ureinwohnern ein wichtiges Thema. Henrietta stellt hier vieles in Frage, was den meisten anderen Einwanderern als selbstverständlich erscheint.

Die Jugendliteratur wird aktuell von romantischer Fantasy regelrecht überschwemmt. Wer ein Jugendbuch mit Niveau und interessantem historischem Hintergrund sucht, sollte unbedingt zu „Die Wildnis in mir“ greifen. Auch erwachsenen Leserinnen kann ich es empfehlen, die jugendliche Protagonistin ist für mich das einzige Argument, es als Jugendbuch einzustufen.

Endlich mal wieder ein richtig gutes Jugendbuch, ohne Vampire oder ähnliches. Statt dessen ein wunderschöner historischer Roman über eine Zeit, die mir bisher noch fremd war.

Die Wildnis in mir – Gina Mayer
332 Seiten, Thienemann
ISBN 9783522200745, 16,95 €
Hardcover

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Andrea Levy – Das lange Lied eines Lebens

July berichtet ihrem Sohn über ihr bewegtes Leben. Sie wurde als Sklavin auf Jamaika geboren, ihr Vater war Aufseher der Plantage. Durch Zufall stieg sie zur Haussklavin auf, deren Leben um einiges angenehmer war als das der Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern. Aber ein Sklavenleben voller Entbehrungen und Ungerechtigkeiten war es noch immer. So kommt es auch, dass July keinen anderen Weg sieht, als ihren neugeborenen Sohn vor der Tür des Pfarrers auszusetzen. Sie erlebt mit, wie sich die Sklaven gegen ihre Besitzer auflehnen und ihre Freiheit erkämpfen. Wird auch July die Freiheit finden? Wie haben sie und ihr Sohn wieder zueinander gefunden?

„Das lange Lied eines Lebens“ hat mich sehr berührt. Obwohl es aus der Sicht einer Sklavin ein alles andere als schönes Leben beschreibt, ist es nicht trübsinnig. July macht das Beste aus ihrem Leben, lässt sich nicht unterkriegen und berichtet in sehr lockerem Stil von ihren Erlebnissen. Der gut zu ihr passt, schließlich ist sie in einfachen Verhältnissen und mit der Sklavensprache aufgewachsen. Durch diesen Stil wirkt der Roman sehr authentisch, lässt den Leser ganz in der dunklen Welt der Sklaverei eintauchen. Aber nie im Morast der Traurigkeit versinken, davor bewahrt einen das Lachen, das einem Julys freche Art immer wieder entlockt.

Ein Buch dem ich viele Leser wünsche, damit die Erinnerungen an das Sklaventum nicht in Vergessenheit geraten. Leider ist das Thema nicht so weit weg, wie es uns in Europa oft scheint. In vielen anderen Gegenden leben Menschen noch immer unter ähnlichen unwürdigen Umständen, wähnen sich einige Menschen anderen überlegen, nur auf Grund ihrer Abstammung. Andrea Levy berichtet in diesem fesselnden Buch darüber, wie mutige Menschen es geschafft haben, sich vom Joch der Sklaverei zu befreien. Von den kleinen wie auch den großen Akten der Rebellion, dem Widerstandsgeist, der sie letztendlich ihre Freiheit gewinnen ließ.

Das lange Lied eines Lebens – Andrea Levy
360 Seiten, DVA
ISBN 9783421044839, 19,99 €

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Félix J. Palma – Die Landkarte der Zeit

Vor ein paar Jahren schrieb H. G. Wells seinen Roman „Die Zeitmaschine“. Seit dem sind Romane mit diesem Thema im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Mode gekommen. Als dann eine „Agentur für Zeitreisen“ ihre Pforten öffnet, geht für viele ein Traum in Erfüllung. Sie können durch die Zeit reisen und die Zukunft mit eigenen Augen sehen. Andrew reist in der Zeit zurück, um seiner Geliebten das Leben zu retten. Claire reist in die Zukunft und verliebt sich in einen Mann, der zu ihrer Zeit noch gar nicht geboren wurde. Inspektor Garrett jagt einen Mörder, der durch die Zeit reist. Alles nur Lug und Trug? Oder sind Zeitreisen wirklich möglich?

„Die Landkarte der Zeit“ entführt den Leser in eine Zeit, in der die Romane von H. G. Wells und Jules Verne ein neues Genre eröffneten, den Abenteuerroman. Dieses Buch ist selbst ein solcher Abenteuerroman, man folgt den verschiedenen Protagonisten durch ihre rätselhaften Geschichten, die sich immer wieder treffen. Auch der Leser selbst bleibt bis zuletzt im Dunkeln, was wirklich möglich ist und was nicht. Was ist die rätselhafte Landkarte der Zeit?

Der alles sehende Erzähler, der in einem leicht überheblichen aber sehr unterhaltsamen Ton durch die verschiedenen Erzählstränge führt, bringt ab und an etwas Licht ins Dunkel, die Auflösung folgt aber erst am Ende. Erst dann fügen sich alle Puzzleteilchen zu einem großen Ganzen, so mancher Aspekt der Geschichte bekommt erst später eine Bedeutung.

Félix J. Palma entführt seine Leser mit der „Landkarte der Zeit“ auf eine sehr unterhaltsame Zeitreise der ganz eigenen Art. Steigt ein in die Zeitreisen-Bahn, lasst euch durch Raum und Zeit entführen und eure Phantasie in unbekannte Welten reisen.

Die Landkarte der Zeit – Félix J. Palma

716 Seiten, Kindler

ISBN 9783463405773, 24,95 €

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Dan Simmons – Drood

1865 überlebt Charles Dickens ein furchtbares Zugunglück. Als er später seinem Freund Wilkie Collins darüber berichtet, erzählt er auch von einem geheimnisvollen Fremden namens Drood, den er dort getroffen haben will. Diese geheimnisvolle Erscheinung lässt ihn nicht mehr los, er macht sich auf die Suche nach Drood und begibt sich dazu in die Londoner Unterwelt. Mit der Zeit wirkt er regelrecht besessen von diesem Drood, der auch von anderen gesucht wird. Wegen mehrfachen Mordes. Eine verhängnisvolle Verkettung von Ereignissen nimmt ihren Lauf, was ist Wahrheit, was ist Wahn?

„Drood“ entführt den Leser nach London im 19. Jahrhundert und lässt diese Stadt mir all ihren Facetten vor seinen Augen auferstehen. Sowohl die Reichen als auch der Abschaum gehören zu dieser Stadt. Die Ärmsten der Armen, die in den Kanälen leben weil es dort wärmer ist als über der Erde, werden von den meisten Menschen der besser gestellten Schichten ignoriert, nicht jedoch von Charles Dickens, der auch in seinen Romanen immer wieder auf das Leben weniger Begünstigter aufmerksam machte.

Dan Simmons hat mit „Drood“ einen fesselnden und spannenden historischen Roman über das Leben von Charles Dickens geschrieben, erzählt aus der Sicht seines Freundes Wilkie Collins, ebenfalls Schriftsteller und stark von Laudanum abhängig. So kommt es, dass der Leser teilweise kaum zu unterscheiden vermag, was wirklich so geschehen sein könnte und welche Szenen dem Opiumrausch geschuldet sein mögen. Erst gegen Ende wird eine Lösung dieser Frage angeboten, ob man sie annimmt, bleibt aber einem selbst überlassen.

„Drood“ ist ein großartiger historischer Roman mit einigen düsteren Elementen, dessen 970 Seiten mir nie zuviel erschienen. Dan Simmons schuf in diesem Buch eine dermaßen dichte Atmosphäre, dass ich nur schwer wieder in die Gegenwart zurück fand. Nach der Lektüre sieht man die Bücher von Dickens mit anderen Augen, mir hat es auf jeden Fall Lust gemacht, endlich mehr von diesem Autor zu lesen. Vielleicht auch mal etwas von Wilkie Collins, der mir bisher unbekannt war.

Drood – Dan Simmons
975 Seiten, Heyne
ISBN 9783453408067, 10,99 €

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