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Petra Schier – Die Gewürzhändlerin

Luzia hatte großes Glück, als Tochter eines freien Bauern geboren, hat sie nun eine Anstellung als Edelmagd bei Gräfin Elisabeth inne. Das Schicksal meinte es gut mit ihr, ihre Herrin steht ihr nahe und brachte ihr neben den Sitten des gehobenen Standes auch Lesen und Schreiben bei. Als der Händler Martin Wied Hilfe braucht, kommen ihr diese Fähigkeiten zu Gute, auch Rechnen kann sie sehr gut. So springt sie als Gehilfin ein und entdeckt, dass sie ein Talent für den Handel mit Gewürzen und Spezereien hat. Dieses Talent offenbart sich nicht nur Martin Wied, auch seine Konkurrenten erfahren schnell davon. So wird Luzia zu einer gefragten Partie, der Sohn seines größten Feindes hält um ihre Hand an. Wied selbst wird unterdessen des Mordes angeklagt. Luzia versucht seine Unschuld zu beweisen, einen Mord würde er nie begehen. Davon ist sie überzeugt. Als die Vergangenheit sie einholt ahnt sie, wer dagegen nicht vor einer solchen Tat zurückschrecken würde.

„Die Gewürzhändlerin“ ist die Fortsetzung von „Die Eifelgräfin“. Man muss den ersten Band aber nicht gelesen haben, alle wichtigen Handlungen und Personen werden noch einmal kurz aufgeführt. Ich hatte den Vorgänger nicht gelesen und keine Probleme, mich zu Recht zu finden.

Wer Papiergeflüster schon länger liest weiß, dass ich normalerweise selten „-in“ Romane lesen. Also die typischen historischen Romane, die im Titel die Endung „-in“ beinhalten und immer von weiblichen Heldinnen in Liebes- und anderen Nöten handeln. Warum ich hier eine Ausnahme machte? Von Petra Schier habe ich schon einige Bücher der Adelina-Reihe gelesen, historische Kriminalromane die in Köln spielen. Nachdem mir diese Bücher immer sehr gut gefielen, wollte ich es nun auch einmal mit einem ihrer anderen Romane versuchen. Und wurde nicht enttäuscht.

Petra Schier schafft es immer wieder, mittelalterliche Städte vor dem Auge der Leser lebendig werden zu lassen. „Die Gewürzhändlerin“ spielt in Koblenz, das dank seiner günstigen Lage an der Mündung der Mosel in den Rhein eine bedeutende Handelsstadt war. Luzia lebt nicht das durchschnittliche Leben einer Frau in dieser Zeit, ist sich dessen aber bewusst und kämpft auch immer wieder mit den Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben.

Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und man ahnt früh, wie sie ausgehen wird. Was es aber nicht weniger interessant macht, den beiden auf ihrem Weg zu folgen. Beide sind gerade wegen ihrer Unperfektheit sehr sympathische Charaktere, die man schnell ins Herz schließt.

Die Reliquie und ihre Geschichte hätte es für mich nicht wirklich gebraucht, aber das ist Geschmackssache. Sie ist der rote Faden der Geschichte und führt alle Beteiligten zusammen, mir war es allerdings ein wenig zu mystisch angehaucht. Aber nicht so sehr, dass es mich ernsthaft gestört hätte. Der Glaube an solche Dinge gehörte eben auch zu dieser Zeit.

„Die Gewürzhändlerin“ war ein wunderschönes und kurzweiliges Leseerlebnis, das mir so manchen Abend versüßte. Ein Roman, der seine Leser in vergangene Zeiten entführt und nur schwer wieder aus seinen Seiten entlässt. Kaum ein Abend, an dem ich nicht länger las als eigentlich geplant.

Die Gewürzhändlerin – Petra Schier
543 Seiten, Rowohlt Verlag
ISBN 9783499256288, 9,99 €
Taschenbuch

Rebecca Gablé – Der dunkle Thron

Ein weiterer Roman der Waringham-Saga. Nicholas Waringham geht bei Thomas Moore zur Schule, wird dann aber nach Hause geschickt, da sein Vater der Ketzerei bezichtigt wird. Nick würde sich aus den politischen und religiösen Wirren lieber heraus halten, ihm liegt die Arbeit im Gestüt eher. Als aber Königin Catalina ihn zu sich bittet, hat er keine andere Wahl. Und schon steckt er mitten drin, zwischen König Henry VIII und all seinen Ehefrauen, der aktuellen und denen, die noch folgen werden. Während der nächsten Jahre steht er Mary Tudor bei, die dem Thron gefährlich nahe steht, was ihr Leben immer wieder in Gefahr bringt. Ihres, und das all jener, die auf ihrer Seite stehen.

Wieder einmal ist es Rebecca Gablé gelungen, die englische Geschichte spannend und unterhaltsam auferstehen zu lassen. Dieses Mal steckt sie Nicholas Waringham, ausgestattet mit dem für die Waringhams typischen losen Mundwerk und einem unglaublichen Talent, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, mitten in die Wirren der englischen Renaissance. Henry VIII reformiert die englische Kirche, was zu Aufständen führt. Der religiöse Wind wechselt ständig, wer sich nicht schnell genug der gerade aktuellen Reform anpasst, landet schneller im Tower, als ihm lieb sein kann. Nicht alle verlassen ihn auf eigenen Füßen wieder.

Das besondere an den historischen Romanen von Rebecca Gablé sind die, gerade wegen ihrer Unperfektheit, sympathischen Charaktere gepaart mit einer wunderbaren Atmosphäre. Man sucht vergeblich die schnulzige Liebesgeschichte, die in ein pseudohistorisches Kostüm gesteckt wurde. Mit kleinen Anpassungen, die sie im Nachwort erläutert, ist der historische Kontext korrekt und sehr gut recherchiert. Sie schafft es sogar komplexe historische Begebenheiten, wie die Rosenkriege, spannend und verständlich auf die Bühne zu bringen.

Die Waringhams sind mir im Laufe der Jahre sehr ans Herz gewachsen, ich hoffe es wird noch weitere Bücher mit ihnen geben. Aber auch wenn Rebecca Gablé beschließen sollte, andere Wege zu gehen, werde ich ihr und ihren Büchern treu bleiben. „Hiobs Brüder“ hat mich ebenso beeindruckt wie die Bände um die Waringhams. Wer historische Romane mag, sollte unbedingt einen Blick in ihre Bücher werfen, die für mich zum Besten der deutschen historischen Literatur gehören.

Der dunkle Thron – Rebecca Gablé
956 Seiten, Lübbe
ISBN 9783431038408, 24,99 €
Hardcover

Gina Mayer – Die Wildnis in mir

1900. Das neue Jahrhundert bedeutet für Henrietta und ihre Mutter einen ganz besonderen Neuanfang. Sie wandern nach Afrika aus. Seit Henriettas Vater starb, lebten sie und ihre Mutter in großer Armut, abhängig von den milden Gaben anderer. In Afrika hoffen sie auf ein neues und besseres Leben. Ihr romantischer Traum erliegt allerdings schnell der Realität. Sie lernen schnell, wir hart das Leben hier sein kann.

„Die Wildnis in mir“ legte ich nur schweren Herzens ab und an aus der Hand. Henrietta mochte ich auf Anhieb, auch wenn sie mir manchmal wie ein verzogenes Gör vorkam. Verwöhnt wurde sie vom Leben allerdings beileibe nicht. Dass sie sich nicht unterbekommen ließ, machte sie mir so sympathisch. Wie verfahren die Situation auch zu sein scheint, Henrietta gibt nicht auf.

Man spürt in jeder Zeile, dass die Autorin viel recherchiert hat. Die Atmosphäre und das Leben der deutschen Auswanderer, aber auch der afrikanischen Ureinwohner, werden regelrecht greifbar. Natürlich ist auch die Einstellung der europäischen Besatzer und ihr Umgang mit den Ureinwohnern ein wichtiges Thema. Henrietta stellt hier vieles in Frage, was den meisten anderen Einwanderern als selbstverständlich erscheint.

Die Jugendliteratur wird aktuell von romantischer Fantasy regelrecht überschwemmt. Wer ein Jugendbuch mit Niveau und interessantem historischem Hintergrund sucht, sollte unbedingt zu „Die Wildnis in mir“ greifen. Auch erwachsenen Leserinnen kann ich es empfehlen, die jugendliche Protagonistin ist für mich das einzige Argument, es als Jugendbuch einzustufen.

Endlich mal wieder ein richtig gutes Jugendbuch, ohne Vampire oder ähnliches. Statt dessen ein wunderschöner historischer Roman über eine Zeit, die mir bisher noch fremd war.

Die Wildnis in mir – Gina Mayer
332 Seiten, Thienemann
ISBN 9783522200745, 16,95 €
Hardcover

Andrea Levy – Das lange Lied eines Lebens

July berichtet ihrem Sohn über ihr bewegtes Leben. Sie wurde als Sklavin auf Jamaika geboren, ihr Vater war Aufseher der Plantage. Durch Zufall stieg sie zur Haussklavin auf, deren Leben um einiges angenehmer war als das der Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern. Aber ein Sklavenleben voller Entbehrungen und Ungerechtigkeiten war es noch immer. So kommt es auch, dass July keinen anderen Weg sieht, als ihren neugeborenen Sohn vor der Tür des Pfarrers auszusetzen. Sie erlebt mit, wie sich die Sklaven gegen ihre Besitzer auflehnen und ihre Freiheit erkämpfen. Wird auch July die Freiheit finden? Wie haben sie und ihr Sohn wieder zueinander gefunden?

„Das lange Lied eines Lebens“ hat mich sehr berührt. Obwohl es aus der Sicht einer Sklavin ein alles andere als schönes Leben beschreibt, ist es nicht trübsinnig. July macht das Beste aus ihrem Leben, lässt sich nicht unterkriegen und berichtet in sehr lockerem Stil von ihren Erlebnissen. Der gut zu ihr passt, schließlich ist sie in einfachen Verhältnissen und mit der Sklavensprache aufgewachsen. Durch diesen Stil wirkt der Roman sehr authentisch, lässt den Leser ganz in der dunklen Welt der Sklaverei eintauchen. Aber nie im Morast der Traurigkeit versinken, davor bewahrt einen das Lachen, das einem Julys freche Art immer wieder entlockt.

Ein Buch dem ich viele Leser wünsche, damit die Erinnerungen an das Sklaventum nicht in Vergessenheit geraten. Leider ist das Thema nicht so weit weg, wie es uns in Europa oft scheint. In vielen anderen Gegenden leben Menschen noch immer unter ähnlichen unwürdigen Umständen, wähnen sich einige Menschen anderen überlegen, nur auf Grund ihrer Abstammung. Andrea Levy berichtet in diesem fesselnden Buch darüber, wie mutige Menschen es geschafft haben, sich vom Joch der Sklaverei zu befreien. Von den kleinen wie auch den großen Akten der Rebellion, dem Widerstandsgeist, der sie letztendlich ihre Freiheit gewinnen ließ.

Das lange Lied eines Lebens – Andrea Levy
360 Seiten, DVA
ISBN 9783421044839, 19,99 €

Félix J. Palma – Die Landkarte der Zeit

Vor ein paar Jahren schrieb H. G. Wells seinen Roman „Die Zeitmaschine“. Seit dem sind Romane mit diesem Thema im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Mode gekommen. Als dann eine „Agentur für Zeitreisen“ ihre Pforten öffnet, geht für viele ein Traum in Erfüllung. Sie können durch die Zeit reisen und die Zukunft mit eigenen Augen sehen. Andrew reist in der Zeit zurück, um seiner Geliebten das Leben zu retten. Claire reist in die Zukunft und verliebt sich in einen Mann, der zu ihrer Zeit noch gar nicht geboren wurde. Inspektor Garrett jagt einen Mörder, der durch die Zeit reist. Alles nur Lug und Trug? Oder sind Zeitreisen wirklich möglich?

„Die Landkarte der Zeit“ entführt den Leser in eine Zeit, in der die Romane von H. G. Wells und Jules Verne ein neues Genre eröffneten, den Abenteuerroman. Dieses Buch ist selbst ein solcher Abenteuerroman, man folgt den verschiedenen Protagonisten durch ihre rätselhaften Geschichten, die sich immer wieder treffen. Auch der Leser selbst bleibt bis zuletzt im Dunkeln, was wirklich möglich ist und was nicht. Was ist die rätselhafte Landkarte der Zeit?

Der alles sehende Erzähler, der in einem leicht überheblichen aber sehr unterhaltsamen Ton durch die verschiedenen Erzählstränge führt, bringt ab und an etwas Licht ins Dunkel, die Auflösung folgt aber erst am Ende. Erst dann fügen sich alle Puzzleteilchen zu einem großen Ganzen, so mancher Aspekt der Geschichte bekommt erst später eine Bedeutung.

Félix J. Palma entführt seine Leser mit der „Landkarte der Zeit“ auf eine sehr unterhaltsame Zeitreise der ganz eigenen Art. Steigt ein in die Zeitreisen-Bahn, lasst euch durch Raum und Zeit entführen und eure Phantasie in unbekannte Welten reisen.

Die Landkarte der Zeit – Félix J. Palma

716 Seiten, Kindler

ISBN 9783463405773, 24,95 €

Dan Simmons – Drood

1865 überlebt Charles Dickens ein furchtbares Zugunglück. Als er später seinem Freund Wilkie Collins darüber berichtet, erzählt er auch von einem geheimnisvollen Fremden namens Drood, den er dort getroffen haben will. Diese geheimnisvolle Erscheinung lässt ihn nicht mehr los, er macht sich auf die Suche nach Drood und begibt sich dazu in die Londoner Unterwelt. Mit der Zeit wirkt er regelrecht besessen von diesem Drood, der auch von anderen gesucht wird. Wegen mehrfachen Mordes. Eine verhängnisvolle Verkettung von Ereignissen nimmt ihren Lauf, was ist Wahrheit, was ist Wahn?

„Drood“ entführt den Leser nach London im 19. Jahrhundert und lässt diese Stadt mir all ihren Facetten vor seinen Augen auferstehen. Sowohl die Reichen als auch der Abschaum gehören zu dieser Stadt. Die Ärmsten der Armen, die in den Kanälen leben weil es dort wärmer ist als über der Erde, werden von den meisten Menschen der besser gestellten Schichten ignoriert, nicht jedoch von Charles Dickens, der auch in seinen Romanen immer wieder auf das Leben weniger Begünstigter aufmerksam machte.

Dan Simmons hat mit „Drood“ einen fesselnden und spannenden historischen Roman über das Leben von Charles Dickens geschrieben, erzählt aus der Sicht seines Freundes Wilkie Collins, ebenfalls Schriftsteller und stark von Laudanum abhängig. So kommt es, dass der Leser teilweise kaum zu unterscheiden vermag, was wirklich so geschehen sein könnte und welche Szenen dem Opiumrausch geschuldet sein mögen. Erst gegen Ende wird eine Lösung dieser Frage angeboten, ob man sie annimmt, bleibt aber einem selbst überlassen.

„Drood“ ist ein großartiger historischer Roman mit einigen düsteren Elementen, dessen 970 Seiten mir nie zuviel erschienen. Dan Simmons schuf in diesem Buch eine dermaßen dichte Atmosphäre, dass ich nur schwer wieder in die Gegenwart zurück fand. Nach der Lektüre sieht man die Bücher von Dickens mit anderen Augen, mir hat es auf jeden Fall Lust gemacht, endlich mehr von diesem Autor zu lesen. Vielleicht auch mal etwas von Wilkie Collins, der mir bisher unbekannt war.

Drood – Dan Simmons
975 Seiten, Heyne
ISBN 9783453408067, 10,99 €

Lea Korte – Die Maurin

Maurin

„Die Maurin“ spielt im Andalusien des 15. Jahrhunderts. Christen und Muslime kämpfen um die Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel. Als die Mauren sich weigern, weiter Tribut an die Spanier zu zahlen, beschließen die Kastilier der Herrschaft der Mauren in al-Andalus ein Ende zu bereiten. Es kommt zu schweren Kämpfen und jahrelangen Auseinandersetzungen. Zahra gerät als Hofdame der Hauptfrau des Emirs immer wieder mitten ins Geschehen. Kein ganz ungefährliches Leben, ihren Vater treibt sie mit ihren Eskapaden schier zur Verzweiflung. Doch sie kann nicht tatenlos zu sehen, wie ihre Schwester in ihrer Ehe leidet. Oder wie Al Andalus unter der Herrschaft Hassans ausblutet, während sein Sohn Boabdil im Exil fest sitzt. Ihre Liebe zu einem Christen bringt sie allerdings in große Gefahr.

In diesem Roman lernt man viel über die Geschichte Andalusiens. Die Autorin lebt seit einigen Jahren in Spanien und hat sich intensiv mit der Geschichte ihrer Wahlheimat auseinandergesetzt, was man dem gründlich recherchierten Roman auch anmerkt. Trotz aller historischen Korrektheit kommt die Geschichte aber nicht oberlehrerhaft rüber, sondern wird in der interessanten Lebensgeschichte Zahras angenehm verpackt. Als positiv empfand ich, dass keine der Religionen besser als die andere dargestellt wird. Beide haben ihre Schattenseiten, wichtiger als die Religion waren sowieso die Herrscher und ihre Machtansprüche.

Gevatter Zufall hatte, wie in den meisten historischen Romanen, auch hier einige Auftritte. Das lässt sich wohl einfach nicht vermeiden. Wobei ich gestehen muss, dass Zahra für meinen Geschmack am Ende etwas zu oft gerade noch so mit dem Leben davon kam. Aber abgesehen davon gefiel mir das Buch sehr gut. Ich habe einiges über ein Land gelernt, von dem ich bisher nur wusste, wo es ungefähr liegt. Die Alhambra in Granada würde ich zu gerne einmal sehen. Auch wenn ich schon oft über sie gelesen habe, so richtig schmackhaft wurde sie mir erst mit diesem Buch gemacht, da ich jetzt einen Teil ihrer spannenden Geschichte kenne.

Die Maurin – Lea Korte
651 Seiten, Knaur
ISBN 9783426502303, 9,95
Taschenbuch

Diana Gabaldon – Echo der Hoffnung

echohoffnung

„Echo der Hoffnung“ ist der siebte Band der Highland-Saga. Jamie und Claire sind noch immer in Amerika, wo der Unabhängigkeitskrieg in vollem Gange ist. Auch Frasers Ridge bleibt davon nicht verschont. Jamie fühlt sich für das Schwert inzwischen zu alt, will aber trotzdem nicht tatenlos zusehen. So beschließen sie nach Schottland zurück zu kehren, um seine Druckerpresse zu holen. Der Weg nach Schottland ist allerdings alles andere als leicht, wenn die britische Marine sämtliche Häfen abriegelt und auch unterwegs gerne mal andere Schiffe kapert um deren Besatzung in den Dienst zu pressen. Wie schon in den Bänden davor, erleben die Frasers allerhand Abenteuer. Auch Jamies Neffe Ian ist wieder mit von der Partie, der je nach Gelegenheit mal als Schotte, mal als Indianer durchgeht. Natürlich sind auch Briana und Roger nicht vergessen, die unerwarteten Besuch aus fernen Zeiten bekommen.

Nachdem mir der fünfte Band etwas weniger gut gefiel, erfüllen sowohl der sechste als auch der siebte Band meine Erwartungen wieder voll. Ja, ab und an ist es etwas anstrengend schon wieder zu lesen, wie gut Jamie trotz seiner sechzig Jahre noch aussieht. Für diese Zeit ein hohes Alter, auch ungeachtet der vielen Kämpfe und Kriege die er erlebt hat. Aber das gehört zu den Büchern einfach dazu. Auch die für historische Romane oft typischen Zufälle kommen vor. Amerika ist nicht klein, trotzdem begegnet Jamie seinem Sohn William nicht selten.

Dazu kommen aber zum einen die historische Korrektheit, die Gabaldons Bücher auszeichnet, wie auch das Gefühl des nach Hause Kommens, sobald man die erste Seite liest. Nach dem man schon so viele Seiten mit Jamie und Claire gelitten (und geliebt) hat, ist es immer wieder schön zu lesen, wie es mit ihnen und ihrer Familie weiter geht. Das Abschiednehmen fällt mir bei ihren Büchern immer besonders schwer. Diesmal war das Ende leider auch etwas ungeschickt, es gibt viele offene Fragen, da es sehr abrupt endet. Damit ist aber zumindest sicher, dass es einen weiteren Band geben wird, nachdem der siebte früher schon als der Letzte angekündigt wurde. Auf den achten Band freue ich mich jetzt schon, obwohl es sicher wieder mindestens zwei Jahre dauern wird, bis er erscheint. Gut Ding will eben Weile haben.

Wer die ersten Bände mochte, kann getrost auch beim siebten Band wieder zugreifen. Es ist immer wieder schön, mit den Frasers in vergangene Zeiten abzutauchen und ganz nebenbei noch einiges über Geschichte zu lernen. Als kleine Zugabe gibt es diesmal auch einen Stammbaum, im Inneren des Schutzumschlags. Bei all den zeitlichen Verwirrungen nicht unpraktisch.

Roman Rausch – Das Caffeehaus

Ralf, der mir wie berichtet sein Rezensionsexemplar auslieh, und meine Wenigkeit haben das Buch zwar nacheinander gelesen, aber gemeinsam besprochen. Daher findet ihr hier ausnahmsweise mal keine klassische Rezension, eher eine Besprechung im wörtlichen Sinne. Eigentlich hätten wir auch einen Podcast daraus machen können. Aber ich wollte euch meine Stimme nicht antun. Viel Spaß beim Lesen, wir hatten ihn beim Schreiben.

caffeehaus

Roman Rausch, der bisher einige Würzburg- und zwei Hamburg-Krimis geschrieben hat, wagte sich jetzt an ein neues Genre: den historischen Roman. Räumlich ist er damit aber wieder zurück zu den fränkischen Wurzeln gekehrt, „Das Caffeehaus“ spielt im Würzburg des 18. Jahrhunderts. Hauptcharaktere sind die ehemalige Haremsdame Sabiha und der uns allseits bekannte Balthasar Neumann, die es beide rein zufällig nach einer ersten Begegnung im Türkenkrieg bei Belgrad nach Würzburg verschlug.

Ralf: Überhaupt ist Gevatter Zufall ein stetiger Begleiter in diesem Buch.

Emily: Was ja leider in vielen durchschnittlichen historischen Romanen üblich ist.

Ralf: Ich glaube, dass es schon eine dramatische Notwendigkeit hat. Auch in hochkarätigen Filmen und Büchern, was mich immer nervt.

Emily: Stimmt, selbst die von mir verehrte Rebecca Gablé kommt nicht ohne aus.

Ralf: Rebecca Gablé?

Emily: Hier

Ralf: Ah ja. Historische Romane sind ja wirklich nicht so mein Ding. Ich habe auch beim Caffeehaus gemerkt, dass mich die Fülle an historischen Daten und Ereignissen überfordert.

Emily: Das hängt aber auch sehr vom Autor ab, wie er sie verpackt. Beim Caffeehaus fand ich, dass die Historie mehr im Vordergrund stand als in anderen historischen Romanen. Es ähnelte stellenweise schon einem Sachbuch.

Ralf: Stimmt. Wenn man interessiert ist an den verwandtschaftlichen Verhältnissen der Fürstbischöfe wird man in dem Buch viel lernen können. Aber das Buch erzählt ja nicht nur Geschichte, sondern auch „Gschichtli“. Da wäre zum Beispiel die vom Zufall gebeutelte Sabiha, die in Würzburg das erste orientalische Caffeehaus eröffnet. Eine Powerfrau.

Emily: *räusper* Typisch „…in-Roman“ (meint die spezielle Gattung historischer Romane mit verweiblichtem Titel wie „Die Pelzhändlerin“)

Ralf: Mir wurscht. Powerfrau. Für das 18. Jahrhundert fast schon zuviel Powerfrau.

Emily: Das meinte ich.

Ralf: Trotzdem. Im Roman klingt es ab und zu, als würden die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse Würzburgs von ihr, sei es nur indirekt, bestimmt. Ihr Caffee beeindruckt Fürstbischöfe und Kaiserinnen. In der Science Fiction würde man diesen Effekt wohl „deux ex machina“ nennen. Die Allwunderwaffe Caffee.

Emily: Wobei ich den Caffeeteil recht interessant fand, ich wusste zum Beispiel vorher nicht, das zu der Zeit das Mostfrühstück üblich war. Die Caffeegeschichte fand ich ganz schön, sie hat selbst mir, einer Nichtkaffeetrinkerin Lust auf Caffee gemacht.

Ralf: Da hake ich gleich mal ein, als bekennender Caffeesnob fand ich den Kult, den eben diese Sabiha um das Rösten und Zubereiten macht durchaus nachvollziehbar. Es erinnert mich an ambitionierte Caffeedealer in Würzburg, wie zum Beispiel das DOC, wo wir gerade diese Rezension schreiben. Dieser Teil ist glaube ich auch für jeden Caffeefetischist lesenswert.

Emily: Das wäre dann der Teil, der auch für Nichtwürzburger interessant wäre. Der historische Teil bezieht sich ja schon sehr auf die Geschichte Würzburgs.

Ralf: Wobei ich mir vorstellen kann, dass es für Würzburginteressierte-Nichtwürzburger – potentielle Touristen – quasi als Reiseführer dienen könnte.

Emily: Zumindest für die Residenz, deren Entstehung detailliert beschrieben wird.

Ralf: Ach ja, Neumann.

Emily: Hättest Du den fast vergessen?

Ralf: Könnte man fast vergessen, wobei sein Part im Buch schon recht groß ist. Aber als menschliche Person nimmt man ihn gar nicht so wahr, mehr in seiner Funktion als Bauleiter und Architekt. Aber wenn ich mir den Caffeehaus-Neumann mit seinen offenen und originellen Ideen, für damals zumindest, heute vorstelle, dann würde ihn der Verschönerungsverein wahrscheinlich mit Steinen aus der Stadt treiben. Denn laut Roman musste auch Neumann gegen Betonköpfe und konservative Kräfte ankämpfen.

Wie fanden wir jetzt den Roman?

Emily: Ich fand es einen netten historischen Schmöker, der schnell gelesen ist und mir als Nichtwürzburgerin einiges über die Geschichte der Residenz beigebracht hat. Sabihas Teil war schön, aber nicht notwendig.

Ralf: Dann wäre es nur noch halb so dick. Es ist sowieso schon luftig gesetzt.

Emily: Und Dein Fazit?

Ralf: Es ist ein historischer Roman, damit hat es bei mir schon mal schlechte Karten. Da kann aber Roman Rauscht nichts dafür. Historienfreunden wird er gefallen.

Emily: Wobei er meiner Meinung nach an Tilman Röhrigs „Riemenschneider“ nicht heran reicht, der handwerklich ein Stück besser ist.

Ralf: Von mir aus, aber ich glaube nicht, dass es ein schlechter Roman ist.

Emily: Das stimmt, er war besser als ich erwartet hatte.

Ralf: Lässt sich locker lesen und ich würde ihn, darf man gar nicht so negativ sehen, als nette Urlaubslektüre bezeichnen.

Jetzt trinken wir einen Caffee!

Rebecca Gablé – Hiobs Brüder

HiobsBrueder

Losian hat sein Gedächtnis verloren. So landet er zusammen mit einigen anderen auf einer Insel, auf der die Kirche Menschen verwahrt, die angeblich besessen sind. Wobei die Kirche gerne jeden als besessen verurteilt, der irgendein Gebrechen aufweist, wie zum Beispiel die Fallsucht des jungen Simon. Unverhofft bietet sich den Weggesperrten die Möglichkeit zur Flucht, Losian führt sie auf ihrem Weg quer durch England an. In seinen Träumen quälen ihn Erinnerungsfetzen, doch er weiß nicht mehr wer er war. Seine Suche nach sich selbst ist alles andere als einfach. Will er überhaupt wieder der werden, der er anscheinend war?

„Hiobs Brüder“ schließt zeitlich an „Das zweite Königreich“ an, welches man aber vorher nicht gelesen haben muss. Alle notwendigen Fakten werden geliefert, das Buch beginnt einige Jahre später und behandelt die Epoche die mit „The Anarchy“ bezeichnet wird. Der Kampf zwischen König Stephen und Kaiserin Maud um die anerkannte Herrschaft in England lässt das Land im Chaos versinken.

Endlich wieder ein neuer Roman von Rebecca Gablé, ich lese ihre Bücher sehr gerne. Sie schafft es, historische Begebenheiten in spannende Geschichten einzuweben. Selbst mit dem komplexen Rosenkrieg ist ihr das in „Das Spiel der Könige“ gelungen. In diesem Buch dauert es ein wenig, bis der geschichtliche Hintergrund auftaucht. Lange geht es nur um Losian und seine Kameraden. Nach einem spannenden Einstieg gab es für mich erstmal eine kleine Länge. Dann folgten ein paar Seiten, auf denen man einen Schnellkurs über die aktuelle politische Lage bekommt, ein Charakter der das Gedächtnis verloren hat ist hierfür sehr praktisch. Danach passiert wieder eine Weile nicht wirklich viel. Doch dann kommt das Buch in Fahrt und wird so spannend und interessant wie all ihre anderen Bücher vorher auch. Das Ende macht den für mich leicht enttäuschenden Anfang wieder gut. Es lohnt sich nicht aufzugeben, auch wenn es anfangs stellenweise etwas langatmig ist. Mit Losian ist ihr wieder ein Charakter gelungen, der mir schnell ans Herz gewachsen ist, ebenso seine Gefährten von der Insel. Keiner von ihnen hat es leicht, doch alle finden irgendwie ihren Weg in einer Welt, die sie oft nicht anerkennt.

Ein sehr guter Historien-Roman, der nicht auf der „-in“-Welle reitet. Die männlichen Hauptcharaktere sind neben der gründlichen Recherche mit einer der Punkte, die mich immer wieder an Rebecca Gablés Büchern begeistern.