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Anthony Horowitz – Das Geheimnis des weißen Bandes (Hörbuch)

 

Sherlock Holmes und Watson werden von einem Galerist um Hilfe gebeten. Er fühlt sich verfolgt und vermutet hinter dem Mann mit der Schiebermütze, der ihm ständig begegnet, das letzte überlebende Mitglied einer Verbrecherbande. Der Galerist selbst war an der Zerschlagung dieser Bande beteiligt und befürchtet nur einen Rachefeldzug des letzten Bandenmitglieds. Holmes muss nicht lange suchen, findet den Verdächtigen aber nur noch leblos vor. Ermordet. Kurz darauf wird einer der Straßenjungen, die Holmes bei der Suche halfen, ebenfalls brutal ermordet. Was hatte er gesehen, das ihn das Leben kostete? Die einzige Spur ist ein weißes Seidenband, das dem Jungen ums Handgelenk gebunden wurde.

„Das Geheimnis des weißen Bandes“ wurde von der Arthur Conan Doyle Estate offiziell als Nachfolger des Originals anerkannt. Wie man ihn kennt, beobachtet und folgert Sherlock Holmes aus Kleinigkeiten, die den meisten anderen entgehen. Als Meister der Tarnung kann er sogar dem guten Watson schon mal ein Schnippchen schlagen. Mal eben ein paar Minuten überhören, sollte man hier lieber nicht. Will man aber auch gar nicht, dafür ist der Fall viel zu spannend.

Die Stimme von Johannes Steck passt wunderbar und entführt den Hörer schnell ins viktorianische London. Viele Kleinigkeiten lassen das Buch zu einer wunderbaren Hommage an Sherlock Holmes und seinen Mitarbeiter werden. Ich hätte nach dem hören am liebsten gleich noch einmal von vorne angefangen.

Hörbuch


Das Geheimnis des weißen Bandes

Autor Anthony Horowitz
Sprecher Johannes Steck
Länge 5 Stunden 10 Minuten (gekürzt)
Genre: Krimi
Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)
Im Flexi-Abo für 9,95 €

Petra Schier – Die Gewürzhändlerin

Luzia hatte großes Glück, als Tochter eines freien Bauern geboren, hat sie nun eine Anstellung als Edelmagd bei Gräfin Elisabeth inne. Das Schicksal meinte es gut mit ihr, ihre Herrin steht ihr nahe und brachte ihr neben den Sitten des gehobenen Standes auch Lesen und Schreiben bei. Als der Händler Martin Wied Hilfe braucht, kommen ihr diese Fähigkeiten zu Gute, auch Rechnen kann sie sehr gut. So springt sie als Gehilfin ein und entdeckt, dass sie ein Talent für den Handel mit Gewürzen und Spezereien hat. Dieses Talent offenbart sich nicht nur Martin Wied, auch seine Konkurrenten erfahren schnell davon. So wird Luzia zu einer gefragten Partie, der Sohn seines größten Feindes hält um ihre Hand an. Wied selbst wird unterdessen des Mordes angeklagt. Luzia versucht seine Unschuld zu beweisen, einen Mord würde er nie begehen. Davon ist sie überzeugt. Als die Vergangenheit sie einholt ahnt sie, wer dagegen nicht vor einer solchen Tat zurückschrecken würde.

„Die Gewürzhändlerin“ ist die Fortsetzung von „Die Eifelgräfin“. Man muss den ersten Band aber nicht gelesen haben, alle wichtigen Handlungen und Personen werden noch einmal kurz aufgeführt. Ich hatte den Vorgänger nicht gelesen und keine Probleme, mich zu Recht zu finden.

Wer Papiergeflüster schon länger liest weiß, dass ich normalerweise selten „-in“ Romane lesen. Also die typischen historischen Romane, die im Titel die Endung „-in“ beinhalten und immer von weiblichen Heldinnen in Liebes- und anderen Nöten handeln. Warum ich hier eine Ausnahme machte? Von Petra Schier habe ich schon einige Bücher der Adelina-Reihe gelesen, historische Kriminalromane die in Köln spielen. Nachdem mir diese Bücher immer sehr gut gefielen, wollte ich es nun auch einmal mit einem ihrer anderen Romane versuchen. Und wurde nicht enttäuscht.

Petra Schier schafft es immer wieder, mittelalterliche Städte vor dem Auge der Leser lebendig werden zu lassen. „Die Gewürzhändlerin“ spielt in Koblenz, das dank seiner günstigen Lage an der Mündung der Mosel in den Rhein eine bedeutende Handelsstadt war. Luzia lebt nicht das durchschnittliche Leben einer Frau in dieser Zeit, ist sich dessen aber bewusst und kämpft auch immer wieder mit den Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben.

Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und man ahnt früh, wie sie ausgehen wird. Was es aber nicht weniger interessant macht, den beiden auf ihrem Weg zu folgen. Beide sind gerade wegen ihrer Unperfektheit sehr sympathische Charaktere, die man schnell ins Herz schließt.

Die Reliquie und ihre Geschichte hätte es für mich nicht wirklich gebraucht, aber das ist Geschmackssache. Sie ist der rote Faden der Geschichte und führt alle Beteiligten zusammen, mir war es allerdings ein wenig zu mystisch angehaucht. Aber nicht so sehr, dass es mich ernsthaft gestört hätte. Der Glaube an solche Dinge gehörte eben auch zu dieser Zeit.

„Die Gewürzhändlerin“ war ein wunderschönes und kurzweiliges Leseerlebnis, das mir so manchen Abend versüßte. Ein Roman, der seine Leser in vergangene Zeiten entführt und nur schwer wieder aus seinen Seiten entlässt. Kaum ein Abend, an dem ich nicht länger las als eigentlich geplant.

Die Gewürzhändlerin – Petra Schier
543 Seiten, Rowohlt Verlag
ISBN 9783499256288, 9,99 €
Taschenbuch

Die Untoten – Oliver Dierssen & Ole Christiansen (Hrsg.)

 

Sieben Kurzgeschichten, die eines gemeinsam haben: den Untod. Wer dabei gleich an Zombies denkt, liegt nur zum Teil richtig. Auch die haben ihren Platz in dieser Kurzgeschichtensammlung aus den Federn vieler, bekannter Autoren gefunden. Aber es gibt noch wesentlich mehr Möglichkeiten des untoten Daseins.

Bernhard Hennen lässt in „Stürmische Zeiten“ eine Wiedergängerin der besonderen Art auftauchen, stürmisch eben. Thomas Plischke lässt einen Künstler „In Wort und Bild“ mehr als realistische Bilder zeichnen. Oliver Dierssens „Akerbeltz“ erinnert vom Schreibstil sehr an „Fledermausland“, aber mit ganz anderen Akteuren. „Ein kleiner Tod“ von Viktoria Schlederer führt den Leser erst einmal auf eine falsche Fährte, um am Ende mit einer düsteren Überraschung aufzuwarten. Jonas Wolf hat ein klassisches Fantasy-Setting mit einem klassischen Zombiefilm gemischt, das Ergebnis ist bissig. 125 Seiten mit 7 ganz unterschiedlichen Geschichten, eine unterhaltsamer als die andere.

Erschienen ist diese Kurzgeschichtensammlung im Nerdpol Verlag, einem noch sehr jungen Projekt der Autoren Oliver Dierssen und Ole Christiansen. Die den Kurzgeschichten neue Wege eröffnen wollen, nämlich den des E-Books. So kommt es, dass man „Die Untoten“ für gerade mal 2,99 € als E-Book erstehen kann. Sie beschreiben den Nerdpol selbst als „Der Verlag für die kurze, digitale Phantastik“. Das auch kurz gut sein kann, haben sie gleich mit ihrer ersten Publikation bewiesen.

Die Untoten – Oliver Dierssen & Ole Christiansen (Hrsg.)
125 Seiten, Nerdpol Verlag
ASIN B006NY730C, 2,99
E-Book

Harold Cobert – Ein Winter mit Baudelaire

Philippe verliert nach und nach alles, was ihm im Leben wichtig war. Erst seine Familie, seine Ex-Frau verbietet ihm den Kontakt zu seiner Tochter. Dann den Job, als ein Kollege ihm einen wichtigen Auftrag wegnimmt. Schneller als er sich versieht, steht er auf der Straße. Mitten unter denen, die er vor kurzem noch verachtet hat. Mitten im ewigen Kreislauf „ohne Job keine Wohnung, ohne Wohnung kein Job“. Erst als er Baudelaire kennen lernt, hat er wieder einen Grund zu kämpfen, um sich aus diesem Sumpf heraus zu ziehen.

„Ein Winter mit Baudelaire“ ist ein wunderschönes und ein furchtbar trauriges Buch. Ein Großteil des Romans berichtet von den furchtbaren Zuständen, mit denen man als Obdachloser zu Recht kommen muss. Auch sprachlich wird der Niedergang von Philippe deutlich gemacht, umso tiefer er in der Gosse steckt, umso derber sind die Beschreibungen. Hält er anfangs selbst Abstand von stinkenden Pennern und sieht auf sie herab, wird er mit der Zeit selbst einer von denen, die in der U-Bahn viel Platz um sich herum haben.

Das französische Sozialsystem wird näher beleuchtet, ebenso die persönlichen Abgründe, die sich auftun, wenn man sich plötzlich in einer solchen Situation wieder findet. Nur wenige haben das Glück, einen Anker in ihrem Leben zu finden und Freunde, die ihnen helfen wieder Fuß zu fassen.

Ein Buch, das mich sehr berührt hat und mich die Menschen auf der Straße mit anderen Augen sehen lässt.

Ein Winter mit Baudelaire – Harold Cobert
288 Seiten, Piper
ISBN 9783492273435, 8,99 €
Taschenbuch

Cody MacFadyen – Ausgelöscht (Hörbuch)

 

Das Brautpaar hat es gerade noch geschafft „Ja, ich will“ zu sagen, da wird ihm aus einem fahrenden Auto eine furchtbar zugerichtete Frau zu Füßen geworfen. Der Kopf ist kahl geschoren, ihre Haut von Wunden übersät, ihre Psyche gebrochen, sie spricht kein Wort. Schnell kommt heraus, dass sie Polizistin ist und vor sieben Jahren entführt wurde. Wurde sie all die Jahre eingesperrt und missbraucht? Bald tauchen weitere Frauen auf, denen Ähnliches angetan wurde. Können Smoky und ihr Team den Entführer finden? Wie viele Frauen hat er noch in seiner Gewalt?

„Ausgelöscht“ war mein erstes Buch aus der Smoky Barrett Reihe, ich hatte aber nicht das Gefühl, die vorherigen Bände gehört oder gelesen haben zu müssen. Die Vorgeschichte von Smoky wurde oft genug erzählt, für meinen Geschmack sogar etwas zu oft. Wie realistisch ist denn bitte, dass einem selbst und mindestens drei guten Freundinnen die Männer nicht nur ermordet werden, sondern auch gleich gefoltert? Das hätte einmal gereicht, so konnte ich irgendwann nur noch müde lächelnd den Kopf schütteln.

Die eigentliche Geschichte war sehr spannend und ich habe die meiste Zeit mitgefiebert, ob sie den Entführer nun endlich gefunden haben. Die Auflösung war mir dann allerdings wieder ein klein wenig zu viel des Bösen. Das verliert nämlich in deutlicher Überdosierung seine Wirkung auf mich.

Leider kein wirklich überzeugender Thriller, obwohl er durchaus gelungene Elemente zu bieten hatte. Die Hörbuchfassung hat mich davor bewahrt, ein angefangenes Buch beiseite zu legen. Die Sprecherin Franziska Pigulla passte sehr gut zur Rolle der Smoky und hat das Hörvergnügen eindeutig gesteigert.

Hörbuch
Ausgelöscht, Smoky Barrett IV
Autor Cody McFadyen
Sprecher Franziska Pigulla
Länge 7 Stunden 7 Minuten (gekürzt)
Genre: Psychothriller
Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 9,95 €)

Robert Harris – Angst

 

Alex Hoffmann wird nachts in seiner extrem gut gesicherten Villa überfallen. Nur knapp entgeht er einem Attentat. Kannte der Einbrecher den Code der Alarmanlage? Den kaum jemand außer Alex selbst kennt? Das ist nur der Beginn einer Reihe seltsamer Begebenheiten, die alle auf das gleiche hinaus laufen: jemand will Alex Hoffmanns Leben zerstören. Ist es Neid? Denn Hoffmann hat einen Algorithmus entwickelt, der Angstparameter auswertet und damit in Aktiengeschäften horrende Gewinne erzielt.

Ein wenig Wirtschaftswissen, oder zumindest keine Berührungsängste mit Wörtern wie Hedgefonds und ähnlichem, sollte man für dieses Buch mitbringen. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge werden auch so erklärt, das Nicht-Bänker es verstehen, aber erst ein wenig später. Der Spannung tut dies aber keinen Abbruch, wesentlich sind erstmal andere Geschehnisse.

Abgesehen von den wirtschaftlichen Aspekten, handelt das Buch von den möglichen Folgen, wenn ein Computerprogramm seinen Erschaffer überflügelt. Es trifft Entscheidungen, die kein Mensch so gnadenlos treffen würde, und hat damit Erfolg. Wo ist die Grenze? Wie weit kann ein Programm Einfluss auf das reale Leben nehmen?

Robert Harris hat es mal wieder geschafft, einen sehr spannenden Thriller zu schreiben. Der beim Leser die unangenehme Frage zurück lässt: „Was wäre wenn es wirklich möglich ist?“ Wer weiß schon sicher, zu was Computerprogramme inzwischen in der Lage sind. Dieses beklemmende Gefühl lässt einen auch nach der Lektüre nicht so schnell wieder los.

Angst – Robert Harris
384 Seiten, Heyne
ISBN: 9783453267046, 19,99 €
Hardcover

Lucinda Riley – Das Orchideenhaus (Hörbuch)

 

Julia erholt sich nach einem schweren Schicksalsschlag in der Nähe des Landsitzes, mit dem sie viele schöne Erinnerungen verbindet. Ihre Großeltern haben hier früher als Angestellte gelebt und Julia hat viel Zeit dort verbracht. Als bei Renovierungsarbeiten im alten Cottage ihrer Großeltern ein Tagebuch gefunden wird, kommt ein altes Familiengeheimnis zu Tage. Während der Leser Julia auf ihrem Weg zurück ins Leben begleitet, folgt Julia den Spuren ihrer Großeltern in längst vergangenen Zeiten.

Familienromane können durchaus angenehme Lektüre sein, mit der man es sich gemütlich machen und die Welt einfach mal Welt sein lassen kann. Mit „Das Orchideenhaus“ ist mir das allerdings nicht gelungen. Schon zu Beginn wird klar, dass so lange wie nur möglich verheimlicht wird, welcher Schicksalsschlag Julia getroffen hat. Dabei dürfte das den meisten Lesern nach kürzester Zeit klar sein, man wartet eigentlich nur noch auf die Bestätigung.

Den Charakteren bleibt kein Drama erspart. Drama gehört zu einem Familienroman dazu, aber es gibt eine gewisse Maximaldosis, die nicht überschritten werden sollte. Wem noch ein mögliches Drama einfällt, das in diesem Roman nicht vorkommt, der meine Hochachtung. Mir fällt wirklich keines mehr ein. Wenn man meint, jetzt ist es aber genug, wird noch eine Kelle draufgesetzt. Auch Liebesromane kann man mit mehr Niveau schreiben.

Wenn man bedenkt, wie schnell sämtliche handelnden Personen mit ihren Heiratsanträgen bei der Hand sind, muss man sich allerdings nicht wundern, dass keiner viel von Treue oder Vertrauen hält. Und keine Sorge, das Happy End bleibt natürlich auch nicht aus.

Mit der Sprecherin Simone Kabst wurde ich auch nach Stunden nicht warm. Sie lässt alle Personen unmotiviert durch die Gegend nuscheln, kaum Emotionen aufkommen.

Nach vielen wirklich tollen Hörbüchern, war ich vielleicht auch ein wenig verwöhnt. Aber dieses hier ist für mich der Hörbuchflopp des Jahres 2011.

Hörbuch

Das Orchideenhaus
Autor Lucinda Riley
Sprecher Simone Kabst
Länge 7 Stunden 15 Minuten (gekürzt)
Genre: Romane

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 10,95 €)

Im Flexi-Abo für 9,95 €

 

Tad Williams & Deborah Beale – Die Geheimnisse der Tinkerfarm

 

„Die Geheimnisse der Tinkerfarm“ ist die Fortsetzung zu „Die Drachen der Tinkerfarm“. Ein ganzes Jahr lang mussten sich Tyler und Lucinda gedulden, jetzt sind endlich wieder Sommerferien und sie dürfen zur Farm ihres Großonkels reisen. Dass es auf der Tinkerfarm ganz andere Tiere gibt als man meinen mag, hatten sie in den letzten Ferien schon entdeckt. Jetzt freuen sie sich auf ein Wiedersehen mit Einhörnern, Drachen und dem Satyr Simos. Außerdem hat Tyler noch ein Rätsel zu knacken. Allerdings hat sich einiges auf der Farm verändert, ihr Onkel Gideon hat neue Sicherheitssysteme installiert. Ist die Farm wirklich in Gefahr? Dann verschwindet Gideon plötzlich. Steckt wieder Mrs. Needle hinter den dunklen Machenschaften? Können Lucinda und Tyler die Farm retten?

Die Tinkerfarm birgt noch immer viele Geheimnisse, ihre größtes Geheimnis wurde aber schon im ersten Band gelüftet. So beginnt dieser Band gleich mitten im Geschehen und ist noch spannender, als es „Die Drachen der Tinkerfarm“ waren. Gleichzeitig findet sich aber auch all das im Buch wieder, was schon den ersten Teil so besonders machte.

Auf der Farm gibt es nicht nur Schmusetiere, eigentlich sind das sogar die wenigsten. Die meisten Wesen sind ziemlich gefährlich und man möchte ihnen nicht außerhalb ihres Käfigs begegnen. So kommt trotz der teilweise märchenhaften Wesen, wie den Einhörnern, niemals eine rosarote Märchenstimmung auf. Spätestens wenn man einem Mantikor gegenüber steht, hat sich diese erledigt. Stellenweise ist die Atmosphäre sehr düster, die Spannung steigt gegen Ende enorm an.

Die guten Charaktere haben ebenso ihre Fehler, wie die bösen ihre bereuen. Reines schwarz-weiß Denken sucht man so vergeblich. Gegen Ende möchte man am liebsten selbst dafür sorgen, dass die „Bösen“ endlich die verdiente Strafe bekommen. Weil man als Leser weiß, wer hinter all dem steckt.

Ein wunderbarer Fantasy-Roman, der nicht nur junge Leser zu begeistern weiß. Echte All-Age Fantasy ohne Vampire und Liebesgeschichte, für Jungs wie Mädels jeden Alters geeignet.

Die Geheimnisse der Tinkerfarm – Tad Williams & Deborah Beale
430 Seiten, Klett-Cotta Hobbit-Presse
ISBN 9783608938227, 19,95 €
Hardcover

Nagel – Was kostet die Welt

 

Meise hat geerbt, ganze 15.000 Euro. Was macht er denn jetzt mit dem Geld? Das, was sein Vater nie damit getan hat: auf Reisen gehen. Die Welt sehen und den Horizont erweitern. Viel lässt er nicht zurück, sein Job als Barmann wartet auf ihn. Als er nach seinen Reisen nach Berlin zurückkommt, findet er aber nicht mehr wirklich zurück in sein altes Leben. 1.000 Euro sind noch übrig, er packt seinen Rucksack und reist kurzerhand zu einem Bekannten, den er in den USA kennen gelernt hatte. An die Mosel, auf ein Weingut. Ohne die Ablenkungen der großen weiten Welt, muss er sich hier auf dem Land der einen oder anderen Selbsterkenntnis stellen.

„Was kostet die Welt“ ist ein Buch voller Betrachtungen und schonungsloser Wahrheiten. Nagel nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt Meise das aussprechen, was man sich oft genug nur denkt. Dabei macht er auch vor dem Innenleben des Protagonisten nicht halt. Konfrontiert mit der Einfachheit des Landlebens und der gänzlich unterschiedlichen Lebenseinstellung der Landbewohner zu seiner eigenen, bleibt auch die eine oder andere Wahrheit über sich selbst nicht aus. In Meises Vergangenheit gibt es so manches, was tief begraben doch nicht ruhen wollte.

Der trockene Humor mit zynischem Unterton  mag nicht jedermanns Sache sein, meinen Humorlevel hat er voll getroffen. Meise ist nicht sympathisch, ganz im Gegenteil. Ich mochte ihn trotzdem. Dass er seinen unfreiwilligen Selbstfindungstrip gerade an der Mosel erlebt, war für mich das Sahnehäubchen. Als Saarländerin ist mir dieser Menschenschlag ganz gut bekannt und Nagel hat sie sehr treffend beschrieben.

Ein tragischer Roman mit viel Humor und erschreckenden Wahrheiten.

Ab Januar wird das Buch auch als Taschenbuch im Heyne Verlag erhältlich sein.

Was kostet die Welt – Nagel
320 Seiten, Heyne
ISBN 9783453266872, 16,99 €
Hardcover

Gisa Klönne – Nichts als Erlösung

 

In Köln wird ein Mann regelrecht hingerichtet, verliert dabei sein Gesicht. Hat dieser Mord etwas mit der Familientragödie zu tun, die sich zwanzig Jahre zuvor in einem Kölner Vorort abspielte? Nach der zwar keine Opfer gefunden wurden, aber ein Haus voller Blutspuren zurück blieb? Nach der die Eltern und die Schwester des jetzt Ermordeten spurlos verschwunden blieben? Hat die Vergangenheit die Familie eingeholt? Eine Vergangenheit, die eng mit dem Kinderheim „Frohsinn“ zusammen hängt? Warum schickt der Mörder Fotos an die Hauptkommissarin? Will er gefasst werden?

„Nichts als Erlösung“ ist bis zur letzten Seite Spannung pur, man folgt den Ermittlungen atemlos von einem Puzzleteil zum nächsten. Ganz langsam formt sich ein Bild, die Erlösung des Lesers, mit der Auflösung der letzten großen Fragen, erfolgt erst ganz zum Ende.

Aber nicht nur die Aufklärung des Mordes bannt einen, auch die Beschreibungen der unmenschlichen Zustände in den Kinderheimen, die noch lange nach der Nazizeit einfach weiter geführt wurden wie zuvor. Die Beschreibung eines Erziehungsratgebers, der jahrelang als Standardwerk galt, wird jedem mitfühlendem Menschen eine Gänsehaut bereiten.

Geschickt verbindet die Autorin eine Vergangenheit, die für viel zu viele Kinder Realität war, mit einem spannenden Mordfall. Nach und nach wandern verschiedene Verdächtige über die Bildfläche, jeder von ihnen mit einem Motiv. Und doch ahnt man immer, dass hier noch etwas fehlt. Das letzte kleine Puzzleteilchen, das in einem grandiosen Finale seinen Platz findet.

Krimis finden sich momentan wie Sand am Meer, die Perlen unter ihnen heraus zu fischen, wird immer schwieriger. Aber hier ist eindeutig eine davon, ein Krimi der alles bietet, was ich mir von einem Krimi erwarte, ohne platte Charaktere aus der Standardschublade. Nicht nur die Skandinavier können gute Krimis schreiben, die gibt es auch gleich ums Eck in Köln.

Nichts als Erlösung – Gisa Klönne

347 Seiten, Ullstein

ISBN 9783550087776, 19,90 €