Buchgeschichten: Schwerer Abschied

Vor zwei Jahren mussten wir die Filiale, in der ich lange Zeit gearbeitet hatte, schließen. Es hieß Abschied nehmen, von vielen lieb gewonnen Stammkunden. Keine leichte Zeit, da wird einem das Herz schon mal schwer. Man hat immerhin viel Zeit in diesen vier Wänden und mit den Kunden verbracht, viele regelmäßig getroffen.

Neben den Kunden, zu denen man mit der Zeit eine besondere Beziehung aufgebaut hatte, gab es auch die eine oder andere Überraschung. Man hat sich zwar regelmäßig gesehen, aber kaum ein Wort über das Geschäftliche hinaus gewechselt. Bis zu diesem letzten Tag. So manch einer hat uns unverhofft seine Wertschätzung ausgesprochen. Wir hatten einen Kunden, der anfangs sehr schwierig war, wir konnten ihn kaum zufrieden stellen. Aber mit viel Service und noch mehr Freundlichkeit hatten wir ihn irgendwann geknackt, von dem Tag an kamen wir alle prächtig miteinander aus. Das gerade dieser Kunde mir bei seinem letzten Besuch sagte, wie gerne er immer bei uns eingekauft hätte, hat unglaublich gut getan.

Mit so manchem Kunden hat man im Laufe der Jahre auch mal private Worte gewechselt. Nie wirklich persönlich, meist Small Talk, trotzdem lernte man sich einfach kennen. Man erzählte sich vom letzten Urlaub, oder auch dem nächsten, wenn ein Reiseführer gekauft wurde. Nach der Weihnachtsfeier, für die wir gemeinsam das passende Buch mit kurzen Geschichten gesucht hatten, wie sie bei den Kollegen ankamen, oder vom Apfelkuchen, den man letzten Wochenende gebacken hatte. Eine dieser ganz besonderen Kundinnen wusste, wohin ich gewechselt hatte und rief mich einige Monate nach der Schließung auf meiner neuen Stelle an. Einfach nur um zu fragen, wie es mir geht, ob alles in Ordnung ist. Ganz ehrlich, ich hätte heulen können. Solche Momente tun unglaublich gut.

Noch oft denke ich an den älteren Herrn, der tagtäglich bei uns seine Zeitung kaufte. Wenn die Zeit dafür war, wechselte man ein paar Sätze über das Wetter oder das Tagesgeschehen. Meistens hatte er sein „Düdle“ (fränkisch für Tüte) schon dabei, die Frage danach gehörte einfach zu unserem Tag. Er war immer einer meiner Lieblingskunden, auch wenn ich bis heute nicht weiß, wie er heißt, da er nie ein Buch bestellt hatte. Wie viel wir ihm wirklich bedeuten, wurde mir aber erst an unserem letzten Tag klar. Als er sich mit Tränen in den Augen von uns verabschiedete. Ich hoffe, er hat einen schönen Ersatz für uns gefunden, wo er auch täglich sein Düdle auspacken konnte.

Auf jedes Ende folgt ein Neuanfang und ich habe auch jetzt wieder viele tolle Kunden. Trotzdem denke ich noch oft und immer wieder gerne an all diese Menschen zurück, die mich in all den Jahren begleitet haben. Danke.

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3 comments

  1. Nova sagt:

    Das hast du richtig schön gesagt.
    Nova

  2. Tine sagt:

    Oh ja, das klingt wirklich sehr schön.
    Mir geht das mit meinen Schülern genauso. Wenn welche den Abschluss machen, kommen immer wieder genauso tolle nach, aber an manche der Abgänger denkt man dann doch noch öfter. :)

  3. Emily sagt:

    Danke euch beiden :)

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