Besprechungen Phantastik

Brom – Der Kinderdieb

2. Mai 2010

Kinderdieb

Peter ist immer auf der Suche nach verlorenen Kindern. Sklaven, Ausreißer, Missbrauchte, wer in seinem Leben keine Perspektive mehr hat findet bei Peter ein neues Zuhause und eine Aufgabe. Er nimmt sie mit nach Avalon, wo sie mit ihm zusammen um das Bestehen der Insel kämpfen. Denn nicht nur die verlorenen Kinder und verschiedenste Feenwesen leben hier, auch die Fleischfresser nennen die Insel ihre Heimat und kämpfen verbittert um jeden Zentimeter Land. Wobei sie sich auch nicht davon abhalten lassen, dass die Insel dank ihnen langsam aber sicher stirbt. Peter und seine Armee kämpfen für die Hüterin der Insel, die Dame Modron. Haben sie eine Chance die Insel und ihre Magie zu retten?

„Der Kinderdieb“ ist mein bisheriges Lesehighlight für dieses Jahr und es wird nur schwer von diesem Platz zu vertreiben sein. Es erzählt die Geschichte von Peter Pan, aber anders als man sie heute meistens kennt. Der Autor hatte die ursprüngliche Fassung von James Barries „Peter Pan“ gelesen und darin viele düstere Stellen gefunden, die in den kindergerechteren Versionen so nicht mehr vorkamen. Zusammen mit verschiedenen schottischen Mythen und Legenden und einem Schuss aus der Hexenjagd von Salem hat er eine neue Geschichte geschaffen, die wirklich düster ist. Dieser Peter hier würde alles tun was nötig ist, um die Dame Modron und damit Avalon zu schützen. Wirklich alles. Er geht dabei oft genug über Leichen.

Die Schilderungen im Buch sind oft grausam, aber nie unnötig brutal. Brom ergötzt sich nicht an blutigen Schlachten, aber er schildert die Kämpfe ungeschönt. Das Buch handelt von Freundschaft, von Treue, von Ergebenheit und Loyalität genauso wie von Verblendung und ihren fatalen Folgen.

Besonders gut gefiel mir, dass es keine Guten und Bösen im eigentlichen Sinne gibt. Anfangs scheint die Einteilung noch recht klar, mit der Zeit bekommen aber die lichten Charaktere immer mehr dunkle Flecken, die „Bösen“ zeigen teilweise mehr Mitgefühl und andere positive Charakterzüge als die „Guten“.

Die wunderbaren Illustrationen des Autors bereichern das Buch noch. Am Anfang jedes Kapitels findet sich ein Bild, das eine Szene des kommenden Kapitels zeigt. In der Mitte des Buches finden sich Abbildungen der wichtigsten Charakteer. Schon das einfach nur schöne Cover lässt ahnen, welche Schätze sich dahinter noch verbergen. Wobei den Zeichnungen wohl auch zu gute kommt, dass der Autor selbst auch der Illustrator ist, wer sonst könnte seine Charaktere so treffsicher darstellen.

Wer bisher noch überlegt hat, ob er sich das Buch zulegen soll: tut es. Es lohnt sich. Und beginnt erst mit dem Lesen, wenn ihr auch etwas Zeit dafür habt. Spätestens ab der Hälfte möchte man es einfach nur noch am Stück weglesen.


Der Kinderdieb – Brom
655 Seiten, Pan Verlag
ISBN 9783426283295, 16,95 €
Hardcover

10 Kommentare

  • Antworten Laura 2. Mai 2010 von 19:52

    Ich hab vor kurzem mit “Der Kinderdieb” angefangen. Momentan warte ich noch auf den großen Knall, der mich vollkommen ans Buch fesselt. Dann werd ich wohl bis zur Hälfte noch etwas Geduld haben;-)
    Danke für die tolle Rezension!

    • Antworten Emily 2. Mai 2010 von 19:55

      @Laura: Mir gefiel es von Anfang an gut, aber die letzten 350 Seiten habe ich gestern fast am Stück gelesen, weil es wirklich unglaublich toll wurde. Beneide Dich fast darum, dass Du sie noch vor Dir hast. Viel Spaß!

  • Antworten Stephie 2. Mai 2010 von 20:00

    Hmm, deine Rezension klingt ja echt begeistert. Vielleicht sollte ich es doch mal auf meine Wishlist setzen, obwohl mich die Seitenzahl leicht abschreckt.

    • Antworten Emily 2. Mai 2010 von 20:06

      @Stephie: Zuviele Seiten? Keine Sorge, die lesen sich wirklich schnell. Am Ende merkt man kaum noch, wie schnell man die Seiten weg liest. Ich bin wirklich begeistert und hätte noch viel mehr über das Buch schreiben können, aber dann liest ja niemand mehr, was ich geschrieben habe. 😉

  • Antworten Jennyfer 3. Mai 2010 von 15:28

    “Der Kinderdieb” liegt noch auf meinem SuB, aber ich höre ständig nur gutes darüber, daher werde ich wohl auch bald mal damit anfangen (: Ich bin schon gespannt, ob es mir ähnlich gut gefallen wird, wie dir

    • Antworten Emily 3. Mai 2010 von 21:48

      @Jennyfer: Lass es nicht zu lange auf dem SUB verstauben, Du verpasst eine echte Buchperle!

  • Antworten Nina [libromanie] 5. Mai 2010 von 15:28

    Ich bin ja irgendwie nach 120 Seiten hängen geblieben. Das war mir in dem Moment einfach alles zu düster und es ging zu langsam voran. Werde es mir demnächst aber noch mal vornehmen. Buchperlen mag ich ja keine verpassen. 🙂

    Liebe Grüße,
    Nina

    • Antworten Emily 5. Mai 2010 von 19:03

      @Nina: düster bleibt es, das hat mich nicht gestört. Es geht später auf jeden Fall schneller voran. 😉 Aber man braucht ja auch immer den richtigen Zeitpunkt für ein Buch.
      Liebe Grüße
      Emily

  • Antworten Volpina 6. Mai 2010 von 23:35

    ich habs auch hier liegen, hab aber auch schon negatives gehört. Derzeit hab ich noch ein paar rezensionsbücher oben auf dem Sub, aber ich hab schon mal reingelesen und es liest sich gut an. Ich liebe ja die Peter Pan Geschichten und mag es gern, wenn ich düstere Variationen von meinen Lieblingsgeschichten finde.

    • Antworten Emily 7. Mai 2010 von 09:32

      @Volpina: Ich werde eher skeptisch, wenn ein Buch jedem gefällt. 😉 Die wenigsten Büchern gefallen allen Lesern. Aber wer kein Problem mit düsteren Geschichten hat, dem könnte auch der “Kinderdieb” gut gefallen.

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