Besprechungen Gezeichnetes

Barbara Yelin – Irmina

22. Juni 2015

Irmina

Irmina macht in London eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin, weil sie selbständig sein möchte. In Deutschland wird das Mitter der 1930er Jahre nicht mehr gerne gesehen, eigentlich wollte Irmina studieren, aber Frauen gehören dort an den Herd. In London lernt sie den Stipendiaten Howard aus der Karibik kennen, wie sie ein Außenseiter in der englischen Gesellschaft. Irmina merkt bald, dass geflohene Deutsche besser angesehen werden als sie, die sie einfach nur im Ausland lernen und arbeiten möchte. Die politische Situation zwingt Irmina, nach Deutschland zurück zu kehren. Wo sie immer wieder aneckt, weil sie das Regime kritisiert. Will sie hier überleben und es zu etwas bringen, muss sie sich anpassen. Was ist ihr wichtiger? Die persönliche Integrität, oder eine angesehene Stellung in der Gesellschaft?

„Irmina“ basiert auf einer wahren Geschichte, Barbara Yelin fand einen Karton mit Tagebüchern und Briefen ihrer Großmutter, die sie zu dieser Geschichte inspirierten. Die Rolle der Frau in der Zeit des Nationalsozialismus, eingeschränkt und reduziert auf Herd und Kind, trotzdem mussten sie für das Überleben der Familie sorgen, als die Männer an die Front gingen. Wege die ihnen verschlossen blieben, Entscheidungen die getroffen werden mussten, deren Folgen sie noch Jahrzehnte lang begleiteten.

Es sind zum Teil einzelne Sätze, die ganze Geschichten erzählen, die viele von uns kennen. Die tief berühren, einen noch lange nach der letzten Seite begleiten.

Barbara Yelin hat Irminas Geschichte beeindruckend in Bilder umgesetzt. Zum Großteil dunkle und düstere Bilder, die der Stimmung der Geschichte entsprechen. Gibt es am Anfang noch etwas Farbe, werden sie mit jedem Jahr etwas finsterer, zeigen die dunklen Zeiten während des Nationalsozialismus, erst gegen Ende zieht wieder mehr Farbe in die Bilder ein. Der Zeichenstil erinnert an Skizzen, oft sieht man noch die Vorzeichnungen, fehlen die Details, weil es auf die hier auch gar nicht ankommt. Irminas Schicksal steht für das vieler Frauen in dieser Zeit.

„Irmina“ ist eine beeindruckende Graphic Novel, die eine unschöne Geschichte erzählt, die trotzdem gelesen werden sollte. Weil es die Geschichte vieler Frauen ist, die unsere Großmütter sind. Eine Geschichte die dazu beiträgt, zu verstehen.

"buchhandel.de/

Irmina – Barbara Yelin
284 Seiten, Reprodukt Verlag
ISBN 9783956400063, 39,00 €
Hardcover

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1 Kommentar

  • Antworten Graphic Novel » Blog Archiv » Graphic Novels in den Medien – 29. Juni 2015 29. Juni 2015 von 12:03

    […] “Barbara Yelin – Irmina” – papiergefluester.com über das bei Reprodukt erschienene Buch […]

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