Anthony Horowitz – Das Geheimnis des weißen Bandes (Hörbuch)

 

Sherlock Holmes und Watson werden von einem Galerist um Hilfe gebeten. Er fühlt sich verfolgt und vermutet hinter dem Mann mit der Schiebermütze, der ihm ständig begegnet, das letzte überlebende Mitglied einer Verbrecherbande. Der Galerist selbst war an der Zerschlagung dieser Bande beteiligt und befürchtet nur einen Rachefeldzug des letzten Bandenmitglieds. Holmes muss nicht lange suchen, findet den Verdächtigen aber nur noch leblos vor. Ermordet. Kurz darauf wird einer der Straßenjungen, die Holmes bei der Suche halfen, ebenfalls brutal ermordet. Was hatte er gesehen, das ihn das Leben kostete? Die einzige Spur ist ein weißes Seidenband, das dem Jungen ums Handgelenk gebunden wurde.

„Das Geheimnis des weißen Bandes“ wurde von der Arthur Conan Doyle Estate offiziell als Nachfolger des Originals anerkannt. Wie man ihn kennt, beobachtet und folgert Sherlock Holmes aus Kleinigkeiten, die den meisten anderen entgehen. Als Meister der Tarnung kann er sogar dem guten Watson schon mal ein Schnippchen schlagen. Mal eben ein paar Minuten überhören, sollte man hier lieber nicht. Will man aber auch gar nicht, dafür ist der Fall viel zu spannend.

Die Stimme von Johannes Steck passt wunderbar und entführt den Hörer schnell ins viktorianische London. Viele Kleinigkeiten lassen das Buch zu einer wunderbaren Hommage an Sherlock Holmes und seinen Mitarbeiter werden. Ich hätte nach dem hören am liebsten gleich noch einmal von vorne angefangen.

Hörbuch


Das Geheimnis des weißen Bandes

Autor Anthony Horowitz
Sprecher Johannes Steck
Länge 5 Stunden 10 Minuten (gekürzt)
Genre: Krimi
Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)
Im Flexi-Abo für 9,95 €

Monatsrückblick Januar 2012

Gelesen

- Simon Tofield – Fütter mich!

Simons Katze hat Hunger, kein Wunder. Alle Zeichnungen drehen sich um dieses elementare Thema, diesmal aber in Farbe. Ein nettes Büchlein, für Simons Katze Fans unverzichtbar. Muss ich erwähnen, dass ich beide Kalender hier stehen habe? ;)

- Oliver Dierssen & Ole Christiansen (Hrsg.) – Die Untoten

Eine ganze Truppe bekannter deutsche Fantasy-Autoren hat Kurzgeschichten rund ums Thema “Untote” geschrieben. Mal schaurig schön, mal schwarzer Humor, aber immer sehr lesenwert.

- Petra Schier – Die Gewürzhändlerin

Sehr schöner Historienschmöker, der im mittelalterlichen Koblenz spielt.

- Christoph Hardebusch – Smart Magic

Fantastischer Jugendroman, in dem ein 15jähriger Waisenjungen plötzlich mit Magie und allerhand anderen unglaublichen Tatsachen konfrontiert wird.

Gehört:

- Anthony Horowitz – Das Geheimnis des weißen Bandes

Sehr schöne “Fortsetzung” der Geschichten von Sherlock Holmes. Spannender Krimi in viktorianischem Flair, der einen nicht mehr los lässt.

- Alex Capus – Léon und Luise

Von Ulrich Noethen wunderbar gelesene Liebesgeschichte um zwei Menschen, die meinen sich verloren zu haben. Ruhig und romantisch, mit beeindruckenden Charakteren.

 

Sieht wenig aus, aber das täuscht. Es kommen einige quergelsene Bücher dazu und ein paar, die noch nicht erschienen sind. Darüber darf ich noch nichts verraten, deshalb tauchen die auch nicht im Monatsrückblick auf. Insgesamt waren es ungefähr 4400 gelesene Seiten.

 

 

Petra Schier – Die Gewürzhändlerin

Luzia hatte großes Glück, als Tochter eines freien Bauern geboren, hat sie nun eine Anstellung als Edelmagd bei Gräfin Elisabeth inne. Das Schicksal meinte es gut mit ihr, ihre Herrin steht ihr nahe und brachte ihr neben den Sitten des gehobenen Standes auch Lesen und Schreiben bei. Als der Händler Martin Wied Hilfe braucht, kommen ihr diese Fähigkeiten zu Gute, auch Rechnen kann sie sehr gut. So springt sie als Gehilfin ein und entdeckt, dass sie ein Talent für den Handel mit Gewürzen und Spezereien hat. Dieses Talent offenbart sich nicht nur Martin Wied, auch seine Konkurrenten erfahren schnell davon. So wird Luzia zu einer gefragten Partie, der Sohn seines größten Feindes hält um ihre Hand an. Wied selbst wird unterdessen des Mordes angeklagt. Luzia versucht seine Unschuld zu beweisen, einen Mord würde er nie begehen. Davon ist sie überzeugt. Als die Vergangenheit sie einholt ahnt sie, wer dagegen nicht vor einer solchen Tat zurückschrecken würde.

„Die Gewürzhändlerin“ ist die Fortsetzung von „Die Eifelgräfin“. Man muss den ersten Band aber nicht gelesen haben, alle wichtigen Handlungen und Personen werden noch einmal kurz aufgeführt. Ich hatte den Vorgänger nicht gelesen und keine Probleme, mich zu Recht zu finden.

Wer Papiergeflüster schon länger liest weiß, dass ich normalerweise selten „-in“ Romane lesen. Also die typischen historischen Romane, die im Titel die Endung „-in“ beinhalten und immer von weiblichen Heldinnen in Liebes- und anderen Nöten handeln. Warum ich hier eine Ausnahme machte? Von Petra Schier habe ich schon einige Bücher der Adelina-Reihe gelesen, historische Kriminalromane die in Köln spielen. Nachdem mir diese Bücher immer sehr gut gefielen, wollte ich es nun auch einmal mit einem ihrer anderen Romane versuchen. Und wurde nicht enttäuscht.

Petra Schier schafft es immer wieder, mittelalterliche Städte vor dem Auge der Leser lebendig werden zu lassen. „Die Gewürzhändlerin“ spielt in Koblenz, das dank seiner günstigen Lage an der Mündung der Mosel in den Rhein eine bedeutende Handelsstadt war. Luzia lebt nicht das durchschnittliche Leben einer Frau in dieser Zeit, ist sich dessen aber bewusst und kämpft auch immer wieder mit den Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben.

Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und man ahnt früh, wie sie ausgehen wird. Was es aber nicht weniger interessant macht, den beiden auf ihrem Weg zu folgen. Beide sind gerade wegen ihrer Unperfektheit sehr sympathische Charaktere, die man schnell ins Herz schließt.

Die Reliquie und ihre Geschichte hätte es für mich nicht wirklich gebraucht, aber das ist Geschmackssache. Sie ist der rote Faden der Geschichte und führt alle Beteiligten zusammen, mir war es allerdings ein wenig zu mystisch angehaucht. Aber nicht so sehr, dass es mich ernsthaft gestört hätte. Der Glaube an solche Dinge gehörte eben auch zu dieser Zeit.

„Die Gewürzhändlerin“ war ein wunderschönes und kurzweiliges Leseerlebnis, das mir so manchen Abend versüßte. Ein Roman, der seine Leser in vergangene Zeiten entführt und nur schwer wieder aus seinen Seiten entlässt. Kaum ein Abend, an dem ich nicht länger las als eigentlich geplant.

Die Gewürzhändlerin – Petra Schier
543 Seiten, Rowohlt Verlag
ISBN 9783499256288, 9,99 €
Taschenbuch

Die Untoten – Oliver Dierssen & Ole Christiansen (Hrsg.)

 

Sieben Kurzgeschichten, die eines gemeinsam haben: den Untod. Wer dabei gleich an Zombies denkt, liegt nur zum Teil richtig. Auch die haben ihren Platz in dieser Kurzgeschichtensammlung aus den Federn vieler, bekannter Autoren gefunden. Aber es gibt noch wesentlich mehr Möglichkeiten des untoten Daseins.

Bernhard Hennen lässt in „Stürmische Zeiten“ eine Wiedergängerin der besonderen Art auftauchen, stürmisch eben. Thomas Plischke lässt einen Künstler „In Wort und Bild“ mehr als realistische Bilder zeichnen. Oliver Dierssens „Akerbeltz“ erinnert vom Schreibstil sehr an „Fledermausland“, aber mit ganz anderen Akteuren. „Ein kleiner Tod“ von Viktoria Schlederer führt den Leser erst einmal auf eine falsche Fährte, um am Ende mit einer düsteren Überraschung aufzuwarten. Jonas Wolf hat ein klassisches Fantasy-Setting mit einem klassischen Zombiefilm gemischt, das Ergebnis ist bissig. 125 Seiten mit 7 ganz unterschiedlichen Geschichten, eine unterhaltsamer als die andere.

Erschienen ist diese Kurzgeschichtensammlung im Nerdpol Verlag, einem noch sehr jungen Projekt der Autoren Oliver Dierssen und Ole Christiansen. Die den Kurzgeschichten neue Wege eröffnen wollen, nämlich den des E-Books. So kommt es, dass man „Die Untoten“ für gerade mal 2,99 € als E-Book erstehen kann. Sie beschreiben den Nerdpol selbst als „Der Verlag für die kurze, digitale Phantastik“. Das auch kurz gut sein kann, haben sie gleich mit ihrer ersten Publikation bewiesen.

Die Untoten – Oliver Dierssen & Ole Christiansen (Hrsg.)
125 Seiten, Nerdpol Verlag
ASIN B006NY730C, 2,99
E-Book

Harold Cobert – Ein Winter mit Baudelaire

Philippe verliert nach und nach alles, was ihm im Leben wichtig war. Erst seine Familie, seine Ex-Frau verbietet ihm den Kontakt zu seiner Tochter. Dann den Job, als ein Kollege ihm einen wichtigen Auftrag wegnimmt. Schneller als er sich versieht, steht er auf der Straße. Mitten unter denen, die er vor kurzem noch verachtet hat. Mitten im ewigen Kreislauf „ohne Job keine Wohnung, ohne Wohnung kein Job“. Erst als er Baudelaire kennen lernt, hat er wieder einen Grund zu kämpfen, um sich aus diesem Sumpf heraus zu ziehen.

„Ein Winter mit Baudelaire“ ist ein wunderschönes und ein furchtbar trauriges Buch. Ein Großteil des Romans berichtet von den furchtbaren Zuständen, mit denen man als Obdachloser zu Recht kommen muss. Auch sprachlich wird der Niedergang von Philippe deutlich gemacht, umso tiefer er in der Gosse steckt, umso derber sind die Beschreibungen. Hält er anfangs selbst Abstand von stinkenden Pennern und sieht auf sie herab, wird er mit der Zeit selbst einer von denen, die in der U-Bahn viel Platz um sich herum haben.

Das französische Sozialsystem wird näher beleuchtet, ebenso die persönlichen Abgründe, die sich auftun, wenn man sich plötzlich in einer solchen Situation wieder findet. Nur wenige haben das Glück, einen Anker in ihrem Leben zu finden und Freunde, die ihnen helfen wieder Fuß zu fassen.

Ein Buch, das mich sehr berührt hat und mich die Menschen auf der Straße mit anderen Augen sehen lässt.

Ein Winter mit Baudelaire – Harold Cobert
288 Seiten, Piper
ISBN 9783492273435, 8,99 €
Taschenbuch

Harry Rowohlt und Oleg Jurjew im Saalbau Luisengarten

Literatur deluxe hat zur ersten “Lesung” im Jahr 2012 zwei außergewöhnliche Künstler eingeladen die zusammen einen zauberhaften Abend mit vielen Geschichten, Anekdoten und einigen Liedern gestalten werden. Am 1. April 2012 liest Harry Rowohlt aus Oleg Jurjews Roman “Die russische Fracht”. Oleg Jurjew singt dazu alte russische Seemanns- und Ganovenlieder. Gemeinsame Auftritte von Jurjew und Rowohlt, der auch das Hörbuch seines Freundes eingespielt hat, gehören zu den seltenen Gelegenheiten die unbändige Sprachlust des Erzählers Jurjew nuanciert, sprachgewaltig und treffend von Harry Rowohlt in Szene gesetzt zu erleben. Beginn der Veranstaltung im Saalbau Luisengarten ist 20 Uhr.

  

© Martin Kunze                                                 © Yura Okamoto

Karten für die Lesung gibt es ab sofort in der Tourist Information im Falkenhaus, Tel: (0931) 37 23 98.

 

Hintergrundinfo: “Die russische Fracht” (gebundene Ausgabe erschienen im Suhrkamp-Verlag; Audio CD – Kein & Aber)

Wenja Jasytschnik muss aus St. Petersburg fliehen. Kriminelle haben seinen Stiefvater ermordet und sich dessen Firma angeeignet. Am Flusshafen winkt die Rettung. Doch der Frachter, den Jasytschnik besteigt, entpuppt sich als Geisterschiff: Während Kapitän Achov in seiner Kabine sowjetische Heldenlieder schmettert und Wenjas schöne Jugendliebe Zoëchen übers Deck stöckelt, dösen in den Kühlräumen der Stiefvater, ein altes jüdisches Ehepaar und andere Untote. Jurjew schickt seinen Helden auf eine irre Odyssee, er tut dies mit sprühender Fantasie und einer virtuosen Sprache, die gewitzt zwischen Jargon, Sprichwörtern, Anspielungen und Zitaten aus der alten Sowjetzeit changiert.

Wer könnte diese unbändige Sprachlust nuancierter, sprachgewaltiger und treffender in Szene setzen als der begnadete Vorleser Harry Rowohlt – mit Unterstützung des Autors selbst, der den singenden Kapitän gibt?



Ohrenschmankerl

Für die heutige Fahrt nach München und zurück hatte ich mir frischen Ohrenschmaus auf den MP3-Player geladen. “Léon und Louise” von Alex Capus sollten mich begleiten. Zum hören kam ich zwar weniger als geplant, aber die ersten anderthalb Stunden des von Ulrich Noethen gelesenen Hörbuches gingen runter wie Öl.

Seine Stimme passt einfach fantastisch zur Geschichte, ich fühle mich nach Frankreich versetzt und verfolge gerade noch gespannt das Kennenlernen von Léon und Louise. Einfach nur wunderschön. Ein echtes Ohrenschmankerl eben.

Erstaunlich smart

Aktuelle Lektüre ist “Smart Magic” von Christoph Hardebusch. Ganz ehrlich, hätte nicht Christoph Hardebusch dieses Buch geschrieben, ich hätte es nicht gekauft. Bisher hat mir aber noch jedes seiner Bücher mehr als gut gefallen, also zog auch “Smart Magic” hier ein. Und überraschte mich bisher positiv.

Von der ersten Seite an war ich in der Geschichte drin. Auch wenn mir die Welt des Findelkindes Tom zum Glück fremd ist. Er wächst in einer Pflegefamilie auf, die nicht aus Nächstenliebe Kinder aufnimmt. Sondern um sie zu Taschendiebstählen zu zwingen. Als ob das nicht schon schwierig genug wäre, spricht ihn eines Tages auch noch ein Rabe an. Und schon ist Tom in eine geheimnisvolle Geschichte verwickelt.

Bei “Smart Magic” hat der Verlag etwas neues versucht, die Leser konnten über verschiedene Social Media Kanäle an der Entstehung des Buches teilhaben, dem Charakter Ratschläge geben. Leider sind genau das die Stellen, an denen die Geschichte für mich etwas holperig wird. Nette Idee, die es für mich aber nicht gebraucht hätte. Inzwischen ist Tom aber weit weg von Facebook und Twitter, die Geschichte läuft wieder rund und ich lese jeden Abend länger als geplant.

Als ein Troll auftauchte, konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen. So ganz ohne geht es dann doch nicht, oder? ;)

Cody MacFadyen – Ausgelöscht (Hörbuch)

 

Das Brautpaar hat es gerade noch geschafft „Ja, ich will“ zu sagen, da wird ihm aus einem fahrenden Auto eine furchtbar zugerichtete Frau zu Füßen geworfen. Der Kopf ist kahl geschoren, ihre Haut von Wunden übersät, ihre Psyche gebrochen, sie spricht kein Wort. Schnell kommt heraus, dass sie Polizistin ist und vor sieben Jahren entführt wurde. Wurde sie all die Jahre eingesperrt und missbraucht? Bald tauchen weitere Frauen auf, denen Ähnliches angetan wurde. Können Smoky und ihr Team den Entführer finden? Wie viele Frauen hat er noch in seiner Gewalt?

„Ausgelöscht“ war mein erstes Buch aus der Smoky Barrett Reihe, ich hatte aber nicht das Gefühl, die vorherigen Bände gehört oder gelesen haben zu müssen. Die Vorgeschichte von Smoky wurde oft genug erzählt, für meinen Geschmack sogar etwas zu oft. Wie realistisch ist denn bitte, dass einem selbst und mindestens drei guten Freundinnen die Männer nicht nur ermordet werden, sondern auch gleich gefoltert? Das hätte einmal gereicht, so konnte ich irgendwann nur noch müde lächelnd den Kopf schütteln.

Die eigentliche Geschichte war sehr spannend und ich habe die meiste Zeit mitgefiebert, ob sie den Entführer nun endlich gefunden haben. Die Auflösung war mir dann allerdings wieder ein klein wenig zu viel des Bösen. Das verliert nämlich in deutlicher Überdosierung seine Wirkung auf mich.

Leider kein wirklich überzeugender Thriller, obwohl er durchaus gelungene Elemente zu bieten hatte. Die Hörbuchfassung hat mich davor bewahrt, ein angefangenes Buch beiseite zu legen. Die Sprecherin Franziska Pigulla passte sehr gut zur Rolle der Smoky und hat das Hörvergnügen eindeutig gesteigert.

Hörbuch
Ausgelöscht, Smoky Barrett IV
Autor Cody McFadyen
Sprecher Franziska Pigulla
Länge 7 Stunden 7 Minuten (gekürzt)
Genre: Psychothriller
Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 9,95 €)

Emily liest jetzt auch elektronisch

Kurz vor Weihnachten habe ich mir einen lange gehegten Traum erfüllt, ein E-Book-Reader zog ein. Diesen Herbst kamen einige neue Modelle auf den Markt, die Preise für die Geräte sinken auch. Weihnachten stand vor der Tür, also gönnte ich mir endlich einen E-Book-Reader. Nachdem ich etliche Tests gelesen und auch einige Geräte in der Hand hatte, fiel meine Entscheidung auf den Kobo Touch.

Nicht nur, weil er einen so nett anlächelt, wenn man ihn weckt. Klar war, dass ich einen E-Ink-Reader möchte. Weil nur mit dem E-Ink-Display das Lesen wirklich angenehm für die Augen ist. Kein Flimmern, keine die Augen ermüdende Hintergrundbeleuchtung wie bei einem LCD Display. Wenn es zu dunkel wird, brauche ich eine Lampe. Wie bei einem echten Buch eben auch. Dafür kann ich aber auch draußen im Sonnenschein lesen, mit einem LCD-Display sieht man im Sonnenlicht nichts mehr. Der Akku hält auch wesentlich länger, mindestens vier Wochen, wenn man nicht 24 Stunden durch liest.

Wichtig war mir außerdem ein Touchscreen. Nachdem ich mich einmal mit einem Steuerkreuz durch einen Shop navigiert hatte war mir klar: so etwas kommt mir nicht ins Haus. Von meinem Smartphone bin ich es gewohnt, mich mittels Bildschirm-Berührung überall durch zu klicken. Das sollte bitte auch der E-Book-Reader bieten.

Damit fiel der Kindle von Amazon schon aus, die günstige Variante gibt es nur ohne Touchscreen. Abgesehen davon, lasse ich mir nicht gerne vorschreiben, wo ich meine E-Books kaufe. Wer den Kindle hat, muss bei Amazon einkaufen. Mit dem Kobo Touch oder dem Sony PRS-T1, die jetzt beide in der engeren Wahl waren, kann ich überall einkaufen. Außer bei Amazon. Amazon hat sein eigenes Format gestrickt, dass nur der Kindle lesen kann. Standard ist außerhalb von Amazonien das Epub-Format. Auf dem Rechner wird das kostenlose Programm Adobe Digital Editions installiert, man bekommt eine Adobe ID, die man auch im Reader eingibt, schon kann man problemlos Bücher vom Rechner auf den Reader überspielen.

Meistens zumindest, die Software von Sony hat mit dem DRM-Schutz der Dateien öfter Probleme. Was für mich den Ausschlag für den Kobo Touch gab. Beim Kobo ist auch schon ein Shop installiert, wenn ich ein W-LAN zur Verfügung habe, kann ich also jederzeit auch ohne Anschluss an den Rechner Bücher einkaufen. Ein Browser steht mir auch zur Verfügung, um mal eben Google oder Wikipedia zu befragen ganz praktisch. Eine Besonderheit des Kobo ist Reading Life, neben Lesestatistiken gibt es hier Preise in den verschiedensten Kategorien zu gewinnen. Eine Spielerei, aber eine nette. Sudoku-Freunde können zwischendurch auch mal eben ein Zahlenrätsel auf dem Kobo lösen. Die Software wird immer wieder mal upgedatet, so kann man inzwischen zum Beispiel Lesezeichen kommentieren.

Nach drei Wochen testen und lesen bin ich immer noch sehr zufrieden mit meiner Wahl. Dank des E-Book-Readers habe ich jetzt auch endlich einen Bibliotheksausweis für unsere Stadtbücherei. Bisher war es mir immer zu umständlich, dort Bücher auszuleihen, weil das mit meinen Arbeitszeiten schwierig war. Außerdem bin ich etwas eigen mit Büchern, die schon durch zig Hände gingen. Aber es gibt hier auch eine virtuelle Stadtbücherei, in der ich mir ganz bequem von zu Hause aus E-Books und auch andere Medien ausleihen kann. Ein toller Service, den ich inzwischen auch fleißig nutze.

Das ist jetzt wohl mein längster Blog-Beitrag seit langem, obwohl ich noch längst nicht alles erzählt habe. Ich war anfangs skeptisch, ob mir das lesen ohne Papier denn überhaupt Spaß machen würde. Inzwischen wünsche ich mir bei einem dickeren Buch, ich hätte es als E-Book. Der Kobo ist angenehm leicht, lässt sich locker mit einer Hand halten und durch antippen des Bildschirms umblättern. Lese ich im Bett ohne Brille, stelle ich die Schrift etwas größer, schon liest es sich viel angenehmer. Auf Reisen kommen keine 4 kg Bücher mehr mit, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Meine Regale freuen sich, die nächsten Umzugshelfer auch. Ich bin glücklich mit meinem kleinen Kobo. :)