Belletristik Besprechungen

Anthony McCarten – funny girl

12. März 2014

FunnyGirl

Azime ist gleichzeitig nur ein Mädchen wie viele andere und doch etwas ganz besonderes. Sie ist Muslimin in London und muss täglich den Spagat zwischen dem Leben in einer westeuropäischen Stadt und dem Leben als Tochter einer Traditionen verhafteten kurdischen Familie meistern. Wie viele ihre Freundinnen auch. Doch dann stürzt ein Mädchen wie sie vom Balkon, Azime ist überzeugt, es war ein Ehrenmord. Sie beschließt aufzustehen, den Menschen zu zeigen, was hier geschieht, was niemand wahrnehmen will. Als erste muslimische Komödiantin. Sie tritt in Burka auf die Bühne und bringt die Menschen mit ihren Witzen zum Lachen, und zum Nachdenken. Aber sie macht sich auch Feinde, wird mit dem Tod bedroht, kann sie so weiter machen? Ist es das wert? Wie wird ihre Familie damit umgehen?

„Funny Girl“ erreicht endlich wieder das Niveau von „Superhero“ und „Der englische Harem“, die mich beide sehr begeistert hatten. Was danach von McCarten veröffentlicht wurde, empfand ich als deutlich schwächer. Mit „Funny Girl“ hat er wieder ein ernstes Thema mit dem richtigen Feingefühl angepackt. Weder verschweigt er die unschönen Seiten, noch überzeichnet er sie, um künstlich Spannung zu erzeugen.

Ganz besonders hat mir imponiert, dass nicht nur eine Sicht der Dinge gezeigt wird. So erklärt er zum Beispiel, warum ein muslimisches Mädchen sich durchaus freiwillig für den Schleier entscheidet. Was der Halt und die Geborgenheit in einer Gesellschaft wie dieser bedeuten können.

Ein Buch, das einen die eigene Sicht auf die Dinge überdenken lässt und noch lange in Gedanken verfolgt. Mit einer bewundernswerten Hauptfigur, der man am Ende des Buches für ihren Mut danken möchte.

Funny Girl – Anthony McCarten
384 Seiten, Diogenes Verlag
ISBN 9783257068924, 21,90 €
Gebundene Ausgabe

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