Belletristik Besprechungen

Anthony McCarten – Englischer Harem

8. September 2008

englishharem

Inhalt:

Tracy arbeite im Supermarkt an der Kasse, träumt dabei aber lieber von Lord Byron, Lawrence von Arabien und Prinzessin Leia als auf stehlende Kunden zu achten.

Als sie eine neue Stelle als Kellnerin in einem persischen Restaurant annimmt, kann sie nicht ahnen was daraus alles entstehen wird. Hier kommt es zu einem Mix aus Kulturen, Sprachen und Religionen, welche zu guter letzt dazu führen, dass sie die dritte Ehefrau des muslimischen Restaurantbesitzers wird.

Meine Meinung:

Schon seit Tagen überlege ich, wie man dieses Buch beschreiben könnte ohne zuviel zu verraten. Aber doch genug, um den ersten Eindruck eines „Frauenbuches“ zu widerlegen. Denn das ist dieses Buch ganz sicher nicht. Ein Freund vermutete nach einer Beschreibung des Buches, dass es um den „Zickenkrieg“ zwischen den Ehefrauen gehen würde. Aber so oberflächlich ist es eben nicht.

Immer wieder treffen hier unterschiedliche Welten aufeinander. Der Islam auf das Christentum. Die Arbeiterklasse auf die wohlhabende Familie. Die konservativen persischen Eltern auf den aufgeschlossenen ausgewanderten Sohn. Der Vater Besitzer einer Schlachterei, der Sohn Vegetarier. Eine Familie der etwas anderen Art auf einen Staat der nichts außerhalb der Norm verstehen oder akzeptieren will. Die Jugend auf das Alter. Der Verlust eines geliebten Menschen auf das Finden des einen wahren Partners. Über alle Konventionen hinweg. Und die Akzeptanz all dessen sowohl in der Familie als auch in der Gesellschaft.

Es werden so viele Themen angesprochen, dass schnell eines davon zu kurz kommen könnte. Aber McCarten schafft es ein gelungenes Gleichgewicht herzustellen. Jedes dieser Themen wird ernst genommen und keines nebensächlich abgetan. Selbst an sich dramatische Szenen gleiten niemals ins kitschige ab. Es ist von Anfang bis Ende spannend, weil es immer wieder neues zu entdecken gibt.

Schon das Buch „Superhero“ gefiel mir unglaublich gut, mit diesem Buch hat McCarten mich davon überzeugt, dass das kein Zufallstreffer war.

Man braucht etwas Zeit für seine Bücher und sollte nicht erwarten, dass sie nur unterhalten. Dafür enthalten sie zuviel Ernst. Aber sie lassen einen auch nicht traurig zurück, sie sind wie das Leben, eine Mischung aus Spaß aus Traurigkeit, wie die Realität eben.

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