Belletristik Besprechungen

Anthony Doerr – Alles Licht, das wir nicht sehen

12. Mai 2015

AllesLicht1

August 1944, das von den Deutschen besetzte Saint-Malo wird von den Amerikanern befreit. Die meisten Bewohner haben sich vor dem Angriff aufs Land gerettet, aber nicht alle. Die blinde Marie-Laure wartet auf dem Dachboden auf die Rückkehr ihres Onkels. Nur wenige Straßen weiter flüchtet der junge deutsche Soldat Werner vor den Bomben in den Keller des Hotels, in dem sie hausen.
Nur vier Jahre zuvor sahen ihre Leben noch so anders aus. Marie-Laure lebte mit ihrem Vater in Paris und genoss die Zeit in dem Museum, in dem er arbeitete. Werner lebte in Essen in einem Waisenhaus, den Vater verlor er an Schacht 9, sobald er 15 Jahre alt wäre, würde er auch in der Zeche arbeiten müssen. Aber seine Begeisterung für Technik eröffnet ihm einen anderen Weg.

Vier Handlungsstränge wechseln sich in „Alles Licht, das wir nicht sehen“ in rascher Folge ab. Die Geschichten von Marie-Laure und Werner werden abwechselnd und im Zeitwechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart in Saint-Malo erzählt. So nähern sie sich langsam aneinander an, berühren sich stellenweise leicht, ohne dass die Protagonisten es ahnen, bevor sie immer weiter aufeinander zustreben.

Die beiden so ganz unterschiedlichen Sichtweisen, unterschiedlicher könnten die Welten einer blinden Französin und eines deutschen Waisenjungen kaum sein, und die schnellen Wechsel lassen die Lektüre nur so dahinfliegen. Dieses eine kurze Kapitel noch, ach eines geht noch… wird hier schnell zu noch fünfzig gelesenen Seiten.

Anthony Doerr beschreibt wunderbar detailliert und mit großem Einfühlungsvermögen, aber ohne sich in unnötigen Details zu verlieren, die Welten von Marie-Laure und Werner. Beide leben für ihre Leidenschaften, Werner für die Technik, Marie-Laure für die Naturwissenschaften, beide mit den Einschränkungen, die das Schicksal ihnen mitgab. Beide beklagen sich nicht und machen das Beste aus ihrer Situation.

Um sie herum tobt der zweite Weltkrieg, der eine macht ihn sich zu Nutze, die andere beteiligt sich an der Resistance. Zwei Welten und doch ein und dieselbe. In einer wunderbaren Sprache beschrieben, die Bilder und Töne ganz von selbst entstehen lässt, denen man sich nicht entziehen kann. Eine Geschichte über Freundschaft und Familienbande, voller lebendiger Charaktere.

„Alles Licht, das wir nicht sehen“ erhielt 2015 den Pulitzer Preis, eine verdiente Auszeichnung für diesen wirklich grandiosen Roman.

"buchhandel.de/

Alles Licht, das wir nicht sehen – Anthony Doerr
Deutsch von Werner Löcher-Lawrence
519 Seiten, btb Verlag
ISBN 9783442749850, 10,99 €
Taschenbuch

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eBook
ISBN 9783406667527, 14,99 €

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1 Kommentar

  • Antworten [Literaturplausch] #17 | Frau Hauptsachebunt 19. Mai 2015 von 20:00

    […] anderen noch eine großartige Rezension von der lieben Simone zu “Alles Licht, das wir nicht sehen” von Anthony Doerr. Solltet ihr das Buch noch immer nicht gekauft haben, dann hoffentlich direkt im […]

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