Besprechungen Phantastik

Andrus Kivirähk – Der Mann, der mit Schlangen sprach

24. Juni 2017

Leemet ist einer der letzten, die noch die Schlangensprache kennen. Einer der letzten, die noch im Wald leben, die meisten sind inzwischen ins Dorf gezogen. Statt sich mit den Tieren des Waldes in der Schlangensprache zu verständigen, bauen sie Getreide an, backen Brot und lernen von Eisenmännern und Mönchen den Glauben an Jesus Christus. Aber Leemet weigert sich, den Wald zu verlassen und die Traditionen zu vergessen. Auch wenn er einiges davon selbst als Aberglaube abtut. Kein leichter Weg für den er sich entscheidet und ziemlich bald ein einsamer Weg.

„Der Mann, der mit Schlangen sprach“ ist keine klassische Fantasy, enthält aber viele phantastische Elemente, wie man sie in Sagen und Märchen häufig findet. Zum Beispiel die Fähigkeit, sich mit Tieren zu verständigen. Elche mit den richtigen Worten dazu zu bringen, sich freiwillig schlachten zu lassen oder auch Menschen mit Giftzähnen und einen Drachen, der erwacht, wenn sich genügend Menschen zusammenfinden, um ihn in der Schlangensprache anzurufen.

Eigentlich erzählt das Buch die Geschichte vieler Kulturen, die verschwanden als sie von anderen Völkern missioniert wurden. Sei es von Christen oder anderen Religionen, altes Wissen ging verloren, Traditionen wurden vergessen und durch neues ersetzt. Wobei sich immer wieder die Frage stellt, ob das wirklich ein Fortschritt war, oder ob dabei nicht viel Wertvolles verloren ging? Schaut man sich an, was frühere Kulturen zustande brachten und wo das Mittelalter uns hinführte, ist die Antwort klar. All das wurde hier verpackt in die Lebensgeschichte eines Mannes, mit vielen Tiefen und ein paar Höhen, mit dem man wirklich nicht tauschen möchte, den man aber für seine Kraft nur bewundern auch. Der aber auch mal unter allem zusammenbrechen darf, was ihn so menschlich macht und dem Leser näher bringt.

„Der Mann, der mit Schlangen sprach“ ist ein estnischer Roman, viele Elemente erscheinen im ersten Moment fremd, gerade das macht ihn aber so faszinierend. Nach dem Lesen bin ich neugierig und würde gerne wissen, ob der Autor bekannte Sagen aus Estland verwendete, oder ob all das seiner eigenen Phantasie entsprang. Ein Buch das besonders ist, sprachlich wie inhaltlich, fernab des Mainstreams. Eine Empfehlung für alle, die in der Welt der Phantastik nach den Perlen suchen.

Der Mann, der mit Schlangen sprach – Andrus Kivirähk
Deutsch von Cornelius Hasselblatt
Hobbit Presse (Klett-Cotta Verlag)

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2 Kommentare

  • Antworten Büchergnom Mimi 29. Juli 2017 von 19:46

    Ich habe das Buch schon ein paar Mal in der Hand gehalten und war mir immer ein wenig unsicher, ob ich’s kaufen soll. Dank deiner Rezi ist es jetzt auf meiner Wunschliste 🙂

    • Antworten Papiergeflüster 29. Juli 2017 von 19:54

      Diese Unsicherheit kenne ich, gerade bei außergewöhnlichen Büchern. Freut mich, dass Dir die Besprechung geholfen hat!

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