Besprechungen Krimis und Thriller

Andreas Pflüger – Endgültig

14. Juli 2016

Endueltig

Aaron ist Polizistin. Früher war sie Teil einer Spezialtruppe, die nur für die ganz besonderen Fälle eingesetzt wurde. Bei einem Einsatz in Barcelona wird sie schwer verletzt, verliert ihr Augenlicht. Aber sie wäre nicht Aaron, wenn sie sich davon unterkriegen lassen würde. Sie kämpft sich in diese für sie neue Welt zurück, wird Fallanalytikerin und Verhörspezialisten beim BKA. Fünf Jahre nach dem Unfall trifft sie ihre alten Kollegen wieder, ein inhaftierter Frauenmörder hat im Gefängnis wieder getötet und besteht darauf, mit ihr zu sprechen. Dass sie damals gegen ihn aussagte, ist nicht der Grund. Schnell erkennt sie, dass er nur ein kleiner Teil eines noch unübersichtlichen Netzes ist, das jemand ganz anderes um sie herum gewoben hat. Jemand, der es auf ihr Leben abgesehen hat, dem die Leben anderer gleichgültig sind. Es ist der Beginn eines perfiden Katz und Maus Spiels.

Hochgelobt wird „Endgültig“, als einer der besten Thriller des Frühjahrs. Ich freute mich auf die Lektüre und ging vielleicht mit zu hohen Erwartungen daran. Er ist spannend, bis zur letzten Seite. Sprachlich auf hohem Niveau, gekonnt aufgebaut, eindeutig saubere Arbeit. Für meinen persönlich Geschmack aber zu viel Drama.

Die ganze Geschichte hätte auch funktioniert, wäre Aaron nicht die blinde Superpolizistin mit Fledermaus-Echolot. Wäre sie damals einfach nur schwer verletzt worden, es hätte ausgereicht. Wie so viele andere dramatische Vorkommnisse, die ich aus Spoilergründen nicht näher erläutere, der Handlung auch nichts an Spannung genommen hätten, hätte man sie einfach weggelassen. Ganz im Gegenteil, für mich hätte das Buch dadurch eindeutig gewonnen. So konnte ich mich vor dem „Ach nein, das auch noch!“ Gefühl irgendwann nicht mehr retten und wollte dann nur noch wissen, wie es ausgeht.

Eigentlich schade für die komplexe Handlung, die wirklich geschickt Stück für Stück enthüllt wird und doch die eine oder andere Überraschung bereithält. Andere fühlten sich dadurch scheinbar nicht gestört, mir persönlich liegen zerbrochene Existenzen als Ermittler aber allgemein nicht so wirklich. Der Fall an sich ist mir bei einem Thriller wichtiger als das Personal, das ihn löst.

"buchhandel.de/

Endgültig – Andreas Pflüger
459 Seiten, Suhrkamp Verlag
ISBN 9783518425213, 19,95 €
Gebunden

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eBook
ISBN 9783518744925, 16,99 €

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2 Kommentare

  • Antworten Silvia 15. Juli 2016 von 08:57

    Deine Einwände kann ich verstehen, aber mich hat das Buch total gepackt. Ich fand es spannend. Total interessant waren für mich auch die Schilderungen wie Aaron mit der Blindheit umging und diese Echosache erklärt wurde.
    Doch andere Meinungen zu einem Buch finde ich immer erfrischend!

    • Antworten Papiergeflüster 15. Juli 2016 von 19:16

      Ich kenne auch sehr viele, die das Buch ganz großartig fanden. Anscheinend bin ich bei Thrillern sehr kritisch, ich mag da einfach nicht alles. Kennst Du “Der Augensammler” von Fitzek? Da spielt eine blinde Physiotherapeutin mit, die unter anderem auch mit Echolot arbeitet. Dort fand ich das realistischer als in “Endgültig”. Auch mit einer sehenden Ermittlerin wäre mir das hier einfach zu viel Drama gewesen, der Ärmsten bleibt ja auch wirklich nichts erspart! Das ist ein Punkt, mit dem man mich ganz gut vergraulen kann. 😉

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