Archiv für 31. August 2011

Jasper Fforde – Grau

Eddie Russett ist ein Roter. Was bedeutet, dass er nur Rot als Farbe erkennen kann, alles andere ist für ihn grau. Nicht jeder sieht die Welt gleich, der Rang in der Gesellschaft hängt davon ab welche Farbe, und wie viel davon, man erkennen kann. Oberstes Ziel bei einer Heirat ist der chromatische Aufstieg, also die Farbwahrnehmung zu verbessern. Eddie ist schon halb einer Oxblood versprochen, die seine Rotwahrnehmung brauchen kann, er nimmt gerne die Bindfadenfabrik, die sie mit in die Ehe bringen würde. Doch dann muss er wegen ungebührlichen Benehmens in die Randzone reisen und dort eine Stuhlzählung vornehmen. Auf dem Weg dorthin wird er Zeuge eines seltsamen Todesfalls und fängt an, sich Gedanken zu machen. Dann lernt er auch noch Jane kennen, eine Graue. Graue können überhaupt keine Farben erkennen und stehen in der Gesellschaft auf der niedrigsten Stufe. Eine solche Verbindung wäre unmöglich. Oder vielleicht doch nicht? Und was hat Jane mit dem verschwinden von wertvollen Farbmustern zu tun? Weiß sie vielleicht etwas über den geheimnisvollen Toten?

„Grau“ ist der erste Band einer neuen Trilogie aus Jasper Ffordes Feder und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten beiden Bände. Wer die Thursday-Next Reihe kennt und mag, wird auch mit diesem ersten Eddie-Russett-Roman viel Spaß haben. Es ist weniger schräg aber genauso intelligent und voller versteckter Anspielungen, zum Beispiel auf „Der Zauberer von Oz“. Allerdings ist dieses Buch ein wenig ernster, eine Dystopie, für die sich der Autor unter anderem durch „1984“ und „Schöne neue Welt“ inspirieren ließ.

Die gesamte Gesellschaft hält sich strikt an die Regeln, die ein gewisser Munsel vor über 500 Jahren aufgestellt hat. So entsteht ein autoritäres Regime, auch wenn die Obrigkeit nicht direkt sichtbar ist. Alles ist ganz genau vorgeschrieben, schon das Nachdenken über eine Änderung der Regeln oder gar ein in Frage stellen derselben bringt Ärger. Und in Frage stellen könnte man so einiges, warum wurde zum Beispiel die Produktion von Löffeln untersagt, so dass diese nun ein begehrtes Objekt sind?

Eddie ist sich zu Beginn des Romans über vieles selbst nicht bewusst. Er ist in diese Welt geboren worden und mit den Regeln aufgewachsen, sie sind selbstverständlich für ihn. Jane öffnet ihm die Augen. Und mit ihm lernt auch der Leser diese Welt erst wirklich kennen. Das macht den Roman so spannend, diese seltsame und geheimnisvolle Welt nach und nach zu entdecken, hinter die Kulissen zu schauen.

Jasper Fforde hat mit „Grau“ mal wieder bewiesen, wie unglaublich gut er mit Worten umgehen, Welten bauen und Geschichten spinnen kann. Ich schließe mich einfach Terry Pratchett an, der zu diesem Roman meinte „Genial!“.

Grau – Jasper Fforde
496 Seiten, Eichborn
ISBN 9783821861401, 19,95 €
Hardcover

Patrick Ness, Siobhan Dowd – Sieben Minuten nach Mitternacht

Nacht für Nacht wird Conor vom immer gleichen Albtraum geplagt. Jede Nacht, seit seine Mutter schwer an Krebs erkrankt ist. Sieben Minuten nach Mitternacht erwacht Conor aus diesem Albtraum, und landet gleich im nächsten. Ein Monster steht im Garten und fordert, dass Conor ihm zuhört. Drei Geschichten will es ihm erzählen. Die vierte Geschichte muss Conor selbst erzählen. Es muss die Wahrheit sein. Eine Wahrheit, die Conor sich selbst nicht einzugestehen traut. Die er niemals laut aussprechen könnte.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist eine wunderbare und unglaublich traurige Geschichte. Eine Geschichte über das Loslassen eines geliebten Menschen. Peter Ness und Siobhan Dowd berühren den Leser mit diesem Buch an Stellen, die auch die meisten von uns gut verstecken. Wer bei diesem Buch keine Träne vergießt, hatte das Glück, noch nie einen geliebten Menschen verlieren zu müssen. Conor ist dem Leser so nahe, dass man gar nicht anders kann als mit ihm mit zu fühlen. Seine Wut, seinen Schmerz, seine Einsamkeit.

Vertieft werden all diese Emotionen durch die ausdrucksstarken und düsteren Illustrationen. Sie stehen nicht nur neben dem Text, sie vermischen sich mit ihm. Bilder und Worte sind eine Einheit, die den Leser mitreißt.

Dieses Buch hat mich berührt, wie schon lange kein anderes mehr. Es ist ein Buch für jedes Alter, weshalb ich die Entscheidung, das Buch einmal in einer Jugendbuch-Ausgabe und einmal in einer Erwachsenen-Ausgabe heraus zu bringen, sehr gut finde. So findet es mehr Leser und die hat es verdient. Für mich ist es der Buchtipp im Herbstprogramm 2011. Für alle, die vor den dunklen Seiten des Lebens nicht die Augen verschließen sondern bereit sind, die Wahrheit zu sehen.

Patrick Ness, Siobhan Dowd – Sieben Minuten nach Mitternacht

215 Seiten, Goldmann

ISBN 9783570153741, 16,99 €

Illustriertes Hardcover

Elizabeth George – Denn Dein ist die Sünde

Auch wenn der Titel nach einem klassischen George-Krimi klingt, ist hier nur ein Stückchen Original Elizabeth George enthalten. „Denn Dein ist die Sünde“ ist eine Sammlung an Krimikurzgeschichten von verschiedenen Autorinnen, wobei viele von ihnen durch die Schule von Frau George gingen. Natürlich hat sie selbst aber auch eine Geschichte beigetragen.

Gemeinsam ist allen Geschichten das Grundthema: Wollust und Habgier. Zwei der sieben Todsünden wurden als Tatmotive für diese Geschichten ausgewählt. Jede Autorin hat etwas ganz eigenes daraus gemacht.

Wie meist in Kurzgeschichten-Sammlungen, gefallen nicht alle Geschichten gleich gut. Aber zumindest gut hat mir jede gefallen. Gleich die erste fand ich eher durchschnittlich gut und als Appetizer nicht perfekt geeignet. Aber wer hier noch nicht aufgibt, wird mit der einen oder anderen Perle belohnt. Zum Beispiel „Die Geigerin“ von Wendy Hornsby. Aber auch die Autorinnen, die in diesem Band ihre erste Veröffentlichung haben, müssen sich nicht hinter den schon bekannteren verstecken.

„Denn Dein ist die Sünde“ ist eine spannende Auswahl an kurzen Kriminalgeschichten, perfekt um vor dem Schlafengehen noch schnell einen Mini-Krimi zu genießen.

Denn Dein ist die Sünde – Elizabeth George
544 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312474, 17,99 €

Es wird wild

Auch bei den “Albae” von Markus Heitz geht es nicht sehr friedlich zu. Aber ich mache jetzt noch einen kleinen Ausflug in die Wildnis in Afrika im Jahr 1900. Gina Mayer hat ein neues Buch geschrieben, diesmal ein Jugendroman. “Die Wildnis in mir” erzählt von der 16jährigen Henrietta, die mit ihrer Mutter nach Afrika auswandert.

Schon nach den ersten Seiten ist mir Henrietta sehr sympathisch und ans Herz gewachsen. Auch wenn sie mich mit ihrer Handlungsweise manchmal an das verwöhnte Nesthäkchen erinnert. Verwöhnt ist Henrietta allerdings beileibe nicht, seit ihr Vater starb leben sie und ihre Mutter in Armut. In Afrika erhoffen sie sich ein neues und besseres Leben.

Auch wenn es als Jugendbuch bezeichnet wird und die Protagonistin gerade mal 16 ist, würde ich das Buch auch Erwachsenen empfehlen. Der Schreibstil passt für beide Lesergruppen gleichermaßen.

Oliver Dierssen – Fausto (Hörbuch)

Joschel sitzt in der Schule aus gutem Grund meist in der letzten Reihe. Weit weg von den Strebern der 9c. Rechtschreibung ist ihm ein Gräuel, Aufsätze für ihn Folterwerkzeuge. Doch eines Tages taucht ein perfekter Aufsatz in seinem Heft auf. Nur Joschel findet bald heraus, dass dafür ein Bücherdämon namens Fausto Flamingo Esteban die Rioja verantwortlich ist. Hilfe bei den Hausaufgaben im Tausch gegen Rechtschreibfehler klingt zu gut um wahr zu sein. Ist es auch, schon bald gibt es ein paar große Probleme mit dem kleinen Dämon.

„Fausto“ ist ein Buch, das so richtig Spaß macht. Ich hatte es vor ein paar Monaten schon gelesen, jetzt noch einmal gehört. Dabei habe ich etliche Anspielungen entdeckt, die mir beim ersten Genuss entgangen waren. Jugendliche werden sich verstanden fühlen, Joschel hat eben einfach ihre Probleme. Pickel die immer dann auftauchen, wenn man sie so gar nicht brauchen kann, eine nervige Mutter und in der Schule ist es auch alles andere als einfach mit den Mitschülern. Der kleine Dämon Fausto setzt dem ganzen dann noch das I-Tüpfelchen auf. Dierssen erzählt mit viel Humor und lässt die Charaktere mit Wortwitz und Charme agieren. Selbst beim zweiten Mal habe ich mich köstlich amüsiert.

Das könnte aber auch an der Stimme des Sprechers gelegen haben, in diesem Fall niemand geringerer als Oliver Dierssen selbst. Nachdem mein erster Versuch eines vom Autor selbst gelesenen Hörbuchs mit Mark Benecke ziemlich daneben ging, war ich skeptisch. Aber ganz umsonst, hier liest der Autor so toll und passend, dass der Spaßfaktor noch mal gesteigert wird. Wer sonst, als der Autor selbst, könnte seine Figuren besser so darstellen, wie er sie geschrieben hat? Nicht jeder, der gut schreiben kann, kann auch gut lesen. Oliver Dierssen kann glücklicherweise aber beides.

Heraus kam ein Hörbuch, das ich nur unter großer Selbstbeherrschung im Bus hören konnte. Peinliche Lachanfälle wurden nur knapp verhindert. Das breite Grinsen konnte ich mir aber nicht immer verkneifen. Hörbuchtipp für ein paar letzte Sommerstunden am See mit Lachgarantie.

Hörbuch

Fausto
Autor Oliver Dierssen
Sprecher Oliver Dierssen
Länge 10 Stunden 2 Minuten (ungekürzt)
Genre: Jugend-Hörbücher

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 20,95 €)

Ursula Poznanski – Erebos

Nick beobachtet seit kurzem immer wieder, wie geheimnisvolle CDs an der Schule weitergegeben werden. Doch niemand will ihm sagen, was es damit auf sich hat. Sein bester Freund ist plötzlich kaum noch ansprechbar, schwänzt die Schule und sieht eindeutig übernächtigt aus. Dann endlich ist es so weit, auch er bekommt eine der CDs. Er muss versprechen, mit niemandem darüber zu reden. Denn Erebos ist mehr als nur ein Computerspiel. Es kennt seine Spieler, es zieht sie in seinen Bann und stellt auch Aufgaben im realen Leben. Jeder hat nur eine Chance es zu spielen. Nick erliegt ihm ebenso wie seine Freunde, bis es von ihm verlangt, einen Menschen zu töten. Er muss sich entscheiden…

„Erebos“ vermittelt dem Leser sehr gekonnt die Welt der Computerspiele. Wer selbst nie ein Rollenspiel gespielt hat, dem werden die zwischenzeitlich sehr ausführlichen Szenen im Spiel vielleicht etwas zu lang sein. Da ich selbst schon etliche Stunden als Held verschiedene Quests erfüllt habe, hatte ich an diesen Stellen im Buch sehr viel Spaß. Aber „Erebos“ bietet natürlich sehr viel mehr als Szenenbeschreibungen einen Fantasy-Rollenspiels. Schnell wird klar, dass Erebos ein Ziel verfolgt. Die Frage ist nur welches. Würde das Spiel wirklich über Leichen gehen?

Natürlich kommt auch das Thema Sucht bei Online-Rollenspielen zur Sprache. Die Sorge des Spielers, etwas verpassen zu können, wenn er im falschen Moment offline ist. Spieler werden hier aber nicht grundsätzlich verteufelt, nicht jeder läuft Amok, der gerne mal stundenlang am Rechner sitzt. Hier wird deutlich gemacht, dass dazu viel mehr gehört und es immer auf den einzelnen Menschen ankommt.

Ein spannendes Buch zu einer immer wieder aktuellen Thematik, das mit seinen realistischen Schilderungen gerade Spieler zu fesseln vermag. Nicht-Spieler werden dank der spannenden Thrillerhandlung aber ebenso viel Spaß damit haben.

Erebos – U. Poznanski
486 Seiten, Loewe
ISBN 9783785573617, 9,95 €
Taschenbuch

Annette Birschel – Mordsgouda

Heute mal eine Gastrezension. Hazamel hat sich das Buch von meinem SUB geschnappt und vor mir gelesen. Und rezensiert. Nachdem ich es dann auch lesen durfte, schloss ich mich seiner Meinung vorbehaltlos an. Also haben wir Buch gegen Rezension getauscht, hier ist seine Meinung zu “Mordsgouda”:

Annette war zufrieden mit ihrem Journalisten-Job in Genf. Bis sie in Australien “ihren Friesen” kennenlernte und der Liebe wegen als Deutsche nach Amsterdam zog.
Die Liebe ging, aber Annette blieb… und war damit nicht allein. Ihre Freundinnen vom Deutschen Stammtisch haben ähnliche Schicksale hinter sich. Sie scheinen auch bei weitem keine Einzelfälle zu sein, wie Annette bei ihrer Recherche bald feststellen muss. Sie wittert eine Story und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Mentalität der Niederländer…

In wie weit die Erlebnisse der Autorin Annette Birschel autobiografisch sind, kann man als Leser natürlich nur erahnen, zumindest steht fest, dass sie Journalistin ist und schon in Amsterdam gelebt hat. Für die Geschichte, die sie erzählt, ist das auch nicht weiter wichtig.

Birschel wirft mit ihrem Alter Ego einen respektvollen Blick auf unsere Nachbarn im Westen. Das ein oder andere Vorurteil und Klischee das Deutsche gerne gegenüber Niederländern haben kommt zwar zur Sprache, wird aber schnell in den richtigen Kontext gebracht. So kommen unter anderem die Liebe zum Käse, den Wohnwagen und ihre Königsfamilie zur Sprache. Und auch um das Thema Fussball lässt sich, im 2010 spielenden Buch, natürlich kein Bogen machen.
Die Geschichte rund um die Heirats- und Migrationsproblematik dient dabei nur als lose Rahmenhandlung um den Leser durch die Kultur und Denkweise der Niederländer zu führen. Niemals von oben herab oder nüchtern erzählt, sondern direkt aus dem Leben gegriffen und ins eigene Leben verwoben.
Einzig der Schluss kommt etwas überraschend und wirkt auch etwas zu gewollt, als dass ich das Buch als eine von vorne bis hinten runde Sache bezeichnen würde.

Mit knapp 240 Seiten empfiehlt sich das Buch geradezu als leichte Sommerlektüre für eine Zugfahrt, einen Tag am Strand oder eben einen verregneten Sommertag im Sessel zu Hause, der einen mal so in die Ferne schweifen lässt.
Es ist auf jeden Fall meine Sommerlochbuch-Empfehlung dieses Jahres

Mordsgouda - Annette Birschel
256 Seiten, Ullstein Taschenbuch
ISBN: 978-3548282015, 8,99 €

Ziemlich fantastisch

Unfantastisch im Sinne des Genres war meine Bus- und Pausenlektüre, nämlich “Alles inklusive” von Doris Dörrie. Fantastisch im Sinne von “ich hatte viel Spaß damit” war sie aber alle mal. Es war mein erstes Buch dieser Autorin, aber sicher nicht das letzte.

“Die letzten Gerechten” von Paul Hoffman gehören zur Fantasy, fand ich aber nicht wirklich fantastisch. Nach 200 Seiten habe ich jetzt aufgegeben. Der erste Band, “Die linke Hand Gottes”, hatte mich schon nicht vollständig überzeugt. Die Fortsetzung begann zwar sehr gut, ließ aber leider auch schnell wieder nach. Es sind viele gute Ideen drin, aber dazwischen auch zuviele lange und zähe Stellen. Wirklich genervt hat mich die Verwendung bekannter Städte- und Ländernamen, aber nicht in der bekannten geographischen Lage. Oder kann man seit neuestem den Rhein von Frankfurt aus hoch fahren um nach Spanien zu gelangen? In diesem Buch schon. Aber ohne mich.

Statt dessen gibt es jetzt endlich den lange erwarteten zweiten Band der Albae “Vernichtender Hass” von Markus Heitz. Mit den Büchern von Mahet hatte ich bisher noch immer viel Spaß, das wird sicher auch dieses Mal nicht anders sein. Erst Recht, nachdem uns versprochen wurde, dass dieses Buch nicht mehr zu “milde” für Albae sei. Der erste Band war ein wenig zu zahm, im Vergleich zu dem, wie man die beiden in “Die Zwerge” kennen gelernt hatte. Oder ich bin inzwischen zu abgehärtet von seinen Büchern. ;)

Max Goldt in Würzburg

© Billy + Hells

Am 7. November 2011 liest der beliebte Schriftsteller, Musiker und Kleist-Preisträger Max Goldt um 20.00 Uhr im Würzburger Luisengarten. Unter anderem aus seinem neuesten Werk “Gattin aus Holzabfällen – Mit Text versehene Bilder”.

Max Goldt testet auf seinen Lesungen gerne auch unveröffentlichte, sich noch in Arbeit befindliche Texte und stellt sein Programm spontan zusammen. Der mit Wortwitz, hoher sprachlicher Eleganz, Ironie und der “Kunst der Abschweifung” ausgestattete Autor liest im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Literatur deluxe”. Als Max Goldt im Jahr 2009 in Würzburg auftrat, waren die Karten sehr schnell vergriffen.

Karten für die Veranstaltung gibt es ab sofort in der Tourist Information im Falkenhaus, Tel: (0931) 37 23 98.


Paul Hoffman – Die linke Hand Gottes

Cale wächst in einem Kloster des Erlöserordens auf. Von einem Leben vor der Klosterzeit weiß er nichts mehr. Er kennt nur den Namen, den die Mönche ihm gaben: Thomas Cale. Und auch nur den Drill, dem sie hier alle tagtäglich ausgesetzt sind. Denn die Jungen sollen zu Kämpfern ausgebildet werden. Nicht alle überleben das harte Training mit vielen Entbehrungen und noch mehr Gewalt. Aber Cale ist stark. Doch eines Tages beobachtet er etwas ungeheuerliches, handelt unüberlegt und hat keine andere Wahl mehr als die Flucht aus dem Kloster. Noch nie ist es jemandem gelungen, den Suchtrupps der Erlösermönchen für immer zu entkommen. Wird es Cale gelingen?

„Die linke Hand Gottes“ ist der erste Band einer Trilogie. Mit der Welt hatte ich an manchen Stellen so meine Probleme. So werden Städtenamen aus unserer Welt verwendet, aber die Lage der Städte kann nicht mit den mir bekannten übereinstimmen. Immer wieder tauchen Begriffe aus unserer Welt auf, wie Hugenotten und Lollarden. Der Erlöser-Glauben hat deutliche Parallelen zum Christentum. Und dennoch ist es eine ganz andere Welt. Solche Mischungen liegen mir nicht unbedingt. Anspielungen auf bekannte Glaubensarten und ähnliches gerne. Aber die Verwendung bekannter Namen mit anderer Bedeutung sollte einem deutlichen Zweck dienen, den ich hier noch nicht erkannt habe. So wirkt es eher unkreativ. Warum einen neuen Städtenamen ausdenken, wenn ich sie auch einfach Memphis oder York nennen kann?

Trotz dieses kleinen Ärgerpunktes hat mich das Buch gefesselt. Cale ist ein spannender Charakter. Zu einer Tötungsmaschine erzogen, gnadenlos, aber doch nicht ohne Herz. Das beweist er immer wieder. Auch die Materazzi als Herrscher in Memphis und ihre Gesellschaftsstruktur haben mich fasziniert. Dass der Schreibstil nicht immer besonders flüssig wirkt, liegt wahrscheinlich an der Übersetzung.

„Die linke Hand Gottes“ ist richtig schöne epische Fantasy, die noch viel Raum für weitere Entwicklungen bietet. Ich bin gespannt wie es im nächsten Band, „Die letzten Gerechten“, weiter geht. Vielleicht wird dort ja auch noch das ein oder andere Rätsel aus diesem Band gelöst.

Die linke Hand Gottes – Paul Hoffmann
478 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312320, 17,95 €