Archiv für 31. März 2011

Mit den Ohren in den Sternen

Nachdem ich jetzt wieder arbeite und viel Zeit im Bus verbringe, komme ich auch mit dem aktuellen Hörbuch gut voran. Sergej Lukianenko begleitet mich mit “Sternenspiel”. Das sind gleich zwei Premieren für mich, zum einen ist es mein erstes Science-Fiction Hörbuch, zum anderen mit 15 Stunden mein bisher längstes Hörbuch.

Science-Fiction lässt sich auch gut hören, aber die Länge gibt mir etwas zu denken. War Lukianenko in den Wächter-Romanen auch schon so detailverliebt? Habe ich das dort nur nicht mitbekommen, einfach überlesen, oder vielleicht sogar genossen? Im Hörbuch stört es mich ab und an, und ich kommentiere so manche Stelle innerlich mit “die hätte man auch wegkürzen können”. Das kommt davon, wenn man die ungekürzte Version hört. ;)

Lena Ullrich & Giovanni Rigano – Tausend Tode, Sterben will gelernt sein

Sterben ist gar nicht so einfach, wie es manchmal scheint. In diesem kleinen Büchlein wird mit so manchem Mythos aufgeräumt. Zum Beispiel dem tödlichen Hunger von Piranhas auf Menschenfleisch, oder der todbringenden Wirkung von Fliegenpilzen.

Die Autorin hat eine Reihe humorvoller kleiner Texte zu diesem Thema geschrieben. Illustriert wurden sie von Giovanni Rigano, der unter anderem auch als Illustrator an Tim Burtons „Alice im Wunderland“ mitgewirkt hat. Es lohnt sich, die Zeichnungen etwas genauer anzuschauen. Viele kleine Details zeigen, mit wie viel Spaß der Zeichner die Themen umgesetzt hat. Selbst an den Seitenzahlen finden sich tolle kleine Illustrationen.

Ein schönes kleines Büchlein für alle, die mit schwarzem Humor umgehen können und liebevoll gestaltete Bücher zu schätzen wissen.

Tausend Tode, Sterben will gelernt sein – Lena Ullrich & Giovanni Rigano
95 Seiten, Oetinger
ISBN 9783789184390, 8,95 €
Hardcover

Messe-Ausbeute

Nachdem ich vier Tage lang von Unmengen fantastischer Lektüre umgeben war, konnte ich natürlich nicht ganz ohne Buch wieder aus Leipzig zurück kommen. Zum Glück dachte ich noch bis zur Abfahrt, dass ich einen Teil des Heimwegs mit dem Zug zurück legen müsste. Hätte ich da schon gewusst, dass ich bis zur Haustür gefahren werde und sogar noch Tragehilfe gehabt hätte, würden meine SUB-Stapel sich jetzt wahrscheinlich schon bedrohlich biegen. So sind dann doch nur drei neue Bücher eingezogen.

Neu im Hause Papiergeflüster sind “Das Wörterbuch des Viktor Vau” von Gerd Ruebenstrunk, “Interworld” von Neil Gaiman und “Salzträume I” von Ju Honisch.

Um “Das Wörterbuch des Viktor Vau” bin ich schon eine ganze Weile herum geschlichen. Auf der Messe wurde ich dann schwach. Leider habe ich es verpasst, mir eine Signatur abzuholen. Aber “Salzträume I” wurde von Ju Honisch signiert. “Interworld” von Neil Gaiman kannte ich bisher noch gar nicht, obwohl ich seine Bücher sehr gerne lese. Ein kurzer Blick in die Rezensionen zu dem Buch erklärt das, ich hatte es wohl immer gleich als uninteressant abgehakt und wieder verdrängt. Es muss ziemlich schlecht sein. Aber auch dann vervollständigt es meine Gaiman Sammlung und ich bereue nichts. ;)

Die Wunschliste ist natürlich auch um einiges gewachsen. Zum Beispiel hat mich “Ravinia” von Thilo Corzilius immer wieder angelacht, ebenso “Die Bürde des Blutes” von Sarah Pinborough. “Der Clan der Vampire”von Lena Meydan begeistert mich noch immer dank seines wunderschönen und schlichten Covers. Ich muss noch heraus finden, ob der Inhalt zu romantisch für mich ist oder ob es um echte, also bissige, Vampire geht. Das ist nur die Spitze der langen Liste mit Titeln, die sich im Hinterkopf fest gesetzt hat. Mal sehen, was davon in den nächsten Monaten den Weg in meine Regale finden wird.

Zurück im Tal

Nachdem ich letzte Woche so gut wie gar nicht gelesen hatte, schlafen war einfach wichtiger, habe ich jetzt mal eben ein Buch auf ex weggelesen. “Die Prophezeiung” von Krystyna Kuhn, Teil 4 von Season 1, war dafür aber auch wie gemacht.

Die ersten Bände der Reihe waren schon so gut, dass ich mir vom vierten viel versprach. Und ich wurde nicht enttäuscht, die Rezension folgt demnächst. Ich bin beeindruckt, wie sie einerseits die Season abschloss, aber trotzdem einen Cliffhanger für Season 2 einbaute, der sich gewaschen hat. Man sollte eigentlich warten, bis alle Bände erschienen sind. Aber soviel Beherrschung besitze ich nicht. ;)

Natasa Dragnic – Jeden Tag, jede Stunde

Im kroatischen Fischerort Makarska lernen sich Dora und Luka schon im Kindergarten kennen. Fortan kann sie nichts mehr trennen, fast nichts. Als Doras Eltern beschließen nach Paris zu ziehen, sind beide untröstlich. Durch einen Zufall treffen die beiden sich 16 Jahre später in Paris wieder und wissen sofort, dass sie füreinander bestimmt sind. Jetzt soll wirklich nichts sie mehr trennen können. Doch wieder hat das Schicksal andere Pläne und die beiden haben einen langen Weg vor sich.

„Jeden Tag, jede Stunde“ ist eine wunderschöne Liebesgeschichte. Tragisch, aber nicht kitschig. In einer wunderschönen Sprache aufs Papier gebracht. Oft melancholisch, die beiden haben es aber auch wirklich nicht leicht. Die ab und an vorkommenden Textwiederholungen haben nicht gestört, sondern sehr passend die Verbundenheit zwischen den beiden gezeigt. Auch wenn sie viele Kilometer trennen, so denken und fühlen sie doch oft dasselbe.

Zwei die sich suchen und nicht finden klingt nach Standardgeschichte, alles schon zigmal da gewesen. Natasa Dragnic schafft es aber, den Leser so sehr mit einzubeziehen, dass er mit den beiden leidet wie ein Hund, ohne dabei je pathetisch zu werden. Große Gefühle auf dem schmalen Grat zum Kitsch, viele Autoren setzen hier mal einen Schritt daneben, nicht so Natasa Dragnic. Manchmal ist das Leben einfach unberechenbar wie das Meer. Es wirft einen mal hier hin, mal dort hin, man kann nur wenig gegen seine Kräfte ausrichten.

Ein wunderbares Buch, das hoffentlich in diesem Jahr viele Menschen in den Urlaub begleiten darf. Wer die Möglichkeit hat, sollte es am Meer lesen, das für Dora und Luka immer wieder eine wichtige Rolle spielt.

Jeden Tag, jede Stunde – Natasa Dragnic
278 Seiten, DVA
ISBN 9783421045164, 19,99 €
Hardcover

Bernd Perplies – Gegen die Zeit, Magierdämmerung II

„Gegen die Zeit“ ist der zweite Band der Trilogie „Magierdämmerung“. Wellington hat den Silbernen Kreis gesprengt, wer nicht auf seiner Seite steht, landet im Kerker. Dort läuft den Inhaftierten die Zeit davon. Der Neu-Magier Jonathan muss in schnellster Zeit lernen, seine Kräfte einzusetzen. Alle gemeinsam müssen sie die Wahre Quelle der Magie schließen, sonst wird Entsetzliches geschehen. Können sie sich aus Wellingtons Gefangenschaft befreien und ihn aufhalten?

Dass „Gegen die Zeit“ der Mittelteil einer Reihe ist merkt man kaum. Von den ersten Seiten an steckt man sofort wieder mitten im Geschehen. Ein paar kleine Erinnerungshilfen lassen den Leser das Gefühl haben, den ersten Band gerade erst zur Seite gelegt zu haben. Es gibt die typischen Erklärungen und Vertiefungen, die man meistens im zweiten Band einer Reihe findet. Langweilig wird einem dabei aber nicht, dafür ist die hier verwendete Magieform einfach zu interessant. Die „Faden-Magie“ begeistert mich immer wieder aufs Neue, der Autor spielt famos mit dieser Art der Magie und erklärt gerade zu logisch das eigentlich Unmögliche.

Die Steampunk-Note lässt den Roman noch mehr an Farbe gewinnen. Ein monströser Magier, dessen Gestalt aus der Verschmelzung seines menschlichen Körpers mit einem altmodischen Taucheranzug entstanden ist, fand ich schon eine tolle Idee. Hier erfährt der Leser aber auch, was mit dem Tauchboot und seiner bemitleidenswerten Besatzung geschah, als sie der magischen Quelle zu nahe kamen. Man mag es sich gar nicht näher vorstellen, bekommt aber ziemlich tiefe Einblicke in dieses grausame Schicksal.

Wem der erste Band der Reihe „Für die Krone“ gefallen hat, der wird den zweiten Band lieben. Auch wenn das Warten auf das Finale „In den Abgrund“ danach ziemlich schwer fällt. Zum Glück ist es nicht mehr all zu lange bis September.

Gegen die Zeit, Magierdämmerung II – Bernd Perplies
424 Seiten, LYX
ISBN 9783802582653, 12,95 €

Stephen Kelman – Pigeon English

Harri Opoku ist erst vor kurzem mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Ghana nach London gekommen. Hier leben sie in einer Sozialwohnung, die Sitten auf der Straße und in der Schule sind hart. Harri liebt die Tauben, träumt davon sich durch das gesamte Harribo-Sortiment durch zu naschen und ist der schnellste Läufer seines Jahrgangs. Vor der Realität kann er aber nicht lange davon laufen. Als auf der Straße ein Junge erstochen wird, beginnt er zu ermitteln. Wer den Mund hält, wer mitmacht ohne zu fragen, der gehört dazu. Doch will Harri dazu gehören? Er ist anders. Doch anders sein ist in dieser Welt gefährlich.

Stephen Kelman bringt dem Leser in „Pigeon English“ die Welt der Straßengangs etwas näher. Anfangs hatte ich ein wenig Probleme mit dem Schreibstil, da ich „Alder, ichschwör ey…“ schon in öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer ertrage. Da die Geschichte aus der Sicht und daher auch in der Sprache Harris erzählt wird, kommt „Ichschwör!“ ziemlich oft vor. Nachdem ich meine Abneigung gegen diese Redewendung überwunden hatte, passte es auch sehr gut. Durch die Sprache wird einem die ganze Art der Jugendlichen näher gebracht.

Nach der Lektüre von „Pigeon English“ kann ich etwas besser nachvollziehen, wie es sein muss, in so einer Gegend aufzuwachsen. Wie wenig Möglichkeiten die Jugendlichen haben, sich vor dem Leben in einer Gang zu schützen. Die sicherste Möglichkeit zu überleben ist mit zu machen, auch wenn es gegen die eigenen Grundsätze verstößt. Harri sieht diese Welt mit der Naivität eines Elfjährigen, was seine Erlebnisse umso realistischer wirken lässt.

Dieses Buch hat mich sehr bewegt, auch nach der letzten Seite denke ich noch oft an Harri zurück. Ein Roman, den ich nicht jedem empfehlen würde. Aber all jenen, die bereit sind einen Blick in diese fremde Welt zu riskieren, die sich in jeder Großstadt findet. Oft nicht weit entfernt von der eigenen Haustür.

Pigeon English – Stephen Kelman
298 Seiten, Berlin Verlag
ISBN 9783827009753, 19,90 €
Hardcover

Leipziger Buchmesse 2011

Heute geht sie los, die Leipziger Buchmesse 2011. Bis einschließlich Sonntag können hier Leseratten und Buchbegeisterte in die Welt der Bücher abtauchen. Neben den vielen Verlagsständen gibt es allerhand Veranstaltungen, nicht nur auf der Messe, auch in Leipzig selbst. Eine Übersicht der Veranstaltungen findet ihr auf der Seite “Leipzig liest”.

Für Fantasy-Liebhaber gibt es auf der Messe auch dieses Jahr wieder die Fantasy-Leseinsel und den Lesetreff mit vielen fantastischen Lesungen. Eine Übersicht der Lesungen findet ihr hier. Die Fantasy-Leseinsel wird wieder von WerkZeugs betreut, die neben den Büchern, die ihr euch hier nach den Lesungen auch gleich signieren lassen könnt, auch einiges an Merchandising Produkten anbieten.

Ich wünsche allen, die die Leipziger Buchmesse besuchen, viel Spaß! Dieses Jahr werde ich zum ersten Mal auch dabei sein. Wer neugierig ist und gerne mal wissen würde, wer hier bloggt, schaut doch mal auf der Fantasy-Leseinsel vorbei. Dort darf ich den WerkZeuglern helfen und würde mich freuen, ein paar von euch kennen zu lernen. :)

Elf untote Leben

Zwei dünne Bücher begleiten mich in den nächsten Tagen. Ob ich überhaupt zum lesen komme, wird sich noch zeigen. Zum einen kommt “Elf Leben” von Mark Watson mit. Von dem hat mich der Klappentext überzeugt, der behauptet, wem David Nicholls’ “Zwei an einem Tag” gefallen hat, der würde auch dieses Buch mögen. Da “Zwei an einem Tag” mir unglaublich gut gefallen hat, musste “Elf Leben” jetzt getestet werden. Es handelt von einem Londoner Nachtmoderator, der sich Nacht für Nacht die Geschichten verzweifelter Menschen anhört.

Als mit Sicherheit gutes Buch kommt mein Challenge-Buch mit, dass ich noch immer nicht beendet habe, “Dead until Dark” von Charlaine Harris.

Für die Ohren gibt es natürlich auch Futter, “Sternenspiel” von Sergej Lukianenko wurde frisch auf den MP3 Player geladen. Mein erstes Science-Fiction Hörbuch und das erste Hörbuch, mit einer Länge von 15 Stunden. Daran werde ich wahrscheinlich eine Weile hören.

Sara Grant – Neva

Nevas Welt ist klein. Abgeschottet von einer Energiekuppel, angeblich als Schutz gegen die vergiftete Außenwelt, nur mit dem Wissen, dass die Regierung ihnen erlaubt. Wer Fragen stellt, verschwindet spurlos. Auch Nevas Großmutter verschwand eines Tages. Das Leben in Heimatland wird immer schwieriger. Die Ressourcen gehen zu Ende, auch Recycling funktioniert nicht ewig. Der Genpool ist zu klein, schon sehen sich die meisten Bewohner sehr ähnlich. Auch gesundheitliche Probleme nehmen zu. Neva und ihre beste Freundin Sanna wollen das alles nicht einfach hinnehmen. Sie wollen nicht glauben, was ihnen erzählt wird, sie wollen handeln.

„Neva“ ist ein klassische Dystopie. Seit den „Tributen von Panem“ scheint diese Textform im Jugendbuch wieder beliebt zu werden. Die Welt, wie wir sie kennen, verschwindet. Machtmissbrauch und Massenmanipulation sind an der Tagesordnung. Einige wenige bestimmen, wie alle zu leben haben, stellen strenge Regeln auf und greifen hart durch, sollte jemand wagen sich zu widersetzen. Doch gerade Jugendliche haben einen Hang zum Widerstand, lehnen sich nur zu gerne gegen Regeln auf. Das geschieht auch hier.

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Was wäre wenn sich wirklich ein Land entscheiden würde, alle Grenzen dicht zu machen. Wie würde ich mich verhalten, wenn ich in solch einer Gesellschaft aufwachsen würde. Hätte ich den Mut zum Widerstand, auch wenn es mich das Leben kosten kann?

Sara Grant schafft es, ein ernstes Thema so zu verpacken, dass man das Buch am Stück durchlesen könnte. Die Spannung ist durchgehend hoch, immer wieder entdeckt man neue interessante Facetten dieser Welt. Die unumgängliche Liebesgeschichte nimmt zwar relativ viel Raum ein, tritt aber nicht in den Vordergrund und der Kitschlevel bleibt niedrig.

Eine düstere Fiktion einer möglichen Zukunft, die einen noch eine ganze Weile nach der letzten Seite nicht los lässt. Das wunderschön gestaltete Cover hatte mich verführt, wie so oft bei den Titeln des PAN-Verlags. Aber auch der Inhalt enttäuscht nicht, auch erwachsene Leser dürfen getrost zugreifen.

Neva – Sara Grant
349 Seiten, PAN Verlag
ISBN 9783426283486, 16,99 €
Hardcover