Archiv für 27. Februar 2011

Verdorben

Nach der vielen Fantasy in letzter Zeit war mir mal wieder nach einem Krimi. Auf dem SUB lag “Verderbnis” von Mo Hayder. Das Cover hat gelockt, ich finde es wunderschön und es hebt sich auf dem Krimitisch positiv vom Rest ab. Wahrscheinlich wurde auch die Biologin in mir ein wenig angestupst. Bisher hatte ich noch nichts von Mo Hayder gelesen, das sollte sich jetzt ändern.

Ein Auto wird gestohlen, mit einem Kind auf dem Rücksitz. Die Polizei geht von einem Versehen aus und hofft, dass der Autodieb das Kind bald irgendwo absetzt. Aber dem ist nicht so. Bald stellt sich heraus, dass dies nicht das erste entführte Kind ist und auch nicht das letzte bleiben soll. Die Jagd auf den Entführer beginnt.

Die ersten Seiten haben mich leider nicht wirklich gefesselt. Es liest sich bisher ganz gut, aber die Spannung fehlt noch. Den ersten Fehler (Person die gerade vor die Tür gegangen ist beteiligt sich plötzlich wieder am Gespräch) habe ich auch schon gefunden. Was das angeht bin ich ziemlich empfindlich, wenn solche Sachen gleich auf den ersten Seiten auftreten, kann mir das den Spaß an einem Buch verderben. Aber vielleicht bleibt es ja der letzte Fehler. Ein paar Seiten gebe ich ihm noch, auf dem SUB warten allerdings so viele Bücher die wahrscheinlich richtig gut sind, dass ich schnell in Versuchung gerate ein anderes Buch zu lesen.

Christoph Lode – Die Stadt der Seelen, Pandaemonia II

Liam ist im Pandaemonium gelandet. Ein Reich voller Dämonen und verdammter Seelen, die ihn um seinen sterblichen Körper beneiden. Während er sich seiner Haut erwehrt, versucht Vivana zusammen mit einigen Verbündeten ihn zu befreien. Wird er lange genug durchhalten? Der Traumwanderer Jackon verbessert seine Fertigkeiten immer weiter. Wofür will die Herrscherin von Bradost, Lady Sarka, ihn einsetzen? Steht er auf der richtigen Seite? Oder haben die Rebellen im Reich vielleicht doch Recht damit, gegen die Herrscherin in den Kampf zu ziehen?

„Die Stadt der Seelen“ ist die Fortsetzung zu „Der Traumwanderer“, mit dem dritten Band „Phoenixfeuer“ wird die Trilogie im Herbst beendet. Zwischenbände sind oft etwas schwierig, die Handlung geht voran, aber nur wenige Stränge werden zu Ende gebracht. Das Gefühl hatte ich hier nicht. Die Haupthandlung ist natürlich noch lange nicht abgeschlossen. Aber es wird soviel erklärt, was im ersten Band noch vage angedeutet wurde, dass die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite spannend ist. Viele Charaktere und Gruppen gewinnen enorm an Hintergrund, man erfährt einiges über die Manusch aber auch die Alben und Dämonen. Außerdem werden nicht nur alte Rätsel gelöst, es tauchen einige neue auf, die einen den dritten Band umso neugieriger erwarten lassen.

„Pandaemonia“ ist eine sehr gelungene Fantasy-Trilogie, die klassische Fantasy mit einem Hauch Steam-Punk würzt. Die breite Palette interessanter Charaktere dürfte für jeden Leser einen Liebling bieten. Ein gelungener Spannungsbogen, mit geschickter Feder verfasst, rundet die Geschichte ab und macht damit den Autor für mich zu einer Fantasy-Neuentdeckung, die sich Fantasy-Leser unbedingt mal näher anschauen sollten. Nicht nur die Cover heben sich von den momentan so weit verbreiteten Mantel-und-Stab-Reihen ab, auch der Inhalt ist überdurchschnittlich gut.

Die Stadt der Seelen, Pandaemonium II – Christoph Lode

476 Seiten, Goldmann

ISBN 9783442471744, 12,00 €

Blutige Ohren

Jetzt wird es im Bus mordlüstern und blutig. Mark Benecke persönlich liest sein Buch “Mordspuren” vor. Der bekannte Kriminalbiologe berichtet über verschiedene skurrile und spannende Mordfälle. Bisher habe ich schon einiges über Morde mit Vampirhintergrund gelernt.

Während meiner Biologenvergangenheit hatte ich das Vergnügen, einen Vortrag von Herrn Benecke hören zu dürfen. Das war ein echtes Erlebnis! Soviel Energie und Wissen ergaben eine ziemlich einprägsame Mischung, die Veranstaltung werde ich wohl so schnell nicht wieder vergessen. Als Hörbuchsprecher begeistert er mich leider bisher weniger.

Hätte er genau so schnell gesprochen wie damals beim Vortrag, wäre das Hörbuch wohl unhörbar geworden. So ist es aber leider ein wenig fade. Zum Glück reißt der sehr spannende Inhalt das wieder raus, so dass sich insgesamt doch eine gute Mischung ergibt. Man hört sich mit der Zeit auch einfach rein.

Isaac Marion – Mein fahler Freund

R ist ein Zombie, alles was ihm von seinem Namen blieb, ist der erste Buchstabe. Nach außen hin wirkt er wie alle anderen Zombies, die in immer größer werdender Zahl die Welt bevölkern. Sie verbreiten sich wie eine Epidemie. Wer stirbt, findet nur selten die ewige Ruhe. Als Zombie verbringen sie die meiste Zeit damit, Löcher in die Luft zu starren und zu stöhnen, wenn der Hunger zu groß wird, gehen sie jagen. Doch R ist anders. Er macht sich Gedanken, kann sie nur nicht ausdrücken. Als er bei einem Beutezug Julie kennen lernt, gerät seine graue Welt ins Wanken. Neue Gedanken und Gefühle bahnen sich ihren Weg durch längst verstorben geglaubte Nervenbahnen, er verliebt sich in sie. Was wird sie dazu sagen? Erst recht wenn sie erfährt, dass er das Gehirn ihres Freundes gegessen hat…

Zombies sind in und lösen scheinbar langsam die Vampire ab. „Mein fahler Freund“ ist der beste Beweis, dass es auch in Zombie-Literatur um mehr als nur „brain and blood“ gehen kann. Dieser Roman enthält Hirn und Herzblut, aber in Form von erstaunlicher emotionaler und thematischer Tiefe, die ich in einem Zombiebuch so nie erwartet hätte.

Was ich ebenfalls nie erwartet hätte, ich bin tatsächlich mit Stephenie Meyer einer Meinung. Die angeblich zu dem Buch meint „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so leidenschaftlich in einen Zombie verlieben könnte!“ Als leidenschaftlich würde ich meine Gefühle für R zwar nicht unbedingt bezeichnen, aber er ist mir sehr ans Herz gewachsen. Twilight-Nichtleser sollten sich auch nicht von diesem Kommentar abschrecken lassen, mit Edward und Konsorten hat „Mein fahler Freund“ absolut nichts gemeinsam.

So merkwürdig es klingen mag, „Mein fahler Freund“ ist einfach schön. Ich habe es verschlungen und werde es noch oft und gerne weiter empfehlen für alle, die gerne etwas Inhalt in ihrer Lektüre finden und trotzdem gut unterhalten werden wollen. Der Humor kommt hier nämlich auch nicht zu kurz. Mein Buchtipp im Februar, schaut euch das Buch auf jeden Fall mal näher an.

Mein fahler Freund – Isaac Marion
299 Seiten, Klett-Cotta Hobbit Presse
ISBN 9783608939149, 19,95 €
Hardcover

Kurz zusammen gefasst

Nachdem mich seit ein paar Tagen eine Erkältung zwingt, etwas langsamer zu machen, war Zeit ein paar Bücher vom SUB zu befreien. Nachdem ich die “Die Stadt der Seelen” von Christoph Lode beendet hatte wurde “Boy 7″ von Mirjam Mous gelesen. Ein flotter Jugendthriller, genau das Richtige momentan. “Pigeon English” von Stephen Kelman brachte mir die Welt der Straßengangs näher, schon etwas schwerer vom Thema her. Danach habe ich mich vom zweiten Band der Magierdämmerung “Gegen die Zeit” von Bernd Perplies in eine andere Welt entführen lassen. Die Fortsetzung war mindestens so gut wie der erste Band. Jetzt lese ich gerade “Missing in Action” von Christoph Hardebusch, einen Band aus der Justifiers Reihe, und muss wieder einmal feststellen, dass mir Science Fiction doch Spaß macht.
Da mir noch ein wenig der Kopf zum schreiben fehlt, brauchen die Rezensionen noch ein paar Tage. Aber sie folgen demnächst, versprochen.

Anthology der Gier

michason & may rief Künstler verschiedenster Art auf, sich an der „Anthology der Gier“ zu beteiligen, 40 Beiträge wurden letztendlich ausgewählt und in diesem auf 500 Exemplare limitierten Band vereint. Gedichte und Kurzromane finden sich ebenso wie fotografische Umsetzungen des Themas Gier. Vor allem letztere sind dafür verantwortlich, dass ich dem Buch FSK 18 erteilen würde. ;)

Alle Texte sind maximal eine Seite lang, auf so wenig Raum den Leser zu fesseln ist alles andere als einfach. Vielen der Künstlern ist es gelungen, man nahm ihre Texte auch nach dem letzten Punkt noch mit und hakte ihn nicht einfach ab. Wie meist in Anthologien, ist es eine Mischung aus großartigen Beiträgen und weniger begeisternden. Alles in allem ist die Mischung aber sehr gelungen.

Qualitativ ist der Band sehr hochwertig gestaltet, so kommen auch die fotografischen Beiträge sehr gut zur Geltung. Was mir allerdings etwas negativ auffiel, ist die Sprachmischung im Titel „Anthology der Gier“. Bei einem Titel, der gerade mal drei Wörter umfasst, sollte es doch möglich sein, sich für eine Sprache zu entscheiden.

Eine interessante Sammlung sehr abwechslungsreicher Beiträge, die ich mir sehr gerne näher angeschaut habe.

Anthology der Gier
63 Seiten, michason & may
ISBN 9783862860067, 12,00 €

Libellen im Ohr

Da mein Weg zur Arbeit sich verlängert hat und ich noch immer nicht während des Laufens lesen kann, musste wieder ein neues Hörbuch her. Diesmal ist es mein erstes Buch von Martin Suter, der Krimi “Almen und die Libellen”. Die Lesung ist ungekürzt, was mir bei einem Krimi wichtig ist. In einem historischen Roman kann schon mal die ein oder andere Ausführung fehlen, bei einer Kriminalgeschichte ist es schwieriger, die richtigen Stellen heraus zu nehmen.
Noch habe ich keine Ahnung was mich genau erwartet, aber ich werde es ja bald hören. Mehr Zeit im Bus zu verbringen, hat auch Vorteile.

Oliver Dierssen – Fausto

Joschel sitzt in der Schule aus gutem Grund meist in der letzten Reihe. Weit weg von den Strebern der 9c. Rechtschreibung ist ihm ein Gräuel, Aufsätze für ihn Folterwerkzeuge. Doch eines Tages taucht ein perfekter Aufsatz in seinem Heft auf. Nur Joschel findet bald heraus, dass dafür ein Bücherdämon namens Fausto Flamingo Esteban die Rioja verantwortlich ist. Hilfe bei den Hausaufgaben im Tausch gegen Rechtschreibfehler klingt zu gut um wahr zu sein. Ist es auch, schon bald gibt es ein paar große Probleme mit dem kleinen Dämon.

Schon Oliver Dierssens Romandebüt „Fledermausland“ habe ich mit Lachtränen in den Augen verschlungen. „Fausto“ tritt damit in große Fußstapfen, muss sich aber kein bisschen hinter dem Erstlingswerk des Autors verstecken. Meine Zweifel, ob ich den Abenteuern eines 14-jährigen Jungens viel abgewinnen kann, wurden schnell zerstreut. Es hat großen Spaß gemacht, Joschel und Fausto bei ihren Abenteuern zu begleiten. Als hätte Joschel mit der Pubertät und einer etwas schrägen Mutter nicht schon genug Probleme, Fausto setzt immer noch mal ein I-Tüpfelchen drauf. Gegen Ende wurde es noch richtig spannend, das Buch war viel zu schnell gelesen.

„Fausto“ ist ein All-Ager den ich allen Lesern von „Artemis Fowl“ oder „Harry Potter“ empfehlen würde. Auch ältere Semester werden ihren Spaß damit haben, wenn sie ab und zu gerne mal einen guten Jugendroman lesen. Wer hätte sich Schulzeiten nicht ab und an so einen Bücher-Dämon gewünscht?

Fausto – Oliver Dierssen
446 Seiten, Heyne
ISBN 9783453260016, 14,99 €
Hardcover

Gehört: Janne Teller – Nichts. Was im Leben wichtig ist

Es wäre ein ganz normaler erster Schultag nach den Ferien gewesen. Wenn nicht ein Schüler gefehlt hätte. Pierre Anthon ist der Meinung, dass nichts im Leben wichtig ist. Also muss er auch nicht mehr zur Schule gehen. Auf dem Weg zur Schule verhöhnt er seine ehemaligen Klassenkameraden von seinem Pflaumenbaum aus. Da beschließen sie, ihm zu beweisen, dass es durchaus Dinge gibt, die etwas bedeuten. Denn den Gedanken, dass nichts etwas bedeutet, ertragen sie nicht. Sie beginnen damit Sachen zusammen zu tragen, die ihnen etwas bedeuten. Beginnt es noch harmlos mit den grünen Sandalen oder dem lange ersehnten neuen Fahrrad, geraten die Dinge bald aus der Bahn und immer obskurere Sachen finden sich auf dem Berg aus Bedeutung. Als ein Finger dafür geopfert wird, bekommen die Erwachsenen mit was los ist und greifen ein. Doch was ist der Berg aus Bedeutung? Wilde Auswüchse kindischer Phantasien oder vielleicht doch Kunst und ein Sinnbild für die Bedeutung?

„Nichts. Was im Leben wichtig ist“ fiel mir als gedrucktes Buch schon länger immer wieder auf. Das relativ schlichte Cover fällt einem auch sofort ins Auge, der Klappentext klang interessant. Aber so wirklich überzeugt war ich noch nicht. Jetzt habe ich es endlich gehört und bin froh darum, dass es mir nicht entgangen ist. Von der ersten Minute an war ich in der Geschichte drin. Mit stummem Entsetzen folgte ich der Entstehung des Berges aus Bedeutung. Szenen, die ich gedruckt wahrscheinlich eher relativ locker genommen hätte, haben mich dank der tollen Sprecherin in ihren Bann geschlagen. Ich möchte gar nicht wissen wie ich aussah, als ich mit vor Schrecken weiten Augen durch die Stadt gelaufen bin, alles um mich herum vergessend.

Ein Buch, das darüber berichtet, wie Gruppendynamik sich verselbständigen kann und was Furchtbares daraus entstehen kann. „Nicht. Was im Leben wichtig ist“ erinnert an „Die Welle“ von Morton Rhue, auch wenn es das Thema von einer ganz anderen Richtung her angeht. Hier entwickelt sich die Dynamik von selbst, ist kein außer Kontrolle geratenes Experiment. Trotzdem ist das Ergebnis erschreckend, nicht zuletzt, weil es nicht unvorstellbar ist, dass es genau so geschehen könnte.

Ein mitreißendes Hörbuch, dem man sich kaum mehr entziehen kann. Die Sprecherin passt sowohl von der Stimme als auch der Artikulation perfekt zur erzählten Geschichte. Ein Hörbuchtipp für alle, die sich nicht nur unterhalten lassen wollen. Nach diesem Hörbuch denkt man noch eine ganze Weile über das Gehörte nach.

Hörbuch

Nichts. Was im Leben wichtig ist
Autor Janne Teller
Sprecherin Laura Maire
Länge 2 Stunden 58 Minuten (ungekürzt)
Genre: Jugend-Hörbuch

Hörprobe und Downloadmöglichkeit bei Audible (Preis 13,95 €)

Wie die Würfel fallen

Normalerweise kann ich mich bei Entscheidungen zur nächsten Lektüre gut auf mein Bauchgefühl verlassen. Das verrät mir meistens sehr zielsicher, welches Buch vom Stapel ungelesener Bücher befreit werden sollte.  Diese Woche wurde das Bauchgefühl allerdings auf eine schwere Probe gestellt. Wenn es könnte, würde es im Kreis laufen, sich die Haare raufen und verzweifelte Schreie ausstoßen. Kann es zum Glück nicht, würde doch etwas merkwürdig aussehen.

Was meine Entscheidungsfähigkeit so sehr in Nöte bringt? Am selben Tag sind die zweiten Bände von gleich zwei fantastischen Reihen erschienen, auf die ich schon seit der Lektüre des ersten Bandes sehnsüchtig gewartet hatte. Eigentlich hatte ich gehofft, sie kämen mit ein paar Tagen Abstand, damit ich mir diese Entscheidung ersparen kann. Mir wurde aber nichts erspart. Sowohl Christoph Lodes “Die Stadt der Seelen” (Pandaemonia II) als auch “Gegen die Zeit” (Magierdämmerung II) von Bernd Perplies sind sofort nach Erscheinen hier eingezogen.

Da ich mich nicht entscheiden konnte, habe ich die Entscheidung ausgewürfelt. Die Würfel meinen, ich sollte “Die Stadt der Seelen” von Christoph Lode als erstes lesen. Ich werde ihnen gehorchen.