Archiv für 31. Dezember 2010

2011 klopft an

Kommt gut ins neue Jahr, möge es für euch angenehme Überraschungen und viele schöne Stunden bereit halten. Das ein oder andere gute Buch und die Zeit dafür wünsche ich euch ebenfalls.

Vielen Dank euch allen für den regen Austausch und die Unterstützung. In diesem Jahr habe ich über Papiergeflüster so viele tolle Menschen kennen gelernt, zum Teil virtuell, zum Teil auch wirklich getroffen. Über beides habe ich mich sehr gefreut, Büchermenschen sind eben doch eine ganz spezielle Spezies. ;)

Auf ein noch tolleres Jahr 2011!

Blogparade zum Jahresende

Buchsaiten hat zur Blogparade aufgerufen und interessante Fragen zum Jahresende gestellt. Am letzten Tag des Jahres schaffe ich es dann auch mal, die Fragen zu beantworten.  Hier also mein kleiner literarischer Jahresrückblick, Anfang Januar folgt dann die Statistik.

* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)

„Drei Wünsche hast Du frei“ von Jackson Pearce. Nach dem Klappentext und mit dem Cover hatte ich typische Romantasy erwartet, die eigentlich nicht so ganz meine Richtung ist. Dann stellte es sich aber als wunderschönes Jugendbuch mit überraschendem Tiefgang heraus, das mich verzaubert hat.

* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)

„Ash“ von Malinda Lo. Die Idee einer etwas anderen Cinderella Version klang viel versprechend, leider war die Umsetzung dann eher schwach. Die Charaktere blieben mir fremd, es berührte mich kaum.

* Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ju Honisch. Von ihr hatte ich schon oft gehört, habe aber erst jetzt mit „Jenseits des Karussells“ ein Buch von ihr gelesen. Der Schreibstil und die Geschichte waren so fesselnd, dass inzwischen „Das Obsidianherz“ schon hier liegt und wartet. Die beiden „Salzträume“-Bände werden sicher auch noch folgen.

* Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Die Entscheidung fällt schwer, es gab sehr viele wunderschöne Cover, die auch gut zum Inhalt des Buches passten. Immer wieder gerne sehe ich mir zum Beispiel die Cover der „Alterra“-Bände von Maxime Chattam an. Der Metallic-Druck in Verbindung mit dem Scherenschnittartigen ist einfach faszinierend, noch dazu finden sich darin viele Elemente aus der Geschichte. Der PAN-Verlag produziert sehr oft bemerkenswerte Cover, die mir immer wieder positiv auffallen.

* Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2011 lesen und warum?

Ein Buch von Wolfram Fleischhauer. Auf dem Stapel ungelesener Bücher liegen schon „Das Buch in dem die Welt verschwand“ und „Drei Minuten mit der Wirklichkeit“. Immer wieder höre ich, wie toll seine Bücher sein sollen. 2011 möchte ich sie endlich auch für mich entdecken.

Paul van Herck – Framstag Sam

Science Fiction wurde verboten, daher muss sich der Science Fiction Autor Sam ein neues Betätigungsfeld suchen. Erstmal schafft er es aber tatsächlich, sich mit seiner Traumfrau zu verabreden, die eigentlich eine Klasse zu hoch für ihn ist. Erst zu spät fällt ihm auf, dass er der Verabredung am nächsten Framstag zugesagt hat ohne zu wissen, wann Framstag eigentlich sein soll. Es braucht eine Zeitmaschine und einige Leben, um dieses Rätsel zu lösen. Nebenbei schreibt er noch ein Buch über die Geschichte des Judentums, das als „Die Bibel“ Weltruhm erlangt und ihn steinreich macht.

„Framstag Sam“ ist ein Science Fiction Roman, in dem der Humor im Vordergrund steht. Sam gerät ständig in obskure Situationen, wie zum Beispiel in eine Zukunft, in der niemand mehr zu Fuß geht, weil Schuhe teurer sind als Autos. Mit dem einen oder anderen Duplikat von sich selbst richtet er ziemliches Chaos an. Immer wieder wird die Vormachtstellung der Reichen kritisiert. Als Sam selbst in diese Kreise aufsteigt, versucht er das System zu sprengen, um allerdings schnell festzustellen, dass das gar nicht so einfach ist.

In „Framstag Sam“ nimmt sich die Science Fiction selbst auf die Schippe. Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert. Auch wenn so manche Pointe vorhersehbar war, die tollen Charaktere und der Humor ließen mich das Buch fast am Stück lesen. Leider ist „Framstag Sam“ nur noch antiquarisch zu bekommen. Sollte es euch in die Hände fallen, nutzt die Chance. Ich danke dem Besitzer dieses Kleinods, der es mir freundlicherweise ausgeliehen hatte.

Framstag Sam – Paul van Herck
174 Seiten, Heyne
ISBN 9783453306950, vergriffen

Jahresendspurt

Hier ist es gerade etwas ruhiger, weil ich versuche, noch schnell die drei aktuellen Bücher zu Ende zu lesen. Damit sie es noch in die Jahresbilanz schaffen. “Die Korrekturen” von Jonathan Franzen begleiten mich seit den Weihnachtstagen, “Die Landkarte der Zeit” von Félix J. Palma hat auch noch ein paar Seiten übrig. An meinem Adventskalender “Leise rieselt der Schnee” mit Kurzkrimigeschichten von Gisa Klönne sind auch noch nicht alle “Türchen” gelesen. Wie immer habe ich es nicht geschafft, jeden Tag eine Geschichte zu lesen, das ging mir aber sogar mit Schoko-Adventskalendern so.

Immer wieder hört man, dass die Menschen zwischen den Jahren mehr Zeit zum lesen hätten. Wann denn? Kaum kommt man von der abenteuerlichen Bahnreise zur Verwandtschaft nach Hause und hat dort wieder halbwegs Ordnung geschaffen, steht schon ein runder Geburtstag auf dem Programm (nicht meiner), wenige Tage später ist Silvester. Man kommt aus dem Essen vorbereiten, vertilgen und Zeit mit tollen Freunden verbringen gar nicht mehr heraus, was ja auch gut so ist. Aber gelesen wird bei mir in der Zeit immer weniger als sonst. Mal sehen, ob ich die drei angebrochenen Bücher dieses Jahr noch beenden kann.

Weihnachtsausbeute

Wie bei so vielen Bücherwürmern traut sich auch bei mir kaum noch jemand, ein Buch zu schenken. Aber es gibt ja so einige andere Dinge, mit denen man Vielleser glücklich machen kann. So lag zum Beispiel eine Buchumschlag unter dem Weihnachtsbaum. In Taschenbuchgröße wohnt hier schon einer, jetzt kann ich auch größere Werke ordentlich verpackt durch die Weltgeschichte transportieren.

Meine Lesezeichensammlung ist um zwei wunderschöne Exemplare reicher geworden.

Ganz ohne Buchstaben musste ich auch nicht auskommen, als “Neigschmeggde” (Zugezogene) darf ich mich jetzt mit “Meefränggisch für Debben & Subber-Exberden” am hiesigen Dialekt üben. Was ich in Gegenwart von Meefrangge zu tun gedenke, damit die sich auch über mich amüsieren können. ;)

Delphine de Vigan – No & ich

Lou ist 13 Jahre alt und eine Einzelgängerin. Nicht immer freiwillig, aber da sie zwei Schuljahre übersprungen hat fällt es ihr schwer, in der Klasse Freunde zu finden. Dass sie hochintelligent ist, macht es nicht einfacher. Als sie ein Referat über obdachlose Frauen halten soll, lernt sie No kennen. No lebt auf der Straße, seit sie mit 18 Jahren aus dem Heim entlassen wurde. Sie steckt in der hoffnungslosen Schleife, dass man ohne Wohnsitz keine Arbeit findet und ohne Arbeit keinen Wohnsitz. Das Leben auf der Straße erleichtert sie sich, in dem sie zuviel trinkt. Lou beschließt ihr zu helfen. Doch kann man jemanden aus diesem Leben befreien oder ist es wie die Erwachsenen sagen: „Die Dinge sind, wie sie sind…“?

„No & ich“ ist ein sehr einfühlsamer Roman über schwierige Verhältnisse und den Mut, sich den Dingen entgegen zu stellen und etwas zu wagen um anderen zu helfen. No macht es Lou nicht leicht. Nicht weil sie sich nicht helfen lassen möchte, sondern weil sie einfach schon zu tief drin steckt und nicht ohne weiteres ein „normales“ Leben aufnehmen kann. Doch Lou gibt nicht auf und versucht wirklich alles, um No nicht alleine zu lassen. Die Geschichte erzählt von ganz besonderen Freundschaften, nicht nur zwischen Lou und No. Hinter der Fassade sieht die Welt der Menschen oft doch ganz anders aus als gedacht.

Mit „No & ich“ ist Delphine de Vigan ein warmherziger Jugendroman gelungen, der durch seinen emotionalen Tiefgang auch erwachsene Leser noch zu fesseln vermag. Lou ist mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen, mit ihr ist der Autorin ein nicht alltäglicher Charakter gelungen, dem durch die Geschichte zu folgen sehr viel Freude bereitet.

No & ich – Delphine de Vigan
256 Seiten, Knaur
ISBN 9783426501580, 8,95 €

Gayle Forman – Wenn ich bleibe

Mia ist siebzehn Jahre alt, als sie mit ihrer Familie in einen furchtbaren Autounfall gerät. Ihre Eltern sind beide sofort tot, sie selbst liegt im Koma, schwebt zwischen Leben und Tod. Ähnlich wie ein Geist befindet sie sich außerhalb ihres Körpers, beobachtet wie die Ärzte sie versorgen, sieht wie Verwandte und Freunde sie besuchen. Mit der Zeit wird ihr klar, dass sie sich entscheiden muss. Für den so lockenden friedlichen Tod? Denn wenn sie bleibt, bedeutet das ein Leben ohne ihre Familie. Oder doch für das Leben, für ihren Freund und ihre gemeinsame Leidenschaft, die Musik?

„Wenn ich bleibe“ ist ein Buch, für das man sich ein paar ruhige Stunden nehmen sollte. Es ist sehr traurig und berührt den Leser an Stellen, die man meist lieber sicher verbirgt. Mia geschieht das Schlimmste, das man sich vorstellen kann. Sie verliert gleich mehrere geliebte Menschen auf einmal. Niemand wird dieses Buch lesen können, ohne darüber nach zu denken, wie furchtbar sich das anfühlen muss. Gerade weil Mias Verlust gar nicht so deutlich thematisiert wird, ihre Gefühle diesbezüglich werden kaum in Worte gefasst.

Aber während Mia ihre Entscheidung treffen muss, denkt sie über die Vergangenheit nach. Erinnert sich an besondere Momente mit ihren Eltern und ihrem Bruder, erzählt wie sie mit ihrem Freund zusammen kam, welche Probleme sie in der Beziehung haben. Durch diese Erzählungen wird dem Leser bewusst, wie viel Mia ihre Familie bedeutet und wie grausam dieser Verlust für sie sein muss.

In diesem Buch wurde ein sehr emotionales Thema mit großer Sensibilität bearbeitet. So traurig es ist, immer wieder gibt es auch Szenen, die einen warm ums Herz werden lassen. Wenn ihr Freund alles versucht, um sie besuchen zu dürfen und dafür das halbe Krankenhaus auf den Kopf stellt. Oder wenn ihr Großvater ihr genau das sagt, was sie gerade braucht.

Bei diesem Thema könnte es leicht kitschig oder auf die Tränendrüse gedrückt werden. Beides findet sich hier nicht, der Drahtseilakt starker Gefühle ohne übertriebenes Pathos ist meisterhaft gelungen.

Ein wunderbares Buch, das mich immer wieder inne halten und nachdenken ließ. Kein Buch, das man nebenbei liest, das einem, in der richtigen Stimmung gelesen, nachdenkliche und gefühlvolle Lesestunden bescheren wird.

Wenn ich bleibe – Gayle Forman
271 Seiten, Blanvalet
ISBN 9783764503512, 16,95 €
Hardcover

Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten wünsche ich allen, die hier immer wieder mitlesen. Ich hoffe, ihr habt den schlimmsten Stress hinter euch und findet in den kommenden Tagen ein wenig Ruhe. Vielleicht auch mal die Zeit, es euch mit einem guten Buch gemütlich zu machen und es ohne schlechtes Gewissen zu genießen.

Vielen Dank, dass immer mehr von euch mein Blog lesen und mich damit motivieren, auch weiterhin zu schreiben. Ich freue sehr mich über jeden Besuch und jeden Kommentar von euch.

Habt schöne Weihnachtstage und kommt gut ins nächste Jahr!

Gelesen wird natürlich auch noch

Neben dem virtuellen Stapel an Hörbüchern, wird natürlich trotzdem auch weiter gelesen. In den nächsten Tagen begleiten mich “Die Korrekturen” von Jonathan Franzen. Ein Buch, von dem ich schon so oft begeisterte Meinungen gehört habe, dass ich es auch endlich lesen möchte. Die Weihnachtszeit bietet sich dafür natürlich an, da es auch in dieser spielt.

Enid Lambert versucht ihre drei erwachsenen Kinder zu einem letzten gemeinsamen Weihnachten nach Hause zu bekommen. Die Rezensionen versprechen eine Mischung aus Familiengeschichte und Gesellschaftsroman. Mehr kann ich selbst noch nicht dazu sagen, da ich bisher nur die ersten Seiten gelesen habe. Die haben mir vom Schreibstil her aber schon sehr gut gefallen, ich freue mich auf die restlichen fast 800 Seiten.

Ohren-SUB

Da ich über die Weihnachtstage ein paar Stunden in der Bahn vor mir habe, wurde der MP3-Player mit ein paar neuen Hörbüchern von Audible bestückt.

Nach der Online-Lesung von Daniel Glattauer wollte ich jetzt unbedingt “Theo. Antworten aus dem Kinderzimmer” hören, also darf es mit. Sebastian Fitzek gehört zu Zugfahrten für mich irgendwie mit dazu, Kurzkrimis sind auch was feines, deshalb ist auch “P.S. ich töte Dich – 13 Zehn-Minuten-Thriller” auf den Player gewandert. Etwas Kontrastprogramm muss ja auch sein, zur besinnlichen Weihnachtszeit. Dazu gibt es noch eine kleine nostalgische Peinlichkeit. Irgendjemand hatte getwittert, dass es “Der Weihnachtstraum” von Benjamin Blümchen auf Audible gibt. Da wurden Erinnerungen wach. Ich habe früher sehr oft Hörspielkassetten gehört, “Der Weihnachtstraum” lief unendlich oft in der Vorweihnachtszeit. Deshalb konnte ich nicht widerstehen und habe ihn mir ebenfalls runtergeladen. Am Heiligabend nehme ich dann Benjamin Blümchen mit ins Bett, genau wie früher.

Ihr könnt euch demnächst auf die Rezensionen zu den Hörbüchern freuen, ich freue mich jetzt erst mal auf den Hörgenuss.