Archiv für 31. Oktober 2010

Martina Borger – Lieber Luca

Es gibt Tage, da trifft so viel zusammen, dass man nicht mehr an Zufall glaubt. Als Simone an einem solchen Tag gleich mehrmals an Luca erinnert wird, hört sie auf, die Erinnerungen zu verdrängen. Sie beginnt Briefe an Luca zu schreiben und die Vergangenheit damit zu verarbeiten. Sie erzählt ihm darin wie sie momentan lebt, aber auch wie sie die Jahre „vor der Eiszeit“ erlebt hat. Abschicken will sie diese Briefe allerdings nicht, sorgsam verwahrt sie alle in einer roten Keksdose.

„Lieber Luca“ ist ein wunderbares Buch über zwischenmenschliche Beziehungen. Wie oft reichen kleine Missverständnisse aus, Beziehungen zu zerstören. Wie oft verhindert Sturheit auf beiden Seiten eine Klärung und erneute Annäherung. Einer muss den ersten Schritt tun, auf dem Weg dahin begleitet der Leser die Briefschreiberin. Wer Luca ist und was zwischen ihnen geschah, erfährt man erst Stück für Stück im Laufe des Buches.

Auf das Buch stieß ich nur durch Zufall. Ein glücklicher Zufall, es wird nicht mein letzter Roman dieser Autorin gewesen sein. Man könnte meinen, ein Buch, das nur aus Briefen besteht, würde vielleicht langweilig werden. Aber weit gefehlt, hier versammeln sich die Briefe zu einem wunderbaren Buch, das nur einen Fehler hat, es ist viel zu schnell gelesen.

Lieber Luca – Martina Borger
206 Seiten, Diogenes
ISBN 9783257239171, 8,90 €

“Versuchungen sollte man nachgeben…

… Wer weiß, ob sie wiederkommen!” sagte Oscar Wilde. “Weißer Schrecken” von Thomas Finn führte mich schon seit einer ganzen Weile in Versuchung. Eigentlich wollte ich es ja erst Anfang Dezember, zusammen mit dem Autor, in einer Leserunde lesen. Aber ich bin schwach geworden, heute habe ich es vom Stapel ungelesener Bücher befreit. Und noch keine gelesene Seite bereut.

Im idyllischen Perchtal scheint jede Familie ein düsteres Geheimnis zu verbergen, dazu ein mörderischer Knecht Ruprecht, der schon mindestens ein Opfer auf dem Gewissen hat, und seltsame Todesdrohungen.  Die eine oder andere Gänsehaut hat mich schon erwischt, perfekte Lektüre fürs Halloween-Wochenende. Gleichzeitig weckt das Buch viele Jugenderinnerungen, ein Teil der Handlung spielt 1994. Zu der Zeit war ich nicht viel älter als die Protagonisten und erinnere mich noch gut an all die erwähnten Filme und Lieder.

Wer mehr zum Buch wissen möchte, findet einen Trailer und Infos auf der entsprechenden Homepage. Aber Vorsicht, die ist nichts für empfindliche Gemüter.

Mein erster Murakami

Da “Jenseits des Karussells” von Ju Honisch alles andere als handtaschentauglich ist, habe ich die Gelegenheit genutzt, endlich eine weitere Bildungslücke zu schließen. Haruki Murakami gehörte bisher zur, leider noch viel zu langen, Reihe an Autoren, die ich gerne mal lesen wollte. Als Einstieg bot sich ein dünnes Buch von ihm an, also hatte ich mir “Gefährliche Geliebte” ertauscht und jetzt endlich vom Stapel ungelesener Bücher befreit.

Damit hatte ich wohl auch ein Buch erwischt, das viele begeistert hat. Zumindest wurde ich zweimal darauf angesprochen, jedes Mal mit dem Kommentar “Das habe ich auch schon gelesen und fand es ganz toll!” Bisher wurde ich noch nie auf meine Lektüre angesprochen, das Buch ist wirklich etwas besonderes.  Den begeisterten Stimmen kann ich mich auch nur anschließen, ein Buch, das einen schnell die Zeit vergessen lässt. Also besser nicht in Bus und Bahn lesen, sonst fährt man vielleicht weiter als geplant.

Wie Wumbaba, Axel Hacke liest in Würzburg

Axel Hacke dürften einige dank seiner Kolumnen im Magazin der Süddeutschen Zeitung kennen. Oder von den höchst amüsanten Wumbaba-Büchern, den Handbüchern des Verhörens (“Der weisse Neger Wumbaba”, “Der weisse Neger Wumbaba kehrt zurück” und “Wumbabas Vermächtnis”). Ich habe dieses Jahr alle drei Bände gelesen und genossen, weshalb ich mich auch sehr gefreut habe zu lesen, dass Axel Hacke im Dezember nach Würzburg kommt.

© Thomas Dashuber

Am 14. Dezember 2010 präsentiert Axel Hacke um 20.00 Uhr im Saalbau Luisengarten sein Programm “Das Beste aus aller Welt”. Was er dem Publikum an diesem Abend erzählen wird, entscheidet er nach Lust und Laune, oder auch nach Publikum. Spontan wählt er aus seinem Fundus an Kolumnen aus, was seiner Meinung nach zu diesem Abend und dem Publikum passt. Vielleicht lernt das Publikum auch den Kühlschrank Bosch kennen oder bekommt neues vom Neger Wumbaba zu hören.

Wollt ihr euch überraschen lassen? Dann schaut vorbei.

Weitere Informationen findet ihr unter Literatur deluxe.

Johanne Spyri und Peter H. Geißen – Heidi und die Monster: Ein Alpendrama

Ein Virus verbreitet sich unter den Menschen und macht sie zu Untoten, in der Alpenwelt Niänenüütli genannt, in der Stadt als Zombies bekannt. Ein Biss und jede Menschlichkeit geht einem verloren. Doch das ist nicht die einzige untote Gefahr in der Nacht, es gehen auch noch Uuputztä um, allgemein als Vampire bekannt. Einer von ihnen machte Heidis Mutter vor Jahren zur Vampirbraut, Heidi und der Almöhi erlösen sie mit einem Pflöckli vom Fluch des Dämons. Als wenig später Marus im Dörfli auftaucht, der Vampir, der Heidis Mutter zu seiner Braut machte, ist er über diese Entwicklung wenig erfreut. Doch wenn ihm Adelheid verwehrt blieb, warum nicht ihre Tochter Heidi an seine Seite nehmen? Der Almöhi ahnt in welcher Gefahr seine Enkelin schwebt, als Tante Dete sie mit nach Frankfurt zu ihrer Herrschaft nehmen will, kommt ihm das nur recht, so ist Heidi weit weg von Marus. Doch ist sie in Frankfurt wirklich in Sicherheit?

Als Autorin ist neben Peter H. Geißen, bei dem mich interessieren würde, wer sich hinter dem Pseudonym versteckt, nicht umsonst auch  Johanna Spyri, die Autorin von „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ und „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ mit aufgeführt. „Heidi und die Monster“ hält sich oft sehr nah am Originaltext. Die Handlung ist grundsätzlich die gleiche, wird aber durch eingefügte Zombie- und Vampirgeschichte ergänzt. Oft werden ganze Textstellen originalgetreu zitiert, die eingefügten Textstellen passen sich mit einer leicht altertümlichen Sprach und den mundartlichen Ausdrücken, wie zum Beispiel den Niänenüütli, nahtlos ein. Erst gegen Ende weicht die Handlung deutlich von der altbekannten ab.

Das Cover und auch der Trailer zum Buch lassen auf den ersten Blick eine Parodie, ähnlich wie “Stolz und Vorurteil und Zombies” von Peter Thannisch vermuten. Eine Parodie ist es auch, aber ohne den humoristischen Effekt. Also eher eine Pastiche? Wie auch immer man es literaturtheoretisch einordnen mag, „Heidi und die Monster“ ist eine gelungene Mischung aus dem Originaltext der Kinderbücher und einer Horrorgeschichte. Die Nähe zum Original lässt in Heidi-Kennern immer wieder kurz nostalgische Erinnerungen aufkommen, die allerdings schnell von den Niänenüütli vertrieben werden.

Beim Anblick des Covers und nach dem Trailer hatte ich eine eher skurrile und humoristische Umsetzung des Themas erwartet und auch ein wenig befürchtet. So sehr ich schräge Geschichten mag, oft wandeln sie auf einem schmalen Grat und das Niveau stürzt in bodenlose Tiefen ab. Schon auf den ersten Seiten wurde aber klar, dass mich hier etwas ganz anderes erwartete. Man sollte sich nicht von Heidi in Strapsen und mit Tattoo irreführen lassen, auch der eher lächerliche Vampir täuscht. Mit „Heidi und die Monster“ erwartet den Leser eine düstere Variante der heilen Alpenwelt, man könnte meinen, Bram Stoker hätte seine Finger im Spiel gehabt.

Ein sehr gelungenes Cross-Over aus heiler Kinderbuchwelt und Horrorgeschichte, das man nicht nach seinem Äußeren beurteilen sollte, das Cover täuscht auf den ersten Blick über den unterhaltsamen aber nicht niveaulosen Inhalt.

Heidi und die Monster: Ein Alpendrama – Johanna Spyri und Peter H. Geißen
284 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312443, 12,99 €

Kai Meyer liest und jeder kann hin

Diese Woche ist Kai Meyer mit “Arkadien brennt” auf Lesereise. Wer, wie ich, das Pech hat, dass er nicht wirklich in die Nähe kommt, muss trotzdem nicht auf die Lesung verzichten.

Am Samstag, den 30. Oktober 2010, liest er um 19.00 Uhr auf Lovelybooks im Livestream. Ich freue mich schon darauf, es mir auf der Couch gemütlich zu machen und ihm zu lauschen. Auch wenn ich danach wahrscheinlich den letzten Rest Beherrschung verliere, und mir das Buch doch noch zulege.

Wer jetzt jammert “An einem Samstagabend!” sollte bedenken, dass 19.00 Uhr noch früh ist. Danach kann man immer noch ausgehen. ;)

Iny Lorentz liest in und für Dettelbach

Am Samstag, den 30. Oktober 2010, liest das bekannte Schriftstellerehepaar Iny Lorentz im KuK.Dettelbach aus dem Roman “Die Wanderhure”. Der Eintrittspreis von 9,00 Euro wird komplett dem Förderverein Hornsches Spital gespendet, der damit unter anderem einen neuen Aufenthaltsraum einrichten will.

Beginn der Lesung ist um 19.30 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr. Nach der Lesung wird selbstverständlich noch viel Zeit für Fragen aus dem Publikum sein.

Weitere Informationen findet ihr auf der Seite der Stadt Dettelbach.

Fantastisches für die Ohren

Seit kurzem habe ich jetzt doch die Hörbücher für mich entdeckt. Nach der “Eleganz des Igels” von Muriel Barbery folgte recht schnell “Trix Solier, Zauberlehrling voller Fehl und Adel” von Sergej Lukianenko. Bei dem mich allerdings der Sprecher etwas genervt hat, außerdem mag ich nicht, wenn die Lösung auf jedes Problem lautet: “Du bist doch ein Magier!” Und schwupp, war schon der richtige Zauber gesponnen und das Problem gelöst.

Um so begeisterter bin ich von meinem neuesten Hörbuch, “Das Lied von Eis und Feuer, Die Herren von Winterfell”. Zum einen wird es von einem wunderbar passenden Sprecher gelesen, dessen Stimme für mich perfekt zu dieser Fantasyreihe passt. Zum anderen ist es schon viel zu lange her, dass ich den ersten Band gelesen habe, nämlich ungefähr 10 Jahre. Da ging dann doch die ein oder andere Erinnerung verloren. Es macht mir gerade sehr viel Spaß, all die Charaktere wieder zu treffen und Erinnerungen aufzufrischen. Sehr interessant ist auch, schon zu wissen was ihnen noch alles widerfahren wird. Wenn sie das wüssten, wo sie gerade noch gemütlich beim Bankett sitzen und es sich gut gehen lassen. Die folgenden Bände werde ich mir auf jeden Fall auch noch anhören und sie auf ihrem Weg durch Leid und Schmerz begleiten. Während ich die Hoffnung auf den nächsten Band in Buchform immer noch nicht aufgebe.

Peter Hedges – Zeit der Versuchung

Kate und Tim leben mit ihren Kindern zufrieden in einer kleinen Wohnung in den Brooklyn Heights, einer Gegend für die feinere Gesellschaft. Bis die Versuchung in ihr Leben tritt. Für Tim ist das Anna, eine neue Nachbarin. Die Spieletreffen ihrer Kinder werden für Tim bald etwas zu wichtig. Für Kate ist es Jeff, vor Jahren war sie mit ihm liiert. Heute ist er ein bekannter Schauspieler und umwirbt sie. Wird einer der beiden der Versuchung nachgeben und damit ihr Glück riskieren?

Das rosarote Cover mit golden hinterlegtem Titel weckte in mir spontan die Assoziation eines Kitschromans, vor allem in Kombination mit dem Titel „Zeit der Versuchung“. Kitsch kann man in diesem Buch jedoch lange suchen. Es gibt allerhand Emotionen zu entdecken, aber immer auf realistischem Niveau. Dass ich mit den Protagonisten nicht ganz warm wurde lag nicht am Buch, sondern daran, dass deren Welt mit Glamour und Reichtum mir so fern ist. Tim war mir da noch am sympathischsten, blieb er doch immer er selbst. Ich hätte zwar nicht an seiner Seite sein wollen, als er in bequemer Alltagskleidung auf einem großen Empfang auftaucht, aber bewundernswert war seine Haltung allemal. Er ließ sich nicht verbiegen.

Obwohl mir die Figuren so fern waren, habe ich nicht einen Moment darüber nachgedacht, das Buch abzubrechen. Das war dem angenehmen Schreibstil geschuldet. Auch der Wechsel der Erzähler hat die Handlung abwechslungsreich gestaltet, man liest die Geschichte mal aus Kates, mal aus Tims Sicht, aber auch andere Charaktere kommen zwischen durch zu Wort. Unter anderem eine heimliche Verehrerin, die mich immer wieder zum schmunzeln brachte. Jeder Erzähler versetzt den Leser mühelos in seine Welt, die sich deutlich von der der anderen unterscheidet, hat seine ganz eigene Stimme.

„Zeit der Versuchung“ ist ein Beziehungsroman mit Niveau, der auch den Humor nicht vergessen hat. Vom bonbonrosa Cover und dem Titel sollte man sich nicht abschrecken lassen, es steckt mehr hinter der Fassade, als der erste Blick erahnen lässt.

Zeit der Versuchung – Peter Hedges
384 Seiten, Goldmann
ISBN 9783442312429, 17,99 €

Thomas Finn im Interview auf Papiergeflüster

Neu auf Papiergeflüster: Autoren im Interview. Thomas Finn hat sich netter Weise als erstes “Opfer” zur Verfügung gestellt, viel Spaß mit seinen Antworten.

Kurzporträt:

Thomas Finn wurde 1967 in Chicago geboren, wuchs in Deutschland auf und lebt heute in Hamburg. Schon während seines VWL-Studiums schrieb er für verschiedene phantastische Magazine, war später Chefredakteur der „Nautilus“ und arbeitete als Lektor und Dramaturg in einem Drehbuchverlag. Heute ist er als Roman-, Spiele-, Theater- und Drehbuchautor tätig.

Im Romanbereich veröffentlichte er unter anderem zwei Bände der Gezeitenwelt-Reihe, den historischen Phantastik Thriller „Der Funke des Chronos“ ebenso wie die Jugendfantasy-Reihen „Die Chroniken der Nebelkriege“ und „Die Wächter von Astaria“. Gerade erst erschienen ist der Mystery Thriller „Weißer Schrecken“.

Weitere Informationen zum Autor und seinen Werken findet ihr auf seiner Homepage.

Interview:

 

Welches ist Dein Lieblings-Weihnachtslied?

*lach* Ich würde sagen: „O Tannenbaum!“ Ich glaube, das habe ich schon im Kindergarten gesungen. Aber in meinem neuen Roman würdige ich noch ein paar Weihnachtslieder mehr ;-)


Nachdem Du eine ganze Reihe All-Age Fantasy-Titel geschrieben hast, wird es jetzt düster mit einem Mystery Thriller. Wie kam es zu dem Genrewechsel?


Für mich ist das eigentlich kein besonderer Genrewechsel. Im Pen- & Paper-Rollenspiel-Bereich habe ich schon mehrfach Horror- und Dark Fantasy-Publikationen verfasst, vor allem für das Spielsystem H.P. Lovecrafts Cthulhu. Und wer mich privat kennt, weiß, dass ich ein großer Freund stimmungsvollen Grusels bin. Wohlgemerkt Grusel – und kein Splatter! Allein meine Romanleser kennen mich wohlmöglich noch nicht von dieser Seite, auch wenn sich gewisse Elemente dieser Leidenschaft sogar in meinen All Age-Romanen finden lassen. Zumindest die Leser meines Romans „Der Funke des Chronos“ haben schon länger darauf gewartet, dass ich auch mal wieder eine Story in bodenständigeren Gefilden ansiedle ;-) .

Warum spielt „Weißer Schrecken“ gerade zur Weihnachtszeit?

Das lag am zugrunde liegenden Stoff. „Weißer Schrecken“ kreist inhaltlich um den Ursprung der Knecht Ruprecht-Legende. Hinzu kommt das vornehmlich in Süddeutschland und Österreich verbreitete Brauchtum der Perchten- bzw. Krampusläufe, die im Roman quasi die Bühnendekoration stellen. Das sind ziemlich wilde Umzüge um Nikolaus herum, also den sechsten Dezember, bei denen neben dem gütigen Nikolaus ganz zentral auch sein finsterer Begleiter Knecht Ruprecht bzw. der Krampus als Teufelsgestalt integriert ist. Da lag es nahe, den Thriller gleich komplett in die Vorweihnachtszeit zu verlegen.

Warum Knecht Ruprecht? Die wenigsten wissen, dass all unsere vorweihnachtlichen Bräuche um Ruprecht, Perchta usw. auf alte keltische Traditionen zurückgehen. Diese Elemente sind über die Jahrhunderte hinweg zunächst in mittelalterlichen Kinderschreck- oder Kinderfressergestalten aufgegangen, aber auch in Sagen und Märchen, wie jene von der Wilden Jagd oder der Frau Holle. Noch einmal ein paar hundert Jahre später haben sie dann die heute bekannte Form angenommen. Die Recherchen zum Roman haben sich bei alledem als ebenso spannend wie schaurig erwiesen. Und aufgrund eines ganz bestimmten Umstandes – nämlich eine archäologische Entdeckung aus jüngerer Zeit, die ich hier nicht verraten kann – wurde der Schrecken, mit dem es meine Protagonisten zu tun bekommen, plötzlich sehr viel realer, als ich es zuvor ahnen konnte.

Als nächstes Projekt schreibst Du einen Band der Justifiers Reihe, ein Gemeinschaftsprojekt, an dem sich verschiedene deutsche Autoren beteiligen. Hattest Du vorher schon mit dem Gedanken an einen Science-Fiction Roman gespielt, oder kam der Anstoß durch Deine Kollegen?

Klar habe ich schon mit den Gedanken gespielt, einen SF-Roman zu schreiben. Ist ja nicht so, dass mich die Science Fiction nie gereizt hätte. Ich bin großer Star Wars- und Star Treck-Fan und in meiner Jugend habe ich keine einzige Folge von ‚Mondbasis Alpha 1’ versäumt. Nur war die SF in den letzten Jahren nicht gerade das geeignete Feld, um sich als Autor einer breiten Leserschaft vorzustellen. Aber es war immer die Hoffnung da, dass sich das eines Tages wieder ändern könnte.
Der Anstoß zu Justifiers kam, wie bei meinen anderen fünf Kollegen auch, von Markus Heitz selbst. Er hat mich einfach gefragt, ob ich nicht Lust hätte, an Justifiers mitzuschreiben ;-) . Klar hatte ich. Nur dass ich zunächst keine Ahnung hatte, worum es bei Justifiers eigentlich geht. Ende der Achziger/Anfang der 90iger, als Markus auf das SF-Rollenspielsystem Justifiers gestoßen ist, habe ich mich mit dem etwas bekannteren Traveller ausgetobt – ebenfalls ein SF-Rollenspielsystem. Justifiers ist vom Hintergrund her aber deutlich cooler. Nur erschien es damals in einem sehr kleinen amerikanischen Verlag, so dass nur Insider davon wussten.


Gibt es noch andere Genres, die Du gerne mal ausprobieren würdest?

Sobald ein bestimmtes Thema ein bestimmtes Genre vorgibt, passe ich mich an. Wobei ich aber vermutlich der Phantastik stets treu bleiben werde – und sollte es sich dabei auch nur um eine geringe Dosierung handeln. Ich will meine Leser ja nicht verprellen ;-) . Ehrlich, ich bin sehr froh, dass ich mittlerweile auf eine ganze Bandbreite an Stoffen zurückblicken kann und nicht auf ein Thema allein festgenagelt bin. Das wäre der Tod meiner Phantasie.

Was ist schwieriger zu schreiben, Jugend- oder Erwachsenen-Literatur und warum?

Das lässt sich nicht so leicht sagen. Das kommt stets auf den zugrunde liegenden Stoff, die Welt als Bühne und die handelnden Figuren an. Ein Roman macht genau so viel Arbeit, wie du als Autor hineinsteckst.

Welche Genres liest Du selbst gerne?

Na, phantastische Romane natürlich. Man muss das Gebiet, auf dem man sich bewegt, schon selbst mögen. Sonst wird das nichts.

Hast Du einen Buchtipp für uns, abgesehen von „Weißer Schrecken“ natürlich?

Jetzt gerade? Hm. Die Justifiers-Romane meiner Kollegen natürlich, ha ha. Ein weiterer spannender Roman, der handwerklich so gut gemacht ist, dass es mich förmlich aus den Schuhen gehoben hat, entstammt interessanter Weise ebenfalls der SF. Nämlich „Das Unsterblichkeitsprogramm“ von Richard Morgen. Grandios!

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast und viel Spaß im Justifiers Universum!