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Kiriko Nananan – blue

blue

Mit „blue“ habe ich einen Ausflug in ein mir ganz neues Genre gewagt. Die Welt der Mangas. „blue“ ist ein eher minimalistisch gezeichneter Manga, was mir als reiner Textleserin sehr entgegen kommt. Mir fehlt die Übung, zu detaillierte Bilder lenken mich eher vom Text ab. Hier war die Mischung für mich genau richtig. Ich war erstaunt, wie viel Inhalt man auch mit sowenig Zeichnung und Text transportieren kann.

„blue“ erschien schon 1966, ist aber so zeitlos, dass man ihn wahrscheinlich auch in 20 Jahren noch lesen kann, ohne dass sein Alter auffällt. Er handelt von Freundschaft und Liebe, die zu Leid wird. Traurig aber wunderschön.

Anfangs war es sehr ungewohnt ein Buch von hinten nach vorne und von rechts nach links zu lesen, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Mehr Mühe hatte ich als Ungeübte die Charaktere auseinander zu halten. Aber auch das gelang nach einigen Seiten. Ich hatte wirklich Spaß mit dem Buch und werde sicher ab und an noch mal in einen Manga hinein schnuppern.

blue – Kiriko Nananan
228 Seiten, Schreiber & Leser
ISBN 9783937102429, 14,95 €

Michel Birbaek – Nele & Paul

NelePaul

Vor neun Jahren ließ Nele Paul alleine zurück. Er versucht ein neues Leben anzufangen, eine neue Liebe zu finden. Doch „das ist das Problem mit der großen Liebe – sie versaut einen für die kleinen“. Mit keiner Frau ist es wie mit Nele.
Da geschieht das unglaubliche, Nele taucht plötzlich wieder auf. Können sie dort weitermachen, wo es damals endete? Neun Jahre sind eine lange Zeit, viel ist geschehen. Nicht nur Paul hat sich verändert, auch Nele ist nicht mehr die Alte.

Wieder einmal hat Michel Birbæk ein fantastisches Buch geschrieben. In gewohnt lockerem Stil, hinter dem sich immer wieder kleine Perlen verstecken. Sätze die soviel Wahrheit enthalten und einen kurz innehalten lassen. Einerseits unterhält er den Leser, Paul ist Dorfpolizist und so manche Handlung mit seinem Freund und Kollegen Rokko ließen mich laut lachen. Andererseits schneidet er ernste Themen an, die einen nachdenklich werden lassen. Birbæk schreibt unterhaltsam, aber nicht nur zur Unterhaltung.

„Nele & Paul“ handelt von der Liebe und Beziehungen, ist aber kein klassischer Liebesroman. Nicht nur weil ein Mann das Buch geschrieben hat, auch weil man immer wieder unverhofft viel Tiefgang findet. Einerseits ein Buch zum schmökern, das ich kaum mehr aus der Hand legen konnte, andererseits ein Buch, das einen berührt und einem noch eine Weile nachgeht

In der Leserunde hat Michel geschrieben, dass er schon immer über das Thema (welches kann ich euch nicht verraten, weil ich sonst zuviel vorweg nehmen würde) schreiben wollte, da viele in seinem Bekanntenkreis damit zu tun hatten.
„Ich liebe die Bücher von Andrew Vachss zu dem Thema, aber anders als er, wollte ich den *** in einer heilen Welt mit viel Romantik und Liebe erzählen. Und Nele das geben, was meine Freundinnen damals gebraucht hätten: Eine Chance. Hoffnung.“ (Quelle, mit Spoiler).

Einen schöneren Grund ein Buch zu schreiben, kann ich mir kaum vorstellen.

Nele & Paul – Michel Birbæk
415 Seiten, Bastei Lübbe
ISBN 9783404164332, 8,99 €
Taschenbuch

Wie wumbaba, die Post war da

Vor kurzem gab es auf bücher(p)lausch passend zum Plausch #15 Axel Hacke – Die Wumbaba-Bücher ein Gewinnspiel. Kaum zu glauben aber wahr, die Glücksfee hatte mich bedacht.

wumbaba

Ich habe mich wirklich sehr über das Päckchen voller wumbabarer Bücher gefreut. Neben allen drei Wumbaba Bänden fand ich unverhofft auch noch “Der kleine Erziehungsberater”. Für meine Belustigung ist damit in der nächsten Zeit erstmal gesorgt. Eines der Bücher wird immer auf dem Nachttisch liegen. Nach der tollen Besprechung durch Frau von Saiten und Stefan bin ich optimistisch, dass ich mich damit des öfteren in den Schlaf lachen kann. Wenn ich denn Schlaf finde, statt einfach immer weiter zu lesen und zu lachen.

Vielen Dank an bücher(p)lausch für das Gewinnspiel und den Kunstmann Verlag, der die Gewinne zur Verfügung gestellt hatte.

Fitzek und Endres als Zugbegleitung

Es war ein langes Wochenende, also war ich auch mal wieder auf Reisen. Wie üblich mit dem Zug, weil man die Zeit so schön zum schmökern nutzen kann.

Die Hinfahrt hat mir “Sherlock Holmes und das Uhrwerk der Todes” von Christian Endres verkürzt. Ein Wunder, dass ich nicht mal vergessen habe umzusteigen. Sherlock Holmes und seinem Freund Watson bei ihren etwas anderen Fällen zu begleiten, zum Beispiel in Oz oder auch während einer Begegnung mit Kapitän Nemo, hat sehr viel Spaß gemacht.

Auf der Rückfahrt brauchte ich daher auch schon wieder ein anderes Buch, “Der Seelenbrecher” von Sebastian Fitzek hat für Abwechslung gesorgt. So ließ sich auch die Stunde, die ich Bistro des TGB stehen durfte, gut ertragen. Sehr spannend bis zum Ende, genau das richtige für eine Zugfahrt. Es war mein erster Fitzek, seine anderen Psychothriller werden für folgende Zugfahrten vorgemerkt. Wie gut, dass ich mal wieder nicht widerstehen konnte, als es mich vom Mängelexemplartisch angelacht hatte.

Demnächst wechsel ich dann von der Schiene aufs Meer, ich lese endlich “Sturmwelten” von Christoph Hardebusch, angeblich sehr gute Piratenfantasy. Da ich seine anderen Bücher sehr gerne gelesen habe, wird mich auch dieses sicher nicht enttäuschen.

Die etwas anderen Fälle des Sherlock Holmes

“Nele & Paul” habe ich heute morgen schweren Herzens verabschiedet. Das Ende ging mir sehr nahe. Birbæks Romane wirken auf den ersten Blick wie leichte Unterhaltungslektüre, sind das zum Teil auch. Aber es steckt jedes Mal mehr Tiefe drin, als man anfangs ahnt. Diese Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang macht seine Bücher zu etwas Besonderem.

Weiter geht es jetzt wieder im phantastischen Bereich mit “Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes” von Christian Endres. Sherlock Holmes sei keine Phantastik sondern im kriminellen Genre einzuordnen? Von wegen. Watson hat sich erst später dazu entschließen können, auch die etwas anderen Fälle festzuhalten, die er mit seinem Freund Sherlock Holmes erlebt hat. Lange Zeit wollte er gar nicht an die Existenz von Magie und Wesen aus dem Reich der Mythen glauben. Doch er musste sich eines besseren belehren lassen. In dieser Kurzgeschichtensammlung finden sich allerhand Erzählungen über ihre Begegnungen mit unglaublichen Wesen und auch anderen Welten. Oder kanntet ihr schon die Geschichte, wie Holmes in Oz einen Anschlag auf den Blechmann aufklärt?

Die ersten drei Kurzgeschichten habe ich schon gelesen und bin begeistert. Christian Endres schickt den Leser mit seinem Schreibstil ohne Umschweife ins viktorianische England. Kaum angekommen, schon rätselt man mit Holmes und Watson über das Verschwinden von Waisenkindern, fliegt mit ihnen nach Oz und begegnet so einigen Figuren, die man aus anderen Geschichten kennt. Eine gelungene Mischung aus dem klassischen Sherlock Holmes und allerhand Mythen auf einer phantastischen Bühne.

Speedreading

In der Leserunde zu “Nele & Paul” von Michel Birbæk hänge ich gerade alle anderen ab, obwohl ich mir wirklich Mühe gebe langsam zu lesen und jeden Tag nur einen Abschnitt beende. Aber weniger geht einfach nicht, dafür macht das Buch zuviel Spaß.

Zum einen dank Michels genialem Schreibstil. Spritzig, locker und trotzdem mit Tiefgang. Es finden sich immer wieder Sätze, in denen mit wenigen Worten so unglaublich viel gesagt wird. Die einfach nur wahr sind. Das liebe ich an seinen Büchern.

Gegen Ende wird es dann auch noch richtig spannend, die idyllische Dorfatmosphäre wird von einer wilden Verfolgungsjagd aufgeschreckt und das ist erst der Anfang vom Ende. Alles weitere kann ich nur nicht schreiben, ohne eventuell zu viel zu verraten.

Leider liegen nur noch 20 Seiten vor mir. Aber im August kommt schon sein neues Buch “Das Beste zum Schluss” heraus. Das werde ich mir zum Geburtstag gönnen und freue mich jetzt schon drauf.

Lea Korte – Die Maurin

Maurin

„Die Maurin“ spielt im Andalusien des 15. Jahrhunderts. Christen und Muslime kämpfen um die Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel. Als die Mauren sich weigern, weiter Tribut an die Spanier zu zahlen, beschließen die Kastilier der Herrschaft der Mauren in al-Andalus ein Ende zu bereiten. Es kommt zu schweren Kämpfen und jahrelangen Auseinandersetzungen. Zahra gerät als Hofdame der Hauptfrau des Emirs immer wieder mitten ins Geschehen. Kein ganz ungefährliches Leben, ihren Vater treibt sie mit ihren Eskapaden schier zur Verzweiflung. Doch sie kann nicht tatenlos zu sehen, wie ihre Schwester in ihrer Ehe leidet. Oder wie Al Andalus unter der Herrschaft Hassans ausblutet, während sein Sohn Boabdil im Exil fest sitzt. Ihre Liebe zu einem Christen bringt sie allerdings in große Gefahr.

In diesem Roman lernt man viel über die Geschichte Andalusiens. Die Autorin lebt seit einigen Jahren in Spanien und hat sich intensiv mit der Geschichte ihrer Wahlheimat auseinandergesetzt, was man dem gründlich recherchierten Roman auch anmerkt. Trotz aller historischen Korrektheit kommt die Geschichte aber nicht oberlehrerhaft rüber, sondern wird in der interessanten Lebensgeschichte Zahras angenehm verpackt. Als positiv empfand ich, dass keine der Religionen besser als die andere dargestellt wird. Beide haben ihre Schattenseiten, wichtiger als die Religion waren sowieso die Herrscher und ihre Machtansprüche.

Gevatter Zufall hatte, wie in den meisten historischen Romanen, auch hier einige Auftritte. Das lässt sich wohl einfach nicht vermeiden. Wobei ich gestehen muss, dass Zahra für meinen Geschmack am Ende etwas zu oft gerade noch so mit dem Leben davon kam. Aber abgesehen davon gefiel mir das Buch sehr gut. Ich habe einiges über ein Land gelernt, von dem ich bisher nur wusste, wo es ungefähr liegt. Die Alhambra in Granada würde ich zu gerne einmal sehen. Auch wenn ich schon oft über sie gelesen habe, so richtig schmackhaft wurde sie mir erst mit diesem Buch gemacht, da ich jetzt einen Teil ihrer spannenden Geschichte kenne.

Die Maurin – Lea Korte
651 Seiten, Knaur
ISBN 9783426502303, 9,95
Taschenbuch

Marie-Aude Murail – Simpel

Simpel

Colbert zieht zusammen mit seinem Bruder Simpel in eine WG. Eigentlich nichts Besonderes, für die beiden Brüder aber schon. Denn der zweiundzwanzigjährige Simpel ist geistig behindert und auf dem Entwicklungsstand eines Dreijährigen. Colbert ist gerade mal siebzehn Jahre alt und will verhindern, dass sein Bruder in einer Anstalt „verwahrt“ wird. Allerdings muss er selbst noch zur Schule, sein Leben mit den besonderen Anforderungen seines Bruders zu vereinen ist alles andere als simpel.

„Simpel“ ist ein wunderbares Buch, bei dem es einem richtig warm ums Herz wird. Simpel bringt mit seinem etwas anderen Verständnis der Welt auch die WG-Bewohner dazu, die Welt mit anderen Augen zu betrachten. Gleichzeitig verblüfft er sie und seinen Bruder immer wieder damit, wie er intuitiv wesentlich mehr versteht, als man ihm zutraut.

Das Leben mit Simpel wird nicht geschönt. Es gibt Momente, da verzweifelt Colbert an der Aufgabe, auf seinen Bruder aufzupassen. Simpel kann seinen Mitmenschen auch ziemlich auf die Nerven gehen. Aber wer kann einem Kind schon lange böse sein? Und nichts anderes ist Simpel.

Nach diesem Buch sieht man selbst die Welt ein bisschen anders als zuvor. Hat vielleicht auch etwas mehr Verständnis für Menschen, die einfach anders sind. Ich kann jedem nur empfehlen, sich die Zeit zu nehmen und einen Blick in Colberts und Simpels Leben zu wagen. Zwei Brüder, die trotz aller Hindernisse zueinander stehen.

Simpel – Marie-Aude Murail
294 Seiten, Fischer Taschenbuch
ISBN 9783596185962, 7,95 €

Endlich “Nele & Paul”

Es ist soweit, endlich startet die Leserunde zu “Nele & Paul” von Michel Birbæk. Das Buch lag schon so lange hier und ich durfte nicht damit beginnen. Weil ich mir die Möglichkeit nicht entgehen lassen wollte, es zusammen mit anderen und vor allem dem Autor selbst zu lesen.

Michel Birbæk entdeckte ich erst letztes Jahr, als ich “Beziehungswaise” las. Es hat nicht lange gedauert, bis “Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr” und “Was mich fertig macht ist nicht das Leben sondern die Tage dazwischen” folgten. Vielleicht war es gar nicht so falsch, die Bücher dem Erscheinungsdatum nach falsch herum zu lesen. So war ich schon überzeugt und habe über kleinere Schwächen in “Was mich fertig macht …” hinweg gesehen, die mich sonst vielleicht davon abgehalten hätten, mehr von ihm zu lesen.

Immer wieder interessant sind die Parallelen zwischen den verschiedenen Büchern. Die Varterfiguren sind sich recht ähnlich, die Mutter in “Nele & Paul” kommt mir auch schon vage bekannt vor, wird hier aber das erste Mal näher vorgestellt, bisher waren eher die Väter/der Vater die Hauptperson.

Was mich immer wieder von seinen Büchern überzeugt ist der lockere und spritzige Stil. Es macht einfach Spaß sie zu lesen, auch wenn sie einen emotional manchmal an empfindlichen Stellen treffen. Das ist nämlich die zweite Stärke seiner Bücher: sie transportieren starke Emotionen ohne je kitschig zu werden.

Polly Shulman – Die geheime Sammlung

GeheimeSammlung

Elizabeth bekommt einen Aushilfsjob im Respositorium der Verleihbaren Schätze. Einem ganz besonderen Museum, in dem man sich allerhand ausleihen kann, zum Teil wirkliche Schätze mit historischem Hintergrund, wie zum Beispiel eine Perücke von Marie Antoinette. Doch noch viel wertvoller sind die Stücke in der geheimen Sammlung. Im Grimm-Sammelsurium finden sich zum Beispiel allerhand magische Dinge, wie ein Tischlein-deck-dich. Doch immer mehr dieser besonderen Stücke verschwinden, jemand stiehlt sie oder ihre Magie. Wird Elizabeth den Täter finden? Nur wenige Leute haben Zugang zur geheimen Sammlung, wem kann sie vertrauen?

„Die geheime Sammlung“ ist eine schöne Mischung aus moderner Jugendgeschichte und Märchen. Elizabeth kam neu an ihre Schule und hat Probleme Anschluss zu finden. Während ihres Abenteuers findet sie Freunde und in der Arbeit einen Ausgleich zu ihrem Leben zu Hause, das manchmal an ein trauriges Märchen erinnert. Im Respositorium der Verleihbaren Schätze herrscht eine wunderbar märchenhafte Stimmung, nicht nur dank all der verzauberten Stücke. Schon die Beschreibung des Gebäudes und der verschiedenen Magazine lädt zum Träumen ein. Während des Lesens meint man die Rohrpost durch die Leitungen rumpeln zu hören und den Staub der Jahrhunderte riechen zu können.

Die Märchen der Gebrüder Grimm sind natürlich immer wieder Thema im Buch. Nicht nur die kindgerechten, es wird auch von den weniger schönen, dafür umso brutaleren und zum Teil auch beängstigenden, Märchen berichtet, was mir sehr gut gefiel. Nach der Lektüre von „Die geheime Sammlung“ hatte ich große Lust, mal wieder in den gesammelten Hausmärchen der Grimms zu schmökern.

Ein richtiges Wohlfühlbuch, perfekt um ein Wochenende lang in einer anderen Welt zu verschwinden, zusammen mit Siebenmeilenstiefeln, Greifen, Sternensprossen und allerhand anderen magischen Dingen.

Die geheime Sammlung – Polly Shulman
345 Seiten, PAN-Verlag
ISBN 9783426283318, 14,95€
Hardcover