Archiv für 12. Februar 2010

Autoren-Mitschmatsch

Über die “Für alle Leser von (beliebigen Autor einsetzen)”-Empfehlungen in den Verlagsvorschauen schüttele ich ja oft genug den Kopf. Man fragt sich, ob die Leute, die diese Empfehlungen aussprechen, überhaupt jemals etwas von den Autoren gelesen haben. Wahrscheinlich gibt es einfach eine Highscore Liste in jedem Verlag, getrennt nach Genres. Da fischt man sich dann die gerade bekannten und beliebten Autoren heraus und setzt sie willkürlich in den Verlagsvorschauen ein. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Heute fand ich eine besonders “gelungene” Mischung. “Für alle Fans von Stephenie Meyer, Sergej Lukianenko und Bernhard Hennen”. Wer die drei zusammen gewürfelt hat, kann noch nie etwas von ihnen gelesen haben. Ganz egal wie man zu den Autoren stehen mag (zwei davon lese ich sehr gerne), sie schreiben absolut nicht miteinander vergleichbare Bücher. Wie kann man Romantacy mit russischer Dark Fantasy oder High Fantasy vergleichen? Ich würde nicht mal Hennen (“Die Elfen”) und Lukianenko (“Wächterreihe”) mischen wollen. Dann noch ein “Biss”-chen Meyer dazu und das ganze wäre unlesbar. Welches Buch dermaßen beworben wurde, verschweige ich mit Absicht. Das klang nämlich eigentlich ganz interessant und überhaupt nicht nach einem der drei genannten Autoren.

Nachdem in der gleichen Vorschau auch noch Robin Hobb (“Weitseher Zyklus”) mit Christopher Paolini (“Eragon”) verglichen wurde, habe ich sowieso aufgehört, diese Empfehlungen zu lesen. Robin Hobb hat eine fantastische und komplexe Welt erschaffen, mit Charakteren von bisher selten gefundener Tiefe. Christopher Paolini hat den “Herrn der Ringe” mit “Star Wars” in einen großen Kessel gekippt und mal kräftig umgerührt. Für solche Vergleiche gehört man eigentlich den Drachen vorgeworfen.

Douglas Adams – Per Anhalter durch die Galaxis

AnhalterGalaxis

Athur Dent dachte, dieser Tag könnte gar nicht mehr schlimmer werden. Statt gemütlich seinen Morgenkaffee zu trinken, findet er sich im Matsch liegend vor einer Planierraupe wieder, die gerade sein Haus dem Erdboden gleich machen will. Doch es kommt tatsächlich noch schlimmer, nur wenig später wird er von einem Freund quasi entführt, in letzter Sekunde, bevor die gesamte Erde vernichtet wird.

Schon findet er sich auf einem Raumschiff voller Vogonen wieder, die einen äußerst seltsamen und quälenden Poesiegeschmack haben. Und das ist erst der Anfang ihrer abenteuerlichen Reise, bei der ihnen der intergalaktische Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ und ein Handtuch unentbehrliche Helfer sind.

Douglas Adams ist einfach genial. Wer kein Problem mit skurrilen Handlungen hat, sollte ihn unbedingt lesen. Hinter all dem Irrsinn steckt immer wieder erstaunlich viel Logik und auch Wissen. Man sollte sich ein wenig Zeit nehmen, die Sätze wirklich zu lesen. Manch einen muss man auch zweimal lesen, um ihn zu verstehen. Es lohnt sich aber immer. Selbst in beiläufig eingestreuten, manchmal scheinbar sinnlosen, Zwischenbemerkungen findet sich oft ein weiterer Punkt, der einen zum schmunzeln oder auch breiten grinsen veranlasst.

Leider ist Douglas Adams sehr früh gestorben. Zum Glück kann man seine Werke immer wieder lesen, und dabei immer wieder etwas Neues entdecken. Neben der Anhalter Reihe kann ich auch „Die letzten ihrer Art“ sehr empfehlen. Ein Reisebericht zu inzwischen selten gewordenen Tierarten.

Per Anhalter durch die Galaxis – Douglas Adams
423 Seiten, Heyne Verlag (Doppelband Per Anhalter durch die Galaxis/Das Restaurant am Ende des Universums)
ISBN 9783453406933, 8,00 €
Taschenbuch

Magisches Losglück

Kaum zu glauben, ich hatte Glück und bekomme von vorablesen.de “Die Magier von Montparnasse” von Oliver Plaschka! Obwohl über 500 Leseeindrücke dafür abgegeben wurden, da hatte ich wirklich mal Losglück.  Eigentlich wollte ich gerade ja kein Buch über 350 Seiten lesen, aber da ich die ersten 40 Seiten schon in der Leseprobe gelesen habe, passt es gerade so noch in den erlaubten Rahmen. ;-)

Die ersten Kapitel haben auch so sehr Lust auf mehr gemacht, dass ich wahrscheinlich schwach geworden wäre und es mir gekauft hätte. Oliver Plaschka schafft eine wunderbare Atmosphäre, die mich an den Film “Prestige” erinnerte. Wer den noch nicht kennt, sollte ihn unbedingt bei Gelegenheit schauen. Ein fantastischer Film über “wahre” Magie und die Kunst der Täuschung. In die “Magier von Montparnasse” geht es um Zauberer, die wirklich zaubern können. Dies zwar eigentlich nicht tun sollten, aber ein Notfall zwingt Ravi diese Regel zu brechen.

Für “Fairwater oder die Spiegel des Herrn Bartholomew” hatte Plaschka 2008 den deutschen Phantastik Preis gewonnen. Zu Recht, das Buch ist etwas ganz besonderes. Deshalb freue ich mich schon sehr sein neues Werk.

Vorher lese ich aber noch einen heute eingetroffenen Tauschling, “Dämonenhunger” von Timothy Carter. Das wurde mir so überzeugend empfohlen, dass ich es jetzt doch mal testen wollte. Das Cover hatte mich schon länger neugierig gemacht. Es hat auch nur 298 Seiten. ;-)

Gute Vorsätze sind dazu da, gebrochen zu werden

Nachdem ich “Marked” von P. C. und Kristin Cashor beendet hatte, wollte ich eigentlich mal eine fleißige Runde einlegen. Statt Unterhaltung zu lesen hatte ich den Vorsatz gefasst, “BWL für Dummies” endlich mal fertig lesen. Aber irgendwie konnte ich mich nicht überwinden, zum Frühstück schon über Bilanzen zu lesen. Durchaus verständlich, oder?
Also gab es jetzt doch wieder neue Unterhaltungslektüre. Auch wenn ich es aktuell nicht brauche, lese ich “Anleitung zum Entlieben” von Connie Lubeck. Die Grundlage für das Buch war ein Blog, den sie begann um zu dokumentieren, wie sie sich Stück für Stück von 119 trennt. Dass er ihr nicht gut tut, nicht nur weil er sie nicht liebt, sie ihn aber um so mehr, ist ihr schon lange klar. Trotzdem braucht sie viele Anläufe, ihn endlich aus ihrem Leben zu verbannen. Zumindest hoffe ich, dass sie zu dem Punkt noch kommt.
Dank kurzer Kapitel lässt sich das Buch gut in kleinen Happen zwischendurch genießen. Der Schreibstil ist klasse. Ehrlich und humorvoll, jeder der schon mal Liebeskummer hatte (und wer hatte schon das Glück dem zu entgehen?) wird etwas darin wieder erkennen.

Melina Gerosa Bellows – Wunschgeflüster

wunschgefluester

Bella und Bobby sind Zwillinge. Aber nicht nur äußerlich sind sie sich nicht wirklich ähnlich. Bobby leidet am Asperger Syndrom. Bellas sehnlichster Wunsch ist, ihrem Bruder näher zu kommen, was dessen Erkrankung aber unmöglich macht. In Ausschnitten, ähnlich einem Tagebuch (jeder Abschnitt ist unter anderem mit ihrem derzeitigen Lieblingslied und dem kostbarsten Besitz überschrieben), begleitet man Bella durch ihr Leben. Auf dem Weg zu sich selbst und damit auch zu ihrem Bruder.

Teilweise erinnert „Wunschgeflüster“ an einen typischen Frauenroman. Vor allem im mittleren Teil, in dem sich der Großteil der Handlung um Bellas Beziehungen dreht. Allerdings geht es oft tiefgründiger zu, als man von Büchern dieses Genres normalerweise erwartet. Durch ihre Beziehungen lernt Bella viel über ihre Beziehung zu Bobby. Die Promigeschichten hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht, aber das ist Geschmackssache.

„Wunschgeflüster“ hat mir sehr gut gefallen, immer wieder habe ich noch ein Kapitel mehr gelesen, als eigentlich geplant war. Kaum hat man das nächste angelesen, steckt man schon wieder mitten drin und möchte wissen, wie es weiter geht. Man freut sich mit Bella und leidet mit ihr, wenn mal wieder eine Beziehung nicht das Wahre war. Weil sie auf der Suche nach dem Richtigen nicht erkennt, dass sie den längst gefunden hat. Sie muss nur noch den Weg zu ihm finden.

Wunschgeflüster – Melina Gerosa Bellows
396 Seiten, Knaur
ISBN 9783426652039, 12,95 €
Flexcover HC

Monatsrückblick Januar 2010

Eigentlich dachte ich ja, im Januar schon wesentlich weniger zum Lesen zu kommen. Die Monatsstatistik sagt was anderes. Es wurden dann doch sieben Bücher. Auch wenn die meisten davon recht dünn waren, zumindest für meine Verhältnisse, kamen 2984 Seiten zusammen. Ich weiß wirklich nicht, wann ich die alle gelesen habe. Manch einer schlafwandelt ja, vielleicht lese ich nachts Bücher, ohne es zu merken?

Shane Jones – Thaddeus und der Februar ++
Anders, aber toll, voller fantastischer Bilder, die einen noch lange verfolgen.

Bernhard Hennen – Elfenkönigin (Die Elfen IV) ++
Eine gelungene Fortsetzung, diesmal dreht sich alles um Emerelle, die Königin der Elfen.

Nick Hornby – 31 Songs +
Auch wenn ich nur einen kleinen Teil der Lieder kannte, Nick Hornbys Einstellung und Begeisterung haben mich mitgerissen.

Trudi Canavan – Die Meisterin (Die Gilde der schwarzen Magier III) ++
Wem die ersten beiden Bände zu ruhig waren, der wird hier auf seine Kosten kommen, es geht hoch her im Finale.

Kerstin Gier – Rubinrot +++
Unfreiwillige Zeitreisen und unfreiwillige Gefühle, ohne Kitsch, aber sehr spannend und einfach nur toll.

Dörthe Binkert – Weit übers Meer ++
Wie der Ausbruch aus einer von der Gesellschaft bestimmten Rolle befreien kann.

Melina Bellows – Wunschgeflüster ++
Bellas sehnlichster Wunsch, ist “den Einen” zu finden. Bis sie erkennt, dass sie ihn längst gefunden hat. Sie muss nur zu ihm finden.