Archiv für 9. Dezember 2009

Fabian Geier – J. R. R. Tolkien

TolkienRororo

Eine sehr interessante Monogaraphie, die in das Leben und Werk Tolkiens einführt. Fabian Geier gelingt es, Tolkiens Lebensweg wirklich interessant darzustellen. Bio- und Monographien waren in meiner Vorstellung immer eher trocken und etwas langweilig. Hier wurde ich vom Gegenteil überzeugt. Es macht Spaß Tolkien auf seinem Weg zu folgen, zu lesen wann er zum Beispiel C.S.S. Lewis kennen lernte, aber auch viele andere für ihn prägende Menschen. Aber auch zu sehen, wie Mittelerde anhand der von ihm erfundenen Sprachen und Sagen immer mehr Gestalt annimmt. Viele Figuren tauchten in ähnlicher Form schon früh in seinen Werken auf, zum Beispiel Tom Bombadil.

Wer sich ein wenig für J. R. R. Tolkien interessiert, bekommt hier eine angenehm zu lesende Einführung. Die zum Beispiel auch auf weit verbreitete Vorurteile eingeht, wie dem Einfluss der beiden Weltkriege auf den „Herrn der Ringe“.  Ich fand es auch sehr interessant, einen kleinen Einblick in das damalige Collegeleben in England zu bekommen. Tolkien wurde mir bei der Lektüre immer sympathischer, auch wenn er scheinbar ein etwas eigener Mensch war. Bei der nächsten Lektüre werde ich den „Herrn der Ringe“ mit anderen Augen betrachten.

Festgehalten im 18. Jahrhundert

Ich kann euch leider keine neue Lektüre melden, da ich immer noch im 18. Jahrhundert stecke und Jamie und Claire durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg begleite. “Echo der Hoffnung” ist ebenso fesselnd wie die Vorgänger aus der Highland-Saga. Diana Gabaldon schafft es immer wieder, dass ich mich in ihren Büchern richtig wohl fühle. Jeder neue Band ist wie “nach Hause kommen”, jedes letzte Zuschlagen des Buches wie Abschied nehmen. Mir graut ja vor dem Tag, an dem sie einen der Hauptcharaktere sterben lässt.

Natürlich gibt es auch hier jede Menge Zufälle, ab und an schüttelt man da schon mal leicht den Kopf. Aber es hält sich in Grenzen. Sie schafft es auch, verschiedene Handlungsstränge flüssig nebeneinander spielen zu lassen. Ab und an treffen sie sich, um dann wieder ihre eigenen Wege zu gehen. Immer ist Spannung vorhanden, langweilig wird es nie. Was immer wieder dazu führt, dass ich erschrocken fest stelle, schon wieder länger gelesen zu haben als ich wollte.

700 Seiten habe ich jetzt schon hinter mir, die fehlenden 300 werde ich genießen. Gegen Ende lese ich bei ihren Büchern immer etwas langsamer, weil ich gar nicht will, dass es vorbei ist.

Christoph Hardebusch – Die Werwölfe

Werwoelfe

Der junge Niccolo Viviani begibt sich auf die Grand Tour, er soll die Welt kennen lernen und in die Gesellschaft eingeführt werden. Am Genfer See begegnet er dabei Lord Byron und seinen Freunden, die einen sehr zweifelhaften Ruf haben. Nicht zu unrecht, wie sich bald heraus stellt. Ein dunkles Geheimnis umgibt ihre kleine Gruppe, in das auch Niccolo eingeweiht wird, das Geheimnis der Wolfsmenschen. Doch bevor sie ihn in ihre Gemeinschaft aufnehmen können, kommt ihnen die Inquisition auf die Spur und ist ihnen von nun an ständig auf den Fersen. Das Geheimnis der Wolfsmenschen lässt Niccolo nicht mehr los. Wenn es sie tatsächlich gibt, warum dann nicht auch andere vermeintliche Sagengestalten?

Die Werwölfe geben sich hier ein Stelldichein mit Vampiren. Doch Hardebusch hat es geschafft, die Handlung über den schon oft beschriebenen uralten Krieg zwischen Blutsaugern und Lykantrophen hinausgehen zu lassen. Auch die Inquisition darf in solch illustrer Gesellschaft natürlich nicht fehlen, wobei auch sie das ein oder andere dunkle Geheimnis birgt.

Wer einen Roman über das blutige Treiben von Werwölfen in Vollmondnächten erwartet, wird enttäuscht sein. Natürlich gibt es den ein oder anderen Zusammenstoß, wer „Die Trolle“ gelesen hat weiß auch, dass Christoph Hardebusch bei solchen Szenen nicht zimperlich ist. Aber es hält sich im Rahmen. Im Vordergrund steht die Suche Niccolos nach dem alten Wissen über Werwölfe, das die Kirche vor allen anderen versteckt. Wobei die Suche nach diesem Wissen einen guten Grund hat und natürlich alles andere als ungefährlich ist. Immer wieder Thema ist auch die Frage, ob und wie man Beziehungen zu „normalen“ Menschen führen kann, wenn man selbst ein Werwolf oder auch ein Vampir ist.

Wer fürchtet einen der gerade so verbreiteten Liebesschinken im Horrorgewand vor zu finden, kann beruhigt sein. Es handelt sich hier um einen klassischen Horror- oder auch Dark Fantasy- Roman, und zwar einen der empfehlenswerten Sorte. Hardebusch schafft es, den Leser in die vorviktorianische Zeit zu entführen und die Gesellschaft der Salons und Theater erleben zu lassen.

Mir hat das Buch wieder richtig Lust auf Horrorlektüre gemacht, wobei es gerade nicht einfach ist, ein Vampir- oder Werwolfbuch zu finden, dass kein getarnter Nackenbeißer ist. (Wer den Ausdruck nicht kennt: Liebesromane, auf denen schmachtende Damen im Arm ihrer Liebsten vergehen, während diese aussehen, als würden sie gleich in den Nacken der Angebeteten beißen, werden als „Nackenbeißer“ bezeichnet. Das jetzt Vampire gerne die Hauptrolle des holden Recken übernommen haben, hängt sicher nicht mit dieser schon länger gebräuchlichen Bezeichnung zusammen.)

Die Werwölfe – Christoph Hardebusch
512 Seiten, Heyne
ISBN 9783453533165, 14,00 €

Monatsrückblick November 2009

Nachdem ich für die 500 Seiten von Drachenkaiser ganze zwei Wochen brauchte, hatte ich ja schon das Schlimmste für meine Monatsliste erwartet. Dank ein paar dünnen und sehr guten Büchern sieht sie jetzt doch nicht so übel aus. Irgendwie habe ich es sogar geschafft, insgesamt 1815 Seiten zu lesen. Das sind zwar immer noch 1000 Seiten weniger als der letztjährige Monatsdurchschnitt, aber damit war zu rechnen.

Markus Heitz – Drachenkaiser +
Keine schlechte Fortsetzung, aber auch nicht so gut wie erhofft.

Daniel Glattauer – Gut gegen Nordwind ++
Jetzt weiß ich, warum es so oft gelobt wird. Ein sehr schönes Büchleich für Zwischendurch.

Matt Ruff – Bad Monkeys +++
Genial. Schräg. Fesselnd. Lesen!

Roman Rausch – Das Caffeehaus +

Ganz netter historischer Roman über Würzburg.

Arne Dahl – Ungeschoren +++

Mal wieder ein toller Krimi aus Dahls Feder. Bisher hat er mich noch nie enttäuscht.