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Roman Rausch – Das Caffeehaus

Ralf, der mir wie berichtet sein Rezensionsexemplar auslieh, und meine Wenigkeit haben das Buch zwar nacheinander gelesen, aber gemeinsam besprochen. Daher findet ihr hier ausnahmsweise mal keine klassische Rezension, eher eine Besprechung im wörtlichen Sinne. Eigentlich hätten wir auch einen Podcast daraus machen können. Aber ich wollte euch meine Stimme nicht antun. Viel Spaß beim Lesen, wir hatten ihn beim Schreiben.

caffeehaus

Roman Rausch, der bisher einige Würzburg- und zwei Hamburg-Krimis geschrieben hat, wagte sich jetzt an ein neues Genre: den historischen Roman. Räumlich ist er damit aber wieder zurück zu den fränkischen Wurzeln gekehrt, „Das Caffeehaus“ spielt im Würzburg des 18. Jahrhunderts. Hauptcharaktere sind die ehemalige Haremsdame Sabiha und der uns allseits bekannte Balthasar Neumann, die es beide rein zufällig nach einer ersten Begegnung im Türkenkrieg bei Belgrad nach Würzburg verschlug.

Ralf: Überhaupt ist Gevatter Zufall ein stetiger Begleiter in diesem Buch.

Emily: Was ja leider in vielen durchschnittlichen historischen Romanen üblich ist.

Ralf: Ich glaube, dass es schon eine dramatische Notwendigkeit hat. Auch in hochkarätigen Filmen und Büchern, was mich immer nervt.

Emily: Stimmt, selbst die von mir verehrte Rebecca Gablé kommt nicht ohne aus.

Ralf: Rebecca Gablé?

Emily: Hier

Ralf: Ah ja. Historische Romane sind ja wirklich nicht so mein Ding. Ich habe auch beim Caffeehaus gemerkt, dass mich die Fülle an historischen Daten und Ereignissen überfordert.

Emily: Das hängt aber auch sehr vom Autor ab, wie er sie verpackt. Beim Caffeehaus fand ich, dass die Historie mehr im Vordergrund stand als in anderen historischen Romanen. Es ähnelte stellenweise schon einem Sachbuch.

Ralf: Stimmt. Wenn man interessiert ist an den verwandtschaftlichen Verhältnissen der Fürstbischöfe wird man in dem Buch viel lernen können. Aber das Buch erzählt ja nicht nur Geschichte, sondern auch „Gschichtli“. Da wäre zum Beispiel die vom Zufall gebeutelte Sabiha, die in Würzburg das erste orientalische Caffeehaus eröffnet. Eine Powerfrau.

Emily: *räusper* Typisch „…in-Roman“ (meint die spezielle Gattung historischer Romane mit verweiblichtem Titel wie „Die Pelzhändlerin“)

Ralf: Mir wurscht. Powerfrau. Für das 18. Jahrhundert fast schon zuviel Powerfrau.

Emily: Das meinte ich.

Ralf: Trotzdem. Im Roman klingt es ab und zu, als würden die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse Würzburgs von ihr, sei es nur indirekt, bestimmt. Ihr Caffee beeindruckt Fürstbischöfe und Kaiserinnen. In der Science Fiction würde man diesen Effekt wohl „deux ex machina“ nennen. Die Allwunderwaffe Caffee.

Emily: Wobei ich den Caffeeteil recht interessant fand, ich wusste zum Beispiel vorher nicht, das zu der Zeit das Mostfrühstück üblich war. Die Caffeegeschichte fand ich ganz schön, sie hat selbst mir, einer Nichtkaffeetrinkerin Lust auf Caffee gemacht.

Ralf: Da hake ich gleich mal ein, als bekennender Caffeesnob fand ich den Kult, den eben diese Sabiha um das Rösten und Zubereiten macht durchaus nachvollziehbar. Es erinnert mich an ambitionierte Caffeedealer in Würzburg, wie zum Beispiel das DOC, wo wir gerade diese Rezension schreiben. Dieser Teil ist glaube ich auch für jeden Caffeefetischist lesenswert.

Emily: Das wäre dann der Teil, der auch für Nichtwürzburger interessant wäre. Der historische Teil bezieht sich ja schon sehr auf die Geschichte Würzburgs.

Ralf: Wobei ich mir vorstellen kann, dass es für Würzburginteressierte-Nichtwürzburger – potentielle Touristen – quasi als Reiseführer dienen könnte.

Emily: Zumindest für die Residenz, deren Entstehung detailliert beschrieben wird.

Ralf: Ach ja, Neumann.

Emily: Hättest Du den fast vergessen?

Ralf: Könnte man fast vergessen, wobei sein Part im Buch schon recht groß ist. Aber als menschliche Person nimmt man ihn gar nicht so wahr, mehr in seiner Funktion als Bauleiter und Architekt. Aber wenn ich mir den Caffeehaus-Neumann mit seinen offenen und originellen Ideen, für damals zumindest, heute vorstelle, dann würde ihn der Verschönerungsverein wahrscheinlich mit Steinen aus der Stadt treiben. Denn laut Roman musste auch Neumann gegen Betonköpfe und konservative Kräfte ankämpfen.

Wie fanden wir jetzt den Roman?

Emily: Ich fand es einen netten historischen Schmöker, der schnell gelesen ist und mir als Nichtwürzburgerin einiges über die Geschichte der Residenz beigebracht hat. Sabihas Teil war schön, aber nicht notwendig.

Ralf: Dann wäre es nur noch halb so dick. Es ist sowieso schon luftig gesetzt.

Emily: Und Dein Fazit?

Ralf: Es ist ein historischer Roman, damit hat es bei mir schon mal schlechte Karten. Da kann aber Roman Rauscht nichts dafür. Historienfreunden wird er gefallen.

Emily: Wobei er meiner Meinung nach an Tilman Röhrigs „Riemenschneider“ nicht heran reicht, der handwerklich ein Stück besser ist.

Ralf: Von mir aus, aber ich glaube nicht, dass es ein schlechter Roman ist.

Emily: Das stimmt, er war besser als ich erwartet hatte.

Ralf: Lässt sich locker lesen und ich würde ihn, darf man gar nicht so negativ sehen, als nette Urlaubslektüre bezeichnen.

Jetzt trinken wir einen Caffee!

Endlich, ein Echo!

Er ist da! Der siebte Band der Highland-Saga von Diana Gabaldon. “Echo der Hoffnung” ist wieder ein schöner dicker Wälzer, mit über 1000 Seiten. Endlich erfahre ich, wie es mit Jamie und Claire weiter geht.

Ja, es ist ein wenig schmalzig, dass die beiden nach inzwischen etlichen Jahren noch immer wie frisch verliebte Teenager sind. Aber was soll’s. Gabaldons Bücher sind wunderbar um sich mal ein paar Stunden aus dieser Welt weg zu träumen. Es ist immer ein Gefühl wie nach Hause kommen, zu guten alten Freunden. Irgendwie schafft sie es, eine wunderschöne Atmosphäre aufzubauen. Das ganze inklusive historischer Korrektheit.

Das Timing hätte auch nicht besser sein können. “Das Caffeehaus” von Roman Rausch habe ich heute Abend beendet, in “Ungeschoren” von Arne Dahl fehlen nur noch wenige Seiten, die schaffe ich heute auch noch. Ab morgen habe ich eine Woche Urlaub, also etwas mehr Zeit für “Echo der Hoffnung”. Außerdem kann ich ein “Wegträum-Buch” gerade ganz gut gebrauchen.

Ein Rausch geht vor

Obwohl gerade einige gute und lange erwartete Bücher eingetrudelt sind, müssen erst mal alle ein wenig warten. Ralf vom Würzblog bekam ein Leseexemplar von Roman Rauschs neuestem Buch. Bisher schrieb er Krimis, diesmal wurde es ein historischer Roman, “Das Caffeehaus”. Natürlich geht es nicht nur um Caffee, sondern auch um Balthasar Neumann und den Bau der Residenz.

Ralf war so nett, das Buch ganz schnell zu lesen und mir auszuleihen. Da meine Neugier siegte, wurde Arne Dahls “Ungeschoren” erst mal beiseite gelegt. Selbst der neue Jasper Fforde, “Irgendwo ganz anders” wanderte erst mal auf den SUB. “Das Caffeehaus” ist aber auch nicht wirklich dick, in ein paar Tagen bekommt ihr die Rezension dazu. Diesmal vielleicht in etwas anderer Form, lasst euch überraschen.

Trudi Canavan – Die Novizin

Novizin

„Die Novizin“ ist der zweite Teil der Reihe „Die Gilde der schwarzen Magier“. Sonea ist nun Novizin an der Universität der Magier. Doch ihre Herkunft aus den ärmlichen Hüttenvierteln macht es ihr nicht leicht, sich mit ihren Klassenkameraden anzufreunden, die aus wohlhabenden Häusern stammen und sie nicht akzeptieren. Sie wird als Diebin und Hure verunglimpft, schikaniert und gequält wo immer sich eine Gelegenheit ergibt. Zudem hütet Sonea ein gefährliches Geheimnis, dessen Entdeckung sie ständig fürchten muss. Doch sie ist stärker, als jeder ihr zutraute.

Wie schon der erste Band der Reihe, „Die Rebellin“, ist auch „Die Novizin“ wieder ein fesselnder und unterhaltsamer Schmöker. Es ist sicher keine große Literatur, die Handlung verläuft relativ linear und ist oft vorhersehbar. Trotzdem macht es Spaß, Sonea auf ihrem Weg zu begleiten. Es fällt schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Viele Charaktere habe ich inzwischen lieb gewonnen und freue mich schon darauf, ihnen in „Die Meisterin“ wieder zu begegnen.

Für ein paar gemütliche Stunden genau das richtige Buch.

Es wird kriminell

Nachdem ich “Bad Monkeys” von Matt Ruff verschlungen habe, geht es jetzt kriminell weiter. Mit einem Buch, das mich ganz sicher nicht enttäuschen wird, “Ungeschoren” von Arne Dahl. Seine Krimis liegen genau auf meiner Wellenlänge, bisher gefiel mir noch jeder Band ausgesprochen gut.

“Ungeschoren” habe ich mir lange aufgehoben, da der nächste Band (“Totenmesse”) bisher nur als Hardcover erschienen ist. Wenn ich da zu lange auf das Taschenbuch warten muss, werde ich sonst noch schwach. Oder kann mir jemand einen Krimiautor empfehlen, der ähnlich wie Arne Dahl schreibt? Demnächst brauche ich Nachschub.

Arne Dahl – Rosenrot

Rosenrot

„Rosenrot“ ist der fünfte Band rund um das Ermittlerteam der A-Gruppe. Paul Hjelm und Kerstin Holm sollen die Ermittlung gegen einen Polizisten leiten, der im Einsatz einen Südafrikaner erschossen hat. War es wirklich Notwehr? Hat der Einbrecher, der bei einem seiner „Ausflüge“ eine Leiche entdeckt, etwas mit dem Fall zu tun? Oder gar die Leiche selbst? Ein seltsamer Abschiedsbrief gibt ihnen Rätsel auf. Ging es vielleicht eigentlich in all den Fällen um jemand ganz anderen?

Wieder wurde ich nicht enttäuscht, die Krimis von Arne Dahl sind genau nach meinem Geschmack. Der Kriminalfall steht im Vordergrund, viele verschiedene Fäden führen am Ende zusammen. Man kann von Anfang an miträtseln, ist stets auf dem gleichen Stand wie die Ermittler. Die Perspektive auf die Handlung wechselt immer wieder zwischen den verschiedenen Ermittlern, aber auch Verdächtigen. Auch aus dem Privatleben der A-Gruppe erfährt man immer wieder mal ein wenig. Deren Mitglieder in den jetzt schon fünf Bänden einiges mitmachen mussten, sich teilweise sehr verändert haben. Es ist immer wieder interessant, ihnen auf ihrem Weg zu folgen.

Die Krimis von Arne Dahl kann ich nur empfehlen. Natürlich gibt es viele verschiedene Krimigeschmäcker, genauso viele wie unterschiedliche Krimis. Wer zum Beispiel Elizabeth George mag und von den Ermittlern mit Alkoholproblem aus anderen nordischen Krimis leicht genervt ist, sollte mal einen Blick in „Misterioso“ werfen, den ersten Band der Reihe. Es empfiehlt sich, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen, auch wenn in den Folgebänden genügend Erläuterungen vorhanden sind. Zart besaitet sollte man allerdings nicht sein, Dahl ist in seinen Schilderungen oft schonungslos.

Es lag doch am Buch

Dass ich eine gefühlte Ewigkeit an “Drachenkaiser” las, war wohl doch des Buches eigene Schuld. Trotz unveränderter äußerer Umstände fesseln mich die anschließenden Lektüren weit mehr. “Gut gegen Nordwind” habe ich übers Wochenende ausgelesen, “Bad Monkeys” hält mich gerade regelmäßig länger am Esstisch als geplant.

“Gut gegen Nordwind” war ja auch wirklich nur ein kleiner Happen zwischendurch, der sich leicht und schnell lesen lässt. Vor  “Bad Monkeys” von Matt Ruff kann ich mal wieder nur warnen, wer gerade keine Zeit hat, sollte gar nicht erst damit anfangen. Von der ersten Zeile an hatte es mich fest im Griff, es ist jedesmal ein regelrechter Kampf, sich wieder los zu reißen. Am liebsten würde ich die Nacht durchlesen, nur wenige Bücher schaffen es, mich selbst während des Kochens lesen zu lassen. Es ist spannend, es ist schräg, es ist einfach genial.

Kleine Mogelei

An “Drachenkaiser” von Markus Heitz habe ich jetzt genau 13 Tage gelesen. Ich bin mir nicht sicher, ob es an allgemein mangelnder Konzentration lag, die mich selten länger als 20 Seiten am Stück lesen ließ, oder doch am Buch. Bücher die mich nicht wirklich fesseln, brauchen auch ein wenig länger. Da erhöre ich dann doch eher mal den Ruf meines Schreibtisches, der mit Arbeit auf mich wartet.

Damit die SUB-Statistik für diesen Monat nicht ganz so schlimm wird, es wird auch so wahrscheinlich die kürzeste seit Jahren, mogele ich jetzt zwei dünnere Bücher dazwischen. Gerade angefangen habe ich mit “Gut gegen Nordwind” von Daniel Glattauer. Ich wollte doch mal wissen, was so viele an dem Buch finden. Vielleicht schaffe ich anschließend noch “Bad Monkeys” von Matt Ruff, bevor der nächste dicke Schmöker mich wochenlang beschäftigt. Diana Gabaldons “Echo der Hoffnung” will ich einfach sofort lesen, auch wenn es wahrscheinlich wirklich ewig dauern wird, das ist sogar mehr als doppelt so dick wie der “Drachenkaiser”.

Andreas Eschbach – Ausgebrannt

Ausgebrannt

Markus Westermann träumt schon seit Jahren von einem Leben in den Vereinigten Staaten. Endlich steht er kurz vor der Verwirklichung dieses Traums, er hat einen Job in den USA bekommen. Doch schnell kommt alles anders als geplant, er wird gefeuert. Da muss es doch Schicksal sein, dass er auf jemanden trifft, der ihm verspricht, eine sensationelle Methode zum Auffinden bisher unentdeckter Ölvorkommen zu kennen. Markus riskiert alles und gründet mit seinem Partner eine Ölfirma. Der Erfolg lässt allerdings nach einem ersten Hype auf sich warten. Da geschieht das Unvorstellbare, das größte Ölfeld der Welt versiegt. Der Stoff, den bisher jeder als selbstverständlich angesehen und ohne weitere Gedanken an Folgen verfeuert hat, wird plötzlich rar. Wie kann die Welt ohne Öl funktionieren? Ohne Autos, Flugzeuge, Plastik, Teer, selbst für die Medikamentenherstellung wird Öl benötigt. Hat Markus eine Lösung für diese Probleme? Was hat der Mord an seinem Vater mit all dem zu tun? Stand der vielleicht kurz vor einer Entdeckung, die der Wirtschaft gefährlich werden könnte?

„Ausgebrannt“ ist spannend und las sich sehr schnell. Auch wenn ich mit dem Hauptcharakter nicht warm wurde. Markus ging mir mit seiner extremen Naivität oft auf die Nerven, man will ihn an den Schultern packen und schütteln, weil einem schon lange klar ist, was passieren wird. Schriftstellerisch ist es keine Meisterleistung, aber ein gut lesbares Buch.

Nach dieser Lektüre denkt man anders über das uns so selbstverständliche Öl. Eschbach beschreibt es ganz passend, die Menschheit reagiert erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wie einfach wäre es, frühzeitig an Alternativen zu forschen und die vorhanden Ölreserven für die Anwendungen zu nutzen, wo es sich nicht so einfach ersetzen lässt. Aber der Mensch denkt leider höchstens bis morgen, nicht weiter.

Ein sehr gutes und wichtiges Buch, das ich gerne weiter empfehlen werde.

Drachen und die Wirtschaftskrise

Da liest man extra schon leichte Fantasylektüre, um sich ein wenig von den ganzen Wirtschaftsbüchern abzulenken, und was passiert: man bekommt die wahren Hintergründe der Wirtschaftskrise erläutert.

Die Drachen waren es! Schon für die Krise in den 20er Jahren waren chinesische Drachen verantwortlich. Aber das war nur zur Übung, ein Vorspiel der für uns aktuellen Wirtschaftskrise. Chinesische Drachen haben mit ihrem Geld die Blase aufgebaut und gezielt platzen lassen, um die Herrschaft über die Welt zu bekommen. Glaubt ihr nicht? Lest es nach, in “Drachenkaiser” von Markus Heitz steht es. Wusstet ihr noch nicht, dass uralte Drachen heimlich die Geschicke der Welt lenken, unsere Politiker nur Marionetten sind? So ganz weit hergeholt klingt das doch gar nicht, oder? ;-)

Für ein Heitz Buch ist “Drachenkaiser” erstaunlich unblutig, dafür gibt es aber allerhand Ränkespiele, was er auch sehr gut beherrscht. Das Flair der 20er Jahre, in denen die Geschichte spielt, macht das Buch zu etwas Besonderem im Fantasygenre, eine angenehme Abwechslung zu den meist üblichen mittelalterlichen Welten. Mit Wirtschaftsunterricht hätte ich allerdings nicht gerechnet.