Archiv für 7. Oktober 2009

Rebecca Gablé – Hiobs Brüder

HiobsBrueder

Losian hat sein Gedächtnis verloren. So landet er zusammen mit einigen anderen auf einer Insel, auf der die Kirche Menschen verwahrt, die angeblich besessen sind. Wobei die Kirche gerne jeden als besessen verurteilt, der irgendein Gebrechen aufweist, wie zum Beispiel die Fallsucht des jungen Simon. Unverhofft bietet sich den Weggesperrten die Möglichkeit zur Flucht, Losian führt sie auf ihrem Weg quer durch England an. In seinen Träumen quälen ihn Erinnerungsfetzen, doch er weiß nicht mehr wer er war. Seine Suche nach sich selbst ist alles andere als einfach. Will er überhaupt wieder der werden, der er anscheinend war?

„Hiobs Brüder“ schließt zeitlich an „Das zweite Königreich“ an, welches man aber vorher nicht gelesen haben muss. Alle notwendigen Fakten werden geliefert, das Buch beginnt einige Jahre später und behandelt die Epoche die mit „The Anarchy“ bezeichnet wird. Der Kampf zwischen König Stephen und Kaiserin Maud um die anerkannte Herrschaft in England lässt das Land im Chaos versinken.

Endlich wieder ein neuer Roman von Rebecca Gablé, ich lese ihre Bücher sehr gerne. Sie schafft es, historische Begebenheiten in spannende Geschichten einzuweben. Selbst mit dem komplexen Rosenkrieg ist ihr das in „Das Spiel der Könige“ gelungen. In diesem Buch dauert es ein wenig, bis der geschichtliche Hintergrund auftaucht. Lange geht es nur um Losian und seine Kameraden. Nach einem spannenden Einstieg gab es für mich erstmal eine kleine Länge. Dann folgten ein paar Seiten, auf denen man einen Schnellkurs über die aktuelle politische Lage bekommt, ein Charakter der das Gedächtnis verloren hat ist hierfür sehr praktisch. Danach passiert wieder eine Weile nicht wirklich viel. Doch dann kommt das Buch in Fahrt und wird so spannend und interessant wie all ihre anderen Bücher vorher auch. Das Ende macht den für mich leicht enttäuschenden Anfang wieder gut. Es lohnt sich nicht aufzugeben, auch wenn es anfangs stellenweise etwas langatmig ist. Mit Losian ist ihr wieder ein Charakter gelungen, der mir schnell ans Herz gewachsen ist, ebenso seine Gefährten von der Insel. Keiner von ihnen hat es leicht, doch alle finden irgendwie ihren Weg in einer Welt, die sie oft nicht anerkennt.

Ein sehr guter Historien-Roman, der nicht auf der „-in“-Welle reitet. Die männlichen Hauptcharaktere sind neben der gründlichen Recherche mit einer der Punkte, die mich immer wieder an Rebecca Gablés Büchern begeistern.

Fesselnde Werwölfe

Dass “Die Werwölfe” von Christoph Hardebusch mich eben kaum mehr los ließen, lag sicher nicht nur daran, dass ich ein paar Tage auf Buchstabenentzug war. Die relativ kurzen Kapitel mit ständig wechselnden Hauptcharakteren lassen einen immer wieder “noch schnell das nächste Kapitel” lesen.

Bisher gibt es vier Hauptcharaktere, ein junger und noch recht naiver Italiener, der sich auf die Grand Tour begibt um die Welt kennen zu lernen, ein Werwolf, eine Werwolfjägerin und ein Vampir. Ich bin schon sehr gespannt was los ist, wenn sie alle aufeinander treffen. Aber auch alleine sorgen sie für einiges an Spannung. Zum Glück stören mich durch die Gegend fliegende Eingeweide und aufgeschlitzte Kehlen schon lange nicht mehr beim Essen.

Ertragreiches Wochenende

Kaum fängt der neue Monat an, ziehen neue Bücher bei mir ein. Aber nur eines davon musste ich mir kaufen. Von “Drachenkaiser” konnte ich nicht länger die Finger lassen, die Fortsetzung von Markus Heitzs “Mächte des Feuers” hat mich zu sehr gelockt. Das Flair der 20er-Jahre statt der üblichen Mittelalterumgebung machen diese Fantasybücher zu etwas Besonderem.

Zuhause erwartete mich dann noch ein Gewinn vom Berlin Verlag, sogar mit handgeschriebenem Glückwunsch. Benjamin Kunkels “Unentschlossen” klingt von der Handlung sehr interessant, auch wenn die Rezensionen nicht wirklich begeistert sind. Ein Medikament soll dem chronisch unentschlossenen Dwight helfen, sein Leben endlich in den Griff zu bekommen.

Zu guter letzt bekam ich noch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Die erste Geschenkidee hatten die Schenkenden sich selbst vermasselt. Sie hatten mir so sehr von Terry Pratchetts “Good Omens” vorgeschwärmt, dass ich es mir sofort besorgt hatte. Statt dessen bekam ich vom gleichen Autor “Nation” (im Deutschen mit dem Titel  “Eine Insel” erschienen), bei dem ich noch auf das englische Taschenbuch gewartet hatte. Jetzt darf ich eine richtig schöne Hardcover Ausgabe mein Eigen nennen, vielen Dank an M. und H. aus S. Ihr gehört zu den Wenigen, die sich noch trauen, mir ein Buch zu schenken. Und ihr habt ein tolles Buch ausgewählt. Ausnahmsweise spielt dieses Werk Pratchetts nicht auf der Scheibenwelt, sondern auf einer fiktiven Inselkette, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ich bin schon sehr gespannt darauf.

Zum lesen kam ich seit drei Tagen gar nicht, “Die Werwölfe” von Christoph Hardebusch warten noch auf mich. Für so tollen Besuch habe ich sie gerne mal ein paar Tage neben dem Bett liegen lassen. Wovon sie handeln, sagt der Titel ja schon aus.

Sue Townsend – Das Intimleben des Adrian Mole 13 3/4

Adrian13

Adrian hat es wirklich nicht leicht, mit seinen 13 ¾ Jahren. Seine Eltern wollen sich scheiden lassen, seine Freundin will ihn nicht ran lassen, die Lehrer haben kein Verständnis für einen Intellektuellen wie ihn, sein soziales Engagement für den exzentrischen Bert und seinen nicht ungefährlichen Hund Sabre weiß niemand zu würdigen. Wer würde da nicht verzweifeln? Dass so manches Problem aus seiner Selbstüberschätzung resultiert, sieht Adrian natürlich ganz anders.

Seine Gedanken zu all diesen Miseren hinterlässt Adrian in seinem Tagebuch. Das wir hier zu lesen bekommen. Auch das Zeitgeschehen hinterlässt ab und an seine Spuren in Adrians Gedankenwelt, allerdings hat er oft ein etwas obskures Verständnis der Welt um sich herum.

Warum mir dieses Buch gefiel, kann ich gar nicht begründen. Adrian ist ein nerviger Kerl, den man gerne mal kräftig schütteln würde, damit er die Augen öffnet. Trotzdem ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich mich festgelesen und erst nach fünfzig Seiten wieder aufgehört hatte. Auch das ein oder andere Schmunzeln dürfte zu sehen gewesen sein.

In „Das Intimleben des Adrian Mole 13 ¾ Jahre“ sind die beiden ersten Bände „Das geheime Tagebuch des Adrian Mole 13 ¾ Jahre alt“ und „Die neuen Leiden des Adrian Mole“ zusammen gefasst. Es gibt noch einige Folgebände, über deren Reihenfolge ich mir noch nicht ganz sicher bin. Wenn ich mich nicht täusche, geht es mit „Die Cappucino Jahre“ weiter. Wenn mir jemand mehr zur Reihenfolge sagen kann, würde ich mich sehr freuen. Denn weiter lesen möchte ich auf jeden Fall.

Monatsrückblick September 2009

Schon wieder ist ein Monat vorbei. Wo bleibt nur immer die Zeit? Und wann lese ich all die Bücher? So wild wie im August war es natürlich nicht, 2322 Seiten wurden es dann aber doch.

Nick Hornby – Juliet, Naked +++

Wer “High Fidelity” mochte, findet hier endlich ein ebenbürtiges Werk. Wieder geht es um Liebe, zu Menschen sowohl als auch zur Musik. Es lohnt sich.

Sue Townsend – Das Intimleben des Adrian Mole 13 3/4 ++
Hat sehr viel Spaß gemacht, obwohl ich Bücher im Tagebuchstil eigentlich nicht mag. Die nächsten Bände werden sicher folgen.

Stephen Fry – Der Sterne Tennisbälle ++

Ein Streich gerät außer Kontrolle und zerstört ein Leben. Doch die Rache folgt. Wie weit darf sie gehen?

David Nicholls – Zwei an einem Tag +++

Wunderschöner Liebesroman mit viel Gefühl, aber ohne Kitsch. Mein Buchtipp für diesen Monat.

Guy Gavriel Kay – Die Fürsten des Nordens -
Abgebrochen auf Grund zu vieler Logikfehler. Außerdem mag ich es nicht, wenn ich als Leser für dumm gehalten werde.

Tilman Röhrig – Caravaggios Geheimnis +
Schöner Historienroman, der aber nicht an die Qualität von “Wir sind das Salz von Florenz” heran kommt.

Torkil Damhaug – Die Bärenkralle +

Ein Krimi der mich nach einigen Seiten noch eines besseren belehrt hat. Nicht so vorhersehbar wie gedacht.

Tad Williams/Deborah Beale – Die Drachen der Tinkerfarm +++

Richtig schöne All-Age-Fantasy, perfekt für einen Schmökertag, wenn es draußen wieder ungemütlich wird.