Home › Monthly Archives › September 2009

Tilman Röhrig – Caravaggios Geheimnis

caravaggio

In „Caravaggios Geheimnis“ beschreibt Tilman Röhrig das Leben des bekannten italienischen Malers Michelangelo Merisi, der sich später nach seinem Geburtsort Caravaggio nannte. Michelangelo, kurz Michele, entdeckte schon früh seine Leidenschaft für die Kunst des Malens. Nach seiner Ausbildung in Mailand zieht er nach Rom, wo er sich eine Weile mit Arbeit in verschiedenen Werkstätten über Wasser hält. Bis er in Kardinal Del Monte einen Mäzen findet, der die Verbreitung seiner Werke unter den Kirchenobersten unterstützt. Doch Michele bringt sich mit seinem Jähzorn immer wieder in Bedrängnis, muss Rom nach einem tödlichen Unglück verlassen. In den folgenden Jahren findet er keine Ruhe, immer wieder muss er vor den Folgen seiner Unbeherrschtheit flüchten, um nicht im Kerker zu landen. Wird er je nach Rom zurückkehren dürfen?

Tilman Röhrig hat schon einige historische Romane geschrieben. Wie immer ist auch „Caravaggios Geheimnis“ die gründliche Recherche deutlich anzumerken. Im Vergleich zu „Wir sind das Salz von Florenz“ oder „Riemenschneider“ gefiel mir „Caravaggios Geheimnis“ allerdings nicht ganz so gut. Auf den ersten 200 Seiten hatte mich die Geschichte gar nicht gefesselt. Anschließend wurde es besser, aber sie las sich wesentlich schwerer als andere seiner Romane. Vielleicht lag es zum Teil am Charakter des Michele Caravaggio, der mit seinem extremen Egoismus und seinem Jähzorn ein sehr unsympathischer Hauptdarsteller war.

Faszinierend fand ich die Beschreibungen der Malerei, Caravaggio legte besonderen Wert auf Realismus, wählte als Modelle Menschen von der Straße aus. Deren Gesichter Erfahrungen und gelebtes Leben ausdrückten, was er auch in seinen Bildern einfing. Auch die in einer Nebenhandlung erwähnten Differenzen bezüglich des heliozentrischen Weltbildes, und Micheles vorsichtige Andeutungen von Kritik an der kirchlichen Meinung in seinen Bildern fand ich sehr interessant.

Alles in allem ein interessanter historischer Roman, in dem man viel über die frühbarocke Malerei erfährt. Aber keine leichte Lektüre die sich einfach wegliest, ein wenig Zeit sollte man dem Buch geben.

Fliegender Wechsel

Heute habe ich mal wieder einen Leseabend eingelegt. “Caravaggios Geheimnis” von Tilman Röhrig hatte mich nach 200 Seiten dann doch noch gepackt, die letzten 200 Seiten habe ich gerade eben gelesen.
Nicht ganz unschuldig an dem Lesemarathon war die Nachfolgelektüre. Dazwischen schieben war nicht erlaubt, da ich “Caravaggios Geheimnis” für Vorablesen noch rezensieren muss. Also wurde es ganz schnell beendet, damit ich mich jetzt in aller Ruhe dem nächsten Buch widmen kann, “Lucian” von Isabel Abedi wartet schon. Mit dem mache ich es mir auch gleich wieder im Lesesessel gemütlich.

Markus Heitz liest aus “Drachenkaiser” – hier

Am 24. September stellte Markus Heitz sein neues Buch “Drachenkaiser” im Münchner Planetarium vor.  Die Lesung und anschließende Fragerunde wurde für alle, die nicht nach München kommen konnten, per Live-Stream im Internet übertragen. Wer den Termin gestern verpasst hat, kann sich die Lesung natürlich auch nachträglich anschauen. Zum Beispiel gleich hier.
Bei mir hat sie die Vorfreude auf das Buch noch gesteigert. Es ist zwar seit gestern auch schon käuflich zu erwerben, ich will aber noch ein wenig warten, bis ich die Zeit habe es zu lesen. Auch die Fragerunde war sehr interessant, man erfuhr einiges über die Zwerge und die Albae, auch Ulldart kam mal kurz zur Sprache. Und natürlich auch sein nächstes Projekt, in dem sich Handlungsstränge und Charaktere aus “Ritus”, “Sanctum”, “Kinder des Judas” und “Blutportale” treffen. Doch seht selbst:

ligx.com

David Nicholls – Zwei an einem Tag

ZweieinemTag

Nach ihrer Schulabschlussfeier erwachen Emma und Dexter am 15. Juli im gleichen Bett. Obwohl sie sich zueinander hingezogen fühlen, führen ihre Wege in unterschiedliche Richtungen. Dexter möchte die Welt bereisen, Emma die Welt verändern. Doch ganz verlieren sie sich nie aus den Augen. Während der nächsten zwanzig Jahre erfährt der Leser jeweils am 15. Juli, wo die beiden gerade sind und wie sie zueinander stehen. Man begleitet Dexter auf der Talfahrt seiner Karriere und Emma während der Erfüllung ihrer Träume.

Em und Dex, Dex und Em. Zwei Menschen die scheinbar zusammen gehören, und doch nicht zueinander finden. „Zwei an einem Tag“ ist ein wunderschöner Roman, der einen gefangen nimmt und gar nicht mehr loslässt. Er handelt von der Liebe und großen Gefühlen, aber ohne jemals kitschig zu werden. Man fiebert mit den beiden mit, würde Dexter zwischendurch gerne mal den Kopf waschen und Emma wachrütteln. Das Ende ließ mich sehr nachdenklich zurück.

So gut wurde ich schon lange nicht mehr unterhalten, ein Buch das ich jederzeit gerne weiter empfehlen werde. Perfekt für gemütliche Lesestunden in der dunklen Jahreszeit.

Zähe Lektüre

Nachdem mir “Riemenschneider” von Tilman Röhrig sehr gut gefallen hatte, war die Vorfreude auf sein neues Werk, “Caravaggios Geheimnis” groß. Jetzt lese ich schon seit ein paar Tagen daran, komme aber nicht wirklich voran. Es ist nicht schlecht, daher will ich es auch nicht abbrechen. Aber es fesselt mich auch nicht wirklich und ich bin froh, wenn ich mal wieder ein paar Seiten geschafft habe.

Meine Motivation zum weiterlesen beruht jetzt eher auf der geplanten Folgelektüre. Mit “Drachenkaiser” von Markus Heitz erscheint demnächst die Fortsetzung zu “Mächte des Feuers”. Fantasy in einer ungewöhnlichen Umgebung, nämlich unserer Welt in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit dem kleinen Unterschied, dass es Drachen gibt, die die Welt beherrschen. Vorher muss ich aber “Caravaggios Geheimnis” beenden.

“Wo liest Du?”

Nina war (mal wieder) die Quelle für dieses Stöckchen.  Die meisten ihrer Antworten hätte ich auch einfach übernehmen können, aber das wäre ja langweilig. Also hier meine Antworten auf die Frage “Wo liest Du?”

beim Essen - Immer, das ist meine Hauptlesezeit. Da kann eine Mahlzeit auch mal länger ausfallen.

beim Baden - Nein, ich bade zu selten. Und wenn, hätte ich Angst um mein Buch.

am Örtchen – Niemals, viel zu unbequem.

beim Laufen – Noch nie getestet, aber dafür ist meine Standardstrecke auch zu verkehrsreich.

beim Friseur - Regelmäßig. Ich werde schon gar nicht mehr gefragt, ob ich eine Zeitschrift will. “Du hast ja eh ein Buch dabei!”. Stimmt.

im Wartezimmer - Was soll man da sonst machen?

in der Werbepause - Da ich so gut wie gar nicht mehr fern sehe, fallen auch die Werbepausen weg. Früher kam das schon mal vor.

im Auto (als Beifahrer) – Kann ich zwar, ist aber unhöflich dem Fahrer gegenüber, daher schon lange nicht mehr vorgekommen.

im Park, Freibad, etc. – Sehr gerne, vor allem im Frühjahr zieht es mich bei den ersten Sonnenstrahlen sofort raus. Mit Buch ins Grüne auf meine Lieblingsbank, immer wieder schön.

in der Kassenschlange – Bisher noch nicht, ist aber eigentlich eine gute Idee.

im Bett nach dem Aufwachen - Sonntags gerne, wenn das aktuelle Buch richtig gut ist.

in der Pause (Kino, Theater, etc.) – Da bin ich eigentlich nie alleine.

bevor der Hauptfilm im Kino beginnt – Gleiche Situation wie in der Pause.

in der U-Bahn, Straßenbahn, im Zug – Liebend gerne, daher fahre ich längere Strecken auch lieber mit dem Zug als mit dem Auto.

an der Haltestelle / auf dem Bahnhof – Auch immer wieder gerne genutzte Zeit. Verstehe gar nicht, warum ich meistens die einzige mit Buch in der Hand bin.

im Restaurant oder Café (wenn man alleine ist) – Alleine im Café bin ich eigentlich nie.

unter der Bettdecke mit Taschenlampe (als Kind) - Nein, meine Eltern meinten schon früh, dass ich selbst wissen müsse, wie lange ich lese.

während des Kochens (Kochbuch zählt nicht) - Sehr selten, da muss das Buch schon sehr gut sein.

während eines Besuches (wenn der Gastgeber telefoniert, etc.) - Kommt auf den Gastgeber und die Länge seiner Abwesenheit an. Schon möglich, dass er mich bei der Rückkehr mit Buch vor der Nase vorfindet.

während langer Computerprozesse (Scannen, Booten, etc) – Wenn ich dabei nicht surfen kann, natürlich.

auf der Arbeit / in der Schule – Nein, auch wenn mir das kaum jemand glaubt.

C. J. Sansom – Der Anwalt des Königs

AnwaltKönig

Mathew Shardlake würde sich ja lieber aus der Politik heraus halten. Schließlich ist König Heinrich VIII. nicht für seine Zimperlichkeit bekannt, kommt ihm jemand in die Quere. Sei es auch nur versehentlich. Doch ihm bleibt keine Wahl, er muss nach York reisen und einen ungeliebten Auftrag übernehmen. Schlimm genug, doch er wird zudem auch noch Zeuge eines Mordes und muss kurz darauf selbst um sein Leben bangen.

„Der Anwalt des Königs“ ist ein atmosphärischer Mittelalterkrimi, mit vielen historischen Hintergründen. Zeitweise wurde es etwas zuviel des Guten. Sowohl was die Handlung betrifft, die man sicher um 200 Seiten hätte kürzen können, als auch die Sprache. Wahrscheinlich gehen die Merkwürdigkeiten hier eher auf die Übersetzung zurück. An manchen Stellen wirkt die Sprache übertrieben altmodisch, ab und an wurden auch ganz unpassende Wörter gewählt. So hätte statt „köstliche Gemächer“ sicher „königliche Gemächer“ stehen sollen. Trotz dieser kleineren Fehler vermittelte die Geschichte das mittelalterliche Flair sehr schön. Man konnte sich lebhaft vorstellen, wie unangenehm es war, wochenlang mit dem königlichen Tross quer durch England unterwegs sein zu müssen.

Alles in allem ein unterhaltsamer Krimi, die historischen Fakten oder auch Nichtfakten werden im Anhang ausführlich erläutert. Etwas kürzer hätte er mir besser gefallen, so habe ich ihn in Happen genossen und immer wieder mal ein anderes Buch dazwischen geschoben. Dass mich das wunderschön gestaltete Cover verführt hat, habe ich nicht bereut.

Schon vorbei

“Zwei an einem Tag” von David Nicholls gehört zu den Büchern, von denen man sich wünscht, sie mögen nie zu Ende gehen. Leider habe ich nur noch dreißig Seiten vor mir, die nehme ich nachher mit ins Bett.

Perfektes Timing hat vorablesen.de bewiesen, heute fand sich die Folgelektüre im Briefkasten. Mit “Caravaggios Geheimnis” von Tilman Röhrig geht es ab morgen weiter. Wobei ich nur meiner netten Nachbarschaft und einem gnädigen Wettergott zu verdanken habe, dass ich das Buch wirklich lesen darf. Der scheinbar nicht wirklich motivierte Postbote hat das Päckchen, mal wieder, ca. 5 cm weit in den viel zu schmalen Schlitz des Briefkastens gequetscht. Weiter ging es beim besten Willen nicht mehr rein. Ungefähr 90% hingen also raus. Ein Wunder, dass es niemand mitgenommen hat und es heute doch nicht, wie angekündigt, geregnet hat.

Victor Lodato – Mathilda Savitch

MathildaSavith

Mathildas Schwester kommt ums Leben, wird von einem Mann vor einen Zug gestoßen. Die Familie verzweifelt an der Tat, wer war der Mann und warum tat er es? War sie nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, oder gibt es einen Grund, den niemand kennt? Wie sollen sie damit zu Recht kommen, dass ihre ältere Tochter plötzlich nicht mehr da ist?

Mathilda versucht den Mörder ihrer geliebten Schwester zu finden und ihre Eltern aus der Lethargie zu reißen.

Mathilda hat mich schlicht und ergreifend genervt. Da das gesamte Buch aus ihrer Sicht geschrieben ist, habe ich es nach 125 Seiten aufgegeben. Sie verhält sich weder wie man es von einer zwölfjährigen erwarten kann, noch wie ein Mädchen. Sie agiert wie ein störrischer Junge und provoziert pausenlos ihre Umwelt ohne jegliches Feingefühl. Viel Handlung hatten die ersten 125 Seiten auch nicht zu bieten, mit ihren Nachforschungen kam sie in der Zeit nicht besonders weit, der meiste Platz wurde von schwärmerischen Beschreibungen der verehrten großen Schwester eingenommen. Über die Hintergründe des Unglücks wurde bis hierhin noch nichts klarer.

Die Idee der Handlung an sich gefiel mir, ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Die Umsetzung hat mich dann allerdings enttäuscht. Das Buch kam für mich gar nicht richtig in Fahrt, bis ich aufgab war es eine einzige Länge, deren Ende ich dann doch nicht mehr weiter suchen wollte. Vielleicht habe ich ein großartiges Ende verpasst, vielleicht aber auch nicht.

Aufgegeben

Stephen Frys “Der Sterne Tennisbälle” hatte mich bis vorgestern sehr gut unterhalten. Nur die zu große Neugierde war Schuld, dass ich am Wochenende noch “Juliet, Naked” von Nick Hornby dazwischen gelesen habe. Das mir so gut gefiel, dass ein Sonntag für die Lektüre ausgereicht hat. Vielleicht haben die beiden die Latte etwas zu hoch gelegt.

Eigentlich wollte ich danach mal wieder ein wenig Fantasy lesen, und hatte mir “Die Fürsten des Nordens” von Guy Gavriel Kay vom SUB ausgesucht. Leider strotzt es nur so vor Logikfehlern, an denen vielleicht auch die Übersetzung Schuld trägt. Wenn ich extra betone, dass der Protagonist ohne Schwert und Helm unterwegs ist, da beides neben seinem toten Bruder liegt (schon seltsam, das Schwert war kurz zuvor noch in Benutzung und er nicht mehr bei seinem Bruder), lasse ich ihn nicht auf der folgenden Seite ein Schwert ziehen. Das ist ein Fehler, der tut einfach weh. Oder die Tatsache, dass jemand die Wunde des Gefallenen berührt. Obwohl der von der Axt in den Rücken getroffen wurde (wird zweimal betont) und auf eben diesem gerade liegt. Sowas sollte eigentlich beim Korrektur lesen auffallen, mich springen solche Stellen an. Und nehmen mir den Lesespaß. Da ich zusätzlich auf jeder Seite mindestenz zweimal darauf aufmerksam gemacht werde, wie wichtig die Zahl Drei hier ist (eigentlich hätten sie mich dreimal pro Seite aufmerksam machen müssen) und die Feen nichts anderes tun, als ständig in unglaublicher Geschwindigkeite ihre Haarfarbe zu wechseln, habe ich vorerst aufgegeben.

Hoffentlich unterhält mich “Zwei an einem Tag” von David Nicholls besser. Ein ganz anderes Genre, aber was das betrifft hüpfe ich ja sowieso gerne querbeet durch die Gegend.